Moin!
Verfasst: Do 24. Okt 2013, 22:59
Hallo,
nur wenige Monate ist es her, da war "en femme" noch ein Fremdwort für mich. "Bartschatten"? Nie gehört.
Heute klingt "en femme" für mich süß und schön; etwa so wie frische Cup-Cakes. Das Wort "Bartschatten" hat eine düsteren, beklemmenden Klang bekommen; so als hauchte mir jemand mit kalter Stimmer "Lord Voldem...psst..." ins Ohr.
Ich bin froh, dass es dieses Forum hier gibt. Viel Ermutigendes und Nützliches habe ich hier gelesen. Das hat mir weiter geholfen. Jetzt würde ich gerne ein bißchen mitreden, um zu spüren, dass ich auf dieser Welt nicht alleine bin mit meiner Leidenschaft.
In den letzten Wochen habe das Forum erstmal von A bis Z durchgelesen (Hinweis: Ich neige gelegentlich zu leichten Übertreibungen). Ich finde es schön, dass der Ton hier immer so freundlich und respektvoll ist (naja, meistens jedenfalls). Ist ja nicht überall so im Internet.
Und jetzt bin auch hier.
Übrigens, ich bin das Aschenputtelchen. Mitte Vierzig. Glücklich verheiratet mit
der besten Ehefrau von allen. Ich habe eine bezaubernde kleine Tochter, einen coolen Job und ein klitzekleines Genderproblem.
Siebziger Jahre:
Mutti geht mit mir durch die Fußgängerzone. Eine alte Bekannte begrüßt sie herzlich:
"Hallo, lange nicht gesehen! Du hast aber ein hübsches Töchterchen!". Kann man schon mal verwechseln. Jeans, buntes T-Shirt, die hellblonden Haare. Mich hat das sehr berührt.
Meiner Mutter und ihrer Bekannten war die Sache offensichtlich peinlich. Zwei Dinge aber habe ich damals gelernt: Erstens, als Junge für ein Mädchen gehalten zu werden, ist voll peinlich, irgendwie. Zweitens, es gefällt mir, für ein hübsches Mädchen gehalten zu werden.
Seitdem achtete ich sorgfältigst darauf, mich nicht zu mädchenhaft zu geben. Fragte mich jemand nach meiner Lieblingsfarbe antwortete ich prompt und mit fester Stimme: "Blau, dunkelblau.". War vielleicht nicht ganz die Wahrheit, aber die Frager
waren immer zufrieden damit.
Ein paar Jahre später:
Habe dann gelesen, wahrscheinlich in der Bravo, den Wunsch nach andersgeschlechtlicher Kleidung gäbe es gar nicht so selten. Meist wäre es "so eine Phase" in der Pubertät, in der man sich über seine sexuelle Identät klar wird. Ich dachte mir dann: "Also gut. Abwarten, Tee trinken. Dann geht das schon irgendwann weg.".
ca. drei Jahrzehnte später:
Erkenntnis bisher: Tut es nicht. Habe hartnäckig versucht, es zu ignorieren.
Nichts ausprobieren, nie Klamotten kaufen. Naja, fast nie. Nur in Phantasien, nur Nachts, da konnte ich es nicht verdrängen. Also redete ich mir ein, es wäre alles nur so eine sexuelle Sache. Einen kleinen Fetisch hat doch wohl jeder. Mit dem Rest meines Lebens hat das nichts zu tun. Kein Problem. Ich bin ja stark. Ich kann das trennen.
Oder doch nicht?
Vor ein paar Monaten. Späte Nacht, Vollmond:
Schlaflos im Netz herumsurfend bleibe ich an einem Video hängen. Google herum. Lande bei Vera Wylde und bin fasziniert, dass die total positiv zu ihrer weiblichen Seite steht. So hatte ich das noch nie gesehen. Bald entdecke ich dann auch Jessica Who, Jula Böge, Frau Babsner, mysvenja, Lynn Conway, Liliana Saupe und viele andere. Und auch dieses Forum hier.
Mir wurde klar: So geht das nicht weiter. Ich kann nicht das ganze Leben vor mir selbst weglaufen. Doch. Kann ich schon. Will ich aber nicht. Echt nicht.
Bald darauf:
Endlich habe ich es meiner Frau erzählt. Hatte echt Schiss davor. Und schlechtes Gewissen nach all den Jahren. Die beste Ehefrau von allen hat es mit Fassung und vor allem sehr liebevoll aufgenommen: <3
Habe mit inzwischen ein paar schöne Anziehsachen gekauft. Erst im Internet, später auch in diesem "Real Life". Erfreue sehr mich daran, obwohl ich bisher kaum Zeit zum Dressen hatte.
Hier und jetzt:
Die Garderobe ist auch noch recht unvollständig. Einiges muss ich noch improvisieren. Die empfindsameren unter Euch mögen bitte kurz weghören. Unter meinen süßen grünen Rock trage ich noch eine Männerunterhose. Nennt frau das dann HWT?
Und überhaupt. So viele Fragen. Was bin ich wirklich? Was möchte ich ausleben? Wie passt das in mein Leben rein? Möchte ich einen weiblichen Namen? Und wenn ja, welchen? Möchte ich ein Coming-Out auch gegenüber anderen Personen? Wie erkläre ich es meiner Tochter? Und, wie werde ich den verdammten "Bartsch...psst..." los?
