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Wo stehe ich im Leben und wie kann ich mich mehr "öffnen"

Verfasst: Mi 6. Aug 2014, 00:23
von Awake
Hallo alle zusammen,

Ich versuche mal meine Vorstellung hier mit einfließen zu lassen, da mein bisheriger Lebensweg ja zwangsläufig zu dem Punkt führte an dem ich jetzt bin.

Seit ich denken kann wusste ich, dass ich nicht normal bin (ja ich weiß, dass das sehr cliché-haft klingt war aber so :) ).
Klar als Kind kann man das nicht wirklich einordnen, aber spätestens mit beginn der Pubertät wusste ich was los war.

Ich bin kein Junge.

Aber was tun? Ich hatte zu viel Angst davor mit jemandem darüber zu reden, wollte aber unbedingt die Symptome der männlichen Pubertät vermeiden, schlau wie ich war habe ich mehr oder weniger aufgehört richtig zu essen (wo keine Kalorien sind können sich auch keine blöden Muskeln bilden). Da ich schon immer sehr dünn war ist das auch nicht wirklich groß aufgefallen. Das ganze zog sich dann nach dem Muster die nächsten Jahre fort, phasenweise war ich wirklich am Ende, ich hab mich nicht jeden Tag gewogen und meiner Meinung nach hatte ich auch keine Essstörung da ich ja nicht zwanghaft dünn sein wollte sonder nur meinen persönlichen Kampf gegen die Pubertät geführt hab. Aber irgendwann hab selbst ich kapiert das irgendwas mächtig schief läuft. Eines Abends bin ich mehr oder weniger auf der Toilette in einer Disco zusammengebrochen (dabei mag ich eigentlich nicht wirklich Discos, aber ich wollte ja nicht auffallen und möglichst nahe an der Norm bleiben), klar war da auch Alkohol mit dabei aber am nächsten Tag habe ich mich damals gefühlt seit Ewigkeiten wieder gewogen und war dann doch leicht schockiert über das was ich da sah.

Irgendwie ging aber auch diese Phase wieder rum, ich hab wieder halbwegs regelmäßig gegessen und das Abi war auch rum. Ich dachte zu diesem Zeitpunkt, dass ich das ganze irgendwie ignorieren könnte, dass wenn es nur genug will ich mich dagegen stemmen kann. Schließlich will ich ja nicht meine Familie enttäuschen.

Schmarrn, natürlich ging das nicht gut. Ich wurde müde, antriebslos und konnte nicht mehr wirklich irgendwas empfinden. Und dann eines Abends war ich an dem Punkt angelangt an dem ich entweder mein Leben selbst in die Hand nehme oder vom Dach springe. Und da letzteres ja doch endgültig ist dachte ich "okay versuch es einfach, was hast du zu verlieren? dein super tolles Leben? :roll: falls es schief geht bleibt ja immer noch Option Nr. 2"

Ich erspare euch jetzt einfach mal das meiste was zwischenzeitlich passiert ist und komme zur Gegenwart.

Letzen Herbst ging es dann los mit dem Studium, zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits ein paar Monate Östrogen genommen (an dieser Stelle sei gesagt, dass mittlerweile alles unter ärztlicher Kontrolle passiert und ich auch in den paar Monaten regelmäßig beim Hausarzt ein Blutbild habe machen lassen). Da ich nie und nimmer geglaubt habe, dass ich auch nur irgendwie als Mädchen wahrgenommen werden könnte und ich generell extrem schüchtern bin, bin ich als Junge an die Uni gegangen. D.h. weiter Pulli, Hose und meine alte Jacke. Aber irgendwie hat das nicht so wirklich funktioniert, die meisten waren doch irgendwie verwirrt wer oder was ich denn nun war, dumm gelaufen. Mittlerweile gebe ich zu, dass es ziemlich offensichtlich ist und ich auch eigentlich als Mädchen lebe, trotz allem fällt es mir unglaublich schwer z.B. mit meiner Kleidung ein statement abzugeben "schaut her 100% Mädchen" meistens bin ich also doch im T-Shirt(oft auch noch alte Sachen) und Hose unterwegs. Ich weiß nicht woran das liegt, vielleicht daran, dass ich mit mir selbst absolut unzufrieden bin (Ich finde mich nicht schön, und ja ich weiß, dass man sich generell nicht perfekt findet, aber das ist "mehr"). Dabei würde ich doch eigentlich gerne mehr wagen.

