TS „ Outing Strategie?
Verfasst: Di 28. Jan 2014, 16:23
Hallo Ihr Lieben!
Jetzt habe ich auch mal ein Problem und könnte da gut einen Rat gebrauchen...
Ich hole mal kurz ein wenig aus...
Das letzte halbe Jahr war ganz schön aufregend und hat durch ein paar Ereignisse zu Tage gefördert, was ich eigentlich schon seit 30 Jahren weiß, nur nicht gewagt habe, es zuzulassen. Das hat unter anderem dazu geführt, dass ich endlich mal ein paar Dinge angegangen bin, bspw. zu einem Psychologen zu gehen. Die intensive Beschäftigung mit mir, dem Thema und den Versuchen es dem Psychologen zu erklären hat zunächst zur eigenen Gewissheit geführt, dass ich transsexuell bin - schon alleine es in dieser Offenheit auszusprechen, war lange eine Überwindung. Anfang letzter Woche bekam ich dies dann von dem Psychologen (Prof. für klinische Psychologie und hier in der Gegend einer von zweien, die für die Begleitung von TS bekannt und renommiert sind) bestätigt - er sähe das auch so, ich sei damit sehr gefestigt, meine Schilderungen machten Sinn und seien alles andere als untypisch etc. Er würde mich also von nun an mit allem unterstützen, was ich auf dem Weg bräuchte - Gutachten etc. Bis er F64.0G unterschreiben könne, wolle er das noch zur Sicherung ein paar Monate beobachten, hätte da aber keine Zweifel.
Das das so schnell ging, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hatte eher damit gerechnet, noch etwas mehr Zeit zu haben. Ja sicherlich, ich habe soviel ich möchte, aber ich möchte andererseits auch diese ganze Transitionsphase nicht unnötig lange hin ziehen.
Langer Rede kurzer Sinn, jetzt wo mir ein "Fachmann" (und andere) auch nochmal bestätigte, was ich selbst ja im Prinzip wusste, wird es Zeit, Dritte einzuweihen, um beginnen zu können, dies auch offen zu leben. Spätestens zur Alltagserprobung müssen es ja dann alle in meinem Umfeld wissen. Sprich, das große Outing beginnt.
Ich hatte gestern ein längeres Gespräch in der SHG darüber, was mich wieder stark bzgl. meines Outing-Plans verunsichert hat.
Eigentlich hatte ich die Hacker-Methode vor - ich bin nunmal ein Hacker und Geek (also eher eine der "Häcksen"
Die meisten meiner Freunde und Bekannte, denen ich so im Alltag begegne, sind Mitglieder im lokalen Hackspace. Man trifft sich da und es gibt auch regelmäßig Vortragveranstaltungen. Mein Plan war eigentlich, dort einen Vortrag zu machen und gezielt alle mir wichtigen Personen dorthin einzuladen. Thema des Talks "Hacking Gender". Die Idee dazu kam mir eigentlich auf einer längeren Autofahrt mit einem Kollegen, der es schon weiß. Völlig verständlicherweise sagte er, dass er sich das überhaupt nicht vorstellen könne. Ganz klar - wie sollte er auch und er kann froh sein, dass er das auch nicht muss. Aber ich wollte es ihm etwas verständlicher machen, also habe ich ihn gefragt, warum er denn sicher sei, ein Mann zu sein - und konnte in der folgenden Stunde praktisch alles was er sagte zumindest so zweifelhaft werden lassen, dass er zwar immernoch von seiner Geschlechtsidentität überzeugt war (puh!), nun aber ein wenig eine Idee davon hatte, warum es nicht so eindeutig sein kann, wie man es gerne annimmt.
Dies soll den Rahmen bilden und damit möchte ich dann auf mich überleiten, meine Situation und welche Veränderungen sich da demnächst ergeben können und werden. Damit wüssten dann (fast) alle mir wichtigen Personen mit einem Schlag bescheid. Und da wir dort, also im Hackspace, auch schon diverse Diskussionen um Gender-Neutralität etc. hatten, ist das Thema auch nicht völlig daneben. Zudem ist Transsexualität ein riesiger Hack
!
Der nächste freie Talk Slot ist Ende Mai, also noch etwas Zeit.
Jetzt kamen wir in der SHG darauf zu sprechen und es kamen zwei kritische Gedanken auf.
Erstens könnten sich gerade etwas engere Bekannte/Freunde vielleicht etwas zurückgesetzt fühlen, weil ich es ihnen nicht persönlich vorher gesagt habe und ich sie also damit mit dieser großen Gruppe auf eine (niedrigere) Stufe stelle.
Also ich kann den Einwand nachvollziehen, teile diese Bedenken allerdings nicht.
Was würdet Ihr sagen? Sollte ich lieber ein paar vorher persönlich ins Vertrauen ziehen? Ich sollte vielleicht auch dazu sagen, dass ich eigentlich keine wirklich engen Freunde hier habe. Sehr gute Bekannte und langjährige Partner im Geschäft eher.
