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Fragen an uns selber

Verfasst: Mo 6. Okt 2014, 10:58
von ilyadusoleil
Liebe Leute,

hier in dem Forum steht etwas von "Lebensplanung, Standorte". Da ich mir genau die Frage nach dem Standort stelle, möchte ich mich selber etwas "erforschen". Vielleicht hat ja jemand Lust mitzumachen. Und zwar möchte ich mich selbst "überwachen" und stündlich ein paar Fragen beantworten. Meine Hoffnung ist, dass diese, bzw. die tägliche Auswertung mir helfen, mich selber zu verstehen und vielleicht den Standort in meinem Leben besser lokalisieren zu können...... (moin) Denn im Moment schwanke ich zwischen "Ja, ich bin sicher eine Frau und möchte in dieser Sekunde damit beginnen, mein äußeres Ich anzupassen" und "Hä? Ich bin 100% Mann, weiß gar nicht, weshalb ich jemals weibliche Kleidung anhatte". Das letztere übrigens ohne dass ich mich befriedigt hätte. Seit einigen Jahren ist bei mir der sexuelle Teil, der am Anfang meines Crossdressings auf jeden Fall da war, völlig verschwunden.
Das Leben zwischen diesen Extremen führt manchmal, mich selbst erschreckend zu der gedanklichen Aussage "Das ist ein Teufelskreis, ich komme da nie raus, was bringt mir das alles eigentlich, ich werde nie wirklich glücklich sein".

Soviel zur Vorgeschichte. Konkret stelle ich mir vor, dass ich mir aufschreibe, wann ich mich umziehe, also herausfinde, wieviel Zeit ich damit am Tag verbringe. Zusätzlich zu jeder Stunde ein paar Fragen an mich selber, wie z.B.:


1. Welche Kleidung trägst du im Moment? (drei Ausprägungen: komplett w / komplett m / teilweise w/m
Bei w: wie lange schon? ; hast du das Bedürfnis dich wieder umzuziehen? ; hast du das Gefühl, dich nie wieder umziehen zu wollen? ; fühlst du dich wohl im Moment?
bei m: würdest du dich gerne umziehen? ; könntest du dich gerade umziehen?
bei w/m:

Ich möchte nur Fragen haben, die mit ja/nein beantwortet werden können, damit ich daraus einen Wert erstellen kann, der mir auf einer Skala zeigt, wie sehr ich in jeweils diesem Moment w/m war. Zusätzlich werde ich versuchen, ein paar Daten zu erheben, ob ich mit Menschen zusammen bin, was ich tue, etc...

2. wer bist du im Moment?
Möchtest du im Moment lieber eine Frau sein? Wenn es den Knopf gäbe, der dich komplett ändert, würdest du ihn in diesem Moment drücken wollen? Hast du in den letzten drei Stunden Probleme mit deiner männlichen Rolle gehabt? Hat es dir in den letzten drei Stunden einen Stich gegeben, dass du keine Frau bist? (Selten, aber immer öfter bekomme ich so ein Gefühl einer Art Stich oder Schlag in der Bauchgegend, weil ich keine Frau bin).

3. Bist du alleine oder in einer Gruppe?
Bei Gruppe: wärst du gerne ein weibliches Mitglied dieser Gruppe?

Am Ende des Tages können noch folgende Fragen dazu kommen:
4. Einfluss auf das Leben
1. Hast du heute wichtige Dinge nicht erledigt, weil du dich umgezogen hast? Hast du nur rumgehangen und nichts getan, weil deine Gedanken zu stark waren?


Vielleicht hat jemand so etwas schon mal gemacht oder hat noch weitere Ideen für Fragen oder Fragekategorien. Die stündlichen Fragen sollten nicht zu viele sein, damit ich sie auch ggf. schnell im Kopf durchgehen und später aufschreiben kann.

Ich würd mich freuen, wenn ihr weitere Ideen habt oder mir schreibt, was ihr davon haltet :)

LG Sophie

Re: Fragen an uns selber

Verfasst: Mo 6. Okt 2014, 11:41
von Kerstin
Hallo Sophie
Interessante Sache die du da vorhast. Was du auch machen könntest, damit habe ich vorkurzem angefangen, so eine Art Lebenslauf schreiben unter dem Aspekt deiner Weiblichkeit.


LG Kerstin

Re: Fragen an uns selber

Verfasst: Mo 6. Okt 2014, 12:44
von Lina
Saari hat geschrieben:Ich sehe in Deinem Fragenkomplex eine gewise Unsicherheit. ...


Natürlich ist da eine gewisse Unsicherheit - gerade deswegen gibt es die Fragen.



Ich finde die Idee super gut - ich habe zu einem späteren Zeitpunkt noch ein paar Anregungen.

Re: Fragen an uns selber

Verfasst: Mo 6. Okt 2014, 14:24
von Anke
Hallo Sophie,

das ist ein interessantes Vorhaben, dass Du da planst. Ich bin natürlich auf deine Erfahrungen und Ergebnisse gespannt.

Ich würde noch eine (oder mehrere) Fragen einbauen, die deine Gefühlslage dokumentieren. Zum Beispiel:

Bist Du entspannt?
Bist Du glücklich?
Fühlst Du dich selbstsicher?
etc.

Die Fragen stündlich zu beantworten finde ich sehr ehrgeizig. Ich würde eher auf einen zweistündigen Rhythmus gehen und zusätzlich die Zeitpunkte unmittelbar vor und nach dem Umziehen dazu nehmen.

