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Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: Sa 14. Dez 2013, 10:44
von Anne-Mette
Moin,

"warum hast Du es nicht gleich gesagt", mussten einige aus unserer Forengemeinde hören, als sie sich nach Jahren der Partnerin öffnen konnten.
Diesen Vorwurf habe ich nie hören müssen, aber mir wurde nun doch gesagt: "am Anfang war es nur ein anderes Anziehen, eine Art "Moderichtung" - und nun ist doch alles ganz anders!"
Irgendwie ist da auch etwas Wahres dran. Nur habe ich es vor etlichen Jahren ehrlich gemeint - und einige Standpunkte haben für mich auch noch heute Gültigkeit. Z.B. strebe ich auch weiterhin keine GAOP an und Hormone will ich auch nicht nehmen.
Es sind nun mehr als 6 Jahre, dass ich meiner Entwicklung Raum in punkto Intersexualität gegeben habe. Das ist ist doch ein recht langer Zeitraum, in dem auch andere Menschen sich sehr verändert haben, wenn ich mich mal so umblicke.

Gruß
Anne-Mette

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: Sa 14. Dez 2013, 11:48
von Lina
@ ... "am Anfang war es nur ein anderes Anziehen, eine Art "Moderichtung" - und nun ist doch alles ganz anders!"

Das habe ich auch noch nie jemanden abgekauft. Kleidung ist immer ein Teil einer Aussage und einer körpersprachlichen Konvention. Wenn man das nicht merkt könnte auc einfach Wörter aus einem wörterbuch sprechen, ohne die Bedeutung zu kennen. (Wenn ich mit weiblich-typisch kleide sage ich anderen Menschen, ich wünsche, dass ich mit mir wie eine Frau umgeht. Nicht nur irgendeine Frau sonder genau die, die ich jetzt darstelle.

Das Gelaber mit - ich bin ja ganz und gar Mann, aber Röcke sind sooo viel Bequemer, und ich bestimmt auch nicht Schwul und, und, und ... das kann ich einfach nicht mehr hören. Insbesondere auch nicht, wenn eine unteschwellige Trans- oder Homophobie auch noch rüber kommt. Und das ist oft so.

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: Sa 14. Dez 2013, 12:33
von JaquelineL
Hallo Anne-Mette,
Anne-Mette hat geschrieben:Moin,

"warum hast Du es nicht gleich gesagt", mussten einige aus unserer Forengemeinde hören, als sie sich nach Jahren der Partnerin öffnen konnten.
Diesen Vorwurf habe ich nie hören müssen, aber mir wurde nun doch gesagt: "am Anfang war es nur ein anderes Anziehen, eine Art "Moderichtung" - und nun ist doch alles ganz anders!"
Irgendwie ist da auch etwas Wahres dran. Nur habe ich es vor etlichen Jahren ehrlich gemeint
zieht gerade ein Komet vorbei, oder haben sich da zwei Damen ohne unser Wissen ausgetauscht? :-)

Auf eine gewisse Art durchläuft auch mein alter ego eine persönliche Entwicklung, doch aufgrund der begrenzten gelebten Zeit und der jahrelangen Isolation ist die Reifung wahrlich nicht den vergangenen Kalenderjahren entsprechend.

Die Bemerkung aus der anderen Antwort, das könne sie mittlerweile nicht mehr hören und das müsste doch eigentlich auch ein Blinder als Blödsinn ansehen (das war jetzt kein wortwörtliches Zitat) empfinde ich als frech :((a - gerade zu Beginn kann Frau sich und das Verhalten/die Neigungen nur sehr schwer einordnen... und es gibt mental ausgereifte Menschen, die sich (nach eigener Erkenntnis) tatsächlich ohne Geschlechtsidentität-Vordergründe crossdressen.

