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Kleidung und Emanzipation

Verfasst: Fr 4. Okt 2013, 09:15
von Vincent
Gestern war ich mit ein paar Freunden in einem Restaurant in München essen.
Es ist gerade noch Wiesnzeit und so auch nicht ungewöhnlich, dass sich am Nachbartisch drei Paare in oberländischer Tracht niederließen. Ausnahmsweise eher traditionelle traditionelle Trachten, nicht die sexy-klamauk-Wiesenfasching Augenbeleidigungen.

Was aber nicht echt war, was dass nur eine Frau ein Dirndl trug, die anderen hatten kurze Lederhosen, Haferlschuhe, ein hemd usw. an. Auch nicht eine weibliche Variante davon, sonder echte originale Männerkleidung.

Es fällt offensichtlich niemand auf, jeder betrachtet es als normal und das, obwohl es eigentlich einen krassen Bruch mit den "normalen" Geschlechterrollen darstellt.

Wenn man Männer auf der Wiesn im Dirndl sieht, was sehr häufig der Fall ist, dann immer in einer bewusst komischen auffälligen Form, z.B. im Rahmen eines Jungesellenabschieds o.ä.
oder manchmal Kolleginnen von uns, die ich dann aber auch zu den Frauen rechne, weil si von den meisten auch als welche gesehen werden und so gesehen werden wollen.

Männer, die ganz normal als Mann ein Dirndl tragen, wie Frauen die Männertracht? Fehlanzeige!
Warum hat sich die Emanzipation, das Rollenverhalten und die Kleidung eigentlich nur in eine Richtung entwickelt?

Das habe ich so zur Sprache gebracht, da mich alle auch als Mann im Rock kennen lag der Vorschlag nicht fern ich solle im nächsten Jahr in einem anständigen Dirndl auf die Wiesn gehen. Ich habe zugesagt — spontan.
Jetzt fällt mir auf, dass es doch etwas anderes ist, als einen Rock zu tragen und mir bei dem Gedanken nicht mehr wohl ist, auch wenn ich zugebe, dass es mich schon irgendwie reizt.
Ich fürchte aber, dass alleine schon die Beschaffung eines geeigneten Dirndls für mich zu viel Nervenkitzel wäre.

Aber bis in einem Jahr ist viel vergessen, und einfach weigern geht natürlich auch.

Ich frage mich, was macht eigentlich den Unterscied, für mich und ganz allgemein?

Re: Kleidung und Emanzipation

Verfasst: Fr 4. Okt 2013, 09:39
von Inga
Hallo Vincent,

ich habe nicht so viel spezielle Dirndl-Erfahrung. Generell aber finde ich an Kleidern angenehm, dass sie "leicht" sind, dass sie ohne irgendein Halt über die Hüfte fallen und sich bei der Taille manche Speckrolle darunter verstecken kann.

Für die nächsten wiesn würde ich sagen: Probier es mal. Gerade wenn deine Freunde das wohl heißen und dich so darin stützen werden.

Liebe Grüße
Inga

Re: Kleidung und Emanzipation

Verfasst: Fr 4. Okt 2013, 10:56
von biene38
Hallo Vincent,

zu dem Thema, warum Frauen auf der Wiesn Lederhosen tragen aber Männer keine Dirndl.
Die Hose hat sich bei den Frauen als alltägliches Kleidungsstück ja schon durchgesetzt, und da ist es dann nur noch ein kleiner Schritt hin zur Lederhose im Trachtenstil. Und mittlerweile gibt es so viele Frauen in Lederhose auf der Wiesn, dass die Leute schon daran gewohnt sind und es kein Aufsehen mehr erregt.
Die allererste Frau in Lederhose vor vielen Jahren hat aber bestimmt großes Aufsehen erregt, aber die Zeiten sind vorbei.
Warum Männer nun dort nicht im Dirndl herumlaufen...hat sich schon der Rock bei den Männern nicht durchgesetzt, obwohl die meisten Röcke bezügl. männlicher Anatomie her ohne weiteres getragen werden könnten. Und das Dirndl ist dann auch noch auf die weibliche Anatomie hin zugeschnitten, wie schon Hr. Brüderle treffend erkannt hat. Daher geht Dirndl und Mann beim besten Willen nicht zusammen, da fehlt einfach obenrum zu viel.

Betr. Mode und Wiesn ist meine Erfahrung, dass Mann im Rock dort eher noch mehr auffällt als im normalen Getümmel der Großstadt.
Da eh fast alle im Einheitslook umeinderlaufen, die Männer in Lederhose oder "Schlamperlook" und die Frauen entweder im Dirndl oder Lederhose, fallen modische Ausnahmen sehr stark auf. Und da viele auf die Wiesn gehen, um sehen und gesehen zu werden schauen die Leute dementsprechend noch mehr.