Ich weiß einfach nicht wie ich weiter "vorgehen" soll, ich habe einfach Angst. Und da hilft es auch nicht, dass Freunde/Familie etc einem bei jeder Gelegenheit sagen, dass das unangebracht sei, da man ja eigentlich gut aussehen würde. Ich denke dann halt meistens "klar würde ich auch einem Freund sagen".

Ich würde einfach gerne diese Angst und Schüchternheit ablegen und offener sein. Vielleicht habt ihr ja ein paar Ideen wie ich das anpacken könnte.

Puh, irgendwie ist das jetzt mehr oder weniger so herausgesprudelt. Sorry dass das ganze nicht wirklich strukturiert ist, aber ich denke einfach das Schreiben ansich hat schon ein bisschen geholfen.

LG
Awake

Re: Wo stehe ich im Leben und wie kann ich mich mehr "öffnen

Verfasst: Mi 6. Aug 2014, 08:37
von Dwt-Lilo-SL
Moin Awake,
sei hier begrüßt in diesen Forum.
Deiner Geschichte zu folgen ist dein Leben ein Auf-u.Ab , aber du hast dich für einen Weg des Lebens entschieden.
Ich hoffe du findest hier viele Ansprechpartnerinnen die ähnliches erlebt haben .
Ich bin da leider die falsche, da ich nur Crossdresserin bin.
Aber ich glaube dein Schreiben hat dir auch schon geholfen, warte mal ab, es werden sich bestimmt noch einige mehr in den nächsten Tagen melden.
Ich drücke dir die Daumen für deinen weiteren Lebensweg!!
Dir Licht und Liebe und ganz lieben Gruß von der Lilo aus des Landesteil Schleswig!!!

Re: Wo stehe ich im Leben und wie kann ich mich mehr "öffnen

Verfasst: Mi 6. Aug 2014, 16:31
von exuserIn-2014-09-26
Hey Awake,

ich würde dir raten eine Trans-Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Wo eine in deine Nähe ist findet du z.B. hier:
http://hormonmaedchen.de/informationen/ ... index.html

LG
Franziska

Re: Wo stehe ich im Leben und wie kann ich mich mehr "öffnen

Verfasst: Mi 6. Aug 2014, 23:19
von Awake
Danke für die Antworten,

SHG ich weiß nicht so recht, ganz ehrlich ich habe mir das schon des öfteren überlegt einfach mal ausprobieren. Als das ganze angefangen hat habe ich bewusst nach Anlaufstellen gesucht, leider war es dann teilweise so, dass manche der Personen die ich kennengelernt habe so verbittert waren, dass es mich selber runtergezogen hat und das war mir dann zu viel. Vielleicht sollte ich dem ganzen aber eine zweite Chance geben.

LG
Awake

Re: Wo stehe ich im Leben und wie kann ich mich mehr "öffnen

Verfasst: Do 7. Aug 2014, 00:29
von Inga
Hallo, Awake,

erst einmal ein Herzliches Willkommen hier in der Runde.
Schau dich um und lies dich durch. Da wirst du manche Anregung finden.

Schön, dass du gleich deine Geschichte mitgeteilt hast. So wie du sagst, bist du eben anders als die andern. Und es ist eben nicht einfach, sich selbst zu entdecken, zu sich selbst zu kommen, sich selbst zu erkennen und dann sich selbst zu leben. Doch wichtig ist, dass du nicht allein vor dich hin sinnierst, sondern auch Leute findest, mit denen du auch ab und an über dich reden kannst, dich verstehen und dir nachfühlen können. Da mag die eine Selbsthilfegruppe wenig passend gewesen sein. (vielleicht hatten die auch nur eine schlechten Tag). Dann probier doch eine andere Gruppe aus oder verbinde eine Reise in einer anderen Stadt mit einem Besuch bei einer weiter entfernte Gruppe. Mit der Erfahrung aus der Hamburger Gruppe im KISS (eigentlich eine Crossdresser-Gruppe) kann ich dir sagen: Manche zehren von solch einem Besuch noch Monate später davon! Allein aus dem Gefühl, nicht allein zu sein, andere getroffen zu haben, miteinander gesprochen zu haben.

Wie auch immer, habe viele gute Stunden hier im Forum.

Liebe Grüße
Inga
)))(: