Hallo Freundin,
zunächst mal: toller Beitrag! Deine Gegenüberstellung von 1. und 2. aus der Sicht der betroffenen Partnerin finde ich erstmal ganz toll, um die Partnerseite herauszuarbeiten. Ich bin grundsätzlich auf deiner Seite, wenn du das Recht für die Partnerin einforderst, selbst entscheiden zu können. Aber leider gibt kein NUR schwarz oder NUR weiss.
Freundin hat geschrieben:1. Ein Partner lebt mit einem gegengeschlechtlichen Teil in sich, während der andere nichts davon weiß
2. Ein Partner lebt mit einem gegengeschlechtlichen Teil in sich, wovon der andere auch in Kenntnis gesetzt wurde.
meiner Ansicht nach fehlt da mindestens noch:
3. Ein Partner lebt mit einem gegengeschlechtlichen Teil in sich, während er selbst noch nichts davon weiß
4. Ein Partner lebt mit einem gegengeschlechtlichen Teil in sich, den er selbst noch nicht so einordnen kann
5. Ein Partner lebt mit einem gegengeschlechtlichen Teil in sich, den er für sich noch nicht akzeptiert hat
Punkt 3 - habe ich ca. 42 Jahre durchlebt.
Punkt 4 - kenne ich, erst in ganz schwacher, später in stärkerer Ausprägung (ein dumpfes Gefühl, ein undefinierbares Verlangen) den ich, für mich, in den Bereich Fetisch eingeordnet hatte. Ich wollte es eigentlich unterdrücken, aber es kam immer wieder. Das musste ich erst mal für mich akzeptieren, dann konnte ich mich meinem Schatz anvertrauen. Das war langer schleichender Prozess, der über 10 Jahre dauerte.
Punkt 5 - war ein innerer Kampf, den Susi nach nicht mal 48 Stunden für sich entschieden hat. Dann wusste mein Schatz darüber Bescheid, wo ich zu diesem Zeitpunkt stand. Das war Anfang Juli, im letzten Jahr. Zu dem Zeitpunkt reichte meine Vorstellung bis maximal zur "Dachstubentranse" ohne Perücke.
Mittlerweile kann ich mit meinem Schatz über wirklich alles reden. Nicht alles erfreut sie, aber sie versucht es zu verstehen. Ihre "Zicke" (die nur noch weibl. Unterwäsche und meisten FSH trägt) gehört zum Alltag. Wir können mittlerweile fast ganz selbstverständlich in der Damenabteilung gemeinsam shoppen gehen. Aber sie braucht für manches Mehr an Susi, noch Zeit, es ganz zu aktzeptieren.
Und hier bin ich ganz deiner Meinung. Meine Frau hat, für mich, sogar das Recht, den ganzen gegengeschlechtlichen Teil von mir (soweit mir selbst bewusst) zu kennen und selbst zu entscheiden wie weit sie mich begleiten kann und möchte. Ich nehme Sie lieber mit, als eigene/heimliche Wege zu gehen. Das kostet zwar manchmal viel Kraft und Geduld, bringt uns aber im Ergebnis nur noch näher zusammen.
Hätte Sie aber bei meinen Outings total geblockt, weiss ich nicht, ob ich den Mut aufgebracht hätte, mich weiter zu öffnen. Einige, hier im Forum, haben es leider so erleben müssen.
LG - Susi