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Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: So 9. Feb 2014, 20:12
von Katrin70
Hallo zusammen,
eine Frage an Euch, wo ich auf Eure Haltung gespannt bin.

Kurz zu mir: Ich bin Mitte 40, verheiratet und habe zwei Kinder um die 10 Jahre.
Mein Transgender-Lebenslauf ist klassisch (wenn es so etwas gibt), ich "unterdrücke" meinen Wunsch mich als Frau auszudrücken seitdem ich denken kann - solange ich den Unterschied von Geschlechtern kenne. Trotzdem habe ich wie viele versucht den Erwartungen eines Mannes gerecht zu werden und bin glücklich mit meiner aktuellen Lebenssituation - ausser mit meiner geschlechtlichen Situation.

Seit etwa 1 1/2 Jahren habe ich begonnen mich nicht mehr zu verstecken, habe mich im letzten Jahr meiner Frau gegenüber zu meiner Neigung bekannt, besuche seit fast einem Jahr eine Psychologin...etc.

Nun zu meinem Anliegen:
mein sehnlichster Wunsch ist es meine Weiblichkeit in allem auszudrücken (ob und wie weit TS klöre ich gerade ab) und gleichzeitig bremsen mich vor allem zwei Dinge:
1. meine Kinder: ich will sie in so jungen Jahren noch nicht mit meiner gegengeschlechtlichen Seite konfrontieren.
2. meine Angst: mich vollkommen zu outen (Nachbarn, Arbeit) und diese Seite dort zu leben.

Ich weiß, dass viele hier auch positive Erfahrungen gemacht haben mit dem Outing. Ja, aber ich bin deshalb zu einem weiteren Pfad für mich gekommen, zu dem mich Eure Meinung interessiert.

Angenommen ich wollte mich einer Hormonbehandlung unterziehen, wie lange kann man solch eine Entwicklung vor der Öffentlichkeit verbergen und weiterhin den Mann mimen ?

Ich hoffe ich habe mich richtig ausgedrückt: es geht nicht darum für immer in der Defensive zu bleiben Wenn meine Kinder das Alter erreicht haben, wann sie differenzieren können, möchte ich sie einweihen und dann sukzessive auch mein Leben umstellen. Und da wären auch keine Nachbarn und KollegInnen hinderlich. Aber ich möchte nicht noch 5-10 Jahre warten damit zu beginnen, weil sie erst dann soweit sind. Ich möchte lieber schneller beginnen und weiterhin den Mann vorspielen.

Kennt jemand von Euch diese Situation ? Erfahrungen ?

Ach ja, es geht übrigens nicht um das Innenverhältnis zu meiner Frau. Die wäre natürlich einbezogen. (smili)

Freu mich auf Eure Ansichten, Meinungen, Hilfen.

Liebe Grüße

Katrin

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Mo 10. Feb 2014, 00:08
von ExuserIn-2022-05-28
Hallo Katrin,
ich denke, Deine Kinder sind nicht zu jung und was die Nachbarn anbelangt: Ich habe bei meinen Nachbarn bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. Ich denke eine HRT wird sich nicht lange geheim halten lassen, auch besteht die Frage, ob Du ohne Alltagstest -zumindest in der Freizeit - überhaupt eine HRT bekommst. Das kommt da sehr auf den Arzt an.

Ich empfehle Dir hol Dir das Buch " Anne wird Tom Klaus wird Lara" von Udo Rauchfleisch. Er kennt sich sehr gut mit dem Thema TS aus und behandelt in dem Buch das Outing vor Kindern, Verwandten Nachbarn und Kollegen so dass beide "Seiten" viel vom lesen haben.

KG Vhrissiehrissue

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Mo 10. Feb 2014, 02:44
von Julia65
Hallo Katrin,
uff, da steckst du wirklich blöd in der Bedrullie. Nun, eine HRT anzufangen und dennoch weiter den Mann zu miemen, ist doch irgendwie widersprüchlich, oder nicht?
Ich könnte mir vorstellen, dass deine Kinder 10 mal positiver reagieren, als du dir vorgestellt hast. Aber wer weiss das denn schon so genau? Es liesse sich doch sicherlich herausfinden, wie sie überhaupt zu diesem Thema stehen. Z.B. indem du mit ihnen zusammen die nächste STaffel auf RTL2 schaust, (ab 26.2.) wo es um Transgender geht. Fange dabei ein Gespräch an, du wirst herausfinden, wie deine Kinder allgemein dazu stehen. DAs könnte vielleicht schon helfen.

