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Nüchtern und ganz medizinisch gesehen ...
Verfasst: Sa 15. Dez 2012, 12:49
von Salmacis
ACHTUNG! Ich will hier keinem TS auf den Schlips treten, aber es ist ein Thema was in meinem Kopf rum kreist.
Nüchtern und ganz medizinisch gesehen, so sagte es mal ein Arzt, ist eine Transfrau ein Mann mit "verstümmelten" Genitalien. Hm, krasse Sicht, dachte ich mir.
Ich selbst arbeite in der Medizin und habe auch viel mit klinischen Messungen und Auswertungen zu tun. Dabei spielt das Geschlecht oft eine große Rolle z.B. bei sogenannten Belastungstests oder in der Lungenfunktion.
Frauen z.B. haben von Natur aus eine kleinere Lunge. Wenn nun eine Transfrau zum Arzt geht, wird aufgrund des rechtlichen Status das Geschlecht "weiblich" angewählt. Dann rechnet man aber auf einmal mit viel zu großen Werten und die Diagnose kann im schlechtesten Fall falsch sein...
Versteht ihr auf welche Problematik ich hier hinaus will?
Re: Nüchtern und ganz medizinisch gesehen ...
Verfasst: Sa 15. Dez 2012, 12:57
von Julia65
Hallo Salmacis,
ich denke, ich verstehe sehr genau, worauf du hinaus willst. Und du hast absolut recht.
Genau solche Gedanken hatte ich auch schon. Besonders in Bezug auf die "Nicht-Rückverfolgbarkeit bei der Vornamens- und Personenstandsänderung". Das soll sicher den TS vor Diskriminierung und Zwangsouting schützen. Gut gemeint, aber gerade aus den von dir angesprochenen Gründen sollte man da auch Abstriche machen können.
Ich habe mir daher überlegt ein Kärtchen in meine Brieftasche zu legen, auf der notiert sein wird, dass ich biologisch ein Mann bin, neben Daten, wer im Falle meiner Verunglückung zu informieren sei und welche Medikamente ich nehme. Sowas wie eine winzige Notfall-Patientenverfügung.
Auch habe ich vor, allen Ärzten auch in Zukunft, davon in Kenntnis zu setzen, dass ich biologisch männlich bin, damit eben solche von dir angesprochenen Fehler vermieden werden kann.
LG
Julia
Re: Nüchtern und ganz medizinisch gesehen ...
Verfasst: Sa 15. Dez 2012, 13:13
von Salmacis
Hallo Julia
ja das sind so Dinge die mir durch den Kopf spuken und es ist schön zu lesen, dass du dich nicht angegriffen fühlst durch meine eventuell etwas harsche Wortwahl ^^
LG
Salmacis
Re: Nüchtern und ganz medizinisch gesehen ...
Verfasst: Sa 15. Dez 2012, 13:19
von Julia65
Trotz aller Freude über die Möglichkeiten die heutzutage für transidente Menschen existieren, sollt doch der Blick auf die Realität nicht verloren gehen. Es gibt nach wie vor keine "Geschlechtsumwandlung" Es ist eine "Angleichung". Mediziner und Autoren fachspeziefischer Artikel mühen sich auch das immer klarzustellen. Bei einer Transition beispielsweise MzF wird der Körper nur so weit wie möglich dem angstrebten Geschlecht angeglichen, damit er besser zu der gefühlten Identität passt. Mehr ist nicht drin. Aber das reicht doch eigentlich auch, oder nicht? Die Gene bzw. Chromosomen sind meines Wissens unveränderbar.
Ach was wäre das für eine Katastrophe für die forensische Ermittlung, würde man seine DNA ändern können.
Dazu fällt mir ein Witz von Jürgen von der Lippe ein:
Es gibt jetzt die Pille für den Mann. Sie wird DANACH eingenommen und verändert die Blutgruppe!
LG
Julia
Re: Nüchtern und ganz medizinisch gesehen ...
Verfasst: Do 27. Dez 2012, 15:52
von Joe95
Salmacis hat geschrieben:
Frauen z.B. haben von Natur aus eine kleinere Lunge. Wenn nun eine Transfrau zum Arzt geht, wird aufgrund des rechtlichen Status das Geschlecht "weiblich" angewählt. Dann rechnet man aber auf einmal mit viel zu großen Werten und die Diagnose kann im schlechtesten Fall falsch sein...
Versteht ihr auf welche Problematik ich hier hinaus will?
ich verstehe was du meinst, aber mein erster gedanke dazu war das die ärzte doch bestimmt individuelle werte nehmen und dabei feststellen das der körper dieser frau eben nicht dem standart entspricht.
es gibt doch bestimmt - um bei diesem beispiel zu bleiben - auch biofrauen, die mehr lungenvolumen haben als männer ähnlicher statur bzw. umgekehrt...
Re: Nüchtern und ganz medizinisch gesehen ...
Verfasst: Sa 5. Jan 2013, 23:25
von Lina
Salmacis hat geschrieben:ACHTUNG! Ich will hier keinem TS auf den Schlips treten, aber es ist ein Thema was in meinem Kopf rum kreist.
Frauen z.B. haben von Natur aus eine kleinere Lunge. Wenn nun eine Transfrau zum Arzt geht, wird aufgrund des rechtlichen Status das Geschlecht "weiblich" angewählt. Dann rechnet man aber auf einmal mit viel zu großen Werten und die Diagnose kann im schlechtesten Fall falsch sein...
Das klingt mir doch total überzogen. Wenn wir zwei Modelle Mensch hätten, eines mit einem Lungenvolumen von 3,25 Liter und eines mit 4,5 Liter und man diese zwei verwechseln würde, könnte ich das Problem verstehen.
So ist es aber nicht. Es gibt Tendenzen und Durchschnittswerte. Frauen die in einem idalen Trainingszustand viel Mehr Volumen haben als viele Männer in einem idealen Trainingszustand und damit, für ihre spezifischen Physik, ein ideales Lungenvolumen.
Wer als medizinische Fachkraft nich fähig ist, darauf einzustellen, dass alle Menschen unterschiedliche Voraussetzungen haben, soll sich zumindest von mir fern halten. So was halte ich für nahezu inkompetent, oder zumindest so festgefahren in einem theoretisch geprägten System, dass es gefährlich werden kann.