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Nicole unterwegs „ Zentrums Klausur

Verfasst: So 12. Jan 2014, 02:52
von nicole.f
Hallo Ihr Lieben!
In verschiedenen Threads ist es ja auch schon angeklungen - Selbsthilfegruppen und ihre Träger sind großartig!

Wie ich ja auch schon ein paar mal indirekt erwähnt habe, bin ich über die lokale (Siegener) TS Selbsthilfegruppe zum AndersROOM gekommen und dessen Träger die SIS - Schwule Initiative Siegen. Die SIS ist mehr als nur ein rein "schwuler" Verein - die SIS ist Träger verschiedener Gruppen, die aus dem "Queer" Universum kommen und stellt für diese die Infrastruktur. Getragen wird das Ganze praktisch ausschliesslich von ehrenamtlich Tätigen, die organisieren, die Infrastruktur pflegen und sich allgemein für Belange der Gemeinschaft engagieren und einsetzen.

Dieses Wochenende ist Jahres-Klausur-Tagung der SIS und ich bin glücklich dabei zu sein!
Warum?
Kurz gesagt - Hier bin ich Mensch, hier kann ich _sein_!

Alle im Zentrum sind "anders". Jeder hat seine spezielle Andersartigkeit und geht individuell damit um. Die Atmosphäre ist extrem entspannt und man spürt deutlich, wie alle Teilnehmer "aufblühen", da sie hier unter sich so sein können, wie sie eben sind.
Was mich am meisten freut ist, dass diese, praktisch alles homosexuelle Männer, kein Problem mit uns Trans* Menschen haben. Ganz im Gegenteil, ich fühle mich hier akzeptiert und, obwohl ich noch recht frisch dabei bin, als Teil dieser bunten Gruppe. Das ist unbeschreiblich!

Ich bin das ganze Wochenende en-femme unterwegs - und es ist nichts Besonderes. Ich bin einfach wie ich bin und muss mir keinerlei Gedanken darum machen, wie ich hier irgendwie unterwegs bin. Es ist so unbeschreiblich befreiend. Ich kann nur jedem Wünschen, so eine Gruppe in seiner/ihrer Nähe zu haben.

Kleine Anekdote am Rande - das Treffen findet mitten im "finstersten" Westerwald statt. Ich bin gefahren, mit drei Mitfahrern aus dem Zentrum. Dass ich mit/bei denen kein Problem habe, ist klar. Doch unterwegs mussten wir tanken, mitten im erzkonservativen Westerwald! Jetzt war es mein Auto, also musste ich, wie völlig selbstverständlich, an einer Tanke anhalten, aussteigen, tanken und bezahlen :)
Das super coole - es war alles völlig unauffällig und normal. Kein Mensch hat sich darum geschert.

Was kann ich also daraus mitnehmen?
Nuja... etwas was ich immer wieder feststelle, Normalität hilft den Kopf frei zu bekommen. Und diese Normalität kann ich hier erleben. Es ist etwas komplett anderes, als "nur" zu Hause zu sein, ob mit Partnerin oder nicht, denn hier bin ich unter Leuten, die ich und die mich nicht schon seit über 10 Jahren kennen, im Gegensatz zu meiner Partnerin. Insofern bin ich dieser Gruppe unendlich dankbar, alle diese Möglichkeiten anbieten zu können und diese Offenheit zu haben!

Das führt für mich auch dazu, dass ich darin bestärkt werde, diese Dankbarkeit in Engagement zurückzugeben.
Und ich kann dies nur dringend empfehlen!
Ja,ich bin mir auch darüber bewusst, dass leider nicht alle Gruppen so offen sind. Wenn aber eine in Eurer Gegend ist, geht hin! Und wenn sie nicht so offen ist, geht hin und ändert es! Bringt Euch ein, zeigt Trans* Präsenz! Wir Trans* Menschen sind gesellschaftlich viel zu wenig vertreten und diese Gruppen sind bereits etabliert, sie haben Infrastruktur und Kanäle, die wir auch für unserer Zwecke nutzen können - und die auch grundsätzlich für uns offen sind!

Die Klausurtagung dreht sich rund um die weitere Entwicklung des Zentrums, was für mich eine Menge Einblicke bietet, da ich erst relativ kurz dabei bin. Aber es offenbart auch Lücken, in denen etwas getan werden kann und die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten bedürfen. Ein paar kann ich mithelfen zu füllen und dies möchte ich auch angehen - und dies ist nicht nur die Gründung der Trans* Gruppe. Schon alleine um etwas zurückzugeben, für die Möglichkeiten die mir das Zentrum gibt.

Ich hoffe, dass es solche Initiativen überall und in ausreichender Zahl gibt!

Liebe Grüße aus den Tiefen des Westerwalds!
nicole

Re: Nicole unterwegs „ Zentrums Klausur

Verfasst: So 12. Jan 2014, 15:30
von Kerstin
nicole.b hat geschrieben:....

Kleine Anekdote am Rande - das Treffen findet mitten im "finstersten" Westerwald statt. Ich bin gefahren, mit drei Mitfahrern aus dem Zentrum. Dass ich mit/bei denen kein Problem habe, ist klar. Doch unterwegs mussten wir tanken, mitten im erzkonservativen Westerwald! Jetzt war es mein Auto, also musste ich, wie völlig selbstverständlich, an einer Tanke anhalten, aussteigen, tanken und bezahlen :)
Das super coole - es war alles völlig unauffällig und normal. Kein Mensch hat sich darum geschert.

.....
nicole
Hallo Nicole
Das ist alles nur eine Frage der Wahrnehmung. Offenstichtlich warst du so gut, das man dich alls Frau wahr genommen hat und somit nicht weiter interessant warst.


LG Kerstin

Re: Nicole unterwegs „ Zentrums Klausur

Verfasst: So 12. Jan 2014, 18:31
von Anni
Hallo Nicole (moin)

... ach , was lese ich Deine Beiträge doch gern ... (smili)

Gut geschrieben , informativ , immer mit einem positiven Flair .... mach weiter so :!:

Hab da nur ein klitze-kleines Problem - es gibt so Vieles , wozu die Anni gern mal ihren " Senf " dazu geben möchte - allein mir fehlt so oft die Zeit dafür
( wo ist das smily = traurig guck ??? )

Wie machst Du das , in so kurzer Zeit soo viel zu schreiben ??? hast Du einen Oktopus angestellt , dem Du diktierst ? :lol:

Mit meiner 10 - Finger - Technik ( zwei zum Schreiben - 8 zum Korrigieren :P ) muß ich mich immer kurz fassen ( vielleicht auch gut so ?! :mrgreen: )

Dem zu Folge nun auch kurz :

freue mich für Dich , das Du ein WE so ganz Nicole sein konntest ( eine schöne Erfahrung ? :wink: )
nichts Besonderes ? - oh doch - Du schreibst ja selber , wie befreit Du warst ( wünsch ich Dir , das Du DAS öfters erleben kannst und es vielleicht mal so , wie bei mir , zum normalen täglichen Sein führt )
an der Tanke ... Du wirst sehen , wie schnell das zur normalsten Sache der Welt wird ...
ja - eines unserer Probleme ist es , das uns unser direktes Umfeld anders kennt , als wir wirklich sind und sich eben dieses Umfeld sehr schwer damit tut , Veränderungen zu akzeptieren / respektieren
Dankbarkeit in Engagement zurückzugeben - wen DAS doch alle täten !

