Die Lipstick„Lady aus Norddeutschland stellt sich vor
Verfasst: Fr 13. Jun 2014, 00:41
Hallo zusammen,
ich (54) bin neu hier und möchte mich vorstellen. Wie jede von Euch habe ich meine ganz eigene Geschichte, die ich hier kurz erzählen möchte.
Im Alter von etwa 15 - ich war allein im Haus - fiel mein Blick beim abendlichen Zähneputzen auf die vielen Lippenstifte meiner Mutter, die auf der Ablage vor dem Spiegel standen. Mich überkam plötzlich ein verwegener Gedanke: Wie würdest du damit wohl aussehen? Und probierte den erstbesten aus. Der Cyclamen-Farbton mit reichlich Glimmer war einfach traumhaft! Es sah wirklich gut aus. Fortan nutzte ich öfter die Gelegenheit, wenn meine Eltern unterwegs waren, was oft vorkam.
Auch wenn meine Experimente nicht entdeckt wurden, es kam bald der Wunsch nach einem eigenen Lipppenstift auf. Auf einer Klassenfahrt nach München in einem großen Kaufhaus, wo mich garantiert niemand kannte, realisierte ich diesen Wunsch dann. Es war ein tiefdunkles Weinrot mit reichlich Glimmer von CHICOGO (später in RIMMEL aufgegangen). So eine Farbe stand bei uns zu Hause nicht herum. Der Kauf war auch überraschend "problemlos" gewesen. Die Frau an der Kasse hatte keine Miene verzogen. Wieder zuhause angekommen kaufte ich mir einen knallroten. Beiden Farben bin ich bis heute treu geblieben.
Die Pubertät brachte für mich wenig später schlimme Akne. Als es auch nach Jahren nicht besser wurde, und all die jungen Damen, in die ich mich bis dahin verliebt hatte, nicht das geringste Interesse an mir gezeigt hatten, traf ich wieder eine richtungsweisende Entscheidung: Ich ging in eines dieser (damals neuen) Douglas-Geschäfte und fragte nach einem "Make up", also einer Foundation. Die liebenswürdige junge Frau fragte dann gleich zurück, ob das für mich oder meine Freundin sein soll. Nach einmal Durchatmen sagte ich: "Für mich". Daraufhin wurde ich sehr fachkundig beraten und verließ den Laden mit einer sehr gut deckenden Foundation für die ölige Haut. Zuhause angekommen probierte ich die gleich aus und war wieder so überwältigt wie damals beim ersten Lippenstiftversuch. Von nun war mir auch klar, daß man es als Frau in unserer Gesellschaft in vieler Hinsicht besser hat.
Natürlich blieb meine kosmetische Verbesserung im Freundeskreis nicht unbemerkt. Man schrieb die frühen 80iger Jahre, und das Verständnis dafür war sehr übersichtlich. Es war ein Art "Shitstorm", was ich da erlebte, wenn auch noch ohne Internet. Aber ich ging damals selten einem Streit aus dem Weg, und entschloß mich zum Jetzt-erst-recht. Mein Bekanntenkreis änderte sich dadurch, und ich bin bis heute dankbar dafür.
Es blieb natürlich nicht bei der Foundation. Nach kurzer Zeit hatte ich Puder, Rouge, Kajal und Wimpertusche. Dann meldete sich meine Liebe zum Lippenstift wieder. Um es nicht zu übertreiben, kaufte ich mir von ESTEÉ LAUDER den "Roselit Beige", eine ganz natürliche Farbe die kaum auffiel. Trotzdem hat es jeder gemerkt. Aber es sah einfach toll aus. Meine Mutter - künstlerisch sehr begabt - hat mich darin unterstützt. Sehr zum Ärger meines Vaters. Aber der hatte sowieso nichts zu sagen. Im Laufe der Zeit wurden meine Farben kräftiger, und es wurde für mich immer selbstverständlicher, ein perfektes Make up zu tragen. Ein absoluter Höhepunkt war 1997 die Visagistenausbildung bei Ulrike Schütze (Hamburger Schule für Gesichtsgestaltung). Leider gab es aber auch immer wieder Phasen, wo ich aufgrund berufsbedingter Wechsel erstmal eine Weile verzichten mußte.
Erst in den letzten Jahren habe ich Perücken und Frauenkleider ausprobiert. Meine Begeisterung dafür nimmt ständig zu. Das hat auch ein bißchen damit zu tun, daß die Männlichkeit in unserer Gesellschaft immer weiter abgewertet wird. Aber das macht es andererseits ja auch wieder leichter, die eigene, weibliche Seite auszuleben. Frauen, die ihre männliche Seite ausleben, habe ich jedenfalls in diesem Leben reichlich kennengelernt.
Heute lebe ich im Norden Deutschlands und bin im Alltag immer geschminkt. Zu passenden Gelegenheiten auch mit Rock und Pumps. Ich bin mit einer lieben Frau verheiratet, die meine Leidenschaft akzeptiert, wenn auch manchmal mit leisem Stöhnen. Besonders wenn mich andere Frauen spontan anhimmeln, was immer öfter vorkommt.
