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Insbruck: Menschenrechte auch für Zwitter!

Verfasst: Sa 3. Mai 2014, 20:34
von Anne-Mette
Zwischengeschlecht.org
Menschenrechte auch für Zwitter!

Liebe Freund_innen der Zwitterbewegung

Inters*x-Genitalverstümmelungen (IGMs), d.h. kosmetische "Korrektur-Operationen" und Kastrationen an Kindern mit "atypischen Genitalien", werden in westlichen Kinderkliniken seit 1950 systematisch durchgeführt.

KinderurologInnen sind besonders hartnäckige VerfechterInnen dieser menschenrechtswidrigen Eingriffe, und in Österreich ist die Medizinische Universität Innsbruck samt angegliederten Kinderkliniken ein besonders berüchtigtes Zentrum.

Passend dazu lädt die Uni Innsbruck Anfang Mai 2014 zum 25. Jubiläums-Kongress der "Europäischen Gesellschaft für Kinderurologie (ESPU)". Ethische und menschenrechtliche Aspekte oder gar Stimmen Betroffener sind dabei traditionsgemäß NICHT vorgesehen.
Wir wollen bei diesen täglichen Genitalverstümmelungen vor unserer Haustüre nicht mehr länger zusehen!
Die Internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org wird in Innsbruck über diese menschenrechtswidrigen Praktiken informieren.
Und vor dem Kongress mit lokaler Unterstützung friedlich protestieren — gegen die GenitalabschneiderInnen sowie gegen die Untätigkeit von Politik und Justiz bei diesem fortdauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit!
2 INFOVERANSTALTUNGEN Di 6.5. + Mi 7.5.

Di 6.5. 20:00h INFO @ Cafe DeCentral
"Inters*x-Genitalverstümmelungen & Gewaltfreier Widerstand — Geschichte & Gegenwart"
mit Markus Bauer und Daniela Truffer (Zwischengeschlecht.org)
Hallerstraße 1, 6020 Innsbruck

Mi 7.5. 20:00h INFO @ HOSI Tirol
"Inters*x-Genitalverstümmelungen als Menschenrechtsverletzung — Chancen und Stolpersteine der LGBTI-Solidarität"
mit Markus Bauer und Daniela Truffer (Zwischengeschlecht.org)
Kapuzinergasse 43, 6020 Innsbruck
6 FRIEDLICHE PROTESTE + OFFENE BRIEFE Mi 7.5. — Sa 10.5.

Anlässlich des "25th Anniversary Congress of the European Society of Paediatric Urology (ESPU)"

Protest #1: Mi 7.5. 12:00-19:15
Congress & Messe Innsbruck, Rennweg 3, 6020 Innsbruck, Haupteingang

Protest #2: Do 8.5. 08:00-10:30
Congress & Messe Innsbruck, Rennweg 3, 6020 Innsbruck, Haupteingang
Protest #3: Do 8.5. 11:00-13:00
Medizinische Universität Innsbruck, Innrain 52 / Christoph-Probst-Platz, 6020 Innsbruck, Haupteingang
Protest #4: Do 8.5. 13:00-17:00
Universität Innsbruck, Hauptgebäude, Innrain 52, 6020 Innsbruck, Haupteingang

Protest #5: Fr 9.5. 07:00-18:00
Congress & Messe Innsbruck, Rennweg 3, 6020 Innsbruck, Haupteingang

Protest #6: Sa 10.5. 07:45-14:45
Congress & Messe Innsbruck, Rennweg 3, 6020 Innsbruck, Haupteingang

Dank an alle, die das Recht auf körperliche Unversehrtheit auch für Inters*x-Kinder aktiv unterstützen! Wir sehn uns, wo die Action ist!

Die internationale Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche.

Daniela "Nella" Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

Mobile +41 (0) 76 398 06 50
presse@zwischengeschlecht.info

http://zwischengeschlecht.org
Regelmäßige Updates: http://zwischengeschlecht.info

Re: Insbruck: Menschenrechte auch für Zwitter!

Verfasst: So 4. Mai 2014, 09:12
von ab08
Ganz herzlichen Dank, liebe Anne-Mette, (flo)

wir sollten Mut machen, mehr bleibt leider nicht. Zwischengeschlecht macht weiter und gibt zum Glück nicht auf.
Auch wenn seine Arbeit bisweilen an Don Quijote in seinem "Kampf gegen die Windmühlen" erinnert.
Geld und Karrieren sind eben wichtiger als Gesundheit und verletzte Menschenrechte der Opfer.

Liebe Grüße
ab

Re: Insbruck: Menschenrechte auch für Zwitter!