Ich war letztens im schwarzen Utility-Kilt auf der Wiesn, und kam mir etwas vor wie ein bunter Hund. Die Leute haben mich gemustert von oben bis unten.
Im klassischen Schotten-Kilt war ich auch schon auf der Wiesn, aber da passt man in die Schotten-Schublade, und ständig kommt halt die Frage, was man darunter trägt.
Im schwarzen Kilt verhält sich das anders. Man wird nicht sofort als "Schotte" identifiziert, und erntet damit wesentlich skeptischere Blicke.
Übrigens auf dem Weg nach Hause in der U-Bahn im bunten Getümmel, wo die modische Vielfalt wesentlich größer ist, interessierte mein Style wieder fast keinen.

Wenn du wirklich nächstes Jahr im Dirndl als "ernster" Mann auf die Wiesn gehtst, dann Hut ab. Ich persönlich würde die Blicke nicht ertragen.
Ich hatte früher auch immer gedacht, die Wiesn ist wie Fasching...stimmt leider nicht, außer vielleicht ein Fasching, bei dem jeder das gleiche anhat.

Übringens Dirndl gibt es auch in der Bucht, hab mir auch letztens eins bestellt. Stieht super aus, und war nicht zu teuer.
Und wenn schon das Kaufen zum großen Nervenkitzel wird, wie wird es dann erst auf der Wiesn?

Grüße von der Biene (na)

die jetzt dann mal ihr neues Dirndl ausprobieren will, und wer weiß, vielleicht auch so auf die Wiesn mal geht...dann aber getarnt als weibliches Wesen.
Vielleicht finden sich ja noch paar, die mitmachen wollen....

Re: Kleidung und Emanzipation

Verfasst: Fr 4. Okt 2013, 11:49
von marabella68
Vincent hat geschrieben: Männer, die ganz normal als Mann ein Dirndl tragen, wie Frauen die Männertracht? Fehlanzeige!
Warum hat sich die Emanzipation, das Rollenverhalten und die Kleidung eigentlich nur in eine Richtung entwickelt?
Hallo Vincent,

habe ich in einem anderern Thread auch schon mal geschrieben:
die Hose ist bei der emanzipierten Frau ein Zeichen der "Stärke", der Rock/das Kleid beim Mann eher ein Zeichen der "Schwäche". In unserer Gesellschaft sollen/wollen alle stark sein und nicht schwach. Daher hat sich das Tragen weiblicher Kleidungsstücke beim Mann nicht durchgesetzt, das Tragen männlicher Kleidungsstücke bei der Frau aber schon.

LG
Marabella

Re: Kleidung und Emanzipation

Verfasst: Fr 4. Okt 2013, 12:13
von Nora_7
Wobei im Hochmittelalter es kaum einen Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Kleidung gab. Interessanterweise mußten bei Frauen die Beine unbedingt verhüllt bleiben, während die Männer immer kürzere Röcke (mit Wollstrumpfhose) trugen. Leider wurde die Mode dann im Spätmittelalter wieder immer verhüllender. Die Fokussierung der Männermode auf einfache, rein funktionale Kleidung kam letztendlich mit der französischen Revolution, um sich vom Adel abzugrenzen. Durch die industrielle Entwicklung wurde dieser Weg manifestiert.
Wie es weitergeht, hängt letztendlich auch sehr von den Frauen ab. Bisher stehen die meisten auf "starke" Männer (= Geld oder Macht, am besten beides - der häßliche Leader of the Gang hat die schönste Braut), die gesellschaftlich dann auch dieser Funktion entsprechen müssen.

Nora_7

Re: Kleidung und Emanzipation

Verfasst: Fr 4. Okt 2013, 13:09
von Jasmine
marabella68 hat geschrieben: In unserer Gesellschaft sollen/wollen alle stark sein und nicht schwach. Daher hat sich das Tragen weiblicher Kleidungsstücke beim Mann nicht durchgesetzt, das Tragen männlicher Kleidungsstücke bei der Frau aber schon.
LG
Marabella
Ich denke das über einen gewissen Zeitraum in Punkto Frauenkleidung einiges geschehen ist. Für mich hat die Art der Kleidung nichts mit Stärke zu tun, sondern eher mit Funktionalität. Ausserdem denke ich, das Kleidung nicht nur funktionell sein muss. Auch fühle ich mich im Minirock nicht schwach und ich trage gerne Miniröcke.
Dazu trage ich High Heels oder hohe Stiefel, damit würde ich jedoch nicht Fahrradfahren, Berge besteigen oder Wandern.

Re: Kleidung und Emanzipation

Verfasst: Fr 4. Okt 2013, 15:41
von ExuserIn-2020-09-08
Hallo die Damen,

ich warvor kurzem mit einem Dirndl auf einem Oktoberfest, es sah wirklich genial weiblich aus, das Dekolte war echter Hingucker, aber das Dirndl trug meine Frau.
Spaß bei Seite, ich glaube bis ein Mann mit einenem Dirndl auf das Oktoberfest gehen kann ohne aufzufallen, da gehen mit Sicherheit noch einige Jahrhunderte rum.