Dir weiterhin so schöne Erlebnisse und Erfolge wünscht

die freche Anni

Re: Nicole unterwegs „ Zentrums Klausur

Verfasst: Mi 15. Jan 2014, 02:06
von nicole.f
Anni hat geschrieben:Hallo Nicole (moin)

... ach , was lese ich Deine Beiträge doch gern ... (smili)
...und soetwas lese auch ich gerne ;) Aber nicht, dass das zur Gewohnheit wird!
Anni hat geschrieben: Gut geschrieben , informativ , immer mit einem positiven Flair .... mach weiter so :!:
Ich muss gestehen, da hatte ich sogar schon eine Flasche Sekko vertilgt... der Text hat insgesamt knapp eine 3/4 Stunde gebraucht. Meine Güte waren da im ersten Durchgang Tippfehler drin :) !
Anni hat geschrieben: Hab da nur ein klitze-kleines Problem - es gibt so Vieles , wozu die Anni gern mal ihren " Senf " dazu geben möchte - allein mir fehlt so oft die Zeit dafür
( wo ist das smily = traurig guck ??? )

Wie machst Du das , in so kurzer Zeit soo viel zu schreiben ??? hast Du einen Oktopus angestellt , dem Du diktierst ? :lol:
Hi hi :)
Das ist ein köstliches Bild!
Aber mal ganz ehrlich, ja, das kostet eine Menge Zeit. Ich kann zwar berufsbedingt relativ schnell tippen, doch ein wenig Nachdenken muss man ja schon dabei. Zur Zeit beschäftigt mich das ganze Thema einfach sehr intensiv, weshalb praktisch meine gesamte Freizeit dafür drauf geht - da zähle ich jetzt auch Bücher lesen und Internet Recherche dazu. Das wird auch ganz sicher nicht für immer so bleiben...

Insofern bin ich auch sehr dankbar dafür, hier so liebe Zuhörerinnen zu haben!
Vieles von dem was ich schreibe ist auch ein großes Stück "Schreibtherapie". In dem man anderen etwas erklärt, erfährt man selbst noch einmal eine Menge darüber. Und wenn es dann vereinzelt auch noch anderen hilfreich sein kann, um so besser! Klassische win-win Situation :)
Anni hat geschrieben: Mit meiner 10 - Finger - Technik ( zwei zum Schreiben - 8 zum Korrigieren :P ) muß ich mich immer kurz fassen ( vielleicht auch gut so ?! :mrgreen: )

Dem zu Folge nun auch kurz :

freue mich für Dich , das Du ein WE so ganz Nicole sein konntest ( eine schöne Erfahrung ? :wink: )
nichts Besonderes ? - oh doch - Du schreibst ja selber , wie befreit Du warst ( wünsch ich Dir , das Du DAS öfters erleben kannst und es vielleicht mal so , wie bei mir , zum normalen täglichen Sein führt )
an der Tanke ... Du wirst sehen , wie schnell das zur normalsten Sache der Welt wird ...
Ja, Du hast natürlich Recht - es ist natürlich für mich etwas Besonderes, zumindest noch, da ich noch nicht ständig so sein kann, leider. Aber das kommt bald...
Was ich aber damit noch eher meinte war, dass es auch bzgl. meines Umfeldes völlig unaufregend und "unbesonders" war. Das war einfach Normalität. Und das war wieder für mich natürlich grossartig und alles andere als "nicht besonders" :) Was mir allerdings dennoch an mir selbst aufgefallen ist, dass ich doch schon hier und da, völlig unbegründet, etwas nervös war - aber nur leicht und es verging nach ein paar Sekunden auch wieder. Fühlte sich eher an wie ein kleiner Flashback - kurz zuckten nochmal über 30 Jahre Sozialisierung auf und die 30 Jahre in der eben anderen Gestalt. Das ging aber wie gesagt schnell vorbei.

Ich hoffe sehr, dass es bald völlige Normalität wird!
Und wie zuvor schon erwähnt, lange werde ich es nicht mehr "geheim" halten können. Es wird jetzt schon schwierig Freunden und Kollegen gegenüber, wenn ich erklären muss, wo ich denn am Wochenende war: "Och, mit einem Haufen sehr netter Homosexueller ein nettes Wochenende auf einer einsamen Hütte im Westerwald verbracht!" :)
Und wenn die Sache mit dem FreiROOM und der Trans* SHG anläuft, werde ich sicherlich noch öfter ausfallen und auf mysteriöse Weise "weg" sein müssen. Das geht einfach auf Dauer nicht, also das Verheimlichen. Zudem habe ich einfach keine Lust mehr auf Lügen und Verstecken.