Liebe Grüße

Anke

Re: Fragen an uns selber

Verfasst: Mo 6. Okt 2014, 18:36
von nicole.f
Hallo!
Spannende Frage(n), in der Tat. Ich glaube ich würde auch eher in Richtung von Anke tendieren, also weg von Äußerlichkeiten und vor allem weg von den Klamotten. Das ist alles nur Ausdruck von etwas.
Viel wichtiger ist in der Tat die Frage, wann bist Du glücklich? Was macht Dich glücklich?
Solange man noch nicht 100%ig zu sich stehen kann, ist man natürlich mit alle dem verunsichert, weshalb die frage nach Selbstsicherheit eigentlich erst zu beantworten ist, wenn man soweit ist und sich selbst gefunden hat?

Ich kann von mir sagen, dass ich genau diese Fragen auch lange Jahre hatte - ein ewiges Hin und Her, Auf und Ab. Für mich war der Hauptgrund dafür, dass ich mir meinerselbst einfach nicht sicher war. Es fühlte sich halt doch immer alles etwas moralisch falsch und verboten an, weshalb ich es selbst nicht zuließ, selbst offen darüber nachzudenken. Ich dachte nur entlang des "normalen". Das das, was ich da fühlte, auch "normal" sein kann, war ein längerer Lernprozess. Als der Punkt dann aber langsam erreicht war, wurde auf einmal auch viel klarer, was mich glücklich macht und was mich nicht glücklich macht - und natürlich auch Dinge, die mir egal sind und waren. Darüber habe ich dann eine Weile gebrütet und dann einen Strich unter diese Rechnung gemacht und die Punkte "gezählt", schon fast objektiv.

Was dabei heraus kam war eben etwas, was viel weiblicher als männlich ist. Ich bin und werde nie "Frau" sein. Schon alleine der Begriff ist mir heute, nach der langen Zeit der kritischen Beschäftigung damit nicht mehr eindeutig zu definieren. Ich sehe mich selbst also nicht als "Frau", denn in vielem widerspreche ich dem klassischen Bild. Doch ich weiß recht sicher, dass ich auch nicht dem durchschnittlichen "Mann" entspreche, nichteinmal dem nicht-durchschnittlichen, sondern vielmehr dem, was man wohl in unseren Breiten als Frau bezeichnen würde. Das zumindest macht es mir etwas leichter, damit umzugehen. Ich weiß, dass ich Defizite habe und versuche diese auch nicht zu leugnen. Ich habe auch diese Vergangenheit als Mann und möchte damit auch offen umgehen. Doch jetzt lebe ich eben die andere Seite und bin damit dann deutlich glücklicher, entspannter und selbstsicherer. Doch das war etwas, was erst passierte, als ich mir meiner Sache sicher war.

Liebe Grüße
nicole

Re: Fragen an uns selber

Verfasst: Di 7. Okt 2014, 12:45
von Andrea aus Sachsen
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Hallo Sophie,
deine Sache macht für mich beinahe einen professionellen Eindruck. Nur, hast du auch die nötige Sachkenntnis, um aus den Ergebnissen deiner Erhebung die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen?
Mich würde genauso interessieren, was bei mir dabei herauskäme, wüsste selbst aber nicht, was ich aus einem bis auf die Nachkommastelle genau aufgeschlüsselten Tagesablauf entnehmen sollte.
In diesem Zusammenhang erscheint mir eine stündliche Auswertung übertrieben. Reicht da nicht einmal täglich aus? Sollte das erstgenannte aber doch sinnvoll sein, bekäme ich sicher mit Pkt. 4 deiner Liste noch mehr Probleme, als ich ohnehin schon habe.
Um das noch etwas genauer zu erklären: Seit ich mich mit der Trans*-Problematik näher beschäftige, bleibt leider manches andere (beruflich und privat) liegen, weil ich mich nicht mehr so auf andere Dinge konzentrieren kann wie früher. Darüber würde ich mich gern mal mit anderen, denen es ähnlich ergeht, austauschen. Wenn es hier nicht recht hin passt, gern auch in einem anderen Thread oder per PN.

Re: Fragen an uns selber

Verfasst: Di 7. Okt 2014, 18:08
von Lina
OK, jetzt sage ich warum die Idee gut ist: Wenn man Klienten coacht - die neue Projekte oder Änderungen im Leben erwägen, macht man auch so was Ähnliches und es funktioniert gut. Manche nennen es en "Wertecheck" - man listet auf, was durch die Erriechung eines festgelegten Ziels voraussichtlich erreicht wird an Wirkungen und Nebenwirkungen. Das bringt Klarheit darüber, was man wirklich will - und ob man es wirklich will.

Dein System, Sophie, kann wahrscheinlich deine Haltung zu so viele verschiedene Zeitpunkten feststellen, dass du einen Überblick über deinen "Durchschnittszustand" oder "Durchschnittshaltung" über eine längere zeit bekommst. Das ist eine super Idee, denn man fühlt sich nicht ständig im gleichen Maß weder männlicher oder weiblicher. Das ist vielleicht ähnlich wie mit sexuellen Gefühle. Periodenweise kann man sich stärker sich zu Frauen hingezogen fühlen, dann wieder eine weile eher zu Männern. Wie Wellenbewegungen - bei Bisexuellen ist das eher üblich als unüblich. Ich glaube nicht, dass jemand erklären kann warum es so ist.