Seite 1 von 4
was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 11:18
von ExuserIn-2014-06-30
Bevor man von den Behörden so richtig akzeptiert wird, muss man ja, so wie ich das verstanden haben, u.a. ein Jahr als Frau leben. Erst dann kann es so richtig mit Hormontherapie, Operationen usw. losgehen.
Aber was genau versteht man nun unter dem "als Frau leben"?
- im Rock/Kleid rumlaufen?
- sich schminken?
- lange Haare oder Perücke tragen?
- hohe Absätze tragen?
- im Sitzen pinkeln?
- ...???
Das sind doch alles Sachen, die man machen kann, die einen aber doch nicht zur Frau machen. Viele Bio-Frauen haben kurze Haare, schminken sich nicht, tragen Hosen, flache Absätze usw.
Was muss man tun und wer überprüft das und wie?
Reicht nicht das Gefühl? Muss man sich auch noch verkleiden oder sonstwie verstellen?
Sorry, ich kapiere das nicht so richtig und würde mich über ein paar klärende Worte freuen!
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 11:32
von Julia65
Hallo Tiger,
tja, wenn man das so beschreibt, wie du es getan hast, dann wird einem schon die "Unsinnigkeit" daran vor Augen geführt.
Aber im Prinzip ist es wohl genauso gemeint. Man soll ja, bevor man die Anträge durch bekommt und mit der Hormontherapie anfangen kann, schon den Alltagstest machen. Also, als Frau leben.
ABer wie kann man als Frau leben, wenn man ein Mann ist? Eigentlich unmöglich. Genau.
Wenn du diese Frage gestellt hast, weil du genau in dieser Situation bist, kann ich dir dazu folgendes aus eigenen Erfahrungen sagen:
- Es ist keineswegs so, dass du ein Jahr "Alltagstest" gemacht bzw. nachweisen musst, bevor du behördlich als Frau anerkannt wirst und mit einer Hormontherapie beginnen kannst.
- Es kann dir niemand "nachweisen" seit wann du im Alltagstest bist oder eben nicht bist. Wie denn auch? - Am 24.11.12 sind Sie mit Hose und flachen Schuhen gesehen worden, also kein durchgehender Alltagstest? haha. ^^
- Jedoch solltest du, wenn du den Antrag z.B. auf VÄ und PÄ stellst, genauso wenn du zum Therapeuten gehst oder zum Endokrinologen, als Frau auftreten und da ist natürlich weibliche Kleidung angeraten.
- Aussdem solltest du den "Alltagstest" (wie auch immer man den genauer beschreiben mag) bereits begonnen haben. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob du da erst vor kurzem mit angefangen hast oder schon ein Jahr voll hast.
Alltagstest würde ich als "ständiges weibliches Auftreten" beschreiben. Also weibliche Kleidung etc. Auch ein vollständiges Outing gehört m.E. mit zum Alltagstest.
Wenn du also vor Behörden und Therapeuten etc erklärst, dass du in allen sozialen Bereichen vollständig geoutet bist, und ausnahmslos als Frau auftrittst (sei es auch mit wechselndem Erfolg), dann sollte es keine Probleme geben.
Hoffe, etwas geholfen zu haben.
LG
Julia
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 11:54
von Anne-Mette
Moin,
Aber interessante Frage: was macht eigentlich das Frausein aus,
Da wird man mit drei oder vier Allgemeinplätzen nicht weit kommen
Auch bei Frauen, die schon als Frauen geboren wurden, gibt es die unterschiedlichsten "Typen" und Ausprägungen.
... und auch sie unterliegen vielen Veränderungen, die teils "in der Natur liegen", teils durch Veränderungen (auch med. Eingriffe) hervorgerufen werden.
Ist eine Frau, die keine Menstruation (mehr) hat, keine Frau (mehr)? Wie sieht es aus mit Frauen, die kleine Brüste haben? ... denen aus medizinischen Gründen "typisch weibliche Organe" entfernt wurden? ... die keine Kinder bekommen können?
Wie sieht es aus mit Frauen, die kurze Haare haben, behaarte Beine, Justin Bieber zu soft finden, die Zigarre rauchen, auf die Jagd gehen ...
Gruß
Anne-Mette
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 13:15
von ChristinaF
Tiger hat geschrieben:
Reicht nicht das Gefühl? Muss man sich auch noch verkleiden oder sonstwie verstellen?
Was meinst du denn mit verkleiden oder verstellen?
Im Alltagstest, der m.M. nunmal sein muss, sollest du deine weibliche "Rolle" deiner Umwelt zeigen. D.h. nicht nur rationell sondern auch emotional. Sicher ist es für die eine oder andere bestimmt nicht einfach.
Aber nur mit hochhackigen Schuhen und kurzem Röckchen und starker Schminke rumlaufen gehört, so finde ich, sicher nicht dazu.
LG
Chrissie
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 13:25
von Anne-Mette
Moin,
im Umkehrschluß kann man auch fragen wie sieht es aus mit Männern, die
-mit Fußball nichts anfangen können
-sich für Mode und Lifestyle interessieren
-statt Anzug und Krawatte lieber ein Abendkleid tragen würden
-auch meistens im sitzen pinkeln
-sich gern schminken und ihre Fingernägel lackieren usw...
leben die denn noch als Männer?
Das kann man doch nicht an so einfachen belanglosen Sachen festmachen.
... und wie würdest Du das einstufen: wir gucken beide ganz gern mal Fußball; meine Frau legt allerdings viel mehr Wert darauf
-auch meistens im sitzen pinkeln
Ich denke, das ImSitzenPinkeln hat nun langsam wirklich nicht mehr viel mit dem Geschlecht zu tun. Manche haben sogar einen Aufkleber in sichtbarer Entfernung angebracht: "Hier wird im Sitzen gepinkelt" - und Komiker haben meistens noch ein passendes Bildchen dazu
Noch gibt es keine DIN für Frauen und Männer
Gruß
Anne-Mette
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 13:32
von ExuserIn-2014-06-30
Da allerdings muß ich Dich ernsthaft fragen, was Du wirklich möchtest? Wenn Du das Leben in weiblichen Rolle als verstellen empfindest und Du Dich in dem passenden Outfit verkleidet vorkommst, dann hast Du im Geiste schon diesen Test abgeschlossen mit dem Ergebnis "passt nicht". Sorry, aber so schätze ich diese Frage ein.
Bitte nicht missverstehen! Ich trage seit Jahren fast ausschließlich Kleidung, die üblicherweise nur Frauen tragen, habe sogar dezentes permanent Makeup und schmal gezupfte Augenbrauen und fühle mich so pudelwohl - in jeder Situation. Allerdings würde ich mich mit z.B. Langhaarperücke, dick ausgestopftem BH oder Highheels nicht wohl fühlen - das ist mir zu künstlich, das bin nicht ich. Es gibt da also Grenzen - nicht alles, was man als typisch weiblich ansieht, gehört zu meinen Favoriten.
Die Frage ging eher dahin, ob das von Psychologen usw. akzeptiert wird, wenn man nicht das volle "Klischee-Programm" auffährt.
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 13:34
von ChristinaF
Tiger hat geschrieben:
Die Frage ging eher dahin, ob das von Psychologen usw. akzeptiert wird, wenn man nicht das volle "Klischee-Programm" auffährt.
Zumindest bei meiner Psychologin am verg. Freitag kam ich mit meinem "normalen" Outfit sehr gut an.
LG
Chrissie
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 15:03
von Julia65
Ich glaube, im Prinzip muss man den entscheidenden Leuten das Gefühl der "inneren Gewissheit" glaubhaft rüberbringen.
Wenn man glaubhaft machen kann, dass man eine innere Gewissheit hat, eine Frau zu sein und als Frau leben zu wollen. Wenn man erklärt, das man dies schon eine zeitlang erfolgreich tut und sich wohl fühlt, dann sollten die "Bedingungen" erfüllt sein.
Allerdings sollte man dabei ehrlich sein.
LG
Julia
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 15:54
von Caira
Ohhh, ich gebe Claudia mal uneingeschränkt Recht ...
Als alles noch für mich neu war, war ich vom Alltagstest zurückgeschreckt. Im Endeffekt hat der schon einen Sinn und wie lange er läuft hängt halt immer von einem selbst ab, wie ich finde. Offiziell habe ich für mich den "Startschuss" gegeben, als ich nach meinem Outing auch keine Männerklamotten mehr getragen habe - aber ums noch mal zu sagen, ich habe mich auch net optisch als "Frau verkleidet". Mir ist es wichtiger lieber 50% Frau sein zu dürfen 24/7, als 8h Frau und 8h Mann.
