Bianca D. hat geschrieben:Moin,
ich fand die Reportage nur furchtbar. Menschen die mal eben im Hinterzimmer operiert werden, freiverkäufliche Dropse,keine psychologische Begleitung,da konnten die wirklich hübschen Mädels auch nix mehr richten. Für jede,die sich mit dem Gedanken an eine OP in Thailand trägt,sollte das eine unmißverständliche Warnung sein.
LG Bianca
Ich weiss nicht von wann diese Reportage ist bzw. wann die das Material dazu gesammelt haben, aber zumindest Operationen, egal ob "nur" Kastration oder volle GaOp, sind auch in Thailand nach dortigem Gesetz nur noch mit psychologischem Gutachten möglich. Ärzte, die auch ohne operieren, machen sich strafbar und da ist Thailand zuweilen wenig zimperlich. Der (Schwarz-)Markt für Pillen ist allerdings weiter unreguliert. Doch das ist ja selbst in viele europäischen Ländern nicht anders. Wenn ich mich nicht irre, sind auch heute noch einige Hormonpräparate, die in Deutschland verschreibungspflichtig sind, in anderen EU Ländern frei verkäuflich oder zumindest mit Leichtigkeit zu beschaffen.
Grundsätzlich zu Thailand und Kathoey sollte man allerdings auch anmerken, dass die Situation für sie dort keinesfalls rosig ist, auch wenn die Zustände und Häufigkeit anderes suggerieren. Kathoey sind dort zwar "normaler" Teil der Bevölkerung, und wie wir Europäer neidvoll sehen müssen, zumeist auch noch mit einem schier unverschämt gutem Passing ausgestattet

dennoch bewegen sie sich am Rand der Gesellschaft. Nur wenige von ihnen gehen einem normalen Beruf nach und können eine normale Karriere machen. Ich habe mal einen anderen Bericht über Thailand gesehen und dort wurde *eine* Kathoey gezeigt, die es geschafft hatte, im Hotel Management ein bisschen Karriere zu machen. Wenngleich man ihr, wegen des asiatischen Körperbaus, rein gar nichts männliches ansehen oder hören konnte, hatte sie die völlig gleichen Akzeptanzprobleme, wie sie auch TS in der westlichen Welt haben und damit einhergehend auch die gleichen Karrierebremsen. Obwohl sie voll qualifiziert war, konnte sie keine ihrer Qualifikation entsprechende Stelle erreichen, sondern verblieb in einer Assistenz Position. Sie schilderte auch, dass dies für Kathoey in "normalen" Berufen leider der Regelfall sei, sie sich aber damit abgefunden habe.
Die meisten verkaufen/vermieten ihren Körper, als Foto-Model oder noch schlimmer als Animiermädchen in den entsprechenden Clubs oder sogar als Prostituierte. Dies liegt nicht daran, dass sie dies unbedingt wollten, sondern meist daran, dass sie sonst nur wenig Chancen auf Gelderwerb haben. Man darf nicht vergessen, dass Thailand ein armes Land ist. Schon durchschnittlich bezahlte Arbeitsplätze sind nicht leicht zu finden, die Bevölkerungsdichte ist hoch. Für eine Transsexuelle dort einen normalen Job zu finden ist schwer. Und auch wenn es so scheint, als seien Kathoey akzeptiert, so sind sie es eben nur in einem Teil des gesellschaftlichen Lebens, nämlich als hübsch anzuschauende junge Mädchen mit einem gewissen "extra", was Einigen wohl einen extra Kick beim Gaffen verschafft. Das schlimme daran ist auch, dass einige bedingt durch die Armut aber die Aussicht au "schnelles" Geld durch Prostitution oder Modelling dazu animiert werden, Transsexualität als eine Karrierechance misszuverstehen. Für sie beginnt dann nur bald ein Teufelskreis, denn vergleichsweise viel Geld können sie verdienen, müssen dies aber für ihre Angleichung gleich wieder ausgeben. Dadurch geraten viele auf die schiefe Bahn und enden auch dort.
Was echte Akzeptanz betrifft ist man in Thailand damit vielleicht auch nicht weiter als wir hier. Nur gibt es dieses Phänomen in Thailand schon länger öffentlich sichtbar; etwas, was in Deutschland und Mitteleuropa erst in den letzten paar Jahren langsam in das öffentliche Bewusstsein vorrückt. Das in Thailand in der Zwischenzeit nicht mehr für die Akzeptanz von TS passiert ist oder getan wurde, ist eigentlich traurig. An einigen Stellen sind wir sogar schon deutlich weiter, denn die rechtliche Stellung von Transsexuellen ist, soviel Kritik man daran auch üben mag, durch das TSG in Deutschland deutlich besser - wenn ich nicht irre, gibt es bspw. in Thailand bis heute keine Möglichkeit, den Personenstand zu ändern. Kotheys bleiben damit formal "männlich", mit all den hässlichen Begleiterscheinungen, die dies mit sich bringt, allen voran, dass sie bei sexuellen Übergriffen dadurch praktisch rechtlos werden. Ich finde es spontan nicht wieder, aber ich meine das erst vor kurzem in Thailand ein Gesetz geändert wurde, welches es Kathoeys erst damit ermöglicht, erkennbar in ihrer Zielgeschlechtlichen Rolle, also als Frau, eine Universität zu besuchen - denn sie sind ja formal immernoch Männer!
So schön der Schein auch sein mag, so schade ist es zu konstatieren, dass Thailand wohl doch kein Traumland für Transfrauen ist.
Liebe Grüße
nicole