Liebe Grüße
Jackie

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: Sa 14. Dez 2013, 12:40
von ab08
Liebe Anne-Mette,

danke für Deine klaren Worte, die sicher für viele hilfreich sind.
Manches ändert sich, manches bleibt gleich. Deine Bemerkung über Standpunkte half mir auch und ich schmunzelte innerlich.
GAOP ist für mein Seelenleben nicht so wichtig, wäre zwar nett, aber das Verhältnis Nutzen zu Risiko liegt bei mir momentan zu weit unter 50%.
So erspar ich mir wahrscheinlich den Aufwand. Andererseits bereits in frühster Jugend war mein Hormonstatus für mich ein riesiges Problem.
Daher versuchte ich hier alles und war froh, als der endlich in meinen Augen korrekt war.

Jede/jeder von uns ist verschieden, das können wir uns nicht oft genug bewußt machen!
Das Leben entzieht sich einer Normierung. Wenn wir gesund und vielleicht sogar auch glücklich sein wollen, müssen wir das akzeptieren.
Und: Wir Menschen machen alle eine Entwicklung durch, dies zeigt sich in unserem Bereich besonders deutlich.
==> "Ehrlich sein" bedeutet daher, dass wir das sagen, was in dem Moment die Wahrheit ist.

Danke und ganz liebe Grüße
ab

P.S. 'Entwicklungen' verlaufen verschieden und dauern oft lang - Bei mir:
Frühjahr 2004 Entschluß zu dem lange immer wieder aufgeschobenen CO - Trotzdem erst ab 2007 Durchführung: Familie/ Erstgutachter - Ende 2008 NÄ - Anfang 2011 PÄ ...

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: Sa 14. Dez 2013, 15:28
von exuserIn-2014-09-26
Anne-Mette hat geschrieben:Moin,

"warum hast Du es nicht gleich gesagt", mussten einige aus unserer Forengemeinde hören, als sie sich nach Jahren der Partnerin öffnen konnten.
Diesen Vorwurf habe ich nie hören müssen, aber mir wurde nun doch gesagt: "am Anfang war es nur ein anderes Anziehen, eine Art "Moderichtung" - und nun ist doch alles ganz anders!"
Irgendwie ist da auch etwas Wahres dran. Nur habe ich es vor etlichen Jahren ehrlich gemeint - und einige Standpunkte haben für mich auch noch heute Gültigkeit. Z.B. strebe ich auch weiterhin keine GAOP an und Hormone will ich auch nicht nehmen.
Es sind nun mehr als 6 Jahre, dass ich meiner Entwicklung Raum in punkto Intersexualität gegeben habe. Das ist ist doch ein recht langer Zeitraum, in dem auch andere Menschen sich sehr verändert haben, wenn ich mich mal so umblicke.

Gruß
Anne-Mette
Lüge? Ja Lüge ist richtig, nicht die Wahrheit zu sagen ist lügen. Ist es vielleicht am Anfang nur das heimliche Anprobieren der Kleidung (ob Ober- oder Unterwäsche spielt dabei keine Rolle) der Partnerin. Ist es etwas was man ihr gleich sagt? Oder das dieses Verlangen (das Anziehen von Damenbekleidung) schon länger wenn auch in geringer Intensität vorhanden ist? Sicher ist man fein raus wenn man gleich von Anfang an reinen Tisch macht, aber oft weiß man ja selber nicht ob es nur ein flüchtiges Verlangen befriedigt wurde oder eine tatsächliche (beginnende) Neigung ausgelebt wird.

Dann kommt noch die Angst dazu, so etwas zu sagen, Angst davor wegen seiner Neigung, Vorliebe den geliebten Partner zu verlieren, weil diese kein Verständnis dafür aufbringt, es nicht akzeptieren kann und mag. Und so lügt man sich dann jeden Tag ein wenig mehr etwas vor. So lange bis es unausweichlich ist, die Wahrheit zu offenbaren.

