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Mit Kinderaugen gesehen

Verfasst: Fr 24. Jan 2014, 15:07
von Vincent
Ich war mit meiner Frau und meinem Sohn zur Anmeldung und zur Besichtigung in einem nahe gelegenen Kindergarten.
Während meine Frau die Formalitäten erledigte, habe ich mit meinem Sohn die Räumlichkeiten besichtigt, in denen noch normaler Betrieb war.

Plötzlich fragt ein Mädchen die Erzieherin: Wer ist die Frau da?
Darauf die Erzieherin: Das ist der Papa vom Julius.
Pause, das Mädchen kommt her schaut mich an:
Aber der Papa vom Julius ist eine Frau.
Ich frage sie warum sie das denkt.
Weil du lange Haare hast.
Mischt sich noch ein Junge ein:
Und du hast eine Hose!
Aber Männer haben doch immer Hosen an sage ich.
Nein Männer haben weite Hosen.

Ja, so ist das, wenn ein fast 2m Mann, langhaarig, mit Vollbart, und Skinijeans einen Kindergarten betritt. :D

Re: Mit Kinderaugen gesehen

Verfasst: Fr 24. Jan 2014, 17:32
von conny
Viola hat geschrieben:Dein Beispiel zeigt ganz deutlich wie bereits Kinder in Geschlechterrollen denken. Mann kurze Haare - Frau lange Haare.
nein, kinder denken nicht in geschlechterrollen, sondern sie erleben sie, auch mit diesen äußerlichkeiten, tagtäglich.
das ist etwas völlig anderes.

Re: Mit Kinderaugen gesehen

Verfasst: Sa 25. Jan 2014, 01:43
von nicole.f
Tinka hat geschrieben:Hi Vincent,

ist ja lustig, genau so etwas habe ich letztes Jahr auch erlebt.

Ich stand an einem Imbiss an und wartete auf meine Wurst. Hinter mir eine Mutter mit zwei kleinen Mädchen an der Hand.

Die beiden Mädchen tuschelten zu ihrer Mutter: ... das ist doch aber keine Frau ... hihi ... Mutter zischt ... pssst leise

Zuhause angekommen habe ich überlegt was die beiden Mädchen gesehen haben. Ich hatte nur eine Skinny Jeans an und ein Armband, welches aber auch als Uni durchgeht. Also war es die Jeans, welche im Gehirn der Mädels nur von Frauen getragen werde dürfen.

Seither mache ich um kleine Kinder in bestimmten Situationen einen großen Bogen ;-)
Was ich nur nicht verstehe, warum und in welchen Situationen machst Du jetzt diesen Bogen um Kinder herum?
Um sie nicht zu verwirren? Das ist zwar sehr rücksichtsvoll, aber ich denke diese ganze Kindheit ist eine einzige große Verwirrung und der Prozess des Aufwachsens bedeutet, dieses Knäuel zu entwirren und Ordnung hinein zu bringen. Ist es dann nicht eher etwas wunderbares, wenn diese Kinder später beim Aufräumen und "zubbeln" an den unterschiedlichen Enden des Knäuels auf einemal spannende Versatzstücke finden, die sie etwas dazu animieren könnten, gewisse Dinge etwas anders zu sehen?

Natürlich sollte man sie nicht überfordern - also bspw. der vollbärtige Hüne im Dirndl könnte etwas viel sein. Aber so wie Du Dich beschrieben hast, klingt das ja allenfalls uneindeutig?

Oder möchtest Du es eher vermeiden, Dich in eine Situation zu bringen, in der Du Dich möglicherweise erklären müsstest? Könnte ich verstehen, würde es aber für mich persönlich nicht machen. Es ist nichts Schlimmes, was man da tut und etwas am gewohnten Weltbild zu rütteln sollte niemandem schaden...

Als ich anfing, mir die Haare wachsen zu lassen, und das ist jetzt auch "erst" knapp 20 Jahre her (OMG! Ich werde alt... :( haben mich damals auch immer wieder mal Mädchen angesprochen, warum ich denn lange Haare hätte und das eben nur Mädchen sowas hätten. Spannenderweise sagte das kein Junge... aber das ist ein anderes Thema. Ich würde mir wünschen, dass diese ganzen Stereotype endlich mal aufhörten. Sicherlich wird es dann für Kinder ein Stück weit komplizierter, denn solche Stereotype helfen letztlich bei der Orientierung. Doch sind sie einmal festgesetzt, bekommt man sie so schnell nicht überwunden und das Resultat ist dann genau das, worunter Uneindeutige und Trans* Menschen dann später zu "leiden" haben - Erklärungsbedarf oder zumindest eine gehörige Portion Selbstbewusstsein.

Liebe Grüße
nicole

Re: Mit Kinderaugen gesehen

Verfasst: Sa 25. Jan 2014, 16:11
von nicole.f
Hallo Tinka!
Tut mir leid, wenn das etwas falsch rüber kam - ich wollte Dich sicherlich nicht direkt kritisieren, ich wollte es nur nachvollziehen können. Und das hast Du ja nun auch gut erklärt, danke! Wie ich schrieb, ich kann das verstehen, wenn man sich nicht erklären möchte...
Das mit der Goldwaage und den Worten... das sagt man mir nicht zum ersten mal :( Ist leider so eine Marotte von mir... das hat auch damit zu tun, dass ich gerne verstehen möchte, was man mir sagt oder schreibt und zwar jedes Wort davon. Ich habe große Schwierigkeiten mit "Interpretation", da frage ich dann lieber nach. Ist nicht böse gemeint! Ist vermutlich nur meine eigene Blödheit, dass ich nicht direkt drauf komme.

Alles Gute!

Liebe Grüße
nicole