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Selbsthilfetag im Fördepark Flensburg 7.9.2013

Verfasst: Fr 16. Aug 2013, 18:02
von Anne-Mette
Moin,

ich werde wieder für unser Trans*-Gruppe am Selbsthilfetag teilnehmen und freue mich auf Besuch.
Meine Kaffeekanne habe ich wieder dabei (smili)
selbsthilfetag-2013t.jpg
Gruß
Anne-Mette

Re: Selbsthilfetag im Fördepark Flensburg 7.9.2013

Verfasst: Sa 7. Sep 2013, 19:21
von Anne-Mette
Moin,

es war ein schöner und erfolgreicher Tag, jedenfalls empfinde ich es so (smili)
Ich hatte ganz lieben Besuch aus dem Forum von gaaaanz weit her; danke nochmals!

Vielleicht gibt es noch ein Foto(?) ich selbst habe leider keins mit meiner Kamera machen lassen.

Ich habe viele Gespärche geführt und habe hoffentlich etwas Werbung für "uns" machen können in dem Sinne, dass unsere Akzeptanz wieder etwas vergrößert wurde.
Das Gefühl hatte ich.

Gruß
Anne-Mette

Re: Selbsthilfetag im Fördepark Flensburg 7.9.2013

Verfasst: So 8. Sep 2013, 01:51
von Ulrike-Marisa
Moin Anne-Mette,

ich habe fast den gesamten Samstag unter Tage mit interessanten Befahrungen alter Bergwerksbaue in St. Andreasberg verbracht, habe aber immer wieder an dich und dein unermüdliches Engagement für die Sache gedacht. Im Bergbau gibt es in den Museumsbergwerken auch einige taffe Frauen, die sich der Sache des Altbergbaus und seiner Erforschung verbunden fühlen, aber ein weibliches Hobby ist es wohl eher nicht.
Sei`s drum unter Tage ist es dunkel und da zählt nur der persönliche Einsatz und da gehören unsere Frauen dazu.

Glück auf, Ulrike-Marisa )))(:

... das Leben kann vielfältig sein, und jede/r soll nach ihrer/seiner Facon seelig werden; (frei nach dem Alten Fritz...)

Re: Selbsthilfetag im Fördepark Flensburg 7.9.2013

Verfasst: So 8. Sep 2013, 11:38
von Anne-Mette
"Warum machst Du das?"

