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Guter Artikel über "uns“

Verfasst: Mi 17. Okt 2012, 23:25
von Andrea aus Sachsen
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Hallo alle zusammen,
ich habe in meiner Lokalzeitung wieder einmal einen interessanten Artikel über "uns" gefunden. Aus Urheberrechtsgründen darf dieser aber nicht komplett veröffentlicht werden. Genauer gesagt: Mich hat"™s fast umgehauen, als ich gelesen hatte, welche Lizenzgebühren dafür anfallen würden. Zum Glück darf zitiert werden und das möchte ich hier ausnutzen.
Der Artikel fällt als Titelblatt der Wochenendbeilage sofort ins Auge und besticht meines Erachtens vor allem durch seine sachlich korrekte und tiefgründige Darstellung, wie man es bei derartigen Themen nur selten erlebt. Na ja, wir hätten sicher nicht "er" geschrieben, wenn es um eine "Dame" geht. Ich kenne sie übrigens persönlich von den Chemnitzer Crossdressertreffen. Insofern muss ich vor ihr auch den Hut ziehen, dass sie sich diesen Weg in die Öffentlichkeit getraut hat.
Und hier könnt ihr den Artikel auszugsweise lesen:

Schiller-Freude (erschienen in "Freie Presse" am 5.10.2012)

