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ganze Wege und Stolpersteine

Verfasst: So 29. Sep 2013, 00:52
von Marielle
Hallo zusammen,

gestern beim Plaudern, bei Kaffee und Kuchen "unter uns", ist mir eine Formulierung begegnet, die ich schon oft hörte und über die ich schon fast so oft gestolpert bin: "Sie/Er ist den ganzen Weg gegangen."

Ich verstehe was damit gemeint ist und in dem gestrigen Gespräch war der Satz auch wirklich kein Problem. Eigentlich hatte ich nur in seltenen Fällen mal ein 'Problem' mit dieser Formulierung. Nur stolpere ich halt immer wieder darüber.

"Den ganzen Weg...".... Auf mich wirkt es oft so, als gäbe es auch halbe, viertel oder sieben/achtel Wege.

Im üblichen Sinn des Satzes sind ich und viele andere nicht "den ganzen Weg gegangen". Ich bin aber sehr sicher auch einen "ganzen Weg" gegangen zu sein. Wie alle anderen auch. Ich glaube nicht, dass es "halbe Wege" gibt. Jeder Mensch hat seinen "ganzen Weg", bis zu seinem jetzigen Sein, hinter sich. Die einzelnen Wege haben sehr unterschiedlliche Wendungen genommen, führten zu unterschiedlichen Orten; für mich bleiben es ganze Wege.

Ein kleiner Stolperstein und die besten Wünsche zur guten Nacht von

Marielle

Re: ganze Wege und Stolpersteine

Verfasst: So 29. Sep 2013, 09:49
von Marielle
Hallo, Guten Morgen zusammen,

ich denke, ich habe da nichts "vermischt"; schon gar nicht "leichtfertig". Ich schrieb:

Jeder Mensch hat seinen "ganzen Weg", bis zu seinem jetzigen Sein, hinter sich.

Natürlich kann jede/r für sich selbst empfinden, dass der eigene "ganze Weg" zu einem gewünschten Ziel führen soll und der Weg dahin dann erst zum Teil begangen ist; keine Frage. Es bleibt die Assoziation zwischen "ganz" und einem bestimmten "Ziel", welches nicht das Ziel aller sein muss , über die ich stolpere.

Einen sonnigen, oder wenigstens heiteren, Sonntag wünscht

Marielle

Re: ganze Wege und Stolpersteine

Verfasst: So 29. Sep 2013, 10:01
von Anne-Mette
Moin,

auch ich habe schon den Ausdruck "den ganzen Weg" verwendet, habe sicherlich und hoffentlich in einem Nachsatz zu erklären versucht, was ich damit meinte. Leider ist mein Umgang mit sprachlichen Ausdrücken manchmal unvollkommen; auch überlege ich manchmal lange, wie ich es am besten ausdrücke, was ich sagen will und wie ich es herausbringen soll, um auch keinen zu verletzen. Dann kommt auch mal Murks dabei heraus.
Den ganzen Weg kann man sicherlich erst beurteilen, wenn man sich in den letzten Stunden seines Lebens hoffentlich zurücklehnen kann, um den Weg, den man gegangen ist, zu beurteilen.

Gruß und schönen Sonntag
Anne-Mette

Re: ganze Wege und Stolpersteine

Verfasst: So 29. Sep 2013, 10:37
von Marielle
Hallo zum Zweiten,

mein Beitrag soll gar kein "Steinwurf" sein; ich weiss doch, dass ich im Glashaus sitze. Wer mich bei einer "sprachlichen Schludrigkeit" erwischt, darf es gern laut kundtun ;-)

Es geht mir um einen kleinen "Stolperstein", um eine Sekunde des Nachdenkens über den Begriff des "ganzen Weges". Er wird weiterhin als Beschreibung für einen bestimmten Weg verwendet werden, was auch OK ist. Wenn dazu beim Gesprächpartner ein freundliches Gesicht erscheint und jede/r seinen eigenen Weg auch als "ganz" akzeptiert fühlen kann, ist alles gut. (smili)

Marielle

vor langer Zeit im Radio-Verkehrshinweis gehört: "Auf der Autobahn 123, zwischen Abfahrt A und B, gefährden Kinder den Verkehr."

