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Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: Fr 20. Dez 2013, 18:35
von Marielle
Hallo, Guten Tag zusammen,

vor einiger Zeit hat Becky hier auf einen Artikel in der GEO hingewiesen, in dem über ein Freizeit-Camp für Trans-Kinder berichtet wurde. Irgendjemand veranstaltet in den USA dieses Camp, um den Kids die Möglichkeit zu geben, ein paar Tage lang ohne dumme Sprüche, nur unter sich, sie selbst sein zu können.

Gestern hab' ich den Artikel gelesen und wollte ein wenig mehr über das Camp erfahren. Die Suche im Internet ergab ein paar (wenige) Treffer. Darunter waren ein paar gute, differenziert geschriebene Beiträge in Blogs u.ä.. Was es aber auch gab, war widerliches, ekelhaftes Geschreibsel von Faschisten und pseudo-christlichen Fundamentalisten, die ihr, an ihre schlichten Hirne angepasstes, Schwarz-Weiss-Weltbild bedroht sehen. Ich habe mich SEHR über diese Sch..... aufgeregt, was diejenigen 'abbekommen' haben, die gestern noch spät am Abend im Chat waren. Sorry dafür an die, die es nicht aufgreifen wollten und Danke an die Anderen.

Aufgeregt habe ich mich aber nicht nur wegen der dummen, intoleranten Idioten, sondern auch, weil die Sache bei mir einen 'wunden Punkt' getroffen hat. Was tue ich, tun wir, eigentlich für unser Anliegen, ausser uns gegenseitig zu versichern, wie gut und wichtig wir sind?** Ich hatte und habe das Gefühl, dass ich / wir mehr tun könnten!

Die erste Idee, die ich gestern abend hatte: Das machen wir in Deutschland auch, so ein Camp. Kein Treffen um sich im Sonnenschein die Nägel zu feilen und Prosecco zu schlürfen, sondern eines für Transkinder. Aber wie das mit 'ersten Ideen' so ist: Sie sind halt nicht durchdacht. Ich habe keinerlei Kontakt zur 'Zielgruppe' und vermutlich auch kaum eine Ahnung, welche Bedürfnisse die 'Zielgruppe' hätte. Andererseits sind 'erste Ideen' der immer notwendige Zündfunke für Taten. Sie können durchdacht, gewendet, geändert, dann verworfen oder eben umgesetzt werden.

Weil ich hoffe und glauben will, dass es in unserem Forum doch einige Leute gibt, denen die eigene 'Sache' mehr als Nylons und Nagellack ist und die im Rahmen ihrer Möglichkeiten etwas beitragen können und wollen, starte ich diesen Thread.

Lasst uns Ideen sammeln und durchdenken, um Ansätze zu finden, die uns weiter bringen. Keine internen Diskussionen, keine Flugblätter die niemand liest, sondern Aktionen mit 'Spass-Faktor' für alle Beteiligten. Aktionen für uns und für die, die sie nötig haben. Sachen die Spass machen, die gut tun und die vielleicht sogar ein paar 'Normale' soweit für uns einnehmen, dass sie sich demnächst auch über Intoleranz und Dummheit aufregen.

Die Sache mit dem Camp finde ich, trotz fehlendem Plan, eine spannende Sache; wenn jemand da einen Ansatz hat?

Eine andere Sache, die mich schon länger beschäftigt, wäre es, zu einem Treffen von Trans-Leuten auch 'Normalos' einzuladen; eine gemeinsame Party, einen Grillabend, irgendetwas, von wo die Leute nachher heimgehen und sagen: "Soooo schräg sind die ja gar nicht, die Trans-Leute." Vielleicht als Zusatz zum Treffen im Mai in Berlin? Ist die Idee gut oder ist sie Mist?


Lasst von euch und euren Ideen hören!

liebe Grüsse von

Marielle



*) "Wie wär's, Wenn man selbst mal was tun würde" Refrainzeile aus "Arsch huh, Zäng ussenander" von BAP

**) Das Forum und der gegenseitige Beistand ist wichtig und gut! Auch Stammtische und andere "interne" Veranstaltungen sind wichtig und gut! Ich schreibe diesen Thread nicht gegen diese Sachen, sondern für etwas anderes, eine Art Erweiterung der Foren-Aktivität.

