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Na, was denn nun?

Verfasst: Di 16. Sep 2014, 17:19
von exuser-2014-11-07
Hm.....?

Der Hermaphrodit?
Die Hermaphroditin?
Das Hermaphrodit?

Na, was denn nun?

Der Begriff dürfte bekannt sei, obskure Gedankengänge hierzu ebenfalls, angereichert mit Fantasien, aufgefüllt mit Idealisierungen oder einfach nur verabscheut.
Nun, heutzutage ist der Begriff nicht mehr ganz so geläufig, man spricht eher von der Intersexualität (obgleich auch das so nicht ganz stimmt).
Aber auf all das möchte ich gar nicht eingehen, möchte keine Begriffsbestimmung betreiben, sondern ich möchte vielmehr ein wenig allgemein in der Kultur und in der Historie herum kramen. Und all das in allgemeinen, verständlichen Worten.
(Auf die Tier/Pflanzenwelt, in der diese Form zum Teil ein bestimmtes Entwicklungsstadium darstellt, gehe ich nicht ein, auf die medizinischen Aspekte ebenfalls nicht).

Wo beginnt man?
Am Anfang natürlich, aber auch das ist nicht so einfach.
Aber welcher Anfang?
Der westlich-abendländische Kulturkreis würde (die Wissenschaft einmal ausgeklammert) bei unser aller Ur-Eltern, Adam und Eva beginnen. Paradiesische Zustände, aber nicht jeder Kulturkreis sieht darin seinen Beginn.
(Falls es interessiert: Ich habe mal einen Fachaufsatz über die Schöpfungsmythen der Kulturen geschrieben. Den Aufsatz stelle ich gern zur Verfügung. Aber ich schweife ab.)

Bleiben wir also bei Adam und Eva.
Wenn man diesen Gedanken als real annimmt- Gedankenkonstrukte bedürfen einer Basis — so sieht man zugleich dies:
Wenn das die angenommenen Eltern waren, so sind wir allesamt miteinander verwandt. Geschwister in den unterschiedlichsten Formen, gleichsam ein Organismus in individueller Ausbildung. Und diesen Gedanken noch weiter gesponnen, so ergibt sich das wir alle Teile des Anderen in uns tragen, Moleküle von uns im Anderen zu finden sind und das endet nicht beim Homo Sapiens.
Meine Atemluft vermischt sich mit dem Wind, ein anderer Mensch atmet den Hauch ein und unmerkliche Teile des Ich gehen in das andere Ich über. Nicht nur in den Menschen, sondern auch in das Tier, in jedwede Lebensform. Wir sind unterschiedlich, verschieden in der Form und dem Empfinden, aber dennoch sind wir Eins. Leben.

Zurück zum Thema:
Das Christentum — (Adam und Eva erwähnte ich anfangs, obgleich nicht nur im Christentum zu finden) ging strikt von der Schöpfungsgeschichte aus.
Es gab nur den Mann und die Frau etwas anders wurde nicht toleriert. Durfte es gar nicht geben.
Aber"¦. (Und das ist des Forschers liebstes Wort)"¦man las nur das was man lesen wollte. Doch mit jeder Schrift ist es auch eine Auslegungssache.
Ich zitiere Genesis 1/27:
(...)" Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie."(...)
Hieraus kann man durchaus eine Doppelgeschlechtlichkeit lesen, denn es wird unterschieden zwischen "Ihm" (Der ein Abbild war) und "Ihr" die beide Merkmale in sich trug.
Ähnliche Ansätze sind im Talmud zu finden.
Verwunderlich ist es nicht denn die Einflüsse unterschiedlicher Kulturen brachten sich in den Ur-Schmelztiegel — von der Levante bis zum Indus - ein. Ein Gedankengemisch entstand, Ansichten überschnitten sich und glichen einander an.

Der Begriff "Hermaphrodit" selbst stammt aus der griechischen Mythologie, abgeleitet von den Göttern Hermes und Aphrodite.
Genauer:
Hermaphroditos (auch Aphroditos) ist der Sohn der vorgenannten, der sich mit der Nymphe Salmakis verband, vereinte und zu einem zweigeschlechtlichen Wesen wurde, umgangssprachlich als "Zwitter" bezeichnet.
Sprachkulturell wurde der Hermaphrodit in den verschiedenen Kulturellen - in teils unterschiedlicher Form — übernommen.
Während sich das Abendland (besonders dieses) noch bis in die Neuzeit sträubte von dem Denken Mann-Frau abzuweichen, sahen es andere Kulturkreise differenzierter.
Im arabischen Gebiet als Chanit bezeichnet, Hijras im Bereich des indischen Subkontinentes, als Kathoei in Südostasien, war die gesellschaftliche Stellung nicht mit denen in Europa zu vergleichen.
Die Natives Amerikas (gemeinhin als "Indianer" bezeichnet) nannten sie "Niizh Manidoowag", was in etwa aussagt, dass in der Person zwei Geister leben, wobei der Geist als Empfindung zu sehen ist. Dort war die gesellschaftliche Stellung oftmals erhöht, oft als Heiler oder Schamane eingebunden und zugleich das Bindeglied zu den Geistern oder den Göttern.

Der blinde Seher Teiresias (Griechische Mythologie) lebte als Mann und als Frau, im Buddhistmus/Hinduismus sind Gottheiten bekannt, die eben nicht einem Geschlecht zuzuordnen sind.
"Guanyin" ist eine Frau, die aus dem Mann Bodhisattva Avalokiteshvara" (Bedeutung in etwa: "Höre den Schrei der Welt"), Göttlichkeit des Mitgefühls, erwuchs; in Japan unter dem Namen "Kannon" verehrt.

Aber bleiben wir zum Abschluss noch einmal in unserem Bereich.
In Preußen stand es jedem Hermaphroditen (abgesichert durch das Preußische Landrecht) frei, sich nach dem 18. Lebensjahr für ein Geschlecht zu entscheiden, wobei die bis dahin geltende Bestimmung durch die Eltern aufgehoben wurde.
Durch die Entwicklung in der moderneren Medizin (so ungefähr um 1850) glaubte man durch Eingriffe Korrekturen vornehmen zu können, wobei die Mediziner das Geschlecht bestimmten. Der Hermaphrodit hatte kein Mitspracherecht.

Und so stehen wir wieder am Anfang...
Der Hermaphrodit?
Die Hermaphroditin?
Das Hermaphrodit?

Alles falsch!
Der Mensch in seiner Vielfalt.
Sonst gar nichts.