Hallo, hier ist Astrid!
Verfasst: Do 23. Jan 2014, 09:43
Hallo liebe Forengemeinde,
seit einiger Zeit bin ich sehr intensiv auf der Suche nach mir selbst. Der Satz klingt zwar schon ein wenig abgedroschen, aber er beschreibt es wohl am besten.
Auf der Suche nach Antworten auf meine vielen Fragen bin auf dieses Forum gestoßen.
Ich habe nun schon einige Themen "durchgeackert" und bin von der guten Diskussionskultur und auch der Ernsthaftigkeit, mit der die Dinge hier besprochen werden, angenehm überrascht.
An dieser Stelle mein ehrliches Kompliment an Euch!
Nun aber zu mir selbst:
Mein Name ist Matthias. Ich möchte mich hier mal Astrid nennen; übrigens eine neue Erfahrung für mich. Ich bin 43 Jahre alt, verheiratet, körperlich männlich und heterosexuell. Meine gefühlte geschlechtliche Identität kann ich immer weniger deutlich bestimmen. Da ich nicht weiß, in welche der gängigen Schubladen samt ihrer Begriffe ich mich einordnen soll, will ich mich mal so vorstellen:
Ich bin ein Mann, der starke weibliche Empfindungen hat, sich in weiblicher Kleidung am wohlsten fühlt und lieber als Frau geboren worden wäre. Transgender?
Meine komplexe Gedanken- und Gefühlswelt hier zu erläutern würde heute wohl den Rahmen sprengen, daher möchte ich erstmal versuchen ein grobes Profil von mir vorzustellen.
Meine Faszination für weibliche Bekleidung geht bis in meine Kindergartenzeit zurück. Ich kann mich noch wage daran erinnern wie ich oft in der Strumpfschublade meiner Mutter herumgestöbert habe.
In den nächsten Jahren hat sich daraus eine Regelmäßigkeit entwickelt, natürlich alles heimlich, da mir durchaus schon bewußt war, daß das nicht "richtig" war, was ich da machte. Ich probierte auch die Schuhe, Röcke und was sonst noch zu finden war. Daß meine Eltern davon nichts bemerkt haben, kann ich rückblickend kaum mehr glauben.
Später in der Pubertät gab es dann gar kein Halten mehr. Nun war ich auch langsam in die Kleidergröße hereingewachsen, sodass ich mich richtig kleiden konnte wie eine Frau. Ich habe es genossen.
Ich wartete schon immer sehnsüchtig auf Situationen, in denen ich allein zu Haus war. Sofort ging es wieder ans Umziehen. Daß ich zum Wohlgefühl auch sexuelle Erregung empfand, will ich nicht leugnen.
Irgendwann mischte sich zum Wohlgefühl jedoch auch ein Gefühl der Scham. Mir selbst gegenüber und gegenüber anderen, obwohl niemand von meiner Neigung wußte. Ich fühlte mich nicht mehr richtig männlich. Damals habe ich versucht, diese Gefühle durch besonders männliches Verhalten zu kompensieren. War dabei aber niemals ich selbst.
Mit 19 Jahren habe ich meine heutige Frau kennengelernt. Wir sind ziemlich schnell in eine gemeinsame Wohnung gezogen. Von meiner Neigung habe ich ihr nichts erzählt. Gut für mich war, unsere Kleidergröße war annähernd die gleiche. Schlecht für mich, es gab kaum noch Situationen in denen ich allein zu Haus war. Und die mussten dann von mir besonders schnell und intensiv genutzt.
Nach 10 weiteren Jahren der Verheimlichung und des subtilen Gefühls von Weiblichkeit in mir, war ich schon psychisch ziemlich angeschlagen. Ich habe lange überlegt, wie ich es meiner Frau beibringen sollte. Ich hatte große Angst vor den möglichen Konsequenzen. Aber die Depressionen konnte ich auch nicht mehr ertragen.
Ende 2000 bin ich dann im Internet auf ein Forum für strumpfhosentragende Männer gestoßen (existiert schon seit Jahren nicht mehr). Die Diskussion mit anderen hat mir geholfen, endgültig den Mut zu finden, mich meiner Frau anzuvertrauen.
Ich habe alles auf eine Karte gesetzt, bin ehrlich gewesen, habe nichts ausgelassen und hatte Erfolg.
Natürlich war sie anfangs sprachlos, wollte mir erst noch nicht einmal glauben. Aber als ich dann zum ersten Mal in Rock und Strumpfhose vor ihr stand (mit hochrotem Kopf, ich hätte im Boden versinken können), hat sie wohl begriffen, daß ich es ernst meinte. Sie hat es so akzeptiert.
Wie glücklich ich über meine neuen Freiheiten war, brauche ich hier ja keinem zu erzählen.