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: Fr 20. Dez 2013, 18:56
von Anne-Mette
Moin,

ein Camp zu organisieren ist relativ schwierig - auch an Zielgruppen zu kommen.
Diejenigen, die das organisieren, müssten sich auch schon bei ähnlichen Veranstaltungen als vertrauenswürdig gezeigt haben.

Ich könnte mir eher vorstellen, das Forum-Treffen für Aktionen zu nutzen, die Kinder und Jugendliche einbeziehen könnten.
Im Sonntagsclub könnte man sogar ein Theaterstück zeigen - und in Zusammenarbeit mit Menschen aus der Jugenarbeit könnte man auch eine "Kinderbegegnung der Vielfalt" einbeziehen, dabei Informationen geben, Schminken, Verkleiden... und und und (Straßenfest(?))

Um doch noch einmal zurückzukehren auf das CAMP
Ich habe Verbindungen zu einem Zirkus und habe auch schonmal einen "Kinder-Mitmach-Zirkus" organisert. Zirkus müsste man ja nicht unbedingt veranstalten, aber das Drumherum und die Organisation könnte man gut nutzen. Das wäre kein CAMP für mehrere Tage, aber sicherlich könnte man einen ganzen Tag veranstalten und dann eine "Spiel-Spaß-Info-Veranstaltung" für Eltern und interessierte Öffentlichkeit machen.

Gruß
Anne-Mette

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: Fr 20. Dez 2013, 19:54
von Vincent
Hallo Marielle,

vielleicht kein Camp, aber Treffen und eine SHG für Transkinder gibt es bereits, verantwortlich oder zumindest diesbezüglich engagiert ist Inka,
die, soweit ich sie kenne, gerne mit Rat oder Tat unterstützt oder evtl. auch gerne Hilfe annimmt und für neue Ideen offen ist.
Du erreichst sie ziemlich zuverlässig über ihre Website:

http://inkagehtihrenweg.blogspot.de/

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: Fr 20. Dez 2013, 22:26
von Saskia.shewulf
Hallo Marielle

Also erst mal halte ich das für eine sehr gute Idee bin zurzeit leider etwas ausgesaugt deshalb habe ich jetzt keine spontane Idee
ich werde aber darüber nachdenken und wenn mir was zündendes einfällt werde ich hier sagen.
zur Mithilfe bin ich gerne bereit.
Verflixt jetzt weis ich auch was ich vergessen habe ich wollte mir ja auch die Geo holen :?

lg Saskia

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: Sa 21. Dez 2013, 00:34
von Inga
Hallo, Marelle,

an sich eine gute Idee. Doch frage ich mich, ob es fpür uns nicht sinnvoller ist. die vorhandene Arbeit anderer zu unterstützen. Das kann evtl. durch einen Förderkreis geschehen, der die arbeit im allgemeinen und die CAMPs im besonderen mit trägt, oder durch das Mitorganisieren eines Campes für die 60 Kinder..

Für cretive Aktionen geht es mir gerade wie Saskia: Ich fühle mich so ausgebrannt. Da kriege ich keinen klaren Gedanken hin.

Liebe Grüße
Inga

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: Sa 21. Dez 2013, 18:16
von ab08
Kurzer Hinweis auf eine empfehlenswerte, sehr aktive Elterninitiative für Eltern mit transsexuellen Kindern:
http://www.trans-kinder-netz.de/

Vor dem Gang zu Psychiatern und Einrichtungen der Kinder & Jugendpsychiatrie empfehle ich Vorinformationen einzuholen.
Es sollte nämlich bekannt sein, dass der Kenntnisstand in dem Bereich unterschiedlich ist. - Bisweilen herrscht das Prinzip vor: <Ideologie ist wichtiger als profundes Wissen>
Wer das anzweifelt, sollte bei http://www.trans-health.info/ vorbeischauen :wink:

Liebe Grüße
ab

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: So 22. Dez 2013, 11:42
von Becky
Danke Ab und Inga,
Klar etwas Komplett neu aufbauen dauert viel Zeit und noch mehr Kraft, und es gibt schon gute Arbeiten von anderen, hier zu Unterstützen ist bestimmt sinnvoller.
@Inga:
Ich habe jetzt nicht den Ganzen Block von Inka gelesen: 60 kinder, Camp?... Gibt es so etwas schon hier in Deutschland? Gehört das auch zur Trakine?