Nachbarn? Kollegen? - Nun, Hallo? Es ist DEIN Leben, dass nun schon zu mehr als 50% vorbei ist. Lebe du dein Leben, nicht das der Nachbarn oder Kollegen, oder ein Leben, das zwar du nicht leben möchtest, aber von dem deine Nachbarn/Kollegen möchten dass du es lebst???? - Eigentlich ein Unding, oder ? :-)

Deine Frau. Sie wäre einbezogen? Wie steht sie dazu? Das nämlich finde ich dann schon nicht ganz so unwichtig, wie z.B. die Meinung von Nachbarn. Denn eine Trennung deswegen wäre, weder für sie, noch für dich und schon gar nicht für deine Kinder gut. Wie steht sie dazu? Würde sie mit dir als Frau zusammenbleiben? Habt ihr darüber mal gesprochen? Denn sie gehört doch zu deinem Leben.

Es ist auf jeden FAll schon mal eine gute Idee, dass du in psychologischer Behandlung bist. Dort kannst du über diese Dinge reden.
Und ich glaube: Wenn du als Frau leben willst, und dir sicher bist, dass du das willst, dann solltest du das auch tun. Deine Familie vor den Kopf stossen wäre sicherlich keine gute Idee. Aber jetzt noch 5 , 10 oder mehr Jahre zu warten, auch nicht. DAher: eine HRT heimlich machen, würde bedeuten, dass sie sicherlich SEHR vor dem Kopf gestossen wären, wenn eines Tages rauskäme, dass du schon seit längerer Zeit in der HRT bist.

Ich sage: Greif es an. Die Sendung im TV. Gespräche mit den Kindern über das Thema. Gespräche mit der Frau... und dann, die HRT, nicht heimlich.

Ja, Angst vor dem Outing haben alle. Und ich weiss: 99% der Ängste sind eigentlich unsinnig. Aber niemand glaubt es, bis man es selber erfahren hat.

Ich drücke dir die Daumen.

LG
Julia

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Mo 10. Feb 2014, 10:07
von ExuserIn-2014-06-30
Eine HRT zu beginnen, wenn du noch nicht zu 100% als Frau lebst ist keine gute Idee.
Die Hormone wirken am besten, wenn du schon vorher vollkommen als Frau lebst und fühlst, innerlich und äußerlich.
Wenn du so richtig angekommen bist, zeigen sich oft schon vor der HRT Symptome, die man eigentlich erst von der HRT erwartet.
Beginnst du dagegen eine HRT zu früh und ohne die passenden Umstände, ist die Wirkung ggf. stark eingeschränkt - und der Verlust lässt sich später nicht nachholen.

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Mo 10. Feb 2014, 11:23
von Vincent
Hi Katrin,
meine Kinder sind zwar noch zu klein um eigene Erfahrung zu haben (1+3), aber was ich in meinem Bekanntenkreis mitbekommen habe, hast Du jetzt gerade noch die Chance deine Kinder einzuweihen, ohne dass es zu großen Dramen und Diskussionen kommt. In der Pubertät kann es extrem schwierig werden, wenn Du als "Vorbild" die eigene Rollen und Geschlechtsfindung durch wenig normgerechtes Verhalten torpedierst.
Dann solltest du lieber gleich warten, bis ihr unter Erwachsenen sprechen könnt.

Bei meinen Bekanten aus dem T* Bereich die ihren Kindern gegenüber vor deren Pubertät offen waren lief alles immer weitgehend problemlos.

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Mo 10. Feb 2014, 14:16
von ChristinaF
Hallo Katrin,

könnte jetzt auch noch meine Meinung dazu sagen. Aber besser als die Aussagen von
"Julia65" und meiner Namensschwester "Chrissie" wären sie auch nicht.
So schließe ich mich diesen Antworten an und sage nur warte nicht zu lange.
Liebe Grüße
Chrissie

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Mo 10. Feb 2014, 17:33
von nicole.f
Hallo!
Tja, hmm..., also ich würde mal wagen zu tippen, dass ist den meisten TS so ergangen. Diese Unsicherheit, Umfeld, Kinder, Ehe-Frau / Partnerin, aber dann doch dieser Drang, sich ausleben zu müssen. Hin und Her, Für und Wider, Ängste vor der Zukunft und einfach allem. Also ich zumindest kenne das von mir sehr gut! Und nein, ich beneide Dich nicht darum und bin nur heil froh, dass das bei mir nun größtenteils ein Ende hat!