Prinzipiell geht es ja darum sich auf sein neues Leben vorzubereiten. Dazu zählt für mich seinen eigentliche weiblichen Gefühlen freien Lauf zu lassen und auch sich damit anzufreunden, dass man nun zu einer Randgruppe gehört, die mal gern gemustert wird. Das sind die beiden für mich bedeutenden Punkte beim Alltagstest. Diese werden sich nach und nach bessern - rein psychisch im Laufe der Zeit und rein physisch, wenn die HRT beginnt.
Als Frau leben heißt für mich nicht "als etwas" zu leben, sondern ich müsste eher sagen, dass ich "als Mann" bisher gelebt habe und mir das kartenhausmäßig irgendwann auf die Füße gefallen ist. Es mag da immer hier Zweifler geben, denen das zu schnell ging - das ist mir aber egal. Ist es gut gemeint oder einfach nur Stänkerei?? Frau-sein heißt endlich so zu sein, wie man ist - ohne sich zu verbiegen. Wenn man sich da "künstlich" irgendwas einrühren muss, steht klar die Frage im Raum, ob man tatsächliche eine Frau - TS - ist. Es gibt also keine Anleitung zum Frau-Sein. Für mich bedeutet der Alltagstest auch einfach Zeit meine Mann-Rolle abzustreifen, mir Dinge abzuschauen, die halt die Mädels von klein auf mitbekommen und die wir "Neu-Frauen" uns erst aneignen müssen - halt plakative, gesellschaftliche Dinge.
Und wie Julia schon sagt: Ehrlichkeit. Es bringt nix sich etwas vorzumachen und sollte vor allem die Kleidungsfragen hinten anstellen.
Gutes Passing ist wichtig, aber nicht entscheidend für alles ...
LG Nika
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 18:18
von Sandra82
Danke Nika,
das fand ich sehr gut formuliert!
Ich sehe es auch so, eine Zeit in der Mann seine alte Rolle verlässt und eine neue finden sollte.
Ist denke ich auch jetzt für mich noch einfacher mal einen Fehler im Make-Up oder Klamotten-Auswahl zu machen — ich übe ja noch!
Viele Frauen aus meinem direkten Umfeld fangen schon an mir Tipps zu geben, vor allem zu Sachen wie Gang und Körperhaltung, die typisch Frau sind. Find ich gut, wichtig, aber auch manchmal witzig auf was da so alles geachtet wird
Ehrlichkeit ist wirklich mit das wichtigste, auch Fremden gegenüber. Man hört es ja spätestens wenn ich Antworte was ich bin..
Liebe Grüße
- Sandra
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 19:32
von Julia65
Was mir dazu noch einfällt:
Frau sein - Mann sein. Mehr gibt es nicht? Muss man TS sein, um für sich zu entscheiden, als Frau zu leben? Nein. Es gibt Zwischenstufen, Sonderstufen - der Schieberegler hat keine Raster und kann in alle 3 Dimensionen bewegt werden. Und je nachdem wo man bei sich den Schieberegler der Geschlechter am Ende hinjustiert hat, kann man wählen, ob man lieber als Frau oder als Mann leben will, also offiziell.
Ich könnte mir zum Beispiel durchaus auch vorstellen, dass ein Crossdresser, der seine weibliche Rolle sehr oft, quasi immer annimmt, aber in seinem Innern dennoch den Mann spürt. Dem es aber gefällt als Frau durchs Leben zu gehen, dass so jemand sich durchaus auch dazu entscheiden kann, und auch darf, als Frau zu leben. Weil es vielleicht besser zu seiner Erscheinung passt, weil dieser Mensch sich damit einfach wohler fühlt. Warum auch nicht?
Genauso andersrum. Jemand, der in seinem Innnern spürt, dem anderen Geschlecht anzugehören, aber seinem Lebenspartner, Kindern, Angehörigen oder auch Arbeitskollegen das mit der Transidentität nicht aufbürden will, und einen Kompromiss findet , indem er ein Leben als Crossdresser führt und das Geburtsgeschlecht beibehält. Klar, geht doch auch.
