Seite 1 von 1

Re: Akzeptanz von CD in Neukölln

Verfasst: Di 19. Mär 2013, 16:26
von Sieglinde
Hallo Johanna,
herzlichen Glückwunsch zu Deinem ersten Ausflug. Mit dem Fahrrad eine Tour en femme finde ich eine sehr schöne Idee, die mich , wenn es endlich wärmer ist auch sehr reizen würde.
Vielleicht auch eine Möglichkeit bei dem geplanten Treffen in Berlin eine Sightseeing Tour mit einer größeren Gruppe mit dem Rad zu unternehmen.
Ich selber wohne im Wedding, von der Struktur her sehr ähnlich wie Neukölln. Nicht weit von zu Hause ist mir beim letzten Ausflug Transe hinterher gerufen worden, klang nicht sehr freundlich, aber das war es auch.
Dummheit und Gewaltbereitschaft gibt es leider in Zehlendorf, Mitte und überall,
Dein Avatar zeigt aber ein sehr gutes Passing so das Du nicht sehr schnell auffällst und ich würde versuchen , wenn möglich, den " Horden " Jugendlichen aus dem Weg zu gehen, einzeln sind sie doch meist harmlos.
Liebe Grüße
Cher

Re: Akzeptanz von CD in Neukölln

Verfasst: Di 19. Mär 2013, 17:49
von Anne-Mette
Moin,

warum kann man nicht mal den Google-Streetviewmacker als CD durch die großen Städte unserer Welt schicken? )))(:

Gruß
CPG

Re: Akzeptanz von CD in Neukölln

Verfasst: Di 19. Mär 2013, 17:53
von Lina
Was ist denn der besondere demografische Risikofaktor in Neukölln, nach heutigem Stand? Neo-Nazis, doofe-männliche-türkische-Teenies? Andere?

Ich muss gestehen, wenn ich in Berlin gewesen bin, habe ich mehr Punks (z.B. Przl. Berg) gesehen als die o.g. Gruppierungen. Von den Punks würde ich normalerweise nichts schlimmes erwarten.

Re: Akzeptanz von CD in Neukölln

Verfasst: Di 19. Mär 2013, 21:07
von Marielle
Guten Abend zusammen,
Dann und wann ist aber mal ein Idiot dabei, bei dem im Hirn gar nix mehr geht.
Ich denke das das der zentrale Punkt ist.

Nach meiner Erfahrung ist es keine Frage dessen in welcher Stadt, welchem Stadtteil oder welcher Strasse man sich aufhält. Es sind immer einzelne Personen oder Gruppen in deren Weltbild man eben nicht reinpasst. Abgesehen von CDs/TS die gar nicht als solche erkannt werden, macht auch das Passing keinen wirklichen Unterschied. Es geht nur um die Frage wird man als "anders" erkannt oder eben nicht.

Bezogen auf Berlin hatte ich mein heikelstes Erlebnis in Willmersdorf, was nicht grad als Basislager der üblichen Verdächtigen gilt, und ein zwar anfangs irritierenes, aber letztlich schönes Erlebnis im Wedding. Die Stadtteile nach ihrer Toleranzfähigkeit zu ordnen würde wohl sehr schwierig. Gleiches gilt auch für Hamburg, wo Eppendorf, oder das spiessige Meiendorf, schwieriger sein kann als Billstedt; Es kommt auf die Leute an.

Ich glaub auch nicht an die These, das Transsexuelle per se besser wegkommen als CDs. Es ist m.E. wie oben geschrieben, nur eine Frage des "erkannt werdens", danach macht es keinen Unterschied mehr.

Insgesamt kann ich für mich die Statistik so aufstellen: Null passing, eindeutig erkennbar, nur zwei als heikel empfundene Situationen in mehreren Jahren.

Gruss von Marielle

Re: Akzeptanz von CD in Neukölln

Verfasst: Di 19. Mär 2013, 22:51
von Ninakadin
Also, ich bin ab und zu in Neukölln, meist Freitags zwischen 19 und 22 Uhr, bisher hatte ich keine Probleme. Allerdings laufe ich da auch nicht in High-Heels herum, sondern eher in Alltagsklamotten, komme dann meist von der Arbeit. Ich bin ja mittlerweile in der HRT, aber davor war das nicht anders. Ich denke, dass das ganz klar eine Frage des "Auftritts" ist. Wenn Du stark auffällst, ist die Wahrscheinlichkeit höher, "unangenehme Kontakte zu knüpfen". Bist Du normal gekleidet, gestylt und bewegst Du Dich normal, dann "sieht" Dich auch niemand.
Ein Risikofaktor sind nachts die U-Bahnen, da werden die "Jungs" dann mit entsprechendem Alkohol ganz mutig. Da ist der Bezirk dann aber auch egal.

LG,
Nina

Re: Akzeptanz von CD in Neukölln

Verfasst: Di 19. Mär 2013, 23:17
von Lina
kathicd hat geschrieben:Das ist kein Demographischer Faktor sondern ein sozialer würde ich hier sagen.