Das Dumme ist, man kann Dir an dieser Stelle keinen wirklich guten Rat geben. Nichts kann Dir dabei wirklich helfen und es gibt schon gar kein Rezept, wie man damit fertig würde. Deine Therapeutin ist noch die beste Anlaufstelle - es ist gut, dass Du eine hast und das machst. Sprich mit ihr darüber. Nicht mit der Erwartung einer Lösung, sondern sprich einfach mit ihr. Alleine das wird Dir helfen.

Für den Rest, also die Frage ob Hormone oder nicht, ob weiteres Outing oder nicht, was wohl mit den Kindern würde etc. kann ich eigentlich nur bestätigen, was hier in der Selbsthilfegruppe geflügeltes Wort wurde:

Bist Du unsicher, dann ist der Druck noch nicht groß genug. Und ist er nicht groß genug, dann lass' es!

Ich wollte es auch erst nicht glauben. Ich dachte ich könnte es mit meinem Verstand begreifen, erklären und dann lösen. Den "richtigen" Weg finden und es langsam angehen lassen - ganz anders als alle anderen TS - dieses Entweder / Oder erschien mir völlig banal und plump. Es musste doch auch einen harmloseren Weg geben?
Nein, gibt es nicht.

Wenn Du wirklich TS bist und ganz und gar als Frau fühlst, Dir der Mann an Dir fremd ist und Du wirklich sicher bist, dass es _nur_ noch so weiter gehen kann, dann und _nur_ dann solltest Du es auch tun. Denn dann werden Gedanken über mögliche Auswirkungen in deinem Umfeld sekundär - klar, sie sind da und klar werden sie auch Angst einflößen. Aber Deine Notwendigkeit *Du* zu sein wird so groß werden, dass dies alles hinten anstehen wird. Dann ist der Tag gekommen, dann kannst Du losrennen - und dann aber auch mit Schwung und Macht!

Wenn es dann soweit ist, wirst Du feststellen, wieviel leichter Dir alle diese Entscheidungen dann fallen. Denn eigentlich sind es dann keine mehr. Du hast dann keine Wahl mehr, kein ob oder ob-nicht, sondern nur noch ein "wann" und "wie".

Ich weiß, es ist fast grausam das zu sagen, aber warte ab. Reflektiere Dich selbst. Nimm Dir Zeit, alle Deiner Facetten zu betrachten, welche davon sind unabdingbar, welche optional? Erst wenn die Frau in Dir *deutlich* überwiegt, erst dann solltest Du handeln.

Spiele es zu Ende, was passieren würde, wenn Du jetzt mit Hormonen starten würdest - davon abgesehen, dass vermutlich praktisch keine Krankenkasse und kein Arzt das mitmachen würde. Aber was würde dann passieren? Du würdest dann langsam zu einem immer mehr feminisierten Mann werden!? Irgendwann kommt der Punkt, an dem es sichtbar wird. Dein Gesicht wird sich etwas verändern. Deine Hüfte wird breiter. Und Dir wächst ein Busen. Stell' dir mal vor, Ihr fahrt so zusammen in Urlaub und wollt am Strand liegen. Was bist Du dann? Wie willst Du *dann* und *so* jemandem gegenüber treten? Wie willst Du *das* Deinen Kindern erklären?
Die Vorstellung, diese Veränderungen praktisch ein- und abschalten zu können, halte ich für, tut mir leid, naiv. Irgendwann ist es nicht zu übersehen und dann stehst Du da, halb so halb so. Und nicht nur körperlich. Ich glaube auch, dass es Dir psychisch kein großer Dienst wäre. Es würde es vermutlich nur schlimmer machen! Denn immer wenn Du wieder die große Unsicherheit verspüren wirst, wird Dich dann Dein Körper daran erinnern, dass sich da schon etwas in eine Richtung entwickelt hat, die jetzt nicht mehr so einfach abzulegen ist. Die Krisen könnten dann noch größer ausfallen, als heute.

