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Re: Was ist eigentlich Kleidung?

Verfasst: Mi 17. Okt 2012, 12:09
von Sabrina Verena
Hallo Christ!
Ich danke Dir für Deinen Thread. Persönlich denke ich, dass Du eine Vielzahl an verschiedenen Antworten erhalten wirst. Kleidung ist in der Tat nicht nur Fellersatz. Ein Sprichwort lautet bekanntlich "Kleider machen Leute". Dieses Sprichwort stimmt, das habe ich persönlich erfahren. Die Art wie wir uns kleiden und womit, hängt von unserer Psyche ebenso ab, wie von unseren Absichten. Will ich mich vor der Witterung oder Gefahren bei der Arbeit schützen, will mich mir oder meinen Mitmenschen gefallen oder mich einfach nur wohlfühlen? Danach entscheiden wir doch, wie wir uns kleiden. Eine allgemein gültige Antwort gibt es meiner Meinung nach aber nicht.
In Frauenkleidung fühle ich mich wohl, ohne Diese würde mir was fehlen, es ist also auch Ausdruck meiner Psyche. Generell hätte ich lieber einen weiblichen Körper, auch wenn ich mich als Mann fühle.
Liebe Grüße
Verena

Re: Was ist eigentlich Kleidung?

Verfasst: Mi 17. Okt 2012, 16:06
von Flodur
chris1960 hat geschrieben:Mal ganz ehrlich die Frage in den Raum:
Wer von euch geht als Mann in einem kräftig violett farbenden Polo Shirt aus dem Haus?
Wer hat ein LongShirt in kräftigem Orange und geht damit ins Büro?
Wer trägt eine rote Hose?
Wer hat einen Long Pullover der so auf den Oberschenkeln endet und trägt den zum Einkaufen?
Alles als Mann ...
All das habe ich früher gemacht, bin auch so ins Büro, als ich dort noch hinging.
Deshalb kamen von meinen Brüdern bei meinem Outing auch Bemerkungen wie: "Jetzt können wir deinen schon immer auffälligen Kleidungsstil besser einordnen."

Unter meinen dutzend Jeans, die alle aus der Damenabteilung kamen, ist keine Blue-Jeans. Aber drei lila, zwei rote, zwei orange, zwei gelbe, drei buntgestreifte... Obenrum entsprechend bunt. (Und heute vergammeln die Hosen im Schrank.)
Das war die Grenze des erlaubten bei meiner Frau. Aber das CD Gefühl der Erleichterung/Befreiung stellte sich nicht ein, wenn ich so rumlief.
Trotzdem war es mir wichtig mich so anzuziehen. Gekleidet in "schlamm-grau" hätte ich mich auch entsprechend gefühlt.

Wenn ich eine hübsch gekleidete Frau sehe, denke ich nicht, wie die wohl nackt aussieht, vielmehr, das würde ich auch gern mal anziehen.
Die nackte Pronographie, die uns das Internet so verschwenderisch zu Verfügung stellt, lässt mich kalt. Lieber schau ich mir Bilder aus Modekatalogen an. (ich bin halt pervers...)
Ja, machmal - oder öfter - wünsch ich mir den Körper einer Frau, weil mir die Sachen dann besser stehen würden. Aber ich hatte und habe nicht das Bedürfnis oder den Eindruck eine Frau zu sein.
Sabrina Verena hat geschrieben:Kleidung ist in der Tat nicht nur Fellersatz. Ein Sprichwort lautet bekanntlich "Kleider machen Leute".


Über Jahhunderte war Kleidung auch "Ausweis des Standes" einer Person. Es ging nicht darum, ob ein Bauer es sich leisten könnte in Samt und Seide rumzulaufen, es war ihm verboten, mit Strafandrohung!

Das drückt auch die ursprüngliche Bedeutung des Fasching/Karneval aus. Leute konnten für kurze Zeit aus ihren Rollen flüchten. Daher auch das Mistrauen, mit dem die Obrigkeit das betrachtete: Eine Aufhebung der "natürlichen gottgegebenen" Ordnung.

Also, Kleidung ist das äußere Merkmal, das mich in meiner Klasse, meinen Stand zuordnet. Und in diesem sinne war "Frau" war eben auch eine bestimmte gesellschaftliche Klasse.

