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Wenn aus dem Paul die Paula wird

Verfasst: Di 25. Feb 2014, 09:24
von Natascha030
Hallo Zusammen,

ich zitiere mal hier einen Beitrag, in der BZ v. 24.02.2014 von Gunnar Schupelius (Mein Ärger) und bitte doch einmal um Eure Meinungen dazu.....




Ich bekam eine neue Orientierungshilfe für Pädagogen in die Hand, herausgegeben von Senatorin Dilek Kolat (47, SPD). Titel: "Für mich bin ich o.k.! Transgeschlechtlichkeit als Thema bei Kindern und Jugendlichen".

Dort heißt es wörtlich: "Geschlecht und Sexualität" seien "keine natürlichen Gegebenheiten". Dann folgt in kompliziertem Soziologen-Deutsch die Feststellung, dass der Mensch zwar mit unterschiedlichen Genitalien zur Welt komme, dass diese Tatsache aber gar keine Aussage über sein Geschlecht machen würde. Ein Kind mit allen Merkmalen eines Jungen kann also durchaus ein Mädchen sein und umgekehrt. "Viele" Kinder und Jugendliche würden deshalb ihr Geschlecht wechseln wollen. Die Umwelt bereite ihnen dabei aber Schwierigkeiten. Da soll der Lehrer einschreiten.

Konkrete Anleitung: Wenn Paul eines Tages erklärt, dass er Paula heißt und sich schminkt, soll der Lehrer ihn sofort mit Paula anreden und dafür sorgen, dass keine Witze gemacht werden.

Wird Paul (jetzt: Paula) versehentlich doch noch einmal mit Paul angeredet, soll sich der Lehrer entschuldigen. Wenn der zur Paula gewandelte Paul nach einiger Zeit aber den Drang verspüren sollte, wieder Paul zu sein, muss das sofort akzeptiert und die Anrede wieder geändert werden.

Der Lehrer soll auch über die Eltern wachen. Wenn sie ihr Kind nicht "nach dessen empfundenem Geschlecht anreden", so sei zu prüfen, "ob eine Gefährdung des Kindeswohls vorliegt".

Ziel sei es, "Transgeschlechtlichkeit nicht als Abweichung von der Norm darzustellen, sondern die Vielfalt der Geschlechter als Ausgangspunkt des eigenen Handelns zu machen".

Die Broschüre der Frau Kolat muss ich ernst nehmen, denn es handelt sich ja um eine offizielle Ansage der Regierung.

Stimmt es aber, dass "viele" Kinder und Jugendliche ihr Geschlecht wechseln wollen? Und wenn ja, ist es dann richtig, dass der Lehrer sie darin bedingungslos bestärkt? Welche psychischen Folgen hat es, wenn Kinder und Jugendliche ihr Geschlecht hin und her wechseln? Gibt es Studien dazu? Und wie soll denn der Lehrer erkennen, ob der Schüler aus einer Laune heraus handelt oder wirklich transsexuell veranlagt ist? Das sind wichtige Fragen. Keine wird im Kolat-Papier gestellt und also auch nicht beantwortet.

In meinen Augen ist diese Orientierungshilfe deshalb überhaupt nicht "o.k.", sie wirkt einseitig, unvollständig, ideologisch überfrachtet und unfreiwillig etwas verrückt. So geht es nicht, Frau Senatorin!



Natürlich habe ich selbst auch eine Meinung dazu; Ich befürchte, dass sich einige wenige (in der Hauptsache Jungs) vielleicht aus Spass einmal in das andere Geschlecht versetzen wollen (sie "dürfen" ja dann vieles bei den Mädchen mitmachen!) und die wirklich Betroffenden auf der Strecke bleiben, ja, sich sogar veräppelt fühlen!

sonnige L.G. aus B ä r-lin, Natascha :-)

Re: Wenn aus dem Paul die Paula wird

Verfasst: Di 25. Feb 2014, 09:46
von Anne-Mette
Moin,

ich habe die Orientierungshilfe noch nicht bekommen; dann erst könnte ich etwas dazu sagen.
Leider sind Orientierungshilfen und pädagogische Pläne in manchen Fällen so weltfremd, dass sie geradezu solche Artikel provozieren. Das soll nicht hießen, dass ich die BZ in Schutz nehmen möchte!
Warten wir erst einmal ab, bis wir das Werk vorliegen haben. Bis dahin sollte man den BZ-Artikel nicht besonders hochkochen.
Ich habe ihn gestern auch gesehen, aber absichtlich nicht hier verlinkt/veröffentlicht.