Der Hinweis mit der Trakine (Trans-Kinder-Netz) ist schon mal ein sehr guter Anfang, diese Bilder im Geo haben in mir so viel Sehnsucht und wäre es doch damals bei mir Gedanken etc. ausgelöst,...
Wenn ich die Möglichkeit habe, dieses von mir durchgemachte Leid bei anderen zu reduzieren, zur früheren Erkenntnis von Eltern, Umfeld und natürlich gerade von den Betroffenen beitragen, dann möchte ich da gerne Helfen.
Ich denke das das Trakine schon gute Kontakte gebildet hat.

Gedanken zu einem Öffentlichen Strassenfest: Bestimmt nicht sooo schlecht, aber hier genügend Betroffene zu finden die sich Outen? Wird schwierig... Weiterhin kann das durch Negative Personen auch so ausgelegt werden, das wir dieses .... Verhalten ja noch fördern... Da sehe ich eine zu grosse Gefahr das unser Fest noch gestürmt wird.

Mit einem geheimen Camp: gibt es keinerlei Negative Einflüsse von Aussen, ich glaube nur hier können sich schüchterne Wünsche so dann mal heraustrauen, und da bezweifel ich das ein paar Stunden am Nachmittag reichen (mal davon ausgehend das es dabei kein Negatives Volk anzieht). Klar hier sollten dann auch unbedingt Psychologen dabei sein. Und auch für die Eltern die ja mit in dem Lager sind, sollte vieleicht ein Programmchen für die Eltern erarbeitet werden, damit sie die Kinder unbeeinflusst und frei sich einfach entfalten lassen können, eben genauso wie auf z.B. dem Bild mit den Blumenkindern zu sehen ist.

Ich habe nicht die Kraft und Zeit etwas zu Organisieren, aber ich würde gerne Tatkräftig mit meinen Möglichkeiten dabei sein.


LG Rebecca

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: So 22. Dez 2013, 21:12
von ab08
Becky hat geschrieben: ...Block von Inka gelesen... Camp?... Gibt es so etwas schon hier in Deutschland? Gehört das auch zur Trakine?

Liebe Rebecca,

vor einiger Zeit veranstaltete Inka mindestens eine solche Freizeit. *) Es tut den Kindern gut, wenn sie gleichaltrigen Betroffenen begegnen und hilft den Eltern.
Da Menschen aber unterschiedlich sind ( manche leben offen / manche brauchen viel Privatheit) muss das beim Grad der Öffentlichkeit berücksichtigt werden.

"Gehört das auch zur Trakine?" natürlich kennt man/frau sich...:wink: Allerdings, auch wenn in Deutschland oft nach Organisationen/Vereinen gestrebt wird, sind anfangs unterschiedliche Ansätze oft wirkungsvoller. Wir sollten aber solidarisch handeln. Unabhängige Aktionen/ lose Strukturen sind nicht schlecht. - Zusammengehen bei Bedarf ist ja stets möglich. :wink:

Liebe Grüße
ab

*) Bei Bedarf würde ich Inka nachfragen, denn sie kennt sich aus. Bzw. eine Mail an Trakine schreiben.