Nun sind wir in der "klassenlosen" Gesellschaft angekommen. Es gibt keine gesetzlichen Einteilungen mehr, nur noch finanzielle.
Lisa* hat geschrieben: Ich denke also, dass das Kleiden der Frauen als Ausdruck der Stimmung, oder Spaß zu haben, wie Du es schreibst eine starke Überbewertung von Euch Männern ist! [...]
Wenn ich mich mal richtig schön mache, dann nur zu einem kleinen Teil, weil ich etwas ausdrücken möchte und es mir gefällt, und zu einem viel größeren Teil, weil es die Gesellschaft (Männer UND Frauen) verlangt, dass eine Frau schön zu sein hat! [...]
Hinzu kommt auch noch, dass Männer untereinander eher weniger auf das Aussehen der anderen Männer achten, als Frauen das tun. Da wird schnell mal getuschelt oder verächtlich geschaut! Frauen müssen sich ständig Gedanken über ihr Äußeres machen [...]
Von daher kann eine Frau also in ihrer Kleiderwahl auch nicht frei sein [...] und ist vielen "no-gos" unterworfen!
Danke Lisa, dass du dich zu diesem Thema zu Wort gemeldet hast. Unsere Hälfte der Erfahrung lässt uns doch immer den anderen Teil vergessen, falls wir ihn denn überhaupt schon kannten.

Also unsere Gesellschaft ist zwar "gesetzlich klassenlos" aber es gibt eine Menge "ungeschriebener Gesetze" die genauso binden.
Lisa* hat geschrieben:Ihr Männer könnt Euren Stil doch genauso mit Kleidung wiedergeben! Da gibt es zum Beispiel den "Holzfällertypen", den "Businessmann", den "Goldkettchenträger", den "Sportlichen" usw.. Die Frauentypen sind da ähnlich angelegt: die "Elegante", die "Jugendliche", die "Sportliche", die "Bussinessfrau"...
Der einzige Pluspunkt der Frauenkleidung besteht darin, dass sie vielfältiger ist. Da gibt es zum Einen Hosen UND Röcke und zum anderen halt eine größere Auswahl an Schuharten, Unterwäsche, Applikationen, Farben...Hervorhebung von Flodur


Ja, die letzte Zeile, das ist eben wo sich die Geister scheiden, unser ungeschriebenes Gesetz, das die Gesellschaft noch nicht aufgehoben hat. Genau der Punkt worunter wir Crossdresser leiden.

Re: Was ist eigentlich Kleidung?

Verfasst: Mi 17. Okt 2012, 20:37
von Kerstin
Hi Chris
chris1960 hat geschrieben:Was ist eigentlich Kleidung?

Chris
Die Frage: "Was ist Aufklärung?" dürfte leichter zu beantworten sein.

Ich will es trotzdem einmal versuchen.

Kleidung ist ein Mittel, das es uns ermöglicht verschiedene Funktionen, die es inne hat, gleichzeitig zu nützen.
Als Funktionen wären da die Schutz- und Kommunikationsfunktion. Die Schutzfunktion trifft man nicht nur bei der Frage nach der Witterung an, sondern auch, wie bereits angesprochen, bei allgemeinen Moral Vorstellungen. Weiterhin ist die Schutzfunktion auch im Beruf und Haushalt anzutreffen, sei es als besondere Schutzbekleidung in der Chemieindustrie oder im Haushalt als Küchenschürtze.

Gleichzeitig wird Mittels der Kleidung aber auch kommuniziert.

Ein erstes Beispiel wäre hier der Soltat. Durch seine Uniform vermittelt er uns zueinem das er überhaupt einer ist zum anderen auf welcher Seite er steht. Durch die Uniform kommt es aber auch zu einer Erwartungshaltung. Ein besofferner Soltat der durch die Stadt torkelt und seine Mitmenschen beleidigt geht garnicht.
Im zivielem haben wir ein ähnliches Verhaltensmuster.
Um auf den genannten Long Pullover einzugehen. Du wirst jeder Zeit einen solchen pulli tragen können, wenn es a.) die äußeren Umstände plausiebel machen, das seine Schutzfunktion angemessen ist, und b.) seine Farbe nicht als eindeutig Weiblich eingestufft wird.
Natürlich ist es richtig, das du das Recht hast die Kleidung zu tragen die dir gefällt und in der du dich Wohl fühlst, es ist aber sehr gut möglich, das du damit gegen die allgemeinen Moralvorstellungen verstößt. Und diese sind vom Ort und er sozialen Gruppe in der du dich bewegst abhänig.
In dem oben genannten Beispiel kommen mehrere Kommunikationsmittel zusammen. Der Schnitt der Kleidung sowie die Farbe.
Durch die Art wie das Kombiniert wird bestimmst du wie dich die anderen wahrnehmen. Man kann deinen Stiel gut heisen, du kannst auf Akzeptanz stoßen oder auf absolute Ablehnung, weil du die allgemeinen Moralvorstellungen der Gruppe in der du dich bewegst verletzt hast.

