Sprachliche Feminisierung
Verfasst: Di 6. Aug 2013, 20:48
Hallo in die Runde,
dasselbe Thema habe ich zwar schon einmal anzustoßen versucht, allerdings ohne rechten Erfolg. Ich finde es dennoch lohnend, und versuche es deshalb noch einmal.
Zunächst, um zu verdeutlichen, worum es überhaupt geht. Sprache berücksichtigt mal mehr, mal weniger das genetische Geschlecht der Sprechenden. Am einen Ende stehen Sprachen wie das Türkische oder Ungarische, die die im Deutschen übliche Unterscheidung bei den Personalpronomina (er oder sie) nicht kennen, andere, z.B. das Arabische, macht diesen Unterschied auch bei "Du", und in Sprachen wie dem Thailändischen gibt es sogar für "Ich" unterschiedliche Formen für Frauen und Männer. In slavischen Sprachen gibt es zwar nur dieselben Unterscheidungen wie im Deutschen bei den Pronomina, bei Vergangenheitstempora aber muss man sein Geschlecht bekennen . Ebenso muss man das bei Eigenschaftswörtern, was im Deutschen nicht möglich ist (ein Satz wie "ich bin glücklich" können auf Deutsch Frauen wie Männer sagen, in slavischen Sprachen wie auch in romanischen oder im Griechischen aber muss man sich entscheiden, ob man als Frau oder als Mann spricht).
Soviel zur theoretischen Einleitung, damit mein Anliegen dieses Mal vielleicht besser als beim ersten Mal verstanden wird. Meine Frage ist schlicht, wie Ihr damit zurechtkommt. Im Deutschen gibt es da zwar wenige Hürden, aber man kann stolpern.
Während ich im Russischen mich korrekt feminin geäußert habe (in Mails, bei denen man ja Zeit zum Denken hat), habe ich heute im Deutschen im mündlichen Gebrauch einen Fehler gemacht. Ich war bei der Coiffeuse, und im leichten Gespräch erwähnte ich dann, dass ich seit ein paar Tagen "Rentnerin" sei. Auf die Rückfrage, was ich denn vorher gearbeitet habe, antwortete ich dann aber, ich sei "Slavist" (ich hätte mir die Zunge abbeißen mögen, aber eine Slavistin war so nicht mehr zu erzeugen). Dabei habe ich mich bei anderen Gelegenheiten durchaus schon als "Slavistin" vorgestellt, aber jahrzehntelange Gewohnheit ist eben doch nicht so einfach auszutreiben.
Daher nun nochmals meine Frage in die Runde: Schafft Ihr es immer, dort, wo es erforderlich ist, die feminine Form zu gebrauchen, und wird das im Laufe der Zeit einfacher (vermutlich ja)? Eure Erfahrungen diesbezüglich wären vielleicht doch hilfreich.
Schönen Abend und gute Nacht,
Nicoletta
dasselbe Thema habe ich zwar schon einmal anzustoßen versucht, allerdings ohne rechten Erfolg. Ich finde es dennoch lohnend, und versuche es deshalb noch einmal.
Zunächst, um zu verdeutlichen, worum es überhaupt geht. Sprache berücksichtigt mal mehr, mal weniger das genetische Geschlecht der Sprechenden. Am einen Ende stehen Sprachen wie das Türkische oder Ungarische, die die im Deutschen übliche Unterscheidung bei den Personalpronomina (er oder sie) nicht kennen, andere, z.B. das Arabische, macht diesen Unterschied auch bei "Du", und in Sprachen wie dem Thailändischen gibt es sogar für "Ich" unterschiedliche Formen für Frauen und Männer. In slavischen Sprachen gibt es zwar nur dieselben Unterscheidungen wie im Deutschen bei den Pronomina, bei Vergangenheitstempora aber muss man sein Geschlecht bekennen . Ebenso muss man das bei Eigenschaftswörtern, was im Deutschen nicht möglich ist (ein Satz wie "ich bin glücklich" können auf Deutsch Frauen wie Männer sagen, in slavischen Sprachen wie auch in romanischen oder im Griechischen aber muss man sich entscheiden, ob man als Frau oder als Mann spricht).
Soviel zur theoretischen Einleitung, damit mein Anliegen dieses Mal vielleicht besser als beim ersten Mal verstanden wird. Meine Frage ist schlicht, wie Ihr damit zurechtkommt. Im Deutschen gibt es da zwar wenige Hürden, aber man kann stolpern.
Während ich im Russischen mich korrekt feminin geäußert habe (in Mails, bei denen man ja Zeit zum Denken hat), habe ich heute im Deutschen im mündlichen Gebrauch einen Fehler gemacht. Ich war bei der Coiffeuse, und im leichten Gespräch erwähnte ich dann, dass ich seit ein paar Tagen "Rentnerin" sei. Auf die Rückfrage, was ich denn vorher gearbeitet habe, antwortete ich dann aber, ich sei "Slavist" (ich hätte mir die Zunge abbeißen mögen, aber eine Slavistin war so nicht mehr zu erzeugen). Dabei habe ich mich bei anderen Gelegenheiten durchaus schon als "Slavistin" vorgestellt, aber jahrzehntelange Gewohnheit ist eben doch nicht so einfach auszutreiben.
Daher nun nochmals meine Frage in die Runde: Schafft Ihr es immer, dort, wo es erforderlich ist, die feminine Form zu gebrauchen, und wird das im Laufe der Zeit einfacher (vermutlich ja)? Eure Erfahrungen diesbezüglich wären vielleicht doch hilfreich.
Schönen Abend und gute Nacht,
Nicoletta