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"...die Sicherheit (m)einer Geschlechtsidentität".

Verfasst: Di 2. Sep 2014, 09:54
von Anne-Mette
Moin,

dieStandard.at hat mal wieder einen lesenswerten Artikel (finde ich):

Fremdbezeichnet, fremdbestimmt

http://diestandard.at/2000005007372/Fre ... mdbestimmt
Wenn die Fremdbezeichnung "Frau" gezielt abwertend verwendet wird
Das erleben viele von "uns" im täglichen Miteinander umgekehrt, werden als MANN bezeichnet, obwohl sie sehr viel Mühe in ihr Passing gesteckt haben....

Allerdings will ich nicht klein reden, dass eine abwertende Geschlechtsbezeichnung eher auf Frauen angewendet wird.

Gruß
Anne-Mette

Re: "...die Sicherheit (m)einer Geschlechtsidentität".

Verfasst: Di 2. Sep 2014, 12:12
von Marielle
Hallo, Guten Tag,

Mike schreibt echt mit Herz und Verstand. Zu diesem Beitrag von ihm habe ich aber eine etwas andere Sicht. Nicht das es nicht stimmt was er schreibt, aber m.E. fehlt da ein Betrachtungswinkel.

" .... Das Ganze funktioniert natürlich nur, weil Weiblichkeit an sich einen geringeren Stellenwert besitzt als Männlichkeit. Somit ist die versuchte Abwertung eines Mannes dadurch, dass ihm Weiblichkeit zugeschrieben wird, eigentlich auf feminitätsfeindlichen Sexismus zurückzuführen."

Die Sache hat aus meiner Sicht noch einen weiteren Aspekt, der, im Bezug auf das 'abwertende Individuum', ein Stück weit der These von der "privilegierten und recht gesicherten Position" widerspricht.

Nach meinem Verständnis beruht die 'gesicherte Position' für die Menschen selbst oft nicht auf einer wirklich eigenen Wahrnehmung, einer aktiven Selbstkonstruktion, sondern auf der Übernahme eines Funktionsmusters. Die 'Privilegierung' ergibt sich zwar tatsächlich, nämlich daraus, dass kaum jemand dieses 'geklaute' Funktionsmuster in Frage stellt, die (Selbst-)'Sicherheit' der Position ist aber nicht immer gegeben.

Manchmal kann man beobachten, dass, sobald diese Sicherheit durch die Erscheinung anderer auch nur gering in Frage gestellt wird, die Menschen aus ihrer 'gesicherten Position' ganz schnell in eine Abwehrreaktion übergehen; was ja nicht grade für eine Sicherheit betr. die eigene Person und Position spricht.

Natürlich funktioniert das 'in Frage stellen' umso besser, je weniger stabil die Konstruktion des Gegenübers ist. Ein gutes Beispiel sind die 'Lederjungs vom Kiez' (ein anderes Beispiel erspare ich uns), die angesichts eines crossdressenden Menschen mit sichtbaren 'männlich' Attributen'*, der mit gradem Rücken und womoglich in 'gemischter' Begleitung an ihnen vorbeigeht, umgehend auf Abwehr schalten. Grade diese 'Hypermachos', die sooo stark und soooo männlich sind, die so tun als sei ihre Selbstkonstruktion aus Stahl und Beton, werden durch einfachste Infragstellungen, die sie auch schlicht 'übersehen' könnten, aus der Ruhe gebracht.

In wie weit das auch auf den italienischen Gastgeber des Bloggers zutrifft .... keine Ahnung. Aber ich finde es für mich sehr wichtig, auch diesen Aspekt zu Berücksichtigen. Grade dann, wenn wiedermal jemand meint, meine Selbstkonstruktion kommentieren zu müssen und grade auch gegenüber 'Normalen', die zwar glauben sie seien sicher, es aber auch nicht immer wirklich sind. Möglicherweise hatten sie nur noch nie Kontakt zu 'Ausserirdischen', die ihnen mal einen Spiegel vorhalten :wink:


Habt es gut


Marielle



*) nein, nicht was ihr jetzt denkt :wink:

Re: "...die Sicherheit (m)einer Geschlechtsidentität".

Verfasst: Di 2. Sep 2014, 16:25
von exuserIn-2014-09-26
Oh Marielle, das funktioniert tatsächlich so. Vor einigen Wochen, sprach mich im Supermarkt mal ein anscheinend leicht alkoholiserter Mann mit den Worten "Alter, bist du ein Mann?" an. Um nicht den ganzen Laden zu belustigen, bin ich dann zu ihm hin, und sagte ihm, das er sich um mich keine Sorgen machen müsse und er sich um sich sorgen solle, ob er ein Mann sei. Bäm, das sass. Er schaute mir noch etwas ungläubig, grübelnd, hinterher und ich hatte meine Ruhe. ;)

LG
Franziska

Re: "...die Sicherheit (m)einer Geschlechtsidentität".

Verfasst: Di 2. Sep 2014, 16:50
von ab08
Hallo, herzlichen Dank, liebe Anne-Mette,

ich finde, der Artikel beschreibt ausgezeichnet, welchen Situationen wir bisweilen ausgesetzt sind.
Aus meiner Sicht kommt gut rüber, welche Gefühle solche, im Grunde unmöglichen *) Verhaltensweisen bei uns auslösen.
Dass unsere Betroffenheit und Reaktion, dann oft auf Unverständnis trifft, verschärft die Sache.
Zum Glück begegnete mir Vergleichbares in den letzten Jahren sehr selten, aber es kam vor.

Nochmals herzlichen Dank für diesen realistischen, guten Artikel!!
Liebe Grüße
ab

*) Manchen Menschen fehlen halt die Umgangsformen. Es fehlt halt der bisweilen nötige Takt...
bzw. böse formuliert: Ein Hund bellt, eine Katze miaut, ein Pferd wiehert und der arme Mensch kann sich eben nur taktlos verhalten...

Re: "...die Sicherheit (m)einer Geschlechtsidentität".

Verfasst: Di 2. Sep 2014, 16:53
von Magdalena
Hallo in die Runde,

erst mal Danke für den Link. Mein letzter Urlaub ist noch nicht so lange her. Im Hotel hatte ich die Buchung als Mann durchgeführt, aber mitgeteilt, ich werde im Frauenmodus erscheinen. Sicher das Hotel hat Erfahrungen mit CD und TS als Gäste. An der Rezeption wurde ich gefragt, wie ich angesprochen werden möchte. Im Frauenmodus war es für mich klar, natürlich als Frau. So gab es keine schrägen Blicke oder negative Bemerkungen. :)

LG Magdalena