Bedient sich eine Frau kleidungstechnisch in der Herrenabteilung und benimmt sich eher burschikos, wird sie von der Gesellschaft eher als taffe, starcke oder emanzipierte Frau gesehen.

Aber kleidet sich ein Mann eher feminin, wird er gleich als Transe, Homo oder Perversling betitelt.
Daher versuchen wir CD, DWT,Trans ,uns so perfekt wie möglich feminin zu stylen, wenn wir mal outdoor gehen.

So 3-4mal gehe ich im Jahr en femme zum shoppen und versuche natürlich so authentisch wie möglich zu wirken, was nicht immer klappt.

Bei meiner Familie bin ich nur soweit geoutet, daß ich an Fasching als Frau ausgehe und den Rest vom Jahr weibliche Kleidung in meinem männlichen Kleidungsstil einbaue.

Sprich- ich lackiere meine Fußnägelchen, trage FSH und abundzu flache Damenlangschaftstiefel, meine Outdoorausflüge mache ich bis dato noch im Geheimen.

Wie schon vorher beschrieben sind ja einige typisch weibliche Kleidungsstücke, in der füheren Zeit eigentlich von Männer getragen worden (Röcke, FsH und Absatzschuhe in Japan)

Röcke, Kleider, Fsh und Heels bereiten mir ein tolles Tragegefühl, was ich auch nicht vermissen möchte, aber in der Gesellschaft ist das eindeutige Damenbekleidung und Damen gelten irtümmlich als das schwache Geschlecht.
Daher wird es nun Zeit sich zu emanzipieren und das tue ich auch.

Eigentlich zeigt es auch von Stärcke , als Mann sich feminin zu kleiden.



MfG Jumpi

Re: Kleidung und Emanzipation

Verfasst: Fr 4. Okt 2013, 16:45
von Vincent
biene38 hat geschrieben:.
Und wenn schon das Kaufen zum großen Nervenkitzel wird, wie wird es dann erst auf der Wiesn?
Hallo Biene,
naja, spannend, aber nach der 3. Maß gehts :mrgreen:
Nein, im Ernst - ich denke der Dirndlkauf im Versand macht wenig Sinn, wenn es vernünftig passen soll, und man doch eine sehr, sagen wir mal schwierige Figur für eine Frau hat.

Den persönlichen Kontakt zu Verkäuferinnen finde ich persönlich etwas fordernder, als annonyme Begegnungen irgendwo draußen.

Re: Kleidung und Emanzipation

Verfasst: Fr 4. Okt 2013, 17:02
von Vincent
Hallo Jumpi,

damit hat Di natürlich weitgehend Recht, auch wenn viel mehr toleriert wird, als man denkt:
jumperlin66 hat geschrieben: Aber kleidet sich ein Mann eher feminin, wird er gleich als Transe, Homo oder Perversling betitelt.
Daher versuchen wir CD, DWT,Trans ,uns so perfekt wie möglich feminin zu stylen, wenn wir mal outdoor gehen.
Ich kann aber garnicht sagen, wie sehr mich das nervt. Ich habe vor vielen Jahren mitgespielt, und mich bemüht als Frau zu erscheinen.
Es war zu Scheitern verurteilt, weil einfach meine körperlichen Voraussetzungen dafür sehr ungünstig sind, zum anderen weil ich es nicht wirklich wollte und entsprechend halbherzig angegangen bin.

Irgendwann wird man älter und weniger bereit sich zu beugen:

Ich will tragen was ich will und was mir gefällt oder Spaß macht, aber ich bin keine Frau, will keine sein und auch nicht dafür gehalten werden.
Wenn man nur um sich wie gewünscht zu kleiden, seine Person verleugnen oder verstellen soll, um mit der Gesellschaft zu harmonieren dann...

Gut, was mein Problem ist, gereicht jenen, denen es um das Frausein geht, zum Vorteil. Rock => Frau funktioniert überspitzt gesagt oft, auch wenn nicht alles 100% perfekt aussieht
Immerhin ein Vorteil, auf den Trans*männer vermutlich verzichten müssen.

Re: Kleidung und Emanzipation

Verfasst: Fr 4. Okt 2013, 17:27
von Yasmine
Mal ganz ehrlich:
Ich sehe keinen Grund, warum ein Mann ein Dirndl tragen sollte.
Würde ich als Mann auch nicht. Hose an und gut ist.
Männer interessieren sich nicht für solche Mode, echt nicht.
Es ist Männern schlicht egal. Ich weiß das, ich kenne genug davon...
LG
Yasmine

Re: Kleidung und Emanzipation

Verfasst: Fr 4. Okt 2013, 18:55
von Natascha030
Grüss Gott aus B ä r-lin :-) Ich kann nur sagen, dass es einfach ein tolles Gefühl im Dirndl ist! Schaut aber selbst auf meinen Avator :-) P.S. Es muss aber auch alles andere stimmen (Schuhe, Strümpfe, Handtasche etc.)!