Ups...... bin eben etwas über die Menge an ausführlichen Beiträgen etwas "erschrocken"
Gut, ich will versuchen, auf einige Aspekte einzugehen, die mir wichtig erscheinen.
Frage Nr. 1: Wer ist denn die Gesellschaft?
In erster Linie ist die Gesellschaft, Du selbst, Deine Familie, Deine Nachbarschaft und auch die Menschen in Deinem Arbeitsumfeld und Freizeitverhalten. Wie Du selbst Dich in diesen Kreisen bewegst, sagt etwas zu Deiner eigenen sozialen Kompetenz aus. Die "Gesellschaft" wird so erst einmal zu einer begreifbaren und sicher auch veränderbaren Größe, weil sie konkret wird und kein Abstraktum ist (bleibt)
Wenn wir nun selbst die Gesellschaft in einem gewissen Grad verkörpern und Teil dieser sind, wer verbietet uns, das Denken und Handeln dieser konkreten Gesellschaft zu beeinflussen?
Ich glaube, dass wir selbst es uns nur verbieten und untersagen. Es sind unsere eigenen Ängste vor möglichen Restriktionen und Verachtung die uns
möglicherweise entgegenschlagen könnte. Es ist die konkrete Angst, den eigenen sozialen Besitzstand und Habitus zu verlieren. UND es ist das tief verankerte "Gendermainstreaming", welches uns im Kopf immer wieder nachdenken lässt: Ist es nicht pervers, was ich da tue?"
Frage Nr. 2: Kann ich Frau sein / werden ?
Definitiv nein (jetzt werden mich alle transsexuellen Freundinnen wieder verbal in die Ecke drücken)
Bei transssexuellen menschen stellt sich jedoch diese Frage eigentlich nicht, weil sie bereits Frau sind (nur eben in einem falschen körperlichen Erscheinungsbild. Hier geht es also nicht darum, Frau zu werden, sondern darum, ein Gleichgewicht zwischen dem Inneren und Äusseren herzustellen.
Bei Transvestiten /Transgendern stellt sich diese Frage erst recht nicht - es ist nun einmal Fakt, dass wir Mann sind. Inwieweit wir dabei weiblichere Verhaltensweisen oder Wesenszüge implentieren ist eine völlig andere Frage.
Frage Nr. 3: Was wollen wir eigentlich?
Unsere Erziehung wird wohl bei den meisten auf eine klare Geschlechtsdefinition aufgebaut gewesen sein. Genau dies bringt uns transidente Personen aber in einen inneren Konflikt.
Nur wenigen (Prozentzahlen liegen mir nicht vor) schaffen es, diesen Konflikt durch eine offene Lebensweise zu lösen. Das komplette Verstecken des eigenen Ich's (mit allen Folgen der eigenen Unzufriedenheit) ist das Los der meisten. Sicher versuchen einige auch durch Kompromisse sich gewisse Freiräume zu verschaffen. Ob dies aber wirklich zu einer (der) angestrebten inneren Zufriedenheit führt, wage ich zu bezweifeln.
Zugegeben - ich selbst habe es lange Jahre nicht geschafft, mich zu meinem weiblichen Wesen zu bekennen. Ich kenne also diese Nuancen, diese Ausreden und die Ängste bei dem versteckspielen sehr gut. Erst als ich vor über zwei Jahren meine jetzige Freundin kennengelernt habe, musste ich für mich eingestehen, dass ich viele Jahre verschenkt hatte.
Fakt ist eins.... in meinem ganz persönlichen Umfeld - meiner Freundin (wir leben zusammen), ihre Tochter und meine Kinder, ihr und mein Freundeskreis kennen mich in beiden Facetten. Auch einige meine Kunden (ich bin selbständig) haben von Daniela Kenntnis.
Nachteile durch mein "Outing"? Ja, da gibt es eine ganze Menge..... zum beispiel dass unser Badspiegel zu klein ist, dass meine Frau auch mal schnell mein makeup nimmt (ich muss es ja nicht verstecken) oder meine Tochter sich mal ein Kleid ausborgen will.
Wirkliche gesellschaftliche Nachteile hatte ich nicht - aber ich kann den Menschen mit hoch erhobenen Kopf gegenübertreten und selbst wenn mal noch Nagellackreste an den Fingern sein sollten, können beide Seiten drüber lächeln.
Wichtig dabei scheint mir nur eins: ERKLÄRE offen, was Du bist !!