Bitte verstehe mich nicht falsch! Ich kann bestens nachvollziehen, an welcher Stelle Du Dich gerade befindest. Genau dort war ich auch vor etwa zwei Jahren. Ich hatte genau diese Vorstellung, man könne das ja nur zur persönlichen Befreiung im Privaten machen - warum müssen es gleich alle mitbekommen? Ich habe auch das Netz hinauf und hinunter gesucht, nach Beispielen, wo es vielleicht so gelaufen sein könnte. Es gibt sie nicht, weil es auch keinen Sinn macht. Das wäre das Eintauschen des einen Übels gegen ein anderes - und das andere könnte noch viel schlimmer werden, weil es nicht mehr zu verstecken ist!

Habe Geduld. Entdecke Dich selbst. Die Antworten werden kommen, ganz von alleine. Versprochen!
Und dann spielt es auch keine große Rolle mehr, ob es ein Jahr früher oder später ist.

Sei stark! Halte durch! Wenn die Antworten kommen, dann wird es ganz wunderbar!

Liebe Grüße
nicole

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Mo 10. Feb 2014, 17:55
von Anne-Mette
Moin,

auch ich freue mich immer wieder über eure fundierten und ausführlichen Artikel )))(:

Manchen Aussagen stimme ich allerdings nicht zu - bei allem Respekt:
Wenn Du wirklich TS bist und ganz und gar als Frau fühlst, Dir der Mann an Dir fremd ist und Du wirklich sicher bist, dass es _nur_ noch so weiter gehen kann, dann und _nur_ dann solltest Du es auch tun. Denn dann werden Gedanken über mögliche Auswirkungen in deinem Umfeld sekundär - klar, sie sind da und klar werden sie auch Angst einflößen. Aber Deine Notwendigkeit *Du* zu sein wird so groß werden, dass dies alles hinten anstehen wird. Dann ist der Tag gekommen, dann kannst Du losrennen - und dann aber auch mit Schwung und Macht!
Die Festlegung auf "ganz Fau" und "ganz Mann" kann wiederum zu vielen Verunsicherungen führen, in manchen Fällen sogar zu Depressionen und zu immer weiteren "Optimierungsbemühungen".
Warum sollte man nicht (wenn es tatsächlich so ist), für sich - und auch für Menschen, die einen umgeben, sagen: "Ich bin ein Mensch mit Anteilen beider Geschlechter. Ich habe für mich erkannt, dass ich das weibliche ICH in mir leben möchte."

Nicht nur viele Wissenschaftler haben sich von der dualen Geschlechtsfestlegung fortbewegt - sicherlich mit gutem Grund.
dass es _nur_ noch so weiter gehen kann
Das ist für mich ein falscher Ansatz, weil er wieder mit ZWANG zu tun hat; das kommt mir fast so vor wie damals die "Gewissensprüfungen" bei der Kriegsdienstverweigerung. Ähnliche Gefühle haben viele Menschen bei den Sitzungen bei ihrer Psychologin/ihrem Psychologen. Sie fragen sich: "...darf ich das überhaupt fragen/sagen? Schließlich möchte ich "anerkannt werden", d.h. ich bin auf ein positives Gutachten angewiesen.
Die Festlegung "ganz Frau/ ganz Mann" zwingt viele Betroffene, "ja keine Zweifel zu haben" - und das kann zu Fehlentscheidungen, Ängsten, Depressionen und Minderwertigkeitsgefühlen führen.

Allerdings muss ein Outing - so oder so - gut überlegt werden.
Es kann durchaus sein, dass danach "nichts mehr so ist wie es mal war".

Gruß
Anne-Mette

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Mo 10. Feb 2014, 18:04
von ab08
nicole.b hat geschrieben:Du würdest dann langsam zu einem immer mehr feminisierten Mann werden!?
Hallo Katrin,

"den Mann mimen" geht sehr lange, aber es ist sehr belastend (vgl. Nicole).
Natürlich fällt es auf, aber das männliche Spektrum ist sehr groß, d.h. Dich hält niemand für ne Frau, aber ...
In früheren Zeiten mogelten sich einige TS so um das Problem rum, aber willst Du den Spott wirklich ertragen...
Körperliche Veränderungen (Busen, breite Hüften etc.) bleiben!!