Für das wie (sage ich am besten die Wahrheit) und wie wird eine gemeinsame Zukunft aussehen, in dem man seiner Neigung (egal in welcher Intensität) nachgehen kann gibt es kein Patentrezept, da wir Menschen am Ende doch oft sehr unterschiedlich sind, was für Kai und Petra klappt heißt noch lange nicht das es auch die Lösung für Uwe und Maria ist. Aber .... an der Wahrheit geht kein Weg vorbei, und je eher man ehrlich zu sich (aber auch dem Partner gegenüber) ist, desto besser. So ... und das mal nur meine Gedanken zum Samstagnachmittagkaffee. :)

LG
---))) Vranzy

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: Sa 14. Dez 2013, 17:12
von Anne-Mette
Moin,
Dann kommt noch die Angst dazu, so etwas zu sagen,
Nein, in meinem Fall hatte es mit Angst nichts zu tun.
Ich wusste selbst nicht,wohin die Reise (der Selbsterkenntnis) hingeht.
Zum damaligen Zeitpunkt habe ich die Karten auf den Tisch gelegt, die ich in der Hand hielt.

Gruß
Anne-Mette

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: Sa 14. Dez 2013, 20:35
von conny
ich glaube, hier ist es ganz vielen so ergangen, dass sie am beginn ihrer entwicklung überhaupt nicht erahnt haben, wohin diese gehen kann.
sehr viele jahre war ich nur gelegentlicher strumpfhosen- und damenslipträger. hätte mir damals jemand gesagt, dass ich mal als "conny" ende, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt.


lg
conny

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: Sa 14. Dez 2013, 21:27
von Anne-Mette
Moin,

es gab in den letzten Tagen viel Gegenwind - hat aber kaum etwas mit diesem Thema zu tun. Ich musste mich durch verschiedene Angelegenheiten "durchkämpfen", was ich auch geschafft habe - und darauf bin ich sogar ein wenig stolz (smili)
Da war ich so richtig schön am Zurücklehnen, wollte etwas verschnaufen - und dann kam dieses Thema bei uns auf. Dabei hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass es (erst einmal) abgeschlossen war.

Gruß
Anne-Mette

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: Mo 16. Dez 2013, 09:00
von Ulrike-Marisa
Moin zusammen,

wieder einmal eine schwierige Fragestellung. Entwicklungen gibt es so auch bei mir, bei uns... Lüge? Das hat mir meine Frau auch vorgeworfen, als ich ihr vor zwei Jahren von meinen Gefühlen und Wünschen erzählte, das ich mich nicht mehr so recht als Mann fühlen kann und lieber Frau sein möchte. Das fand sie eine Lebenslüge ihr gegenüber. Das hätte ich doch vor der Hochzeit mir überlegen sollen. Argumente, dass mir das da noch nicht so klar war zählen in diesem Falle nicht. Sie fühlt sich belogen und hintergangen. Sie will einen Mann und keine langhaarige rasierte Tusse naben sich sich. Entwicklungen bei mir beobachtet sie seitem genauenstens und äußert dementsprechenden Unmut darüber, da sie das nicht möchte und nicht mittragen kann. Sie will gehen, wenn ich in der eingeschlagenen Richtung weiter entwickle. Dazu kommt nebn dem Vorwurf mit der Lüge und meinem egoistischen Handeln würde ich ihr Leben und das der Familie zerstören und die Achtung meiner Kinder, die mein Sein auch ablehen, verlieren. Ob ich das alles will???...schwierige Frage wie gesagt und keine rechten Lösungsansätze zur Zeit... Weihnachten, Fest des Friedens, da knallt es aber auch häufig in den Familien ganz gewaltig ... noch vor Sylvester.