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: So 22. Dez 2013, 22:55
von Andrea aus Sachsen
.
Danke "ab" für die interessanten Links! Es ist ja erschreckend, welches (Un-)Wissen über unsere Sache selbst unter Ärzt(inn)en teilweise noch vorherrscht.
Ich habe mir auch schon den Kopf darüber zerbrochen, wie wir etwas zur Verbesserung unseres Images und zu einem besseren allgemeinen Wissen über unsere Sache tun könnten.
Die Sache mit dem Camp wäre für die Beteiligten sicher eine gute Sache, trägt meines Erachtens aber nicht zu einer besseren Information der Allgemeinheit bei, weil die Betroffenen dort unter sich wären. Um an die Zielgruppe heran zu kommen, könnte ich mir vorstellen, entsprechende Selbsthilfegruppen deutschlandweit anzufragen. Auch Aufrufe oder Hinweise in Foren zu unserer Thematik (nicht nur unseres) könnten weiterhelfen.
Zu der Idee von Marielle, "normale" Leute zu CD/TS-Treffen einzuladen:
Ich hätte grundsätzlich nichts dagegen, bin aber skeptisch, ob das zu einer breiteren Information beiträgt. Ich denke, es würden vorrangig Leute kommen, die mit unserer Sache schon vertraut sind und nur ihr Wissen vertiefen möchten. Diejenigen, die noch nichts wissen oder dem ablehnend gegenüberstehen, werde eher nach der "geh ich nicht hin"-Devise handeln.
Zum anderen sind die Bedenken von Becky, dass zu viel Öffentlichkeit zahlreiche Betroffene vom kommen abschrecken wird, auch nicht von der Hand zu weisen.
Die meines Erachtens aussichtsreichste Möglichkeit, hier langfristig etwas zu bewirken, wäre, das Thema im Schulunterricht in einer angemessenen Form und Umfang zu behandeln. Da kämen auch diejenigen mit der Sache in Berührung, die von sich aus nie nach Informationen dazu gesucht hätten. Ich hatte übrigens schon mal einen Beitrag dazu geschrieben: viewtopic.php?f=57&t=1879&hilit=schulfa ... =45#p62265
Spätestens wenn diejenigen, die das heute lernen, das Rentenalter erreicht haben, wären breite Kreise der Bevölkerung besser informiert. Also bitte noch etwas Geduld!
Anfangen müssten wir natürlich heute schon. Ich habe allerdings keine Ahnung, was es bedeuten würde, eine Schulbehörde oder gar den Bildungsminister zu überzeugen, die Sache in die Lehrpläne aufzunehmen. Da ist es wahrscheinlich einfacher, schulinterne Projekte zum Thema Toleranz gegenüber Anderssein zu unterstützen oder auszuweiten. Aber wie könnte unsere Unterstützung konkret aussehen? Da fällt mir spontan folgendes ein:

"¢ derartige Projekte anregen
"¢ Unterstützung bei Organisation
"¢ als Betroffener den Schülern Rede und Antwort stehen

Soweit einige Gedanke von mir dazu. Weitere Ideen wären sehr willkommen. Wir sollten an der Sache auf jeden Fall dranbleiben.

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: Mo 23. Dez 2013, 08:57
von ab08
Liebe Andrea,

ein herzliches Danke für Deinen Beitrag und Deine Überlegungen.
Zunächst geht es stets darum, Betroffene zu informieren und zu verhindern, dass die Sache ins falsche Gleis gerät.

Mir begegnete, da ich mich informiere und seit fast einem Jahrzehnt auch im Psycho-Bereich unterrichte, schon viel.
In vielen Bereichen (nicht nur bei TS) sind die Probleme ähnlich.
Es geht darum, Betroffene zu stützen. (z.B. mit Camps, SHGs, Broschüren usw.) --- Prinzip "Informierter Patient"
Die Information der Öffentlichkeit ist wichtig, aber eigentlich sekundär.

Klartext:

- Bei intersexuellen Kindern geht es zunächst darum, unnötige problematische Operationen zu verhindern!!
Gesellschaftliche Akzeptanz sollte dann natürlich folgen und die Öffentlichkeit sollte akzeptieren, dass diese Menschen da sind.
Selbsthilfeorganisation z.B. http://blog.zwischengeschlecht.info/

- Bei transsexuellen Kindern geht es darum, unnötige psychiatrische Behandlungen zu verhindern!!
Der Kampf um ein transsexuelles Mädchen in Berlin führte vor einiger Zeit zur Gründung von Trakine http://www.trans-kinder-netz.de/
Es geht zunächst darum Eltern zu informieren, damit solche Dinge früher bzw. völlig verhindert werden!!
---> Natürlich ist die Information der Öffentlichkeit wichtig. Ein normaler Umgang im Alltag erleichtert Nichtbetroffenen das Verständnis.
:wink: Die 'Transition' unterbrach meine unterrichtliche Tätigkeit kaum. Ich arbeitete stets Vollzeit. Seit dem CO hatte ich z.B. mehrere Abiturklassen...+...
An den Schulen, an denen ich tätig bin/war, wissen die Menschen, dass TS/IS nicht ansteckend ist und es solche Lehrkräfte eben auch gibt.