Gruß
Anne-Mette

Re: Wenn aus dem Paul die Paula wird

Verfasst: Di 25. Feb 2014, 10:15
von ExuserIn-2014-06-30
Ich habe das Teil bereits, aber noch nicht gelesen.
Grundsätzlich ist es aber richtig, dass man Kindern alle Freiheiten lassen und sie voll unterstützen soll, wenn sie ihre Identität wechseln.
Kinder brauchen oft eine ganze Weile, bis sie sich klar sind und auf eine Identität fixieren.
Das wird auch in andere modernen Werken so dokumentiert.

Re: Wenn aus dem Paul die Paula wird

Verfasst: Di 25. Feb 2014, 10:18
von Anne-Mette
Moin,
das Teil
die BZ?
... oder die Orientierungshilfe?

An der Orientiertungshilfe hätte ich großes Interesse. Wäre schön, wenn Du einen Link hast...
... oder Du sie mir per Email zustellst )))(:

Gruß
Anne-Mette

Re: Wenn aus dem Paul die Paula wird

Verfasst: Di 25. Feb 2014, 10:24
von Natascha030
Moin,

ich hätte Dir sehr gern die PDF-Datei gesendet, finde aber keine Möglichkeit, Dir eine Datei als Anhang zu senden, sorry....

Hier der betreffende Link >>>>

www.berlin.de/ imperia/ md/ content/ lb_ads/ gglw/ veroeffentlichungen/ doku33_trans_ki_ju_bf.pdf

Ich hofe, er funktioniert.....

Sonnige Grüsse aus B ä r-lin :-)

Re: Wenn aus dem Paul die Paula wird

Verfasst: Di 25. Feb 2014, 10:32
von Anne-Mette
Moin,

und danke aus dem sonnigen Ringsberg (so)

So muss der Link aussehen:

http://www.berlin.de/imperia/md/content ... _ju_bf.pdf

Gruß
Anne-Mette

Re: Wenn aus dem Paul die Paula wird

Verfasst: Di 25. Feb 2014, 10:35
von Natascha030
Vielen Dank für Deine Mühewaltung und die Amtshilfe :-)))

Re: Wenn aus dem Paul die Paula wird

Verfasst: Di 25. Feb 2014, 12:53
von ab08
Hallo,

persönlich hab ich bei manchen "Experten" - Dr. Timo O. Nieder (ähnlich wie bei der Psychiatrie der Charité in Berlin, die zum Glück nicht auftaucht) doch Bedenken.
Namen, von Personen, die ich sehr schätze (Kati Wiedner) und die zum Glück dabei sind, lese ich da lieber.

Zur Sache selbst, wahrscheinlich liegt es daran, dass ich in Bayern unterrichte.
Jedenfalls halte ich den normalen Umgang (TS als Schuleiter_innen, Kollegen/Kolleginnen) mit der Problematik in dem sensiblen Umfeld, für wirksamer, als Aktionen mit Tamtam. Ähnlich wie eine gut qualifizierte, durchsetzungsfähige türkische M/Ph Kollegin allein durch ihre erfolgreiche Arbeit bereits Vorurteile gegenüber Migranten und Frauen abbaut... :wink: Bundesland und Schulform sind allerdings sicher auch wichtige Faktoren, die zu beachten sind.

Liebe Grüße
ab

Re: Wenn aus dem Paul die Paula wird

Verfasst: Di 25. Feb 2014, 13:03
von Anne-Mette
Moin,

sicherlich ist es schwer, Bemühungen der Schulpolitik anzuerkennen und trotzdem kritisch mit Lehrplänen, Orientierungshilfen usw. umzugehen.
Es wäre schön, wenn so etwas in einem guten Klima ausdiskutiert werden kann, ohne dass man bedingungslos "dafür" sein zu muss, weil die "Dagegen-Fraktion" einfach nur ein "wollen wir nicht" in die Welt ruft, polarisiert und teilweise zum Hass aufruft.