Seit einem Jahr traut er sich, als Mann in Frauenkleidern auszugehen. Das Leben sei zu kurz, um sich zu verstecken, meint der Transvestit aus Freiberg. ... Heute kann er verstehen, dass Frauen lange in Handtaschen wühlen, bevor sie finden, was sie suchen. Männer verstehen das nicht. Er schon. Er durchwühlt jetzt selbst seine viel zu große Handtasche. Und dass man mit wachsender Verzweiflung vor einem Kleiderschrank stehen kann — keine Frage, das versteht er jetzt auch. Eineinhalb Stunden braucht er, bis er fertig ist. Fertig zum Ausgehen. Mit Kleid, Schmuck, Make up. Er ist ein Transvestit, keiner in einer Show, sondern einer, der am Wochenende gern in Frauenklamotten ausgeht. Das traut er sich seit genau einem Jahr. ...
"Ich fühlte mich schon als Kind zu Frauensachen hingezogen. Das war einfach in mir drin", sagt der 49-jährige Freiberger. Da habe er mal einen Rock von der Mutter oder der Tante anprobiert, aber immer darauf geachtet, nicht erwischt zu werden. Auch die folgenden Jahre lief das so. ... "Ich dachte, ich bin der Einzige, der so tickt, und habe mich geschämt." Er ließ sein Innerstes verborgen. Und studierte Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärwesen, heiratete, kurz nach der Wende kam dann die Tochter zur Welt.
Doch nach 24 Jahren brach die Ehe auseinander. Das habe aber, sagt er, nichts mit seinem verborgenen Innenleben zu tun gehabt. Allerdings begann er nach der Scheidung, sich darum zu kümmern. Da hat er doch mal ins Internet geguckt. Und fand den Begriff Transgender. Heißt: Ein Mensch bricht aus seiner von der Natur aus zugewiesenen Geschlechterrolle aus. Ein Beispiel sind Transsexuelle. Da fühlt zum Beispiel ein Mann, im falschen Körper zu leben, sieht sich als Frau und entscheidet sich für eine Operation der Anpassung. Ein anderes Beispiel sind Transvestiten. Sie kleiden sich lediglich wie das Geschlecht, das sie körperlich nicht sind — unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Ein Transvestit kann also zum Beispiel ein homosexueller oder ein heterosexueller Mann sein. ...
Als er also im Internet Fotos von Transvestiten sah, beneidete er sie. Wie sie hergerichtet waren! Die langen Wimpern, die funkelnden Ohrringe, die bunten Kleider! ... Und er dachte sich: Wenn ich professionell geschminkt wäre, würde ich mir das auch zutrauen. Aber viel weiter kam er erstmal nicht. Die Sache war die: Er hatte ein zweites Mal geheiratet. Nicht glaubend, dass sich sein Innenleben zielgerichtet den Weg nach Außen suchen würde.
Und so erfuhr er langsam Mausklick um Mausklick Neues; zum Beispiel, dass es auf Transvestiten spezialisierte Kosmetikerinnen gibt. ... Und als er schließlich auf dem Stuhl einer Kosmetikerin saß und im Spiegel zart violett geschminkte Augen, knallrote Lippen und rosa Wangen in seinem Gesicht entdeckte, war er hin und weg. Nun wollte er sich auch zeigen. ... Und das hat dem Transvestiten aus Freiberg so gut getan, dass er fortan öfter ausging. Da er von Berufs wegen Pendler ist, sei das vor seiner Frau ganz gut zu kaschieren gewesen, sagt er. Und sonst war er ja weiter als Mann in T-Shirt und Jeans anzutreffen, auf Arbeit und Zuhause. Aber er wusste: Irgendwann muss ich es meiner Frau beibringen.
Im Februar schob er ihr ein Foto zu; es zeigt ihn als Frau. Seine Frau sei geschockt gewesen, erzählt er. Aber: Kurze Zeit später seien sie zusammen ausgegangen — er in Frauenkleidern. ...
Als Transvestit besitzt der Freiberger zirka 40 Kleider, 30 Röcke, 30 Paar Strumpfhosen. Das meiste ersteigert er im Internet. Manchmal geht er aber auch einkaufen. "Erst habe ich ängstlich in die Damenabteilung geguckt. Aber mit der Zeit kommt das Selbstvertrauen, und da sage ich zur Verkäuferin auch: Das ist für mich." Die Verkäuferinnen zuckten da nicht mit der Wimper. Damenschuhe in Größe 43 erwischt er meist in Spezialläden. 25 bis 30 Paar hat er, höchster Absatz 18 Zentimeter mit Plateausohle. In solchen Schuhen würdevoll zu gehen, hält er für keine große Leistung. "Man muss nur üben." In seinen Schatzkisten finden sich zudem zirka 30 Perücken, Schmuck und drei Paar Brüste. Da gibt es zum Beispiel im BH eingenähte Silikonkissen oder Schalen zum Ankleben. ...
Doch trotz aller Freude am Schillern, das Herausputzen nervt ihn auch. Nicht nur das Rasieren von Armen, Beinen und Gesicht. Auch das Anprobieren vor dem Spiegel. Aber nur die halbe Kraft investieren — niemals! Es gelte, erklärt er, so schön wie möglich zu sein. Selbst wenn er letztlich als Mann erkannt wird. "Das liegt an der Statur. Das geht eben nicht anders." Dennoch gibt er sich als Transe einen anderen Namen: Katherina Mool. Frauenkleider verlangen Frauennamen.
Mittlerweile ist er fast jedes Wochenende mit Transvestiten unterwegs. Er sei dann zwar kein anderer Mensch, aber einer mit anderen Seiten. Als Mann tanzt er nicht. Als Transe schon. "Wenn ich als fast 50-jähriger Mann in die Disko gehen würde, würde ich in einer Ecke stehen und keiner würde sich für mich interessieren. Als Transe aber fühle ich mich jünger und kontaktfreudiger." Also tanzt er bis in den Morgen. Und hat — das gehört auch dazu — gelernt, dass Transvestiten auf die Damentoilette gehen. ...
Aber seitdem er auch seine zweite Seite auslebt, sei er ausgeglichener, sagt er. Das Leben sei zu kurz, um sich zu verstecken. Zwar binde er als Mann nicht jedem seine Geschichte auf, deswegen steht in dieser Geschichte auch nicht sein Name. Aber als Katherina erzählt er von sich. ...


Zu dem Originalartikel gehört noch ein Foto, welches ich aber nicht für besonders gelungen halte. Wer an dem kompletten Artikel (pdf-File) interessiert ist, dem kann ich ihn per E-Mail zuschicken (PN geht nicht). Bitte dazu E-Mail-Adresse über PN an mich!