Klar, manches ging ihr anfangs dann doch ein wenig zu weit, aber nach und nach hat sie sich an vieles gewöhnt.
Heute trage ich im Haus nur noch die Kleidung, die mir gefällt: Röcke, schöne Strickkleider, Strumpfhosen, Leggins und dazu passend Pantoletten oder Sandaletten in unterschiedlichen Absatzhöhen. Und natürlich lackierte Fußnägel, ich liebe es!
Beim Kleidungsstil orientiere ich mich an eher aktuellen Moden.
Auch meine Frau ist sehr modeinteressiert und ich finde es richtig toll, daß wir hier gemeinsam einem Hobby nachgehen können.
Soweit, so gut.
Nun habe ich hier gelesen, daß erfüllte Wünsche weitere Wünsche nach sich ziehen. Und an dem Punkt bin ich nun angekommen.
Bisher spielt sich bei mir alles in häuslichem Rahmen ab. Nur meine Frau weiß Bescheid.
Ich fühle mich aber mittlerweile wie im Gefängnis.
Ich habe das Gefühl, einen männlichen und einen weiblichen Teil in mir zu tragen, mit all seinen Empfindungen und der weibliche Teil fordert immer mehr Raum, schreit quasi nach Entfaltung.
Überhaupt finde ich immer mehr in der weiblichen Rolle meine Erfüllung.
Ich habe das starke Bedürfnis, mich auch anderen gegenüber zu öffnen, z.B. meinen Eltern, der Familie oder Bekannten. Meine Frau hätte noch nicht mal ein Problem damit, wir haben schon oft darüber gesprochen.
Aber es sind die gedanklichen Blockaden in meinem Kopf, die mich die nächsten Schritte noch nicht gehen lassen, da ich eigentlich jemand bin, der nicht großartig auffallen möchte.
Im Moment bin ich mit Gedanken und Grübeleien extrem beschäftigt, was natürlich bei beruflichen und anderen Verpflichtungen zur Ablenkung führt. Auch nehmen dadurch bedingt meine Depressionen wieder zu.
Aber ich glaube, solche Fragen lassen sich eh nicht von heute auf morgen beantworten. Aber ich arbeite weiter daran und freue mich darauf, mich hier von interessanten Themen und Beiträgen inspirieren zu lassen und mich auch selbst - je nach freier Zeit - einzubringen.
Damit verbleibe ich erstmal und wünsche Euch allen noch einen schönen Tag!
Liebe Grüße - Astrid
seit einiger Zeit bin ich sehr intensiv auf der Suche nach mir selbst. Der Satz klingt zwar schon ein wenig abgedroschen, aber er beschreibt es wohl am besten.
Auf der Suche nach Antworten auf meine vielen Fragen bin auf dieses Forum gestoßen.
Ich habe nun schon einige Themen "durchgeackert" und bin von der guten Diskussionskultur und auch der Ernsthaftigkeit, mit der die Dinge hier besprochen werden, angenehm überrascht.
An dieser Stelle mein ehrliches Kompliment an Euch!
Nun aber zu mir selbst:
Mein Name ist Matthias. Ich möchte mich hier mal Astrid nennen; übrigens eine neue Erfahrung für mich. Ich bin 43 Jahre alt, verheiratet, körperlich männlich und heterosexuell. Meine gefühlte geschlechtliche Identität kann ich immer weniger deutlich bestimmen. Da ich nicht weiß, in welche der gängigen Schubladen samt ihrer Begriffe ich mich einordnen soll, will ich mich mal so vorstellen:
Ich bin ein Mann, der starke weibliche Empfindungen hat, sich in weiblicher Kleidung am wohlsten fühlt und lieber als Frau geboren worden wäre. Transgender?
Meine komplexe Gedanken- und Gefühlswelt hier zu erläutern würde heute wohl den Rahmen sprengen, daher möchte ich erstmal versuchen ein grobes Profil von mir vorzustellen.
Meine Faszination für weibliche Bekleidung geht bis in meine Kindergartenzeit zurück. Ich kann mich noch wage daran erinnern wie ich oft in der Strumpfschublade meiner Mutter herumgestöbert habe.
In den nächsten Jahren hat sich daraus eine Regelmäßigkeit entwickelt, natürlich alles heimlich, da mir durchaus schon bewußt war, daß das nicht "richtig" war, was ich da machte. Ich probierte auch die Schuhe, Röcke und was sonst noch zu finden war. Daß meine Eltern davon nichts bemerkt haben, kann ich rückblickend kaum mehr glauben.
Später in der Pubertät gab es dann gar kein Halten mehr. Nun war ich auch langsam in die Kleidergröße hereingewachsen, sodass ich mich richtig kleiden konnte wie eine Frau. Ich habe es genossen.