Dort wo ich wohne in Treptow ist es abends immer sehr ruhig, was für jemanden der die gegend nciht kennt eventuell etwas beängstigend sein kann, allerdings passiert hier eigtlich ncihts, selbst wenn ich anchts mal einer Gruppe besoffener Jugendlciher über den weg laufe ist es wahrscheinlicher mit ihnen eine ernsthafte unterhaltung über politik anzufangen als in eine schlägerei zu gelangen.

Im gegensatz dazu sieht es in altglienike so aus das man tatsächlich bei jugendlichen gerne die straßenseite wechselt.
Was ich wiederum nicht ganz verstehe - ich habe zumindest nie erlebt, dass Leute aus sozial weniger vorteilhaften Verhältnissen nennenswert trans- oder homophober sind als man es sonstwo erleben kann. Kannst du es näher erklären.

Ich kenne ja städte, wo sich bedeutende und beliebte Schwulentreffpunkte - die auch trans-freundlich sind - mit Punks, Haschdealern und Hausbesetzern bestens co-existieren.
Was speziell ist nun mit Neukölln? Sonst erahne ich langsam Vorurteile die ich genauso unsympathisch finde wie Homophobie. Dass es dunkel ist, Schmutz auf der Straße und alte Schwalben rosten vor sich hin in den dunklen Ecken, lasse ich einfach nicht gelten. Arme Leute können wunderbar lieb und weltoffen sein ... das alleine ist es also nicht.

Re: Akzeptanz von CD in Neukölln

Verfasst: Mi 20. Mär 2013, 22:27
von Inga
Hallo, Johanna,

Es ist schon einige 'Jahrzehnte her, dass ich in neukölln wohnte und ich bin mir sicher, dass sich der stadtteil seitdem verändert hat. Da möchte ich gar nichts sagen zum Gewaltpotential einiger Ecken.

Meine Erfahrung, wenn ich en femme draußen bin ist, dass ich um Menschen, die lärmig sind und unkontrolliert wirken, einen Bogen mache. Ich fahre gerne Fahrrad und empfinde das Rad irgendwie als einen gewissen Schutzraum, der mir fehlt, wenn ich zu fuß unterwegs bin.

Wie auch immer, es ist aber ein großartiges Gefühl, en femme draußen zu sein.

Liebe Grüße
Inga

Re: Akzeptanz von CD in Neukölln

Verfasst: Do 28. Mär 2013, 17:56
von Lina
Johanna78 hat geschrieben:Das Gewaltpotenzial ist hier gefühlt wesentlich höher.
ich denke es ist eine Kombination aus dem demographischen und sozialen Faktor.
Selten haben türkische Kinder von hier Chancen in dieser Gesellschaft irgendetwas zu werden. Es sind kleine Prozentsätze die einen sozialen Aufstieg schaffen.
Es sind eher bildungsferne Schichten, die hier leben (neben Künstlern und Studenten)

Punks, Haschdealer und Hausbesetzer: die gute alte Zeit (hat zumindest hier aufgehört zu existieren) war wiederum alles andere als Bildungsfern. Das ist ein großer Unterschied.

Und ich denke die Jugendgeneration der Araber und Türken etc. die hier leben merken noch ganz genau, das ihre Eltern damals nur in unsere Gesellschaft geholt wurden, um unsere Drecksarbeit zu erledigen. Für wirkliche Integration ist das eine denkbar schwierige Basis.

Lg,
Johanna

PS: Und Haschleute sind etwas entspannter als Kokainsüchtige oder was man hier sonst so auf den Strassen findet.
"Ey, is mir doch egal, is mir doch egal ob ich sterbe, alta!"
Und das meinte der Schläger (er wurde von ein paar Türstehern wieder aus der Bar befördert) scheinbar wirklich ernst, er war vielleicht 18.
Irgendwie passt das nicht, mit dem Vergleich Armut gegen Armut. Die hier ist anders. Und wie ich schrieb: ich lebe gern hier und habe mir das so ausgesucht. Wie Lebensfreundlich dieser Ort für Johanna ist muss Johanna aber erst jetzt herausfinden...

DA könnte was dran sein - an allem, was du in diesem Posting sagst. Und was "die gute alte Zeit betrifft": Als ich in den 80ern zum ersten Mal eine Disco betrat, wo ich andere T traf, war das eine Empfehlung meines Nachbarn - er war Mitglied einer der Gangs, die später sich den Hell's Angels anschloss. Er war alles andere als ungebildet oder homophob - hatte nur kein gutes Verhältnis zu Schulen. Schulen und Silberlöffel sind keine Garantie für Bildung, und Schmuddelviertel und wenig Schule auch nicht gleich mangelnder Bildung.

Re: Akzeptanz von CD in Neukölln

Verfasst: So 31. Mär 2013, 14:29
von Lina
Johanna78 hat geschrieben:...
In der Nacht wurden wir von etwa 10 Nazikiddies mit Eisenstangen geweckt, die von unserem Lagerfeuer angezogen wurden. Ich reichte einen Umtrunk mit ziemlich gutem Whisky, die Rasselbande war beeindruckt.
Und ziemlich schnell trennten sich die Mitläufer von den echten Arschlöchern....Als ich dann verbot eine Strassenlaterne und einen Reifen in unserem Lagerfeuer zu verbrennen, war ich eine echte Respektsperson.
:D
...
:)p

Lg,
Johanna

Bingo! So funktioniert das.