Gut, dass wir nun das Papier vorliegen haben; dann können wir bald mehr in die Tiefe gehen.

Gruß
Anne-Mette

Re: Wenn aus dem Paul die Paula wird

Verfasst: Di 25. Feb 2014, 13:12
von ab08
Danke Anne-Mette,

genau da sehe ich, obwohl ich das Papier grundsätzlich begrüße, das Problem:

Der Artikel der BZ macht es deutlich. In der derzeitigen Roll-back Stimmung (Aktive Evangelikale in BW, Frankreich, Russland ...) muss darauf geachtet werden, dass man nicht unfreiwillig Aktionen des 'gesunden Volksempfindens' hervorruft. Auch Aktionen, die in bester Absicht gemacht wurden, können sich daher letztendlich als kontraproduktiv herausstellen.
Das gilt insbesondere, wenn auch Personen dabei sind, die etwas besondere (rückwärtsgewandte) Vorstellungen haben und daher vielleicht andere Ziele verfolgen...

Liebe Grüße
ab

P.S. Zur Erläuterung meiner Bedenken bzgl. Dr. Timo O. Nieder :
https://www.facebook.com/permalink.php? ... 6186736453

Re: Wenn aus dem Paul die Paula wird

Verfasst: Di 25. Feb 2014, 14:14
von Inga
Hallo, Natascha,

Naja, was nun "viele" ist ist ja relativ. Wenn es aber wirklich die 3 % sind, so sind es bei 10.000 Schülern ungefähr 300 betroffen. Das sind für mein Gefühl schon recht viele, auch wenn es an der Schule bei 200 Schülern nur eine Handvoll Schüler betrifft.
Natascha030 hat geschrieben:
.... und bitte doch einmal um Eure Meinungen dazu.....

Natürlich habe ich selbst auch eine Meinung dazu; Ich befürchte, dass sich einige wenige (in der Hauptsache Jungs) vielleicht aus Spass einmal in das andere Geschlecht versetzen wollen (sie "dürfen" ja dann vieles bei den Mädchen mitmachen!) und die wirklich Betroffenden auf der Strecke bleiben, ja, sich sogar veräppelt fühlen!

sonnige L.G. aus B ä r-lin, Natascha :-)
Meine Meinung ist, dass das Selbstbestimmungsrecht des Schülers Vorrang haben sollte und vom Lehrenden erns genommen werden sollte. Auch dann wenn es vielleicht erst mal ein Jux ist. Dann spiele doch einfach das Spiel mit, was der Junge angefangen haben mag. Wenn es nur Jux ist und er genug hat, dann kehre auch zu dem männlichen Namen zurück. Die Anrde finde ich weniger problematisch, wenn ein Junge aus Jux sih als Mädchen verkleidet. Dann kann ja nachgefragt werden, wie er angeredet werden will. Und will er als Mädchen angeredet werden und sei es aus Jux, dann wird er halt als Mädchen angeredet. Und gut ist.

Schwieriger ist es, wo Mädchen durchaus berechtigt einen "Schutzraum" haben vor Attacken vor anderen, Jungen. Wo im Sportunterricht getrennte Umkleideräume existieren, getrennter unterricht gemacht wird, und auf der Klassenreise getrennte Schlafräume existieren. Da kommt man wohl nicht um pädagogisches Fingerspitzengefühl, eigene Räumlichkeit, evtl. Befreiung und Ersatzunterricht oder so nicht herum. Ähnlich auch zur Nutzung der Toiletten. Und umgekehrt auch, wo Jungens unter sich sein können. Sie sind dann natürlich auch vor zu neugierigen Mädchen zu schützen.

Liebe Grüße
Inga

Re: Wenn aus dem Paul die Paula wird

Verfasst: Di 25. Feb 2014, 14:46
von Natascha030
Hallo Inga,

der zweite Absatz spricht mir voll aus dem Herzen, dieses waren meine Gedanken bei diesem Thema. Danke, dass Du es so gut formulieren konntest! :-)