Bei Fraun die sich, im allgemeinen, in schlichten Hosen bewegen kommt das zu tragen. Sie wollen einfach nur schnell das Vorgenohmmene Ziel erreichen. Eine Kleidung die zusehr aus dem Rahmen fällt würde nur stören. Nicht weil sie unbequem oder nicht zweckdienlich wäre die nicht gewollte Aufmerksammkeit ist das was stört.
Die selbe Frau aber die Tagsüber unbehelligt bleibt hat abends in den selben Kleidungsstücken aber erheblichen Ärger wenn es Zeit, Raum und die Soziale Gruppe erwarten, das sie im kleinen Schwarzen zu erscheinen hat.
Zur selben Zeit kann es ein anderer Ort aber ermöglichen, sich zu befreien und sich so zu kleiden wie man sich fühlt oder was man glaubt darstellen zu müssen.

Nur Persönlichkeiten die stark genug sind um alle Regeln zu brechen oder aber glauben sie haben nichts mehr zu verlieren können frei wählen wie sie sich kleiden wollen.


Liebe Grüße
Kerstin

Re: Was ist eigentlich Kleidung?

Verfasst: So 21. Okt 2012, 18:47
von s_Roeckchen
Kleidung ist für mich eine Möglichkeit, mein Inneres, meine Sicht auf mich nach Draussen darzustellen. Da ich mich nicht in weiblich und männlich aufspalte, sondern noch meinem Verständnis immer eine Eineit bilde, kombiniere ich beide Modeabteilungen ebenfalls zu einer Einheit. Einzige Bedingung die ich mir dabei stelle ist, es muß ein nach meinen Gesichtspunkten stimmiges Gesamtbild ergeben.
Vom Stil her bevorzuge ich bei Hosen, Damen- wie Herren-, und bei Röcken einfarbige, eher gedeckte Farben. Und ja, die klassische BlueJeans hab ich aus beiden Abteilungen. Bunt und gemustert treib ich es bei Blusen und Hemden. Und erst meine Strumpfhosencollection, da sind einige ausgefallen Sachen dabei. Schuhe sind wieder schlicht, sollen kein Solo spielen sondern einen Abschluss nach unten bilden.

Verkleidung ist es dann, wenn ich berufsmäßig mal wieder im Anzug rumspringen muss, doch die Krawatte tanzt aus der Reihe. Jetzt nicht mit Comicmotiv, aber auch deutlich farbig.

s'Röckchen

Re: Was ist eigentlich Kleidung?

Verfasst: So 28. Okt 2012, 23:21
von Vincent
Hallo Chris,

deine Fragen sind mir aufgefallen, weil ich mich darin sofort wiederfinde, auch wenn ich noch kein passendes Longshirt gefunden habe.
chris1960 hat geschrieben: Wer von euch geht als Mann in einem kräftig violett farbenden Polo Shirt aus dem Haus?
Wer hat ein LongShirt in kräftigem Orange und geht damit ins Büro?
Wer trägt eine rote Hose?
Wer hat einen Long Pullover der so auf den Oberschenkeln endet und trägt den zum Einkaufen?

Alles als Mann ...
Alles andere kann ich mit einem klaren ja beantworten. Dann kommen zum Longpullover noch Leggings und Stiefel mit hohem Schaft - wenn mir danach ist.
Allerdings kann es am Morgen auch zur Wahl der schwarzen Jeans zu den Springerstiefeln und der Lederjacke kommen - trotz greller Farben dominiert in meinem Kleiderschrank grau und schwarz und braun.
Kleider und Röcke, die ich als Mann trage, sind vorwiegend in diesen Farben.


chris1960 hat geschrieben: was ich weiß ist, das ich viel zu oft schaue und beobachte und wenn ich einen tollen Rock oder einen schönen Pullover oder ein tolles Kleid sehe oder schicke Stiefel, denke ich wow, das möchte ich auch tragen ... muss ich mich deshalb zur Frau stylen?
Oder kann ich bleiben wie ich bin?
Es gab eine Zeit in der ich es schlicht für mich nicht verbinden konnte, zu tragen was mir gefällt und dabei klar Mann zu bleiben. Ich versuchte ziemlich erfolg- und hoffnungslos das Bild einer Frau zu kreieren, das ich zum einen nicht war und das zum anderen so schlimm aussah, dass es nicht mal mondlichttauglich war.
Folglich gabs die "Frau" nur für mich, privat, zuhause.