wurde ich gestern gefragt — und im Nachsatz: "meinst Du nicht, dass wir uns ausstellen, wenn wir hier sitzen?"
Ja, warum mache ich das, warum sitze ich an einem Samstagnachmittag im Fördepark - zusammen mit den anderen Selbsthilfegruppen? Ich habe Info-Material dabei und warte auf "Kundschaft". Zeit, die Gedanken schweifen zu lassen. Ich sitze heute "auf der anderen Seite" und habe Muße, die vorbeieilenden Einkäuferinnen und Einkäufer zu beobachten.
"Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig!" fällt mir wieder ein, "aber warum?" Was und wen kann ich erreichen? Wem bringt meine Anwesenheit einen gewissen Nutzen?
"Unserer Gruppe" )))(:
könnte ich sagen. Durch mein hoffentlich freundliches Auftreten habe ich vielleicht Werbung für unsere Gruppe gemacht, konnte mögliche Interessentinnen/Interessenten gewinnen.
"Die Gemeinschaft" — fällt mir auch noch ein. Ich habe die Gemeinschaft der vertretenen Selbsthilfegruppen (hoffentlich) durch meine Anwesenheit gestärkt und Solidarität* gezeigt. Ich hatte wiederum eine sehr herzliche Nachbarschaft mit der norddeutschen ATAXIE-Gruppe und der Dialysepatientengruppe. Ein "wir-gehören-dazu-Gefühl" hatte ich. Zwar fühle ich mich nicht krank, aber wie die anderen vertretenen Gruppen sind doch auch "wir" (trans- und intersexuelle Menschen, Crossdresser) von Ausgrenzung und mindestens "Skepsis" betroffen, wenn wir uns in der Öffentlichkeit bewegen.
Ja, ich stelle mich aus. Menschenreihen strömen vorbei — dem Wochenendeinkauf entgegen. Die Menschen gucken, einige lächeln - vielleicht auch über meine ausgehängten Plakate. Eines wirbt mit dem Satz: "keine Angst — Transsexualität ist nicht ansteckend!" Ein anderes fragt: "wozu brauchen wir überhaupt eine Einteilung in MANN und FRAU? Ich sitze auf dem Präsentierteller, bin Ausstellungsobjekt. Ich bin "so eine(r)". Ich habe es sogar auf Flyern und auf den Plakaten stehen: Transsexuellen Selbsthilfegruppe Flensburg. Da kommt kein Zweifel auf. Ich bin kein Besucher, der sich um den Stand des Freundeskreises der Suchtkranken herumschleicht, um vielleicht mit den Worten "bitte einen Luftballon für meinen Enkel" auch noch einen Gruppenflyer mitzunehmen.
Mich sprechen an diesem Tag etliche Menschen an — manche aus einem "anderen Leben", kennen mich z.B. aus der Schule unserer Kinder, als Kunde oder Lieferant.
Manche tun sich schwer damit, aber versuchen zu verstehen, für was ich mich da ausstelle. "Wir kannten mal einen, der war homosexuell", höre ich — und "ist "das" so ähnlich?"
Nein, es ist nicht so ähnlich; es sei denn"¦
Ich versuche, schlüssige Erklärungen zu geben.
Ich freue mich über die Offenheit vieler Besucher, freue mich über Fragen und angeregte Diskussionen. Auch pädagogisch Interessierte melden sich. Wir sind uns einig: in den Schulen muss noch viel getan werden. Es mangelt an Aufklärung über Trans- und Intersexualität, über Leben "zwischen den Geschlechtern / in beiden Geschlechtern" und Homosexualität. Ängstliche Eltern fragen: "müssen wir denn jetzt alle trans*, inter* schwul oder lesbisch werden? Fehlt mir etwas, wenn ich "nicht einmal bi bin?"
Nein, es geht nicht um "Umerziehung"; es geht darum, dass auch Menschen, die anders sind — und hier treffe ich mich wieder mit den anderen Selbsthilfegruppen — ohne Diskriminierung und Gewalt, ja angstfrei leben können!
Ja, das "sich ausstellen" hat sich gelohnt — schon bei der Ankunft wurde ich fröhlich von einer Ladeninhaberin begrüßt: "Da sind Sie ja endlich; ich habe schon auf Sie gewartet und mich gefragt, ob Sie auch dieses Jahr wieder dabei sind (ich war aber sehr zeitig)".
Es war eine richtig freudige Begrüßung und eine guter Beginn des Selbsthilfetages!

Gruß
Anne-Mette

* Solidarität: ein altes, vermutlich deutsches Wort - nicht mehr sehr gebräuchlich (smili)

Re: Selbsthilfetag im Fördepark Flensburg 7.9.2013

Verfasst: So 8. Sep 2013, 12:37
von Anni
Hallo Anne-Mette )))(:

DANKE für dein Engagement für " UNS " und den Rest der Bevölkerung (flo) (flo) (flo)

So , wie Du gezeigt und geschrieben hast - tolle Sache :)p

nur eine Bitte für Deine nächste Aktion :
Anne-Mette hat geschrieben: Die Menschen gucken, einige lächeln - vielleicht auch über meine ausgehängten Plakate. Eines wirbt mit dem Satz: "keine Angst — Transsexualität ist nicht ansteckend!"
DIESES solltest Du nicht weiter verwenden - es suggeriert , das Transsexualität eben doch , wenn auch nicht ansteckend , eine Krankheit ist :shock:

Und vor Krankheiten haben die Menschen alle eine tief im Unterbewusstsein verwurzelte panische Angst - ist evolutionsgedingt - und AUCH weder
ansteckend noch heilbar :wink:

... nicht böse sein - ich mag Dich trotzdem :)p

LG von ( nicht ansteckender ) frecher Anni

Re: Selbsthilfetag im Fördepark Flensburg 7.9.2013

Verfasst: So 8. Sep 2013, 12:42
von Andrea66
Hallo Anne-Mette,

ich finde es toll, dass du bereit bist, dich in einem Einkaufzentrum "auszustellen" und ich finde es genauso toll, dass du noch eine Unterstützung aus dem Forum hattest. Sie hat mir geschrieben, dass sie dich gestern unterstützt hast.
Zu deinen Gedanken: "Warum mach ich dass?"
Diese Öffentlichkeitsarbeit ist anscheinend notwendig, um anderen Leuten zu erklären, dass wir ganz normale Menschen sind. Bei einem Einkauf bei einem Optiker wurde ich von einer Verkäuferin sehr freundlich bedient. Wie sie mir später sagte war sie sich nicht sicher, ob ich nun ein Mann oder eine Frau bin. Erst als sie meine Personalien aufnahm, hat sie die Wahrheit erfahren und fand alles ganz interessant und hatte einige Fragen, die ich gerne beantwortet habe. Sie hat mir dann erzählt, dass auch sie Probleme mit Ausgrenzung hat / hatte. Ihr Freund kommt aus Russland und viele haben dann gemeint, was sie denn mit dem wolle. Auch hier gibt es Vorbehalte in unserer Gesellschaft. In ihrem Bekanntenkreis musste sie auch erst erklären, dass er ein ganz normaler junger Mann ist.

Es ist schon ein wenig traurig, dass eine Akzeptanz in der Gesellschaft leider nur durch diese Öffentlichkeitsarbeit vergrößert werden kann. Du / Ihr habt damit also uns allen geholfen und macht es uns leichter uns zu eventuell zu outen oder auch nur darüber nach zu denken.

Danke, dass du dich so für unsere Sache einsetzt, nicht nur als "Ausstellungsstück" sondern auch hier mit dem Forum.

Lieben Gruß

Andrea

Re: Selbsthilfetag im Fördepark Flensburg 7.9.2013

Verfasst: So 8. Sep 2013, 12:46
von Anne-Mette
Moin,
DIESES solltest Du nicht weiter verwenden - es suggeriert , das Transsexualität eben doch , wenn auch nicht ansteckend , eine Krankheit ist :shock:
Es war eine gewollte Provokation. Ich glaube nicht, dass man jemanden, der vorbeigeht informieren kann - aber (auch) durch solche Provokationen vielleicht zu einem Gespräch einladen (smili)

Es hingen auch noch andere Schlagworte an der Stellwand.

Gruß und schönen Sonntag
Anne-Mette

Re: Selbsthilfetag im Fördepark Flensburg 7.9.2013

Verfasst: So 8. Sep 2013, 12:56
von Anni
sorry Anne-Mette - aber ich denke , das Du mit diesem Plakat ungewollt für die Passanten die Bestätigung lieferst :

" Ja sag ich's doch - die sind doch alle krank !!! "

LG von frecher Anni

Re: Selbsthilfetag im Fördepark Flensburg 7.9.2013

Verfasst: So 8. Sep 2013, 13:03
von Anne-Mette
Moin,

da bleibe ich anderer Meinung (smili)

Gruß
Anne-Mette

Re: Selbsthilfetag im Fördepark Flensburg 7.9.2013

Verfasst: Mo 9. Sep 2013, 11:40
von Ulrike-Marisa
Moin zusammen,

ich war zwar am Samstag zu der Veranstaltung nicht selbst anwesend und habe die ausgehängten Plakate nicht gesehen, täte es aber genauso sehen wie Anne-Mette. Zufällig vorbeikommende Besucher im Einkaufszentrum kann man kaum im vorbeigehen über die Anliegen, die uns bewegen, informiren. Da ist wohl meist das persönliche Gespräch notwendig, um Dinge sachgerecht rüberzubringen. Aber wie bekommst du die Besucher heran und zum Gespräch - und da ist Provokation eine Möglichkeit als Mittel zum Zweck. Besucher sollen ja gerade durch provozierende Thesen oder Inhalte zum verweilen und nachdenken gebracht werden. Das kann dann auch Interesse wecken, bzw. Neugier initiieren und das ist in diesem Falle dann gewollt, damit man ins Gespräch kommen kann. Nur nett schauen reicht meist nicht, wenn man etwas vertreten will und vorgefasste Meinungen kann man auch nicht durch bloßes hinschauen verändern; da hilft eben nur die richtige Information und das Gespräch. Ich denke, so ich Anne-Mette kenne, dass da keine Texte waren, die durch ihre leicht provozierende Wirkung der Sache insgesamt geschadet haben oder irgend jemanden verunglimpft haben. Ansonsten mitmachen und Flagge zeigen (vielleicht schaffe ich es nächstes mal dabei zu sein), sich zu etwas bekennen, ehrlich sein und überzeugend, persönliche Freiräume nutzen, nur so kann es was werden. Nur als Gemeinschaft sind wir stark und die Gemeinschaft kann jedem Mitglied Rückhalt bieten.

LG, Ulrike-Marisa (smili)