LG, Ulrike-Marisa

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: Mo 16. Dez 2013, 23:22
von HeikeL
Hallo Anne-Mette,

ich kann zwar nicht auf so viele Jahre Erfahrung zurückblicken, aber als ich mich hier angemeldet habe, war ich mir zu dem Zeitpunkt sicher: "Susi und Outdoor" das ist, selbst androgyn gekleidet, unvorstellbar. Outing-Gedanken mit Frauchen besprechen - das wollte ich selbst nicht. Die Liste ließe sich fortsetzen. Es war zu dem Zeitpunkt die Wahrheit - sprich meine feste Überzeugung.

Aber das Leben besteht nicht aus Stillstand und Frau entwickelt sich weiter (mein Schatz aber auch und dafür liebe ich sie noch ein bischen mehr (ki) ). Ich bin mir heute noch immer sicher, dass ich ein biologischer Mann bleiben will. Alles andere aber, scheint sich immer weiter zu verschieben - das bisher Undenkbare rückt in den Bereich des Möglichen und wird dann (wenn auch nicht immer sofort) auch gelebt.
Habe ich damals gelogen / mich belogen? Nein, es war für mich schlicht nicht vorstellbar - teiweise auch noch nicht denkbar. Ich hätte es gar nicht "gleich sagen" können.
Und Ängste waren auch nie ein Hinderungsgrund. Wir können (bis auf Momente wo eine von uns, oder beide, streßgeplagt sind) immer offen(er) über Frauchens "Zicke" :lol: reden.

Aber eine Erfahrung mußte ich, hin und wieder, schon machen. Wenn mein Schatz gestresst ist, wird ihr Susi schnell mal zuviel. Dann braucht sie entweder das "Kerlchen" zu anlehnen, oder auch mal einen "Blitzableiter". :oops: Da stört Susi ihr Gefühlsleben dann empfindlich und geht besser auf Tauchstation. :mrgreen:
Vielleicht war der Stress im "Gegenwind" der Auslöser?


LG - Susi.

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: Mo 16. Dez 2013, 23:28
von Anne-Mette
Moin,
Vielleicht war der Stress im "Gegenwind" der Auslöser?
Das war wohl bei uns der Fall, sodass ich Dein Fragezeichen in !!! tauschen würde.
Wir konnten ganz gut darüber reden, sodass im Moment kein Gegenwind herrscht.
Dafür gab es Seitenwind heute...
... aber nur auf der Straße :mrgreen:

Gruß
Anne-Mette

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: Di 17. Dez 2013, 01:26
von Vincent
Hallo Vranzy!
vranzy hat geschrieben: Lüge? Ja Lüge ist richtig, nicht die Wahrheit zu sagen ist lügen.
Ganz so streng wäre ich nicht - etwas nicht zu sagen oder etwas Unwahres zu sagen macht für mich schon einen Unterschied.

Und, hätte ich in der Phase, als ich meinte eine Frau darstellen zu müssen, um zu tragen was ich will, meiner (damaligen) Frau alles so erzählt hätten wir ein Problem bekommen - umsonst.
Ich denke man muss nicht immer alles sofort offenbaren was in einem selbst vorgeht.
Sich komplett zu verstellen oder einen festen Teil seiner Persönlichkeit zu verschweigen sind allerdings schon Punkte die geeignet sind eine Beziehung nachhaltig zu belasten, kommen sie ans Tageslicht.

Ich denke es ist meist am klügsten Dinge deren man sich eine gewisse Zeit wirklich sicher ist zu offenbaren und die gelegentlichen Episoden und Gedanken , sofern sie geeignet sind die Stimmung zu beeinträchtigen, für sich zu behalten.

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: So 19. Jan 2014, 01:06
von MEL
darialena hat geschrieben:Es hat mich sehr bewegt, den Start-Thread von Anne Mette zu lesen, denn ich kann das gut nachfühlen. Ich habe mich selbst immer davor gefürchtet, dass meine Partnerin mir den Vorwurf der Unehrlichkeit oder Lüge macht.

Ob zu Recht oder zu Unrecht, wüßte ich gar nicht zu beantworten.