Irgendwann kam die Erkenntnis, dass vieles, wenn nicht alles auch einen Mann kleiden kann. Das Spiegelbild von dem Typen im Rock sah eigentlich auch viel besser aus, als das des seltsamen Wesens. Trotzdem hat es für mich lange gedauert, bis ich mich an unkonventionellere Kleidung in der Öffentlichkeit gewagt habe. Und auch wenn mich meine Frau motiviert und unterstützt, schrecke ich doch immer noch, oder immer mal wieder zurück irgendetwas Männer-atypische zu tragen.

Wenn ich heute etwas Schönes sehe, was mir gefallen würde, male ich mir immer das Gesamtbild aus, das es an mir als Mann abgäbe. Und es ginge viel, etwas Mut und vor allem die richtige Größe vorausgesetzt. Daran scheitert dann allerdings einiges.
Vieles was in meinem Kleiderschrank hängt sieht in meinen Augen und auch denen meiner Frau gut aus, und trotzdem verlässt es nicht das Haus - und noch mehr, was mir gefallen würde gibt es garnicht erst in meiner Größe, da ich selbst für einen Mann sehr groß bin.

So bleibt mir oft nur die Freude an einem Enkaufsbummel mit meiner Frau, bei dem ich eigentlich nichts für sie suche, sondern nur das, was mir für mich gefallen würde. Da wir einen sehr ähnlichen Geschmack haben, freut sie sich über die Beratung und ich freue mich darüber, dass sie keinerlei Größenprobleme damit hat.

Re: Was ist eigentlich Kleidung?

Verfasst: Mo 29. Okt 2012, 15:12
von Becky
Männerklammotten...
vorhin erst im Wartezimmer in einem Katalog geblättert.
Als Mann gibt es ja nur Langweilig, ätzend, öde, oh eine andere Farbe aber trotzdem öde, spricht mich nichts an...

Bei den Frauensachen krieg ich dann immer so ein Hey! Oh sieht das Toll aus! Ja, das hätt ich gern, passe aber nicht rein...grumpf nicht in meiner Grösse
...Und da ihr mir hier Mutmacht so etwas auch draussen zu tragen,
hab ich jetzt mal dem Schweinehund den Krieg erklärt, ich war doch mal schlanker das muss doch wieder hinzukriegen sein.
Plan: Also Cola max. ein Flasche in der Woche statt 1-1,5Flaschen am Tag. Ob ich FdH schaffe? Auf jedenfall mach ich jetzt kleinere Portionen.
Und was mir auch Probleme bisher machte: Der Teller im Restaurant muss nicht leer! Die Packen auch Reste ein.
Und dann will ich endlich diese Schönen Sachen auch mal anziehn.
Jo Chriss, das mit dem mehr auf sich Achten geht mir genauso

Die Elena

Re: Was ist eigentlich Kleidung?

Verfasst: Mo 29. Okt 2012, 15:32
von Vincent
Hallo Lena,
etwas überwinden muss man den Schweinehund mit dem draussen tragen auch immer wieder, und auch wenn z.B. Leggings für mich schon absolut normal sind, fällt mir plötzlich irgendwo im Supermarkt auf, dass ich irgendwie der einzige Mann mit Stiefeln, Leggings und Mantel bin - auch wenn es sonst niemanden interessiert. Ich frage mich dann schon immer wieder warum? Warum ich? Warum sonst keiner?
So gings mir grad vor ner halben Stunde...
Der Figurschweinehund ist ein anderer, ich bin selbst auch nicht gerade schlank, habe aber eine Größe die eigentlich immer erhältlich ist - in der Weite, jedoch nicht in der Länge - und da hilft auch keine Diät :(
Aber andere Klamotten sind doch ein schöner Anreiz nebenbei etwas für die Gesundheit zu tun.
LG