Liebe Grüße
ab

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Mo 10. Feb 2014, 20:11
von nicole.f
Anne-Mette hat geschrieben:Moin,

auch ich freue mich immer wieder über eure fundierten und ausführlichen Artikel )))(:

Manchen Aussagen stimme ich allerdings nicht zu - bei allem Respekt:
Wenn Du wirklich TS bist und ganz und gar als Frau fühlst, Dir der Mann an Dir fremd ist und Du wirklich sicher bist, dass es _nur_ noch so weiter gehen kann, dann und _nur_ dann solltest Du es auch tun. Denn dann werden Gedanken über mögliche Auswirkungen in deinem Umfeld sekundär - klar, sie sind da und klar werden sie auch Angst einflößen. Aber Deine Notwendigkeit *Du* zu sein wird so groß werden, dass dies alles hinten anstehen wird. Dann ist der Tag gekommen, dann kannst Du losrennen - und dann aber auch mit Schwung und Macht!
Die Festlegung auf "ganz Fau" und "ganz Mann" kann wiederum zu vielen Verunsicherungen führen, in manchen Fällen sogar zu Depressionen und zu immer weiteren "Optimierungsbemühungen".
Warum sollte man nicht (wenn es tatsächlich so ist), für sich - und auch für Menschen, die einen umgeben, sagen: "Ich bin ein Mensch mit Anteilen beider Geschlechter. Ich habe für mich erkannt, dass ich das weibliche ICH in mir leben möchte."

Nicht nur viele Wiisenschaftler haben sich von der dualen Geschlechtsfestlegung fortbewegt - sicherlich mit gutem Grund.
Dann ist das vielleicht missverständlich gewesen. Ich dachte es ging um die Frage, ob man trotz oder gerade mit Hormonen, noch genug Mann sein könne?

Das sind für mich konkurrierende Ansätze.

Den einen Ansatz unterstütze ich ja auch voll! Ja, es gibt sicherlich genügend Menschen, die sich mit einem Dazwischen arrangieren können bzw. es ihrer Persönlichkeit entspricht und sie beides leben und leben können. Gar keine Frage und es ist super, wenn man das kann - es erspart einem viele Probleme.

Doch wenn schon jemand Hormone nehmen möchte, die eine sehr eindeutige Richtung vorgeben, dann ist das doch wohl eher nicht mehr die Frage? Hormone und gerade eine Hormon *Ersatz* Therapie hat es doch schon im Namen, dass man hormonell das eine mit dem anderen ersetzt - da ist kein dazwischen? Das ist für mich schon die sehr bewusste Entscheidung, dass der Weg in diese eindeutige Richtung gehen soll? Ein Halb-Mann mit allen männlichen Eigenschaften *plus* gegengeschlechtlicher Hormone? Nein... tut mir leid. Bei allem Verständnis für Intersexualität und allen Zwischenformen, aber der Wunsch nach Hormonen hat nur einen einzigen Zweck, Sinn und Hintergrund.
Anne-Mette hat geschrieben:
dass es _nur_ noch so weiter gehen kann
Das ist für mich ein falscher Ansatz, weil er wieder mit ZWANG zu tun hat; das kommt mir fast so vor wie damals die "Gewissensprüfungen" bei der Kriegsdienstverweigerung. Ähnliche Gefühle haben viele Menschen bei den Sitzungen bei ihrer Psychologin/ihrem Psychologen. Sie fragen sich: "...darf ich das überhaupt fragen/sagen? Schließlich möchte ich "anerkannt werden", d.h. ich bin auf ein positives Gutachten angewiesen.
Die Festlegung "ganz Frau/ ganz Mann" zwingt viele Betroffene, "ja keine Zweifel zu haben" - und das kann zu Fehlentscheidungen, Ängsten, Depressionen und Minderwertigkeitsgefühlen führen.

Allerdings muss ein Outing - so oder so - gut überlegt werden.
Es kann durchaus sein, dass danach "nichts mehr so ist wie es mal war".