Freue mich auf den Austausch mit Euch
Aschenputtelchen
nur wenige Monate ist es her, da war "en femme" noch ein Fremdwort für mich. "Bartschatten"? Nie gehört.
Heute klingt "en femme" für mich süß und schön; etwa so wie frische Cup-Cakes. Das Wort "Bartschatten" hat eine düsteren, beklemmenden Klang bekommen; so als hauchte mir jemand mit kalter Stimmer "Lord Voldem...psst..." ins Ohr.
Ich bin froh, dass es dieses Forum hier gibt. Viel Ermutigendes und Nützliches habe ich hier gelesen. Das hat mir weiter geholfen. Jetzt würde ich gerne ein bißchen mitreden, um zu spüren, dass ich auf dieser Welt nicht alleine bin mit meiner Leidenschaft.
In den letzten Wochen habe das Forum erstmal von A bis Z durchgelesen (Hinweis: Ich neige gelegentlich zu leichten Übertreibungen). Ich finde es schön, dass der Ton hier immer so freundlich und respektvoll ist (naja, meistens jedenfalls). Ist ja nicht überall so im Internet.
Und jetzt bin auch hier.
Übrigens, ich bin das Aschenputtelchen. Mitte Vierzig. Glücklich verheiratet mit
der besten Ehefrau von allen. Ich habe eine bezaubernde kleine Tochter, einen coolen Job und ein klitzekleines Genderproblem.
Siebziger Jahre:
Mutti geht mit mir durch die Fußgängerzone. Eine alte Bekannte begrüßt sie herzlich:
"Hallo, lange nicht gesehen! Du hast aber ein hübsches Töchterchen!". Kann man schon mal verwechseln. Jeans, buntes T-Shirt, die hellblonden Haare. Mich hat das sehr berührt.
Meiner Mutter und ihrer Bekannten war die Sache offensichtlich peinlich. Zwei Dinge aber habe ich damals gelernt: Erstens, als Junge für ein Mädchen gehalten zu werden, ist voll peinlich, irgendwie. Zweitens, es gefällt mir, für ein hübsches Mädchen gehalten zu werden.
Seitdem achtete ich sorgfältigst darauf, mich nicht zu mädchenhaft zu geben. Fragte mich jemand nach meiner Lieblingsfarbe antwortete ich prompt und mit fester Stimme: "Blau, dunkelblau.". War vielleicht nicht ganz die Wahrheit, aber die Frager
waren immer zufrieden damit.
Ein paar Jahre später:
Habe dann gelesen, wahrscheinlich in der Bravo, den Wunsch nach andersgeschlechtlicher Kleidung gäbe es gar nicht so selten. Meist wäre es "so eine Phase" in der Pubertät, in der man sich über seine sexuelle Identät klar wird. Ich dachte mir dann: "Also gut. Abwarten, Tee trinken. Dann geht das schon irgendwann weg.".
ca. drei Jahrzehnte später:
Erkenntnis bisher: Tut es nicht. Habe hartnäckig versucht, es zu ignorieren.
Nichts ausprobieren, nie Klamotten kaufen. Naja, fast nie. Nur in Phantasien, nur Nachts, da konnte ich es nicht verdrängen. Also redete ich mir ein, es wäre alles nur so eine sexuelle Sache. Einen kleinen Fetisch hat doch wohl jeder. Mit dem Rest meines Lebens hat das nichts zu tun. Kein Problem. Ich bin ja stark. Ich kann das trennen.
Oder doch nicht?
Vor ein paar Monaten. Späte Nacht, Vollmond:
Schlaflos im Netz herumsurfend bleibe ich an einem Video hängen. Google herum. Lande bei Vera Wylde und bin fasziniert, dass die total positiv zu ihrer weiblichen Seite steht. So hatte ich das noch nie gesehen. Bald entdecke ich dann auch Jessica Who, Jula Böge, Frau Babsner, mysvenja, Lynn Conway, Liliana Saupe und viele andere. Und auch dieses Forum hier.
Mir wurde klar: So geht das nicht weiter. Ich kann nicht das ganze Leben vor mir selbst weglaufen. Doch. Kann ich schon. Will ich aber nicht. Echt nicht.
Bald darauf:
Endlich habe ich es meiner Frau erzählt. Hatte echt Schiss davor. Und schlechtes Gewissen nach all den Jahren. Die beste Ehefrau von allen hat es mit Fassung und vor allem sehr liebevoll aufgenommen: <3
Habe mit inzwischen ein paar schöne Anziehsachen gekauft. Erst im Internet, später auch in diesem "Real Life". Erfreue sehr mich daran, obwohl ich bisher kaum Zeit zum Dressen hatte.
Hier und jetzt:
Die Garderobe ist auch noch recht unvollständig. Einiges muss ich noch improvisieren. Die empfindsameren unter Euch mögen bitte kurz weghören. Unter meinen süßen grünen Rock trage ich noch eine Männerunterhose. Nennt frau das dann HWT?
Und überhaupt. So viele Fragen. Was bin ich wirklich? Was möchte ich ausleben? Wie passt das in mein Leben rein? Möchte ich einen weiblichen Namen? Und wenn ja, welchen? Möchte ich ein Coming-Out auch gegenüber anderen Personen? Wie erkläre ich es meiner Tochter? Und, wie werde ich den verdammten "Bartsch...psst..." los?
Freue mich auf den Austausch mit Euch
Aschenputtelchen