Liebe Grüße
ab

P.S. Jetzt noch ein kleines persönliches 'Geheimnis': 2008 wurde meine NÄ rechtskräftig, daher ab08...

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: So 29. Dez 2013, 20:30
von nicole.f
Hallo!
"Wie wär et, wemmer selver jet däät..." - großartig wäre das! Und zwar jede(r), so gut und so oft sie/er kann. Jede Hilfe ist eine Hilfe, auch wenn es nur eine Kleine ist.

Es wird hier im Forum und anderswo beklagt, dass wir zu wenig Akzeptanz, ja nichteinmal Toleranz in der Öffentlichkeit erfahren. Das entspricht sicherlich der Wahrheit, Zeugnisse davon finden sich leicht, hier im Forum oder die noch schlimmeren Fälle in den Medien.

Die erste Frage, die sich stellt ist, können wir diese Toleranz und insbesondere Akzeptanz von der Gesellschaft in der Tat erwarten oder sogar einfordern?
Ja, ich denke schon. Dass es uns Trans* Menschen gibt, ist ein Fakt. Das es uns nicht erst seit gestern sondern schon seit Generationen gibt auch. Auch ist es ein Fakt, dass uns mangelnde Akzeptanz/Toleranz das Leben unnötig schwer macht. Das Grundgesetz schreibt nicht ohne Grund das Recht auf freie persönliche Entfaltung und Lebensgestaltung für jeden Bundesbürger fest. Auch schreibt es fest, dass kein Mensch diskriminiert werden darf. Ausgrenzung und Intoleranz sind Formen der Diskriminierung.

Also grundsätzlich können und sollten wir das.
Aber es muss natürlich klar sein, dass dies nicht einfach so oder von heute auf morgen passieren kann.
Auch muss es klar sein, dass es nicht von alleine stattfinden wird. *Wir* müssen dafür selbst sorgen, Verantwortung übernehmen und selbst tätig werden. Nur zu klagen und zu warten, dass *es* passiert, ist ganz sicher aussichtslos.

Wie es hier im Thread und in anderen Threads auch schon angeklungen ist, ist dies ganz sicher keine einfache Sache. Und eine einzelne Aktion oder eine einzelne Aktivität wird das ganz sicher nicht bewerkstelligen. Auch kann eine einzelne Person oder Gruppe dies ganz sicher nicht alleine erreichen.

Ist dies Grund genug, den Kopf in den Sand zu stecken und nur noch die Missstände zu betrauern und zu beklagen?
NEIN!

Und damit komme ich zurück zum Eingang: Jede Hilfe ist eine Hilfe, auch wenn es nur eine Kleine ist.
Oder wie es der Volksmund sagt: Der stete Tropfen höhlt den (härtesten) Stein.

Fast alles was wir tun, um uns und unsere Anliegen in die Öffentlichkeit zu bringen, ist richtig und wichtig. Auf die einzelne Aktion kommt es dabei, global betrachtet, nicht an. Die Kontinuität und Breite ist viel wichtiger. Die Homosexuellen-Bewegung hat es vorgemacht. Seit den 60er Jahren sind sie aktiv, klären auf, sind sichtbar. Anfangs angefeindet, verspottet und beschimpft. Doch heute, 50 Jahre später? Niemand käme mehr auf die Idee, Homosexualität unter Strafe zu stellen. Nunja, vielleicht noch ein paar arge Wirrköpfe, doch das ist eine kleine Minderheit - hoffe ich. Die Gruppe der Homosexuellen ist, meiner Vermutung nach, höchstens genauso groß, wie die Gesamtgruppe der Trans* Menschen. Aber dennoch sind wir praktisch nicht sichtbar, abgesehen von den wenigen Paradiesvögeln, die ab und zu durch die Medien geistern.