Der andere Einwand war, dass der ganze Talk vielleicht zuviel sein könnte. Das ich mir die ganze Erklärung sparen sollte und lieber einfach nur sagen wie es ist und dann persönliche Gespräche anbieten. Das Gesprächsangebot war ohnehin klar. Aber irgendwie möchte ich schon ein bisschen Erklärung liefern, damit man ansatzweise verstehen kann, dass Geschlechtsidentität lange nicht so selbstverständlich ist, wie man allgemein meint.
Keine gute Idee? Was meint Ihr?
Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir hierzu einen oder zwei Tipps geben könntet.
Vielleicht könnte ja auch jemand mal von ihrem Vorgehen berichten und was man im Nachhinein betrachtet vielleicht hätte besser machen können?
Liebe Grüße & vielen Dank!
nicole
Jetzt habe ich auch mal ein Problem und könnte da gut einen Rat gebrauchen...
Ich hole mal kurz ein wenig aus...
Das letzte halbe Jahr war ganz schön aufregend und hat durch ein paar Ereignisse zu Tage gefördert, was ich eigentlich schon seit 30 Jahren weiß, nur nicht gewagt habe, es zuzulassen. Das hat unter anderem dazu geführt, dass ich endlich mal ein paar Dinge angegangen bin, bspw. zu einem Psychologen zu gehen. Die intensive Beschäftigung mit mir, dem Thema und den Versuchen es dem Psychologen zu erklären hat zunächst zur eigenen Gewissheit geführt, dass ich transsexuell bin - schon alleine es in dieser Offenheit auszusprechen, war lange eine Überwindung. Anfang letzter Woche bekam ich dies dann von dem Psychologen (Prof. für klinische Psychologie und hier in der Gegend einer von zweien, die für die Begleitung von TS bekannt und renommiert sind) bestätigt - er sähe das auch so, ich sei damit sehr gefestigt, meine Schilderungen machten Sinn und seien alles andere als untypisch etc. Er würde mich also von nun an mit allem unterstützen, was ich auf dem Weg bräuchte - Gutachten etc. Bis er F64.0G unterschreiben könne, wolle er das noch zur Sicherung ein paar Monate beobachten, hätte da aber keine Zweifel.
Das das so schnell ging, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hatte eher damit gerechnet, noch etwas mehr Zeit zu haben. Ja sicherlich, ich habe soviel ich möchte, aber ich möchte andererseits auch diese ganze Transitionsphase nicht unnötig lange hin ziehen.
Langer Rede kurzer Sinn, jetzt wo mir ein "Fachmann" (und andere) auch nochmal bestätigte, was ich selbst ja im Prinzip wusste, wird es Zeit, Dritte einzuweihen, um beginnen zu können, dies auch offen zu leben. Spätestens zur Alltagserprobung müssen es ja dann alle in meinem Umfeld wissen. Sprich, das große Outing beginnt.
Ich hatte gestern ein längeres Gespräch in der SHG darüber, was mich wieder stark bzgl. meines Outing-Plans verunsichert hat.
Eigentlich hatte ich die Hacker-Methode vor - ich bin nunmal ein Hacker und Geek (also eher eine der "Häcksen"
Dies soll den Rahmen bilden und damit möchte ich dann auf mich überleiten, meine Situation und welche Veränderungen sich da demnächst ergeben können und werden. Damit wüssten dann (fast) alle mir wichtigen Personen mit einem Schlag bescheid. Und da wir dort, also im Hackspace, auch schon diverse Diskussionen um Gender-Neutralität etc. hatten, ist das Thema auch nicht völlig daneben. Zudem ist Transsexualität ein riesiger Hack
Der nächste freie Talk Slot ist Ende Mai, also noch etwas Zeit.
Jetzt kamen wir in der SHG darauf zu sprechen und es kamen zwei kritische Gedanken auf.
Erstens könnten sich gerade etwas engere Bekannte/Freunde vielleicht etwas zurückgesetzt fühlen, weil ich es ihnen nicht persönlich vorher gesagt habe und ich sie also damit mit dieser großen Gruppe auf eine (niedrigere) Stufe stelle.
Also ich kann den Einwand nachvollziehen, teile diese Bedenken allerdings nicht.
Was würdet Ihr sagen? Sollte ich lieber ein paar vorher persönlich ins Vertrauen ziehen? Ich sollte vielleicht auch dazu sagen, dass ich eigentlich keine wirklich engen Freunde hier habe. Sehr gute Bekannte und langjährige Partner im Geschäft eher.
Der andere Einwand war, dass der ganze Talk vielleicht zuviel sein könnte. Das ich mir die ganze Erklärung sparen sollte und lieber einfach nur sagen wie es ist und dann persönliche Gespräche anbieten. Das Gesprächsangebot war ohnehin klar. Aber irgendwie möchte ich schon ein bisschen Erklärung liefern, damit man ansatzweise verstehen kann, dass Geschlechtsidentität lange nicht so selbstverständlich ist, wie man allgemein meint.
Keine gute Idee? Was meint Ihr?
Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir hierzu einen oder zwei Tipps geben könntet.
Vielleicht könnte ja auch jemand mal von ihrem Vorgehen berichten und was man im Nachhinein betrachtet vielleicht hätte besser machen können?
Liebe Grüße & vielen Dank!
nicole