Zum Äusseren: Es mag sicher stimmen, dass es nicht High Heels und stets einen Rock und lange Haare bedarf, um sich als Frau fühlen zu können. Natürlich gibt es Bio-Frauen, die in Hosen und flachen Schuhen sehr weiblich wirken.
Jedoch sei zu bedenken, dass ein Mann, der sich aber als Frau fühlt und so wahrgenommen werden will, meist dazu einige sekundäre Geschlechtsmerkmale caschieren muss. So hilft es natürlich, sich deutlich feminin zu kleiden um anderen maskulinen Erscheinungsmerkmalen entgegenzuwirken. Ein biologischer Mann, mit sehr deutlich maskuliner körperlicher Erscheinung, wird wohl kaum in Hosen und flachen Schuhen sehr weiblich wirken, auch nicht, wenn Verhalten und Gestik weiblich sind. Dann wirkt er eher wie ein homosexueller Mann, was meist auch nicht gewünscht ist.
LG
Julia
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 21:53
von Caira
Das ist halt die Frage: Gibt es wirklich diesen Schieberegler? Für meine Begriffe muss man sich primär in einem Geschlecht wiederfinden und sich damit indentifizieren. Und hier gibt es nun mal "nur" Mann oder Frau. Es mag ja sein, dass ein Mann feminine Seiten hat (was den Regler mehr in Richtung Frau schieben würde), aber er bleibt primär Mann. Sein Kopfgeschlecht entspricht dem des Körpergeschlechtes und bilden eine Einheit. Bei einer TS ist ja eben dies nicht der Fall. Das Kopfgeschlecht entspricht dem einer Frau (oder halt auch Mann bei FzM) und das Körpergeschlecht liegt als Gegenseite vor.
Nur aus diesem Grund möchte ich da einfach auch eine komplette Grenze ziehen und habe Schwierigkeiten dies als nahtlos zu betrachten. Ich weiß, dass es sehr langwierig sein kann sein eigentliches Kopfgeschlecht zu erkennen und zuzulassen. Bei mir hat es lange gedauert und es braucht Zeit sich selbst in Frage zu stellen - es ist ein Erkenntnisprozess und ich finde es nicht nett, wenn man TS dann regelrecht Vorwürfe macht, weil sie nicht gleich nach der Geburt den Antrag auf VÄ gestellt haben ... vielleicht mal CD waren, oder anders den Weg gefunden haben. Freiwillig macht man doch diese Erkenntnis nicht und ich bekomme hier und da auch das Gefühl vermittelt, dass TS der neue Chic und man dem verfallen sei. Nenne mir jemand einen Grund, warum man dies tun sollte??
@Julia
Genau, das hatte ich ja gesagt. Der Mann muss, halt gerade im Gesicht, ein wenig was kaschieren und da kommen halt wieder die Haare ins Spiel. Da rutscht das Passing ratzfatz in die richtige Richtung. Gibt auch dicke Frauen, die keine tolle Figur haben - die erkennt man aber trotzdem am Gesicht. Ich möchte mal ganz frech behaupten, dass man selbst ohne Busen mit entsprechender Gesichtoptik als Frau durchgeht. Gerade jetzt im Winter konzentriert sich die Wahrnehmung auf andere Dinge. Im Sommer ist man sicher eher figurfixiert, eben weil die da auch zu sehen ist. Aber bei ganz schlanken, dünnen Frauen ist das auch schwer. Im Fernsehen sieht man teils nur die Leute bis zur Brust und erkennt gar nichts weiter. Wäre aber mal interessant, worauf denn eigentlich so geachtet wird. Gibts dazu keine Studien? Die erforschen doch sonst jeden Unsinn ...
@Tabea
Ich glaube das man sich oft selbst ein Bein stellt in dem man überspitzt weiblich raus geht. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, das man so viel eher auffällt als wenn man sich an anderen Frauen, im gleichen Alter, orientiert.
Absolut! Stimme ich 100% zu!
LG Nika
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Mo 7. Jan 2013, 22:52
von Vincent
Ich denke das Frau/Mann Sein wir immer viel zu sehr an Äußerlichkeiten festgemacht, weil sie die Gesellschaft für das einfache Funktionieren braucht. Daher spielen fast alle Menschen bewusst oder unbewusst mit, egal ob "normal", CD, TS oder sonst was.
Das Äußere kommuniziert, wie man gerne angenommen werden möchte.