Können wir dies ändern?
Ja!

Es wird eine *gemeinsame* Anstrengung brauchen, gar keine Frage. Jede(r) die sich beklagt sollte sich gleichzeitig selbst kritisch hinterfragen, was könnte ich in meinem Umfeld und mit meinem Erfahrungsschatz tun, um über uns aufzuklären und öffentliches Bewusstsein zu schaffen?

Jetzt werden sicherlich viele denken "Ach ich kleines Licht, ich einzelnes armes Wutzel, ich kann doch nichts bewegen."
Falsch!

Warum ich mir da so sicher bin? Wie man im Englischen sagt: Been there, done that.
Ich habe selbst mehrfach für solche scheinbar hoffnungslose Themen eingestanden und jahrelang für Verständnis dafür gekämpft, geredet, geschrieben, überzeugt und aufgeklärt. Und das waren ganz unterschiedliche Dinge und hatten mit Trans* rein gar nichts zu tun - Politisches, Technisches etc. Meine Erfahrung dabei war es stets, egal um welches Thema es ging, dass es für den Einzelnen Aktivisten zuweilen zermürbend sein kann, immer und immer wieder vor die gleiche Wand und die gleichen geschlossenen Türen zu laufen. Doch mit der Zeit bilden sich Risse, Türen beginnen sich zu öffnen. Es dauert nur. Aber mit Ausdauer und Energie hat es bisher immer schlussendlich funktioniert. Immer!
Und je mehr die Wände und Türen kontinuierlich aus unterschiedlichen Richtungen und Energie bearbeiten, desto eher wird sich etwas bewegen. Es wird lange dauern. Bei den Homosexuellen waren es gut 50 Jahre. Sie haben uns aber einen Weg bereitet, auf dem wir beschleunigt reisen können. Jahre werden wir trotzdem brauchen.

Was kann jede(r) Einzelne also tun?
Werdet sichtbar! Solange wir nur im Verborgenen agieren, erreichen wir selbstverständlich keine Breitenwirkung. Engagiert Euch! Helft und unterstützt Selbsthilfegruppen und / oder entsprechende Vereine. Geht zu Treffen, die etwas mit Trans* zu tun haben. Besucht Tagungen und Konferenzen. Wenn Tagungs- oder Konferenzprogramme unausgewogen sind und Ihr das Gefühl habt, wir werden unter den Teppich gekehrt, obwohl wir zum Thema gehören würden, übt konstruktive Kritik. Schreibt Leserbriefe an Zeitungen und Medien. Schreibt an Politiker, z.B. Eure Abgeordneten im Land- und Bundestag (@Andrea: Du hast da die Idee mit den Schulen - schonmal das Kultusministerium darauf hingewiesen? Gibt es bspw. ein SchLAu[1] in Sachsen? Sind wir da hinreichend repräsentiert? Warum ggf. nicht?). Macht selbst Veranstaltungen. Geht zum CSD! Gestaltet eine eigene Homepage oder Blog und schreibt Eure Gedanken und Kritik auf.
Seit konstruktiv! Und kreativ... Jede Aktion zählt.

Ein häufiger Einwand dazu ist, dass die breite Masse der Bevölkerung aber gar nichts von uns wissen will und man sie daher besser damit in Ruhe lasse. Das halte ich für eine grundfalsche Einstellung. *Wir* sind ein Teil dieser Bevölkerung und haben das gleiche Recht, ausgewogen und zufrieden leben zu können, genau so, wie alle anderen auch. Natürlich ist es dann für viele zunächst unangenehm, dass an hergebrachten und gewohnten Bildern und Strukturen auf einmal gerüttelt wird. Wer würde hier nicht zunächst widersprechen? Aber genau so war es bei den Homosexuellen anfangs auch, genau wie bei jeder Randgruppe, die sich ihre Rechte und ihre Stellung in der Gesellschaft erkämpft hat.