Seit meinem 9. Lebensjahr habe ich Erfahrungen mit dem Crossdressing, mit ein paar gefundenen Nylons fing es an, etwas geklaute Wäsche meiner ersten Freundinnen und mit hohem Schampotential erlebte sexuelle Erregung beim Tragen der Wäsche- all das habe ich als pervers angesehen und immer wieder längere Zeit verdrängt, meine Sachen in den Müll geworfen.

Dann immer wieder rückfällig geworden, habe ich mich jahrelang gefragt, warum ich das tue. Es gab noch kein Internet, ich konnte mit niemanden reden und hätte auf Nachfragen meiner Partnerin nicht artikulieren können, was ich bin und was mich antreibt. Lüge? Ich weiß nicht...

Erst durch das Internet bin ich darauf gestoßen, das es noch andere Menschen gibt, die ähnlich empfinden, wie ich. Dennoch habe ich jahre- wenn nicht jahrzehntelang gebraucht, um meinen Selbstfindungsprozeß vorläufig abzuschließen. Dieser Selbstfindungsprozeß hat sich erheblich nach meinem Outing meiner Partnerin gegenüber beschleunigt, da ich danach viel offener mit meinem Crossdressing umgehen konnte.

Erst die Möglichkeit, längere Zeit als Darialena zu leben haben mir die Einsicht gebracht, dass sich meine Lebenswünsche nicht auf's Crossdressing beschränken. Wenn ich könnte, würde ich gerne permanent die soziale Rolle einer Frau leben und dabei dennoch biologisch Mann bleiben wollen. Das ist mein individueller Weg, aber den hätte ich nicht erkannt, wenn ich mich nur gelegentlich (wie früher) in wenigen einsamen Augenblicken als Wohnzimmertranse oder in heimlichen Runden durch menschenleere nächtliche Parkanlagen und Gewerbegebiete hätte ausleben können.

Menschen verändern sich- ein lebenslanger Entwicklungsprozeß. Und wenn man(n) dann nach ein paar Jahren und vielen (Selbst-) Erfahrungen reicher zurück schaut, sieht man manchmal erst, was für eine große Wegstrecke man genommen und wie weit man sich vom Ausgangspunkt gesehen, entwickelt hat.

Lügen heißt: die Wahrheit nicht zu sagen. Das setzt aber voraus, dass man die Wahrheit kennt oder sie wenigstens zu kennen glaubt...
Moin und Hallo,

erstmal ein herzliches Willkommen zurück liebe Darialena (seit April 13' nichts mehr von dir hier im Forum gelesen/gehört!)
und gleich wieder einen Kommentar verfasst, der in großen Teilen meine Erfahrungen, Auffassung und Empfindungen widerspiegelt.

Also diesem Statement von Darialena kann ich mich bis auf die Aussagen "...würde ich gerne permanent die soziale Rolle einer Frau leben ....
....Dennoch habe ich jahre- wenn nicht jahrzehntelang gebraucht, um meinen Selbstfindungsprozeß vorläufig abzuschließen" fast vollumfänglich anschliessen.

Da ich mich vor nunmehr 2 Jahren gegenüber meiner langjährigen Partnerin und Ehefrau (unabsichtlich) geoutet habe,
aber eben nur selten die Gelegenheit habe, meine feminine Seite auszuleben (wg. privatem/beruflichem Umfeld),
bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich meinen Entwicklungsprozess schon als abgeschlossen betrachten kann?!

Aber seit ich mich gegenüber meiner Frau und seit einem Jahr auch gegenüber unseren erw. Kindern geöffnet habe,
hat meine Entwicklung auf der Überholspur stattgefunden, nicht zuletzt dank tatkräftiger Unterstützung meiner Frau,
und dies in allen Bereichen! Über das eigentliche Outing und die daraus folgenden Gespräche und Entwicklungen habe
ich hier im Forum an anderer Stelle ja ausführlich berichtet!