Gruß
Anne-Mette
Also wie gesagt, ich war wohl zu unklar - mir ging es nur um die Frage im Thread Titel - Mann trotz HRT.
Und das geht für mich, bei allem Respekt, gar nicht. Da gibt es für mich nur das eine oder das andere - entweder ich bleibe wie ich bin und arrangiere mich damit zwischen den Welten zu leben - was ja viele bravurös bewerkstelligen - oder ich wünsche eine körperliche Angleichung und dann ist aber das Resultat relativ klar, denn da gibt uns die Biologie wenig Spielraum? Werden die Hormone ersetzt und dann mittelfristig, weil es sonst gesundheitsschädlich wird, die Keimdrüsen entfernt, dann ist das Resultat sehr bald sehr eindeutig weiblich? Und das sollte man eben sehr gut überlegen, denn dann bleibt eben nicht mehr die Freiheit mal das eine und mal das andere zu leben. Beides wird dann zunehmend schwerer.
(Und bevor die Aufschreie gleich wieder kommen - nein - eine geschlechtsangleichende OP sehe ich auch nicht als zwingend, egal für wen.)

Mögliche Zwischenstufen sind vollkommen OK! Und ich bin sicherlich die letzte, die jemanden in das binäre Geschlechterschema pressen möchte!
Doch bei dem Wunsch nach Hormonen, finde ich, ist eine Schwelle überschritten. Ich könnte noch verstehen, wenn ein Mann Anti-Androgene wünschen könnte, um eben für sein Leben dazwischen etwas ausgeglichener zu sein. Oder eine Frau Hormone, die ihre typischen weiblichen Eigenschaften etwas bremst oder im Zaum hält (Unterdrücken der Periode etc.). Doch gleich ganz gegengeschlechtlich ersetzen... hmm... nein, sehe ich nicht.

Liebe Grüße
nicole

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Mo 10. Feb 2014, 20:42
von Katrin70
Wow !!!!!
Ganz vielen lieben Dank an Euch alle ! Ich hatte auf etwas Rat gehofft und habe ein wunderbares Wissens- und Erfahrungsspektrum erhalten. Vielen Dank für Eure Beiträge, wirklich klasse !

Was nehme ich mit ?

Zuallererst die Erfahrung, dass es vor allem schwierig ist die exakte Gefühlslage richtig auszudrücken, in die richtigen Worte zu fassen. Der Dialog zwischen Dir, Nicole und Dir, Anne-Mette zeigt den Interpretationsspielraum meiner Frage. Aber beide Beiträge haben mir letztlich geholfen - auch wenn ich noch nicht weiß wie es für mich weiter geht. Anber die Zeit gebe ich mir noch.

"Den Mann zu mimen" läßt natürlich Raum für Interpretation. Nein, ich bin nicht das Muskel-Bart-Tragende Sixpack-Wesen aus der Coke light Werbun. Ich komme eher weich daher, auch mein Typ ist eher weich und verständnisvoll, wenig muskulös, schmale Gesichtszüge (wenn auch immer noch recht "breit" um völlig als Frau (als CD) verwechselt zu werden. In meinem Alltag als Mann komme ich also eher recht unmännlich daher - ausser dass ich 184 groß bin....aber immerhin nur mit Schuhgröße 42.
Wenn ich also auch in Zukunft den Mann mimen möchte geht es sowieso um einen recht weichen Typen, der Abstand zu den klassischen Männerwelten hält: Bier, Fußball, Auto - um mal die Klischees zu bedienen :-) (ich hoffe ich habe jetzt keine Mädels beleidigt, die Bier, Fussball und Autos mögen)

Es ist auch nicht so, dass Katrin noch nicht unterwegs war. In 2013 habe ich mein Outing auch wörtlich genommen. Ich habe mich schrittchenweise nach draußen getraut und habe mich zuletzt in der Damenabteilung von Kaufhof ganz entspannt mit schönen Klamotten eingedeckt, war im Café und es war einfach nur schön (kein Fetisch o.ä.). Ich fühle mich unterwegs sehr wohl auch wenn ein Stück Unsicherheit immer noch dabei ist.

Mein Weg wird vermutlich einmal zum kompletten Wechsel führen, aber der Weg ist das Ziel und da wäre eine hormonelle Umstellung für mich eine Wegmarkierung...

Time will tell.

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Mo 10. Feb 2014, 23:20
von nicole.f
Hallo liebe Katrin!
Katrin70 hat geschrieben:Wow !!!!!
Ganz vielen lieben Dank an Euch alle ! Ich hatte auf etwas Rat gehofft und habe ein wunderbares Wissens- und Erfahrungsspektrum erhalten. Vielen Dank für Eure Beiträge, wirklich klasse !