Die Energie und der Wille ist da, dies spürt man deutlich in den Äußerungen hier und anderswo. Um bei BAP zu bleiben "Arsch huh, Zäng ussenander.!" (Arsch hoch, Zähne auseinander!). Jedes Wehklagen muss mit der Gegenfrage beantwortet werden: Und? Was tust Du nun dagegen? *Etwas* kann jede(r) tun. Man muss es nur wirklich auch anpacken.
Mit dem Finger auf Probleme zu zeigen ist leicht. Doch mit nur einem Finger kann man nichts anpacken, dazu braucht es die ganze geöffnete Hand.

Jetzt ist es natürlich einfach, solche Forderungen zu postulieren. Da es aber nach Selbstbeweihräucherung aussähe, würde ich jetzt hier beschreiben, was ich in der Richtung getan habe und gerade tue, lasse ich es. Das ist nicht das Thema. Wenn es dennoch jemanden interessiert, kann die-/derjenige mich gerne per PN kontaktieren.

Meine Botschaft an dieser Stelle wäre nur: In dem Moment, indem Du meckerst, musst Du Dir die Frage gefallen lassen, was Du bereit bist, dagegen zu tun? Nichts zu tun verwirkt, meiner Meinung nach, das Recht zu meckern.

Revolutionäre Grüße :)
nicole

[1] SchLAu NRW - Schwul Lesbisch Bi Trans* Aufklärung:
http://www.schlau-nrw.de/index.php

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: So 29. Dez 2013, 20:49
von ab08
Liebe Nicole,

ganz herzlichen Dank für Deinen klaren Worte und besonders auch für den Hinweis auf SchLAu NRW!!

Gerade las ich kurz in Deinem Blog - Die Definition von Transsexualität ist äußerst treffend und begeistert mich:
Leider unterrichte ich Mathematik und Physik, aber wenn ich auch für Biologie bzw. Ethik zuständig wäre,
würde ich es so diktieren und abfragen: - Gestatte bitte, dass ich Dich hier noch mal zitiere:
"... im Prinzip alles in Ordnung. Personen, die transsexuell sind, haben eine gesunde und völlig normale Geschlechtsidentität und einen, meistens, ganz normalen und gesunden Körper.
Nur passen beide leider nicht zueinander.
Dies ist keine Störung der Selbstwahrnehmung sondern in der Regel eher die korrekte Selbstwahrnehmung, die nur durch den Widerspruch mit dem Körper als störend wahrgenommen wird.
... Die Diskrepanz zwischen gefühlter Geschlechtszugehörigkeit und biologischem Körper sorgt für eine ärztliche Behandlungsbedürftigkeit."


Liebe Grüße und vielen Dank,
denn klare, griffige Formulierungen sind im Schulalltag nötig und hilfreich
ab

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: So 29. Dez 2013, 20:54
von ExuserIn-2022-05-28
Trakine wurde ja bereits oben erwähnt. Diese bieten in gewissen Abständen entsprechende Wochenendfreizeiten für TS-Kinder und deren Eltern an

LG Chrissie

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: So 29. Dez 2013, 21:57
von nicole.f
Hallo AB!
ab08 hat geschrieben:Liebe Nicole,

ganz herzlichen Dank für Deinen klaren Worte und besonders auch für den Hinweis auf SchLAu NRW!!

Gerade las ich kurz in Deinem Blog - Die Definition von Transsexualität ist äußerst treffend und begeistert mich:
Leider unterrichte ich Mathematik und Physik, aber wenn ich auch für Biologie bzw. Ethik zuständig wäre,
würde ich es so diktieren und abfragen: - Gestatte bitte, dass ich Dich hier noch mal zitiere:
...
Danke :)
Und natürlich ist das Zitat OK - CC-BY [1] sozusagen :)
ab08 hat geschrieben: Liebe Grüße und vielen Dank,
denn klare, griffige Formulierungen sind im Schulalltag nötig und hilfreich
ab
Wenn ich mich recht erinnere, bist Du in Bayern beruflich aktiv?
Gibt es bei Euch auch eine SchLAu Initiative? Das scheint es wohl grundsätzlich bundesweit zu geben und wird auch von den Ländern gefördert. Eine Übersicht habe ich nur leider auf die Schnelle nicht finden können. Im Zweifelsfall kann ich mal unseren Sozialarbeiter fragen, der hier in Siegen SchLAu organisiert. Vielleicht wäre es ja mal eine Idee, eine SchLAu Veranstaltung bei Euch in der Schule zu organisieren? Oder noch besser, dies zu einer Art Pflichtveranstaltung jährlich für eine bestimmte Altersstufe zu machen?

