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Gerichtsbeschluss in Australien „ Geschlecht: unbestimmt
Verfasst: Do 3. Apr 2014, 15:25
von Inga
Stern: Gerichtsbeschluss in Australien Geschlecht: unbestimmt
2. April 2014, 17:28 Uhr
aus
http://www.stern.de/panorama/gerichtsbe ... 00797.html
"In Australien kann neben dem weiblichen und dem männlichen auch ein neutrales Geschlecht rechtswirksam bei den Behörden eingetragen werden. Das beschloss das Oberste Gericht des Landes am Mittwoch und gab damit einem als Mann geborenen und zur Frau umoperierten Menschen namens Norrie Recht. Er fühlt sich keinem der beiden Geschlechter zugehörig. Als Geschlechtsangabe ist demnach "non-specific" (unbestimmt) zulässig. Norrie zeigte sich "überglücklich".
Das Gericht traf seine Entscheidung einstimmig. Es werde anerkannt, "dass ein Mensch weder männlich noch weiblich sein kann", heißt es darin. Um sich nun als Mensch unbestimmten Geschlechts eintragen zu lassen, muss der Betroffene ein ärztliches Gutachten vorlegen.
..... "
Liebe Grüße
Inga
Re: Gerichtsbeschluss in Australien „ Geschlecht: unbestimmt
Verfasst: Do 3. Apr 2014, 16:11
von Inga
Hallo, Claudia,
ob da letztendlich der "stern" in den Formulierungen so political korrekt war? In der taz war die Meldung von der Wortwahl schon ganz anders.
Wie auch immer, ich sehe da schon einen kleinen Fortschritt auf den langen Weg zur gleichwertigen Anerkennung des anderssein.
Mir selber gehjt es ja auch immer öfters so, dass ich irritiert bin, wenn ich mich auf irgendwelchen Formularen bei der Anrede für Frau oder Mann entscheiden soll, und es eigentlich total unwichtig ist und mir mein Name völlig reicht. Wozu da noch Geschlechterangaben aufzwingen?
Daneben finde ich, je länger ich in der Szene bin, dass Menschen in ihrem Gerschlechtsempfinden auch nicht immer statisch sind, sondern sich auch wandeln können.
Lass es mich metaphorisch ausdrücken: Wenn du an einem Fluß bist und dich an dem
Ufer nicht wohl fühlst, du deswegen nach einiger Zeiteit zu dem anderem Ufer schwimmst und dann wiederum nach einiger Zeit feststellt, dass du dich auch dort nicht wohl fühlst, aber dann bei einer Insel mitten im Fluss dein Zuhause findest - warum solltest du dich dann unbedingt für ein Zuhause auf einem der beiden Flussufer entscheiden müssen?
Das Leben kann doch manchmal so viele Seiten haben.
Liebe Grüße
Inga
Re: Gerichtsbeschluss in Australien „ Geschlecht: unbestimmt
Verfasst: Do 3. Apr 2014, 16:53
von Magdalena
Hallo,
ich habe einen ähnlichen Bericht heute in meiner Tageszeitung gelesen. Für mich bleiben dabei einige Frage offen. Wie möchte die Person behandelt werden?
Wie möchte sie wahrgenommen werden? Wie orientiert sie sich hin, wie sieht ihr Gefühlsleben aus? Unsere Gesellschaft ist so eingerichtet., entweder Mann oder Frau. Zumindest steht es im Pass. Ich kann mir schwer vorstellen, schon menschen die zweigeschlechtlich geboren wurden haben es nicht leicht. Sich aber selbst in diese Situation der unklaren Verhältnisse bringen, ist für mich schwer nachvollziebar. Aber vieleicht ist es in Australien, daher stammt der Bericht, der Umgang lockerer als bei uns.
Mit lieben Grüßen
Magdalena
Re: Gerichtsbeschluss in Australien „ Geschlecht: unbestimmt
Verfasst: Do 3. Apr 2014, 16:55
von Inga
Hallo, Claudia,
da hast du wohl die Geschichte von mir nicht so recht verstanden.