Was nehme ich mit ?

Zuallererst die Erfahrung, dass es vor allem schwierig ist die exakte Gefühlslage richtig auszudrücken, in die richtigen Worte zu fassen. Der Dialog zwischen Dir, Nicole und Dir, Anne-Mette zeigt den Interpretationsspielraum meiner Frage. Aber beide Beiträge haben mir letztlich geholfen - auch wenn ich noch nicht weiß wie es für mich weiter geht. Anber die Zeit gebe ich mir noch.
Es doch wunderbar und ganz grossartig, wenn Dir das geholfen hat! Das Leben ist nicht schwarz oder weiss. Es gibt nur selten das Richtige oder das Falsche, sondern unendlich viele individuelle Wege. Den eigenen zu finden, ist sehr sehr schwer - ich denke wir alle können davon ein Lied singen (vielleicht sollte mal jemand eines schreiben? Eine Art TG Hymne?). Das schlimmste, was wir in dieser Zeit tun können ist, uns unter Druck zu setzen oder setzen zu lassen.
Daher finde ich es ganz großartig, dass Du Dir selbst die Zeit geben willst, Dich zu entdecken und Antworten kommen zu lassen. Wenn Du es zulässt, werden sie kommen. Du kannst es nicht erzwingen. Es wird von alleine klarer werden, wenn Du dran bleibst - aber da habe ich bei Dir keine Zweifel :)

Ich hoffe meine Antwort zu Anne-Mette machte es etwas klarer - ich wollte ganz sicher nicht in Richtung schwarz/weiss, Frau/Mann Druck ausüben. Auch mir gefällt diese Art nicht. Es muss auch Platz für alles auf dem Regenbogen dazwischen geben. Bei mir hört die Phase der Findung aber eindeutig auf, wenn Hormone ins Spiel kommen. Dann gibt es eigentlich nur ein Ziel, zu dem dies führen kann - weiter als Frau zu leben und leben zu wollen und zu müssen. Auch von Bio-Frauen gibt es unendlich viele verschiedene, von burschikoseren und regelrechten Tomboys bishin zu den Prinzesschen. Aber es sind alles Frauen und mit gegengeschlechtlichen Hormonen wäre der Weg dorthin eingeschlagen und das würde ich eben nur und ausschliesslich dann tun, wenn dies auch Dein Ziel für den Rest Deines Lebens ist.
Katrin70 hat geschrieben: "Den Mann zu mimen" läßt natürlich Raum für Interpretation. Nein, ich bin nicht das Muskel-Bart-Tragende Sixpack-Wesen aus der Coke light Werbun. Ich komme eher weich daher, auch mein Typ ist eher weich und verständnisvoll, wenig muskulös, schmale Gesichtszüge (wenn auch immer noch recht "breit" um völlig als Frau (als CD) verwechselt zu werden. In meinem Alltag als Mann komme ich also eher recht unmännlich daher - ausser dass ich 184 groß bin....aber immerhin nur mit Schuhgröße 42.
Wenn ich also auch in Zukunft den Mann mimen möchte geht es sowieso um einen recht weichen Typen, der Abstand zu den klassischen Männerwelten hält: Bier, Fußball, Auto - um mal die Klischees zu bedienen :-) (ich hoffe ich habe jetzt keine Mädels beleidigt, die Bier, Fussball und Autos mögen)

Es ist auch nicht so, dass Katrin noch nicht unterwegs war. In 2013 habe ich mein Outing auch wörtlich genommen. Ich habe mich schrittchenweise nach draußen getraut und habe mich zuletzt in der Damenabteilung von Kaufhof ganz entspannt mit schönen Klamotten eingedeckt, war im Café und es war einfach nur schön (kein Fetisch o.ä.). Ich fühle mich unterwegs sehr wohl auch wenn ein Stück Unsicherheit immer noch dabei ist.

Mein Weg wird vermutlich einmal zum kompletten Wechsel führen, aber der Weg ist das Ziel und da wäre eine hormonelle Umstellung für mich eine Wegmarkierung...

