Weihnachtsgeschenkdilemma
Verfasst: Mo 23. Dez 2013, 12:57
Die Sache mit den Weihnachtsgeschenken ist ja ohnehin nie leicht, auch für Menschen ohne Trans-Empfinden, die sogenannten 'Ahnungslosen', nicht. Was man als Mensch mit Trans-Empfinden aber so alles durchmacht, daran hat wohl niemand gedacht, als die Schenkerei angefangen wurde.
Der 'Schlips' für einen weiblich fühlenden Mann-Menschen, geschenkt von einer ahnungslosen Mitmenschin, ist ja echt noch das kleinste Problem. Wie für alles, was man selbst geschenkt bekommt ohne es zu wollen, gibt's ja 'Kleiderkreisel' usw. Man muss halt nur ein bischen aufpassen, damit der Geschenk-Frevel nicht ruchbar wird. Wäre ja dumm gelaufen, wenn Papa nach Weihnachten genau den Schlips günstig erwirbt, den Mama ihrem Sohn schenken wollte, den sie aber der Tochter gab, von der sie nichts weiss.
Richtig blöd wird's erst, wenn man, als 'so jemand', selbst was verschenken will. Obendrein an eine Frau, schlimmstenfalls die eigene, die einen, trotz oder wegen der weiblichen Eigenheiten, liebt. Auf die vorsichtige Frage, vor ein paar Wochen vorsorglich gestellt, was sie sich denn wünsche, könnte sie zweierlei geantwortet haben. Erste Möglichkeit: "Funkelnde Brillanten, ein neues Cabrio und ein schickes Reitpferd"...... tja, wenn man dann nicht zufällig Ex-Vorstand einer Krisenbank ist und sowieso grade nicht weiss 'wohin bloss mit der Abfindungs-Kohle?' ....Pech gehabt.
Viel besser ist die zweite Möglichkeit, "Ach ich hab' doch alles, ich wünsch' mir nur dich", allerdings auch nicht. Sicher, man könnte die Sache damit als erledigt und sich selbst als bestens gebauchpinselt betrachten; alles wäre gut. Nur stünde man dann, am Weihnachtsabend, zwar mit dem guten Gefühl geliebt zu werden, aber auch mit leeren Händen da. Ein eher unschöner Zustand.
Es kommt also, wie es kommen muss: Man macht sich auf den Weg, um ein tolles Geschenk zu finden, das die Wertschätzung und Liebe die man erfahren hat ein Stück weit zurückgeben soll. Am Schaufenster des örtlichen Juweliers geht man, aus oben genannten Gründen, erhobenen Hauptes vorbei; ist eh alles Tand und sinnloses Geschmeide. Läden die Cabrios und Pferde als Ganzes verkaufen, gibt es in der Fussgängerzone, Gott sei Dank, keine. Das macht es etwas leichter.
Man bummelt also weiter. Eine Teekanne? Hat sie schon. Eine Kaffeemaschine? Will sie nicht. Ein Cabrio-Modellauto? Nee, nee, sooo simpel lassen sich nur 'echte Männer' zufriedenstellen, bei Frauen funktioniert das nicht. Wieder weiterbummeln, planlos und ohne Aussicht auf eine Lösung. Aber dann passiert's: Es springt einem direkt ins Auge. In der durchgestylten Auslage eines ..... ja, ihr habt es schon geahnt ..... eines Damenmodegeschäftes! Ein toller Poncho, so richtig schick, dazu die passenden Leg-warmers. Man sieht sie sofort vor sich,in diesen Sachen. Ein hübsches Bild, bestimmt freut sie sich auch über dies Geschenk. Also rein in den Laden, die Teile eingekauft und gleich hübsch verpacken lassen. Ab nach Hause, der Baum muss noch geschmückt werden. Drivin' home for christmas....
Unbedarfte Zeitgenossen könnten jetzt meinen das damit die Geschichte zu Ende ist und alles seinen üblichen, weihnachtlichen Gang gehen wird. Unbedarfte Zeitgenossen haben allerdings absolut keine Ahnung, was es bedeutet, dass sowohl Ponchos als auch Legwarmers "Onesize" sind. Die halten das schlicht für eine praktische Sache: Passt immer und jeder. Nur die Eingeweihten können erahnen, mit welch schlechtem Gewissen man deswegen als Transmensch mit einem Faible für hübsche Strickwaren unterm Weihnachtsbaum sitzen kann. Mit einem gestrickten Geschenk, in "Onesize". One for two, me and you....
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In der Hoffnung, dass ihr ohne Schlipse für Töchter, ohne Spitzenbodys für Söhne und ohne schlechtes Gewissen ein frohes Fest und/oder geruhsame Feiertage habt .