Ich durfte mal die Erfahrung machen, auf einer Art Seminar, das über eine Woche ging, und bei dem es sehr persönlich und freundschaftlich zuging, der einzige Mann unter 15 Teilnehmern zu sein.
Ich fühlte mich anfangs nicht nur so, sondern ich war ein Fremdkörper, der durch seine schlichte Anwesenheit den Austausch in der Gruppe erschwerte und veränderte, bis die Leiterin den Vorschlag machte, der ihr offensichtlich sehr schwer viel, man möge versuchen mich einfach auch als Frau anzusehen, wenn ich damit kein Problem hätte.
Mit einigen Anlaufproblemen funktionierte es und nicht nur ich merkte wie sich die Kommunikation langsam veränderte, bis ich wirklich irgendwann soweit integriert war, dass Themen aufkamen, die sonst kaum in dieser Form besprochen worden wären, wäre ein Mann anwesend gewesen.
Für mich war es in jedem Fall eine sehr interessante und einprägsame Erfahrung, so weit in die andere Seite reinzuschuppern, es war eine andere Welt.
Ich bin auch überzeugt, dass die Anlaufphase einfacher und kürzer gewesen wäre, hätte ich das ganze auch irgendwie optisch unterstützt.
Was damals, vor allem die einem abschließenden Gespräch auffiel war, dass alle ein Problem hatten mich mit meinem männlichen Vornamen anzusprechen — es gab nur noch DU"¦
LG
Vincent
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Di 8. Jan 2013, 08:42
von Sabrina Verena
Nika hat geschrieben:Das ist halt die Frage: Gibt es wirklich diesen Schieberegler? Für meine Begriffe muss man sich primär in einem Geschlecht wiederfinden und sich damit indentifizieren. Und hier gibt es nun mal "nur" Mann oder Frau. Es mag ja sein, dass ein Mann feminine Seiten hat (was den Regler mehr in Richtung Frau schieben würde), aber er bleibt primär Mann. Sein Kopfgeschlecht entspricht dem des Körpergeschlechtes und bilden eine Einheit. Bei einer TS ist ja eben dies nicht der Fall. Das Kopfgeschlecht entspricht dem einer Frau (oder halt auch Mann bei FzM) und das Körpergeschlecht liegt als Gegenseite vor.
LG Nika
Hallo Nika!
Ich denke, diesen Schieber gibt es.
Ich bin in der Hinsicht androgyn, dass heißt bei mir kommen weibliches und männliches Empfinden gleichzeitig vor.
Muss man sich in einem Geschlecht wieder finden? Ich bin biologisch ein Mann und ich genieße die Vorteile.
Ich bin aber auch Teilzeitfrau und werde dadurch erst ausgeglichener und zufriedener.
Mein Leben läuft zwischen den Geschlechtern, auch kleidungsmäßig. Beruflich als Mann, in der Freizeit DWT und CD in verschiedener Weise.
Mein Kopf ist eigentlich intersexuell, wenn ich das mal so darstellen darf.
Liebe Grüße
Verena
Re: was bedeutet eigentlich "als Frau leben"
Verfasst: Di 8. Jan 2013, 10:17
von Caira
Hallo Verena,
vielleicht gibt es ja wirklich kein eindeutiges Kopfgeschlecht und je nachdem, wie weit der Regler in Richtung Frau geht, desto eher möchte man logischerweise auch komplett so leben. Das wäre natürlich die einfachste Erklärung. Das Leben lehrt uns aber nicht selten andere Dinge. Stutzig macht mich halt, dass man ja bei TS auch im Kopf strukturelle Veränderungen nachweisen konnte - also auf anatomsicher Ebene. Sind diese dann auch durch die "Intensität" bestimmt? Gibt es bei CDs diese Veränderungen? Ich bin unschlüssig ...
Wir haben jeden "Unsinn" auf dieser Welt erforscht und kennen uns selbst nicht mal. Finde ich irgendwie traurig. Das alles ist doch kein Phänomen der modernen Gesellschaft. Prinzipiell ist wenig zu dem Thema in Erfahrung gebracht worden. Wir beobachten Vögel mit Peilsendern usw., aber verstehen unsere eigenen Artgenossen nicht. Was ich davon halten soll, weiß ich selbst nicht ...
LG Nika