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Re: Weinnachten

Verfasst: Di 25. Dez 2012, 15:29
von Julia65
Hallo Claudia,
ich glaube, wenn man in einer Situation wie deiner ist, oder in einer Vergleichbaren, dann neigt man dazu, zu glauben, dass um einen herum, bei Freunden, in der Nachbarschaft oder sonstwo über all Friede und besinnliche Weihnachtsstimmung herscht. Aber das ist falsch. So etwas ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme.
Ich erlebe seit einigen Jahren Weihnachten auch meistens allein und mir kommen trübe Gedanken. - Es ist Heiligabend. Ich bin alleine zu Hause. Das Geld ist knapp. Ich schiebe mir eine Fertigpizza in den Ofen. Eine Alternative bestünde allenfalls in belegten Broten oder einer Dosensuppe. Am Abend kann ich eine Tafel Schokolade naschen. Geschenke gibt es keine. Die paar Euro, die ich von Mutter zu Weihnachten schon vor Tagen überwiesen bekam, ging in die Stromrechnung, oder in neue Bremsbeläge oder einen Versicherungsbeitrag. Es wird still, es wird langsam dunkel. Ich wasche den Teller ab und schaue aus dem Küchenfenster auf den dammrigen Parkplatz vor unserem Haus. Ein Auto kommt und parkt ein. Es steigt ein Paar aus und 2 fast erwachsene Kinder. Sie sind alle sehr festlich gekleidet. Mein Blick wandert zum Nachbarhaus gegenüber. Dort betrachte ich die weihnachtliche Beleuchtung an den Fenstern. Ab und zu scheine ich menschliche Shiluetten hinter den Lampen erahnen zu können. Eine Gardine bewegt sich. Die Leute aus dem Auto öffnen den Kofferaum und es werden 2 grosse Körbe, mit Geschenkpaketen gefüllt, aus dem Kofferraum geholt. Sie stakt vorsichtig über die groben Pflastersteine mit den High Heels. Er richtet sich die Kravatte mit einer Hand. Sie gehen auf die Haustüre zu.
Ich schlucke. Stelle mir vor, wie diese bei einem festlichen Mahl bei Freunden sitzen, im Hintergund ein wunderschöner leuchtender Weihnachtsbaum. Strahlende Augen vor Freude über tolle Geschenke. Leise Weihnatsmusik untermalt die Szene. Ich verdränge dieses Bild aus meinem Kopf. So etwas hatte ich vor langer Zeit auch erlebt. Aber heute? Heute bin ich schon wieder alleine.
Ich stelle den Teller in den Schrank zurück und ziehe die Vorhänge vor den Fenstern zu, denn schon wieder kommt ein Auto, gefüllt mit festlich gekleideten Leuten.
Auf einmal wird es laut im Treppenhaus. Gelächter, Weihnachtswünsche, Freude und Freundlichkeit schwingt in den undeutlich zu hörenden Worten. Das Schlagen einer Tür. Wieder Stille.
Ich machen den Fernseher an. Ein Weihnachstmärchen. Ach, schon wieder sowas. Ich schalte um, wo Nachrichten laufen, setze mich an den PC. Aber nächstes Jahr, nächstes Jahr wird es wieder anders. Nächstes Jahr wirst du bestimmt nicht alleine sein. Nächstes Jahr wirst du Geschenke machen können und Geschenke bekommen. Du wirst nicht alleine essen. Nächstes Jahr. Ja, nächstes Jahr.
Jahr für Jahr das selbe: Nächstes Jahr. Ich glaube nicht mehr daran.
Es ist etwas traurig machmal. Aber nicht so schlimm, dass ich in Tränen ausbreche oder in Depressionen falle. Denn: Ich bin nicht die einzige, der es so geht. Vielen, sehr vielen überkommt Traurigkeit zu Weihnachten. Weil sie alleine sind oder arm. Aber es liegt bestimmt auch daran, dass man sich an vergangene Weihnachten immer nur die schönen Erinnerungen herbeiholt. Und damit formt man ein Idealbild, was aber immer ferner von der Wahrheit rückt.
Warum erinnert man sich selten an das Weihnachten, wo man eine Grippe hatte? Oder wo der Partner am Heiligabend einen Verkehrsunfall hatte. Oder wo ein Freund plötzlich mit einer Krebsdiagnose ins Krankenhaus musste? Wo man sich so schlimm mit dem Partner stritt? Nein, man erinnert sich an die Momente, wo es wirklich schön war.
Ich glaube, in Wahrheit , würde ich per Seelenreise in die Wohnungen der Umgebung schauen können, wäre ich enttäuscht, wie selten ich dieses Ideal auch nur annähernd vorfinden würde.
Ich wünsche euch allen noch ein schönes Rest-Fest.
LG
Julia

Edit hat noch (sicher nicht alle) Rechtschreib- und Tippfehler entfernt.