Marielle
ach, eines noch: Ihr müsst euch keine Gedanken um praktische Ratschläge machen; Es ist ein Geschichte. Natürlich hat sie eine Inspiration, es ist aber etwas ähnliches wie 'Littäratuurrr', wie Reich-Ranicki gesagt hätte. Ausserdem werd' ich den Poncho bestimmt NICHT umtauschen
Der 'Schlips' für einen weiblich fühlenden Mann-Menschen, geschenkt von einer ahnungslosen Mitmenschin, ist ja echt noch das kleinste Problem. Wie für alles, was man selbst geschenkt bekommt ohne es zu wollen, gibt's ja 'Kleiderkreisel' usw. Man muss halt nur ein bischen aufpassen, damit der Geschenk-Frevel nicht ruchbar wird. Wäre ja dumm gelaufen, wenn Papa nach Weihnachten genau den Schlips günstig erwirbt, den Mama ihrem Sohn schenken wollte, den sie aber der Tochter gab, von der sie nichts weiss.
Richtig blöd wird's erst, wenn man, als 'so jemand', selbst was verschenken will. Obendrein an eine Frau, schlimmstenfalls die eigene, die einen, trotz oder wegen der weiblichen Eigenheiten, liebt. Auf die vorsichtige Frage, vor ein paar Wochen vorsorglich gestellt, was sie sich denn wünsche, könnte sie zweierlei geantwortet haben. Erste Möglichkeit: "Funkelnde Brillanten, ein neues Cabrio und ein schickes Reitpferd"...... tja, wenn man dann nicht zufällig Ex-Vorstand einer Krisenbank ist und sowieso grade nicht weiss 'wohin bloss mit der Abfindungs-Kohle?' ....Pech gehabt.
Viel besser ist die zweite Möglichkeit, "Ach ich hab' doch alles, ich wünsch' mir nur dich", allerdings auch nicht. Sicher, man könnte die Sache damit als erledigt und sich selbst als bestens gebauchpinselt betrachten; alles wäre gut. Nur stünde man dann, am Weihnachtsabend, zwar mit dem guten Gefühl geliebt zu werden, aber auch mit leeren Händen da. Ein eher unschöner Zustand.
Es kommt also, wie es kommen muss: Man macht sich auf den Weg, um ein tolles Geschenk zu finden, das die Wertschätzung und Liebe die man erfahren hat ein Stück weit zurückgeben soll. Am Schaufenster des örtlichen Juweliers geht man, aus oben genannten Gründen, erhobenen Hauptes vorbei; ist eh alles Tand und sinnloses Geschmeide. Läden die Cabrios und Pferde als Ganzes verkaufen, gibt es in der Fussgängerzone, Gott sei Dank, keine. Das macht es etwas leichter.
Man bummelt also weiter. Eine Teekanne? Hat sie schon. Eine Kaffeemaschine? Will sie nicht. Ein Cabrio-Modellauto? Nee, nee, sooo simpel lassen sich nur 'echte Männer' zufriedenstellen, bei Frauen funktioniert das nicht. Wieder weiterbummeln, planlos und ohne Aussicht auf eine Lösung. Aber dann passiert's: Es springt einem direkt ins Auge. In der durchgestylten Auslage eines ..... ja, ihr habt es schon geahnt ..... eines Damenmodegeschäftes! Ein toller Poncho, so richtig schick, dazu die passenden Leg-warmers. Man sieht sie sofort vor sich,in diesen Sachen. Ein hübsches Bild, bestimmt freut sie sich auch über dies Geschenk. Also rein in den Laden, die Teile eingekauft und gleich hübsch verpacken lassen. Ab nach Hause, der Baum muss noch geschmückt werden. Drivin' home for christmas....
Unbedarfte Zeitgenossen könnten jetzt meinen das damit die Geschichte zu Ende ist und alles seinen üblichen, weihnachtlichen Gang gehen wird. Unbedarfte Zeitgenossen haben allerdings absolut keine Ahnung, was es bedeutet, dass sowohl Ponchos als auch Legwarmers "Onesize" sind. Die halten das schlicht für eine praktische Sache: Passt immer und jeder. Nur die Eingeweihten können erahnen, mit welch schlechtem Gewissen man deswegen als Transmensch mit einem Faible für hübsche Strickwaren unterm Weihnachtsbaum sitzen kann. Mit einem gestrickten Geschenk, in "Onesize". One for two, me and you....
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In der Hoffnung, dass ihr ohne Schlipse für Töchter, ohne Spitzenbodys für Söhne und ohne schlechtes Gewissen ein frohes Fest und/oder geruhsame Feiertage habt .
Marielle
ach, eines noch: Ihr müsst euch keine Gedanken um praktische Ratschläge machen; Es ist ein Geschichte. Natürlich hat sie eine Inspiration, es ist aber etwas ähnliches wie 'Littäratuurrr', wie Reich-Ranicki gesagt hätte. Ausserdem werd' ich den Poncho bestimmt NICHT umtauschen