Menschen entwickeln sich doch weiter. Nicht alles was ich heute über mich weiss, wurste ich etwa schon als Kind.
Und ja, es gibt auch die Menschen, die eine geschlechtsangleichende OP gemacht haben und danach fanden, dass sie dann genauso wenig im Körper zu Hause sind.
Schön, dass es bei dir mit dem Geschlecht und Körper so eindeutig ist. Doch finde ich, solltest du anderen Menschen die Freiheit lassen, sich da anders zu verstehen.
Liebe Grüße
Inga
Re: Gerichtsbeschluss in Australien „ Geschlecht: unbestimmt
Verfasst: Do 3. Apr 2014, 17:05
von Inga
Magdalena hat geschrieben:Hallo,
ich habe einen ähnlichen Bericht heute in meiner Tageszeitung gelesen. Für mich bleiben dabei einige Frage offen. Wie möchte die Person behandelt werden?
Wie möchte sie wahrgenommen werden? Wie orientiert sie sich hin, wie sieht ihr Gefühlsleben aus? Unsere Gesellschaft ist so eingerichtet., entweder Mann oder Frau. Zumindest steht es im Pass. Ich kann mir schwer vorstellen, schon menschen die zweigeschlechtlich geboren wurden haben es nicht leicht. Sich aber selbst in diese Situation der unklaren Verhältnisse bringen, ist für mich schwer nachvollziebar. Aber vieleicht ist es in Australien, daher stammt der Bericht, der Umgang lockerer als bei uns.
Mit lieben Grüßen
Magdalena
Hallo, Magdalena,
es ist doch in erster Linie eine Frage, wie die Gesellschaft sich öffnet und dazu bereit ist, auch etwas dazwischen und außerhalb zu akzeptieren.
Ja, es steht im Pass. aber der Pass ist nicht die ganze Lebensumwelt, in der wir uns bewegen.
Warum etwa soll es wichtig sein, wenn Fahrkarten online gekauft werden? Warum soll es wichtig sein bei diversen Anträgen und Formularen? Warum denn wichtig bei der Zusendung der Kontoauszüge? Wem eine Geschlechtsorientierte Anrede wichtig ist, soll meinetwegen die Freiheit haben, das auch so anzugeben. Aber wem es nicht wichtig ist, ja wer sich damit kaum identifiziert, warum soll der vom System gezwungen werden, eins von beiden angaben anzugeben? Geht es da nicht auch ohne?
Liebe Grüße
Inga
Re: Gerichtsbeschluss in Australien „ Geschlecht: unbestimmt
Verfasst: Do 3. Apr 2014, 17:16
von Magdalena
Hallo Inga,
ich muss Dir Recht geben. Aber leider ist unsere Gesellschaft so ausgerichtet. Und wir leben nicht auf einer einsamen Insel, in der wir uns nach unseren Vorstellungen einrichten können. Es wird immer Menschen geben, die mit uns nichts anfangen können, leider. Und für diese Menschen ist ihr Schubladendenken ( Mann oder Frau ) ihr ein und alles. Für sie gibt es kein dazwischen.
Mit lieben Grüßen
Magdalena
Re: Gerichtsbeschluss in Australien „ Geschlecht: unbestimmt
Verfasst: Do 3. Apr 2014, 17:31
von Inga
Hi, Magdalena,
Ja, unsere Gesellschaft ist sehr bipolar orientiert. Doch finde ich, dass da so langsam Bewegung hinein kommt, und ich denke, so Kleinigkeiten wie dies australische Grrichtsurteil, wie die Berichterstattung, tragen auch dazu bei, dass man sich hier und da Gedanken maht, wie solche Exoten wie wir unauffällig mitberücksichtigt werden können. Da ist das "Pflichtfeld" zur Anrede in elektronichen Formularen sicherlich auch so ein Betätigungsfeld, wo sich ein Wandel im gesellschaftlichen Denken nach und nach Platz machen kann.
Liebe Grüße
Inga