Zusammenfassend bleibt zu sagen:

Ja, da waren bis zum outing immer Schuldgefühle und Ängste gegenüber Frau / Familie vorhanden bei meinen
heimlichen Versuchen, meine weibliche Komponente etwas auszuleben und
Ja, meine Frau war enttäuscht von mir, dass ich dies über Jahrzehnte vor ihr geheim gehalten und
ihr NICHT VERTRAUT habe!!!

Und dieses Misstrauen hat sie sehr verletzt, da war die Tatsache des crossdressen als solches zweitrangig!!

Aber nun ist alles im Lot und wir haben uns seinerzeit geschworen, wirklich mit nichts mehr hinter dem Berg zu halten,
auch wenn es möglicherweise unangenehme Dinge sind, die die Partnerschaft belasten könnten!

Schönen Sonntag

GLG MEL


Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: So 19. Jan 2014, 10:27
von Dana
Moin Moin

Entwicklung und Lüge, zwei Worte die meiner Meinung nach in unser Situation schwer zu verbinden sind.

Als ich mich meiner Frau gegenüber vor gut 3 Jahren offenbahrt habe, habe ich ihr genau soviel Wahrheit gesagt, wie ich zu der Zeit einschätzen konnte, die Wahrheit des Moments. Ich wollte Frauenkleidung tragen und aussehen wie eine Frau, körperlich aber Mann bleiben. So habe ich mein Verlangen zu der Zeit eingeschätz und so ist es bis Heute. Niemand kann allerdings vorhersehen, wie er sich im Laufe des Lebens weiterentwickelt. Wir geben auch Eheversprechen ohne zu wissen ob die Liebe ein Leben lang hält.
Vielleicht ist es aber auch einfach nur die Frage des Vertrauens in der Partnerschaft und die, wie offen man überhaupt miteinander umgeht. Für mich sind auch wissentlich ausgesprochene Halbwahrheiten, nichts anderes als Lügen.
Meine Frau und ich gehen seit über 30 Jahren ehrlich miteinander um. Bei meinem Outing hatte die Elbe tagelang Hochwasser, soviele Tränen sind geflossen. Wahrheit kann eben manchmal sehr weh tun, Lügen tun aber noch viel mehr weh und hinterlassen immer Narben in der Beziehung.
Ich habe Meine Frau auf meiner Reise in das neue Leben stets mitgenommen und sie immer an meiner Entwicklung teilhaben lassen. Jeder Schritt, jeder Entscheidung wurde besprochen. Das Tempo haben wir gemeinsam festgelegt. Ich kenne die Grenzen bei meiner Frau und sie kennt meine Wünsche. Wenn sich diese nicht vereinbaren lassen, dann suchen wir nach einem Kompromiss, mit dem Beide leben können.
Bis Heute klappt das gut, doch wer kann schon in die Zukunft sehen.

Re: Entwicklungen und die Frage der LÜGE

Verfasst: So 19. Jan 2014, 10:47
von geraldine
Hallo!
Wie freue ich mich, Dich Darialena wieder aktiv hier zu haben.
Wie schön.
Ich habe Deine Kommentare immer sehr geschätzt.
Gerade auch weil sie nicht "glattgebürstet" sind.
Oft denke ich Du sprichst mir aus dem Herzen.
Aber das sind unsere eigenen Erfahrungen die auch oft schmerzlich waren.
Auch ich habe mich meiner Familie und Kinder geoutet.
Ja,es lebt sich so viel freier.
Ja, MEL Du triffst den Punkt.
Danke!
Was wären wir doch für arme Geschöpfe ohne unsere Entwicklungsprozesse und
Selbstreflektioen und unser Wille endlich frei zu sein?
Danke auch an unsere liebevollen Partner/in für soviel Verständnis, gelebte
Tolleranz .und Geduld.
L G Geraldine