Ich muss dazu auch nochmal mit dem Sozialarbeiter in Ruhe reden... ich habe noch keine rechte Idee, was die da machen und wie Trans* dabei repräsentiert ist/wird. Er selbst ist homosexuell und ich habe den Eindruck, dass er kein grosses Interesse am Trans* Thema hat. Mit anderen Worten, dies wird also eines meiner nächsten Projekte, ihn da etwas "auf Trab" zu bringen :) Was mir dabei nur mittelfristig passieren könnte ist, dass ich in die Zwickmühle gerate, mal mit zu so einer Veranstaltung gehen zu sollen/müssen. Da ich aber noch nicht öffentlich "out" bin, wird das dann etwas "spannend" :) Andererseits könnte es auch endlich mal den Anstoß geben, das Versteckspiel dranzugeben - hätte ja auch etwas für sich.

Liebe Grüße
nicole

[1] Creative Commons Lizenzen:
http://creativecommons.org/licenses/

Re: Wie wär et, wemmer selver jet däät... *

Verfasst: Mo 30. Dez 2013, 00:36
von Marielle
Hallo, Guten Abend,

es hat mich wirklich gefreut, dass Nicole den Thread wieder aus der Versenkung geholt hat. (smili)

Du hast das Anliegen gut beschrieben Nicole. Den Status Quo würde ich (ich bin bei praktischen Anliegen eher für die Kurztextvariante) so zusammenfassen: Wenige Aufrechte, die viel für "ihre Sache" tun; für die Sache vieler, die nichts tun, ausser zu wollen.

Ich weiss das es Menschen gibt, die genug Ernstes mit sich selbst zu tun haben, um sich um andere zu kümmern. Auch das es Leute gibt, deren Möglichkeiten tatsächlich sehr begrenzt sind, weiss ich. Ich weiss aber auch, dass es Trans-Menschen gibt, bei denen beides nicht zutrifft. Wo sind die?

Drei (in Worten: DREI ) Mitglieder dieses Forums haben ihre Bereitschaft bekundet, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten in ein Projekt, wie z.B. ein solches Camp für Trans-Kids, aktiv einzubringen. Noch weiss ich nicht ob diese Idee die richtige ist, über Weihnachten wollte ich dazu keine Anfragen starten, aber ich werde mit diesen drei Heldinnen erstmal weiter daran arbeiten; solange bis das läuft oder sich eine passendere, wichtigere Aktion gefunden hat und die dann läuft.

Zu deinem Beitrag von heute, 21:57, Nicole:
Was mir dabei nur mittelfristig passieren könnte ist, dass ich in die Zwickmühle gerate, mal mit zu so einer Veranstaltung gehen zu sollen/müssen. Da ich aber noch nicht öffentlich "out" bin, wird das dann etwas "spannend"
Diese Zwickmühle kenne ich sehr gut, sie bedrückt mich auch. Aber sie ist für mich ein "regionales Problem", von dem NRW (ausser einem kleinen Bereich in Westfalen, dem Wohnort meiner Eltern) nicht betroffen ist. Daher: Wenn du jemanden suchst, der auf entsprechenden Veranstaltungen mitredet, erklärt oder auch nur als stummes Beispiel dient: Wenn es irgend geht, bin ich dabei. Einzig einen genügenden zeitlichen Vorlauf brauche ich und ich will nicht ins TV; sonst gibt es keine Einschränkungen.

Wenn wir den "Arsch" nicht hoch und die Zähne für unser Anliegen nicht auseinander bekommen, tut es keiner.


PS (edit): ALLE die sich in diesem Thread bisher zu Wort gemeldet haben, packe ich auch in die "Kiste" mit den Heldinnen. Seid mir nicht böse, weil ich erst nur die Drei da reingepackt hatte.

liebe Grüsse an alle Aufrechten

Marielle