Eure Lipstick-Lady
ich (54) bin neu hier und möchte mich vorstellen. Wie jede von Euch habe ich meine ganz eigene Geschichte, die ich hier kurz erzählen möchte.
Im Alter von etwa 15 - ich war allein im Haus - fiel mein Blick beim abendlichen Zähneputzen auf die vielen Lippenstifte meiner Mutter, die auf der Ablage vor dem Spiegel standen. Mich überkam plötzlich ein verwegener Gedanke: Wie würdest du damit wohl aussehen? Und probierte den erstbesten aus. Der Cyclamen-Farbton mit reichlich Glimmer war einfach traumhaft! Es sah wirklich gut aus. Fortan nutzte ich öfter die Gelegenheit, wenn meine Eltern unterwegs waren, was oft vorkam.
Auch wenn meine Experimente nicht entdeckt wurden, es kam bald der Wunsch nach einem eigenen Lipppenstift auf. Auf einer Klassenfahrt nach München in einem großen Kaufhaus, wo mich garantiert niemand kannte, realisierte ich diesen Wunsch dann. Es war ein tiefdunkles Weinrot mit reichlich Glimmer von CHICOGO (später in RIMMEL aufgegangen). So eine Farbe stand bei uns zu Hause nicht herum. Der Kauf war auch überraschend "problemlos" gewesen. Die Frau an der Kasse hatte keine Miene verzogen. Wieder zuhause angekommen kaufte ich mir einen knallroten. Beiden Farben bin ich bis heute treu geblieben.
Die Pubertät brachte für mich wenig später schlimme Akne. Als es auch nach Jahren nicht besser wurde, und all die jungen Damen, in die ich mich bis dahin verliebt hatte, nicht das geringste Interesse an mir gezeigt hatten, traf ich wieder eine richtungsweisende Entscheidung: Ich ging in eines dieser (damals neuen) Douglas-Geschäfte und fragte nach einem "Make up", also einer Foundation. Die liebenswürdige junge Frau fragte dann gleich zurück, ob das für mich oder meine Freundin sein soll. Nach einmal Durchatmen sagte ich: "Für mich". Daraufhin wurde ich sehr fachkundig beraten und verließ den Laden mit einer sehr gut deckenden Foundation für die ölige Haut. Zuhause angekommen probierte ich die gleich aus und war wieder so überwältigt wie damals beim ersten Lippenstiftversuch. Von nun war mir auch klar, daß man es als Frau in unserer Gesellschaft in vieler Hinsicht besser hat.
Natürlich blieb meine kosmetische Verbesserung im Freundeskreis nicht unbemerkt. Man schrieb die frühen 80iger Jahre, und das Verständnis dafür war sehr übersichtlich. Es war ein Art "Shitstorm", was ich da erlebte, wenn auch noch ohne Internet. Aber ich ging damals selten einem Streit aus dem Weg, und entschloß mich zum Jetzt-erst-recht. Mein Bekanntenkreis änderte sich dadurch, und ich bin bis heute dankbar dafür.
Es blieb natürlich nicht bei der Foundation. Nach kurzer Zeit hatte ich Puder, Rouge, Kajal und Wimpertusche. Dann meldete sich meine Liebe zum Lippenstift wieder. Um es nicht zu übertreiben, kaufte ich mir von ESTEÉ LAUDER den "Roselit Beige", eine ganz natürliche Farbe die kaum auffiel. Trotzdem hat es jeder gemerkt. Aber es sah einfach toll aus. Meine Mutter - künstlerisch sehr begabt - hat mich darin unterstützt. Sehr zum Ärger meines Vaters. Aber der hatte sowieso nichts zu sagen. Im Laufe der Zeit wurden meine Farben kräftiger, und es wurde für mich immer selbstverständlicher, ein perfektes Make up zu tragen. Ein absoluter Höhepunkt war 1997 die Visagistenausbildung bei Ulrike Schütze (Hamburger Schule für Gesichtsgestaltung). Leider gab es aber auch immer wieder Phasen, wo ich aufgrund berufsbedingter Wechsel erstmal eine Weile verzichten mußte.
Erst in den letzten Jahren habe ich Perücken und Frauenkleider ausprobiert. Meine Begeisterung dafür nimmt ständig zu. Das hat auch ein bißchen damit zu tun, daß die Männlichkeit in unserer Gesellschaft immer weiter abgewertet wird. Aber das macht es andererseits ja auch wieder leichter, die eigene, weibliche Seite auszuleben. Frauen, die ihre männliche Seite ausleben, habe ich jedenfalls in diesem Leben reichlich kennengelernt.
Heute lebe ich im Norden Deutschlands und bin im Alltag immer geschminkt. Zu passenden Gelegenheiten auch mit Rock und Pumps. Ich bin mit einer lieben Frau verheiratet, die meine Leidenschaft akzeptiert, wenn auch manchmal mit leisem Stöhnen. Besonders wenn mich andere Frauen spontan anhimmeln, was immer öfter vorkommt.
Eure Lipstick-Lady