Re: ganze Wege und Stolpersteine

Verfasst: So 29. Sep 2013, 15:19
von Anne-Mette
Moin,

ganze Wege - und "richtig sein"

So ging es mit vor ein paar Tagen.
Jemand lobte meine Wahl des Namens und fragte mich: "Und bist Du jetzt richtig?"
Ich: ???
"Naja, der Bart ist ab, Dein Erscheinungsbild hat sich gewandelt und Du hast Dir einen neuen Namen ausgesucht".
Und im Nachsatz:
"Auch Ältere können sich operieren lassen!"

Nein, für einige Menschen bin ich wohl nicht "richtig" - so oder so (smili)

Gruß
Anne-Mette

Re: ganze Wege und Stolpersteine

Verfasst: So 29. Sep 2013, 16:10
von Anne-Mette
Moin,

ich habe zu schnell geschrieben; schon unterwegs auf dem Spaziergang habe ich darüber nachgedacht und wollte es dann schnell hier loswerden und nicht vergessen. Wir hatten allerdings unterwegs ein aufwühlendes Erlebnis; da habe ich wohl nicht ausreichend vor dem Schreiben nachgedacht und ein wichtiges Wort vergessen.
Es ist klar, dass mein Posting ohne das Wort "trans*" die Situation nicht richtig beschreibt. Die Frage ging darum, ob ich nun "richtig transsxuell" wäre und wurde auch so gestellt.

Darauf meine drei Fragezeichen; ich musste erst einmal schlucken und nachdenken.

Ja, ich für mich bin richtig; da bin ich mir sicher.


Gruß und schönten Rest-Sonntag
Anne-Mette

Re: ganze Wege und Stolpersteine

Verfasst: So 29. Sep 2013, 17:12
von Inga
Hallo,

ich perönlich würde claudia zustimmen. Der "ganze weg" ist der Weg zu sich selbst zu finden und da zu bleiben. Für mich ist der ganze Weg definitiv ohne Medikamente und ohne operativen Eingriff.

Ich glaube aber auch, diass viele Menschen von trans* ein schiefes Bild haben (wenn sie überhaupt eins haben) und das mit dem oprativen Eingriffen als Höhepunkt der Geschlechtsumwandlung gleich setzen, und dies mit "ganzem weg" umschreiben. Dass es gleichzeitig all die ausblendet, ausgrenzt bzw. deklassifiziert, denen diese Wegstrecken nichts bedeuten, ist ihnen zumeist gar nicht bewusst.

Liebe Grüße
Inga

Re: ganze Wege und Stolpersteine

Verfasst: Mo 30. Sep 2013, 00:46
von Ulrike-Marisa
Moin zusammen,

Begriffe und Definitionen haben es immer in sich. Jede/r versteht oft etwas anderes darunter. In diesem Falle des ganzen Weges, den jemand gegangen ist oder gehen will oder möchte, glaube ich verstehen alle Betroffenen richtig. Ein Weg ist die Summe seiner Teile, Teilstrecken wie auch immer sie geartet sind mit oder ohne Stolpersteinen. Ein Weg beginnt mit dem ersten Schritt, den man macht und dem viele weitere folgen können aber nicht müssen. Ein Weg ist immer auch etwas individuelles. Jede/r geht ihren/seinen persönlichen Weg, allein und manchmal auch gemeinsam mit anderen Menschen....So bleibt der Weg immer ein Weg, den auch viel andere schon vor uns gegangen sind; wir treten in den Weg ein und manch eine/r erreicht auch ein Ziel, eines von vielen Zielen ,die es am Rand des Weges gibt. Der Weg beinhaltet aber auch das Scheitern am Weg; nicht alle kommen an einem Ziel an, einige rutschen in den Graben am Rand des Weges, andere kommen vom Weg ab und verirren sich; der Weg aber bleibt...
Auch ein paar Gedanken zum Weg und seinen Teilen und Ereignissen...

Gruß, Ulrike-Marisa (flo)

.. ich gehe einen Weg, folge anderen, andere folgen mir; aber es ist mein Weg, den ich vielleicht mit anderen gehe...