Die meisten meiner lokalen Freunde und Kollegen sind Mitglieder im lokalen Hackspace, so wie ich auch (http://de.wikipedia.org/wiki/Hackspace).
Ich denke das läuft auf ein grossflächiges Outing im Rahmen eines Vortrages hinaus: "Hacking Gender" - das wird sooo cool, ich freue mich schon! Ein Arbeitskollege weiss es schon und den habe ich schon während einer Autofahrt eine gute Stunde lang bzgl. Geschlecht und Sexualität auf's Glatteis geführt :) Und mal ehrlich, wer könnte es einem nicht Trans* oder homosexuellen Menschen verdenken, sich mit Fragen rund um Geschlechtsidentität nicht beschäftigt zu haben? Warum auch? Die haben damit ja kein Problem und können wie selbstverständlich damit umgehen. Mir hat es nur einen höllischen Spaß bereitet ihn insoweit zu verunsichern, dass er eben nicht mehr wie selbstverständlich sagen kann, ob er nun Mann oder Frau sei - Mission accomplished :) Das ist dann auch meine Strategie für den Vortrag - hinreichend darlegen, das alles was wir über Geschlecht als selbstverständlich zu wissen meinen, eigentlich ein sehr wackeliges Konstrukt ist.
Anni hat geschrieben: ja - eines unserer Probleme ist es , das uns unser direktes Umfeld anders kennt , als wir wirklich sind und sich eben dieses Umfeld sehr schwer damit tut , Veränderungen zu akzeptieren / respektieren
Das ist richtig.
Und dann kommt bei Spätberufenen wie mir leider noch hinzu, dass wir eben keine perfekte Show bieten können. Uns strahlt die Andersartigkeit aus jedem Knopfloch. Früher hat mich das manchmal echt fertig gemacht. Ich wusste genau, ich würde nie so sein können, wie ich mich selbst gerne sähe - das fängt schon mit Dinge wie der Stimme an, Adamsapfel, Gesichtsstruktur... alles erkennbar männlich und das wird sich auch nicht mehr drastisch ändern, egal was ich tue (von größerer Chirurgie abgesehen).
Ich komme aber immer mehr zu der Einsicht, dass es viel wichtiger ist authentisch zu sein! Nicht etwas nachmachen und nicht versuchen etwas zu sein, was man nicht erreichen kann. Das wird immer wie gewollt und nicht gekonnt ankommen *müssen*. Authentisch und ehrlich zu sich und der Umwelt sein, das ist zur Zeit meine Devise. Damit steigt dann auch das Selbstbewusstsein, da man sich nicht schon beim ersten Schritt verbiegen muss. Und dieses Selbstbewusstsein strahlt auch nach aussen. Und *dann* wird alles zur Selbstverständlichkeit und was einst Besonders war, wird zur Normalität - immernoch mit einem euphorischen kleinen Kick, versteht sich, aber es ist nicht mehr der große Schritt. Das nimmt dann auch das Umfeld sofort wahr und nimmt uns viel eher und besser an.
Anni hat geschrieben: Dankbarkeit in Engagement zurückzugeben - wen DAS doch alle täten !

Dir weiterhin so schöne Erlebnisse und Erfolge wünscht

die freche Anni
Ich danke Dir - und war ja gar nicht so frech :)

Ganz liebe Grüße
nicole

Re: Nicole unterwegs „ Zentrums Klausur

Verfasst: Mi 15. Jan 2014, 11:10
von Inga
Hallo, Nicole,

ich finde es einfach klasse, dass du so ausführlich berichtest.

Liebe Grüße
Inga