Verfasst: Mi 7. Mai 2014, 20:09
von Anne-Mette
Es sind weitere Informationen hinzugekommen, die einer Presse-Mitteilung entnommen wurden.
Weiterhin steht ein 88-Seitiges pdf-Dokument mit dem Titel "Intersex Genital Mutilations
Human Rights Violations Of Children
With Variations Of Sex Anatomy" zum Downlaod bereit: http://intersex.shadowreport.org/public ... IGM_v2.pdf


Ein heute von der Menschenrechts-NGO Zwischengeschlecht.org beim UN-Kinderrechtsausschuss eingereichter Thematischer Bericht dokumentiert Menschenrechtsverbrechen an Inters*x-Kindern u.a. in Deutschland — von den 17 häufigsten Formen von Inters*x-Genitalverstümmelungen (IGMs) einschließlich Klitoristeilamputationen und Kastrationen bis zum systematischen Belügen von Eltern, Betroffenen und Öffentlichkeit — inkl. Beispielen aus Hamburg, Hannover, Krefeld, Lübeck, Berlin, Halle (S. 18, 78, 80).

Ein historischer Überblick weist nach, wie Deutsche Mediziner vorangingen mit der Einführung und Verteidigung von kosmetischen Klitorisamputationen an Inters*x-Kindern (S. 49-50), ebenso mit Grundlagenforschungen zur späteren Einführung systematischer IGMs (S. 51-52), und wie Deutsche Endokrinologen der 1960er- und 1970er-Jahre medizinisch nicht notwendige Klitoristotalamputationen unbeirrbar verteidigten als angeblich "harmlos" und "garantiert ohne Beeinträchtigung der Orgasmusfähigkeit", darunter Jürgen Bierich (Hamburg/Tübingen) und Hans Martin Wisseler (Hamburg) (S. 57-58).

Und wie Deutsche Rassenhygieniker und spätere NS-Größen — auf den Fersen ihrer Österreichischen Kollegen — den Begriff "Inters*x" in der Humanmedizin verbreiteten, und so den medizinischen Diskurs von Inters*x als "gestört", "entartet" und "minderwertig" bis heute mitprägen, darunter Fritz Lenz (München, Göttingen), Hans Christian Naujoks (Marburg, Köln, Frankfurt a.M.), Otto Flößner (Berlin), Walter Stoeckel (Berlin, Marburg, Leipzig) und Carl Bennholdt-Thomsen (Köln) (S. 52-53, 84).

Der UN-Sonderberichterstatter über Folter Juan E. Méndez und der Europarat verurteilten 2013 IGMs als gravierende Menschenrechtsverletzungen und fordern gesetzgeberische Maßnahmen. Deutschland wurde 2009 vom UN-Frauenrechtsausschuss wegen IGMs kritisiert, und 2011 vom UN-Ausschuss gegen Folter aufgefordert, kosmetische Genitaloperationen und Kastrationen an Inters*x-Kindern aufzuarbeiten und Opfer angemessen zu entschädigen.

Der UN-Behindertenrechtsausschuss forderte im April 2014 Deutschland auf, bis spätestens am 25. Juli Statistiken zu Inters*x-Genitalverstümmelungen und Zwangskastrationen zur Verfügung zu stellen.

Wie lange werden in Deutschland staatliche Akteure und öffentliche wie private Kinderkliniken die fortdauernden menschenrechtswidrigen Inters*x-Genitalverstümmelungen (IGMs) noch folgenlos ausblenden resp. weiterführen können?


Europäische KinderurologInnen 2014 in Innsbruck — inkl. Deutschen ChirurgInnen

Diese Woche lädt der stellvertretende Direktor der Universitätsklinik für Urologie sowie Leiter der Station für Kinderurologie der Medizinischen Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Christian Radmayr, zum Jubiläumskongress der Europäischen KinderurologInnen ("25th ESPU 2014"). Wie der heute eingereichte NGO-Bericht ebenfalls belegt, ist Radmayr ein notorischer langjähriger Verteidiger von medizinisch nicht notwendigen Kastrationen und "Genitalkorrekturen" an Inters*x-Kindern (S. 78), ebenso wie die im Kongress-Programm als ExpertInnen gelisteten Ricardo González (Hannover/Berlin/Zürich), (S. 43, 59, 73, 75), Pierre Mouriquand (Bron, Frankreich) (S. 66, 77, 78), John Gearhart (Baltimore) (S. 58), Joao Luiz Pippi Salle (Toronto) (S. 64, 66, 79, 80), Peter Cuckow (London) (S. 66), Berenice Bilharinho de Mendonça (São Paulo), Warren Snodgrass (Dallas), Alaa El-Ghoneimi (Paris), Alexander Springer (Wien), etc.

Ethische und menschenrechtliche Aspekte sowie Stimmen Betroffener sind an der "25th ESPU 2014" traditionsgemäß NICHT vorgesehen.