Ich wartete schon immer sehnsüchtig auf Situationen, in denen ich allein zu Haus war. Sofort ging es wieder ans Umziehen. Daß ich zum Wohlgefühl auch sexuelle Erregung empfand, will ich nicht leugnen.
Irgendwann mischte sich zum Wohlgefühl jedoch auch ein Gefühl der Scham. Mir selbst gegenüber und gegenüber anderen, obwohl niemand von meiner Neigung wußte. Ich fühlte mich nicht mehr richtig männlich. Damals habe ich versucht, diese Gefühle durch besonders männliches Verhalten zu kompensieren. War dabei aber niemals ich selbst.
Mit 19 Jahren habe ich meine heutige Frau kennengelernt. Wir sind ziemlich schnell in eine gemeinsame Wohnung gezogen. Von meiner Neigung habe ich ihr nichts erzählt. Gut für mich war, unsere Kleidergröße war annähernd die gleiche. Schlecht für mich, es gab kaum noch Situationen in denen ich allein zu Haus war. Und die mussten dann von mir besonders schnell und intensiv genutzt.
Nach 10 weiteren Jahren der Verheimlichung und des subtilen Gefühls von Weiblichkeit in mir, war ich schon psychisch ziemlich angeschlagen. Ich habe lange überlegt, wie ich es meiner Frau beibringen sollte. Ich hatte große Angst vor den möglichen Konsequenzen. Aber die Depressionen konnte ich auch nicht mehr ertragen.
Ende 2000 bin ich dann im Internet auf ein Forum für strumpfhosentragende Männer gestoßen (existiert schon seit Jahren nicht mehr). Die Diskussion mit anderen hat mir geholfen, endgültig den Mut zu finden, mich meiner Frau anzuvertrauen.
Ich habe alles auf eine Karte gesetzt, bin ehrlich gewesen, habe nichts ausgelassen und hatte Erfolg.
Natürlich war sie anfangs sprachlos, wollte mir erst noch nicht einmal glauben. Aber als ich dann zum ersten Mal in Rock und Strumpfhose vor ihr stand (mit hochrotem Kopf, ich hätte im Boden versinken können), hat sie wohl begriffen, daß ich es ernst meinte. Sie hat es so akzeptiert.
Wie glücklich ich über meine neuen Freiheiten war, brauche ich hier ja keinem zu erzählen.
Klar, manches ging ihr anfangs dann doch ein wenig zu weit, aber nach und nach hat sie sich an vieles gewöhnt.
Heute trage ich im Haus nur noch die Kleidung, die mir gefällt: Röcke, schöne Strickkleider, Strumpfhosen, Leggins und dazu passend Pantoletten oder Sandaletten in unterschiedlichen Absatzhöhen. Und natürlich lackierte Fußnägel, ich liebe es!
Beim Kleidungsstil orientiere ich mich an eher aktuellen Moden.
Auch meine Frau ist sehr modeinteressiert und ich finde es richtig toll, daß wir hier gemeinsam einem Hobby nachgehen können.
Soweit, so gut.
Nun habe ich hier gelesen, daß erfüllte Wünsche weitere Wünsche nach sich ziehen. Und an dem Punkt bin ich nun angekommen.
Bisher spielt sich bei mir alles in häuslichem Rahmen ab. Nur meine Frau weiß Bescheid.
Ich fühle mich aber mittlerweile wie im Gefängnis.
Ich habe das Gefühl, einen männlichen und einen weiblichen Teil in mir zu tragen, mit all seinen Empfindungen und der weibliche Teil fordert immer mehr Raum, schreit quasi nach Entfaltung.
Überhaupt finde ich immer mehr in der weiblichen Rolle meine Erfüllung.
Ich habe das starke Bedürfnis, mich auch anderen gegenüber zu öffnen, z.B. meinen Eltern, der Familie oder Bekannten. Meine Frau hätte noch nicht mal ein Problem damit, wir haben schon oft darüber gesprochen.
Aber es sind die gedanklichen Blockaden in meinem Kopf, die mich die nächsten Schritte noch nicht gehen lassen, da ich eigentlich jemand bin, der nicht großartig auffallen möchte.
Im Moment bin ich mit Gedanken und Grübeleien extrem beschäftigt, was natürlich bei beruflichen und anderen Verpflichtungen zur Ablenkung führt. Auch nehmen dadurch bedingt meine Depressionen wieder zu.
Aber ich glaube, solche Fragen lassen sich eh nicht von heute auf morgen beantworten. Aber ich arbeite weiter daran und freue mich darauf, mich hier von interessanten Themen und Beiträgen inspirieren zu lassen und mich auch selbst - je nach freier Zeit - einzubringen.
Damit verbleibe ich erstmal und wünsche Euch allen noch einen schönen Tag!
Liebe Grüße - Astrid