Re: Weinnachten

Verfasst: Di 25. Dez 2012, 21:17
von conny
hallo claudia,

ich kann den problem und dein ärgernis sehr gut nachvollziehen. auch ich bin körperbehindert und koch gerne, dabei, wie bei vielen anderen dingen auch, muß ich mir vorher genau überlegen, ws ich machen will, denn manches geht ohne fremde hilfe nicht. schade, dass du den aufwand und deine möglichkeiten nicht richtig eingeschätzt hattest. das kommt bei mir auch manchmal vor und das gibt dann richtig frust.

dir noch eine schöne "restweihnacht"!


lg
conny

Re: Weinnachten

Verfasst: Di 25. Dez 2012, 21:54
von Inga
Hallo, Claudia,

Das alles klingt zwar irgendwie frustrierend, aber noch einmal betrachtet hast du eigentlich viel gelernt. Du kennst die Grenzen in der Küche und weißt dich besser darauf einzurichten. du wirst größere Aktionen wie Essen für mehrere noch sorgfältiger vorplanen oder auch überlegen, beim nächsten Mal evtl. bei einem Partyservice, Essen-auf-Rädern zu bestellen oder Halb-Fertig-Gerichte aus dem Supermarkt holst. Da entwickelst du einfach eine praktische Seite. (Ich selber habe ja keine Probleme mit dem Stehen und habe da Respekt vor allen, die mit Rollator kochen müssen - und es auch praktizieren!) Und trotz aller Missgeschicke was gut Essbares für mehrere Leute auf den Tisch bekommen! Ist doch toll und etwas, wo du dir auf die Schulter klopfen kannst.

Ja, Julia spricht es auch an. Weihnachten ist nicht immer die glückliche, festliche Zeit, die sich so viele wünschen. Es sind halt letztendlich ein Haufen Feiertage, an denen die Geschäfte geschlossen haben, und an denen man so irgendwie mit sich selber über die Runden kommt. Fängt man erst an, sich mit anderen zu vergleichen, könnte man verrückt werden.

Mein Weihnachten ist auch irgendwie allein. Und ich bin soweit ganz zufrieden. Wenn andere die Festlichkeit suchen, soll es ihre Sache sein. Wenn andere das Familienfest im Kreise ihrer Lieben feiern wollen mit großen Geschenken, soll das ihre Sache sein. Mein Weihnachten ist anders. Am Vormittag vom Heiligabend waren noch ein paar Lebensmittel für die nächsten Tage zu kaufen. Nichts besonderes lag im Korb. Milch, eine Packung Käse, Wurst, Butter, Gurke, etwa Obst, Kaffee, einfache Schokolade. Heiligabend hatte ich am Nachmittag Kirchendienst (das kann ich als Single immer ganz gut machen, denn auf mich wartet niemand zu Hause). Um Mitternacht habe ich dann noch mit dem Chor im Gottesdienst gesungen.
Abends dann den Deutschlandfunk im Dauereinsatz, denn da gab es die Weihnachtsmusik verjazzt. Jazz ist mir eine Musikrichtung, die alles so humorvoll ironisch macht und belächeln lässt. Da wirkt das Spielen von Weihnachtsmusik.

Heute (für mich) lange geschlafen, eine Weile draußen gewesen und dies feucht frische frühlingshafte Wetter genossen einschließlich des frühen Sonnenuntergangs. Der Abend bei Radio, Tee, Essen kochen (Nudeln mit Grünkohl und Würstchen), am PC - und die Gelegenheit, etwas mehr Frauenkleider anzulegen, zur Übung und Selbstachtung zu schminken. Geschenke?- Ein paar Karten und ein Buch von einer lieben Freundin, worüber ich mich sehr freue - und da überlege ich, welch netten Gedanken ich all den Kartenschreibern als Dankeschön schicken kann. Karten bastele ich aus Resten von Papierkram meist selber. Und klar, etwas in meiner Räuberhöhle aufräumen. Da ist sonnst immer die Zeitung spannender. Aber an den Feiertagen gibt es ja keine Zeitungen.

Und morgen wird kaum anders werden. Da werde ich mich stärker dem Vorplanen de neuen Jahres widmen. Heute abend aber noch ein paar Minuten hier im Forum.

Liebe Grüße
Inga

Re: Weinnachten

Verfasst: Di 25. Dez 2012, 22:05
von Anne-Mette
Moin,

es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden; denn in manchen Situationen mag sich jede Antwort befremdlich und merkwürdig anhören.
Auch geäußerte Wünsche, alles möge sich zum Besseren wenden, werden sicherlich keine optimistischen Gefühle hervorrufen können.
Trotzdem möchte ich euch sagen: ich denke an euch )))(:

Alles Liebe und Gute
Anne-Mette

Re: Weinnachten

Verfasst: Di 25. Dez 2012, 22:12
von conny
cpg hat geschrieben:Moin,

Auch geäußerte Wünsche, alles möge sich zum Besseren wenden, werden sicherlich keine optimistischen Gefühle hervorrufen können.

Alles Liebe und Gute
Anne-Mette
wie recht du hast, vor allem wenn sie weit hergeholt sind und doch sehr am eigentlichen thema vorbeigehen.