Time will tell.
Das klingt alles sehr gesund! Geh es langsam an und dann hast Du schon halb gewonnen. "Wegmarkierungen" brauchst Du keine. Wenn es soweit ist wirst Du wissen, was richtig und wichtig ist. Von dem was ich von Dir lese glaube ich, dass es für Hormone noch zu früh ist. Da sind noch Zweifel, gerade wegen des Umfeldes. Wenn es kommt, dann werden diese marginal und dann wird alles richtig sein und sich richtig anfühlen.

Bis dahin kannst auch schon andere Dinge tun, die Dir helfen werden, Deine Weiblichkeit zu fördern. Was macht zum Beispiel Dein Bart und Bartschatten? Du könntest schonmal eine Epilation beginnen - Frau hat gerne ein zartes und weiches Gesicht, ohne Stoppeln und ohne dieses fiese Grau. Wie wäre es mit Haare wachsen lassen? Das _dauert_ und würde auch mit Hormonen nur unwesentlich schneller. Je eher Du jetzt damit anfängst, desto eher kannst Du Dich auch mit Frisuren austoben :) Und Haare kann man im Zweifelsfall wieder schneiden... Oder sind es gerade die Haare, die Dich zu Hormonen treiben? Männlicher Haarausfall? Geheimratsecken und Hinterkopf? Dann frage Deinen Hausarzt oder Dermatologen, ob dies hormonell bedingt sein kann und lass' Dir ggf. Finasterid verschreiben. Gefällt Dir Ohrschmuck? Wie wäre es mit Ohrlöchern - beidseitig?

Es gibt soviel, was Frau noch lange vor Hormonen tun kann, um sich selbst zu verwirklichen und sich selbst zu entdecken.

Ich wünsche Dir von Herzen viel Erfolg und vor allem viel viel Freude dabei!

Liebe Grüße
nicole

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Di 11. Feb 2014, 14:47
von ChristinaF
nicole.b hat geschrieben:
Es gibt soviel, was Frau noch lange vor Hormonen tun kann, um sich selbst zu verwirklichen und sich selbst zu entdecken.

Liebe Grüße
nicole
Den Satz unterschreibe ich gern. (he) Genauso ist's zur Zeit bei mir. Wegen einer, hoffentlich jetzt ausgestandenen Krankheit, kann ich derzeit keine HRT anfangen. So nutzte ich die Zeit damit mein Frausein zu vervollkommnen.
LG
Chrissie

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Do 13. Feb 2014, 21:13
von Katrin70
So, nun hatte ich etwas Zeit über die Ansichten nachzudenken. Ich habe zwei kleine Kinder und ICH würde sie eben jetzt noch nicht mit so einem komplexen Thema konfrontieren wollen. Das heißt nicht, dass ich nicht daran glaube, dass sie es akzeptieren würden. Ich bin einfach der Überzeugung sie sind noch zu jung. Und zwar weniger wegen unserer Familie, sondern wegen der Reaktionen aus unserem, aus ihrem Umfeld. Da müssen sie dann vielleicht Dinge aushalten, die eigentlich meine Konflikte wären. Das will ich noch nicht. Wenn sie größer sind können sie anders damit umgehen.
Trotzdem gibt es den Druck von innen und es ist schon immer da, seitdem ich Geschlechter wahrnehme. Ich kann und will es auch nicht länger wegdrücken.
Und ich suche eben nach einer Möglichkeit beidem gerecht zu werden und einen anderen Weg zu finden.

Ich weiß und bewundere, dass viele das mit ihren Kindern anders hinbekommen. Aber das muss eben jedes Mädel selbst rausfinden, was sie ihren Kleinen zumuten will. Meine Familie ist eben nachwievor mein Lebensmittelpunkt und das sol so bleiben, auch wenn ich mich auch nicht mehr länger so komplett verstecken kann und will.

Re: Wie lange den Mann simulieren ? Trotz HRT !

Verfasst: Do 13. Feb 2014, 21:59
von Caira
Katrin70 hat geschrieben:
Angenommen ich wollte mich einer Hormonbehandlung unterziehen, wie lange kann man solch eine Entwicklung vor der Öffentlichkeit verbergen und weiterhin den Mann mimen ?
Naja, wenn Du wie ca. 80% der TS keinen richtigen Busen bekommst, dann kannst Du das sehr lange machen bzw. auch ein Leben lang. Wenn man die Haare entsprechend kurz hält, dann sollte das gehen. Sich als Mann erkennen zu gehen - das geht immer, auch mit HRT.