chris1960 hat geschrieben:Mal ganz ehrlich die Frage in den Raum:
Wer von euch geht als Mann in einem kräftig violett farbenden Polo Shirt aus dem Haus?
Wer hat ein LongShirt in kräftigem Orange und geht damit ins Büro?
Wer trägt eine rote Hose?
Wer hat einen Long Pullover der so auf den Oberschenkeln endet und trägt den zum Einkaufen?
Alles als Mann ...
All das habe ich früher gemacht, bin auch so ins Büro, als ich dort noch hinging.
Deshalb kamen von meinen Brüdern bei meinem Outing auch Bemerkungen wie: "Jetzt können wir deinen schon immer auffälligen Kleidungsstil besser einordnen."
Unter meinen dutzend Jeans, die alle aus der Damenabteilung kamen, ist keine Blue-Jeans. Aber drei lila, zwei rote, zwei orange, zwei gelbe, drei buntgestreifte... Obenrum entsprechend bunt. (Und heute vergammeln die Hosen im Schrank.)
Das war die Grenze des erlaubten bei meiner Frau. Aber das CD Gefühl der Erleichterung/Befreiung stellte sich nicht ein, wenn ich so rumlief.
Trotzdem war es mir wichtig mich so anzuziehen. Gekleidet in "schlamm-grau" hätte ich mich auch entsprechend gefühlt.
Wenn ich eine hübsch gekleidete Frau sehe, denke ich nicht, wie die wohl nackt aussieht, vielmehr, das würde ich auch gern mal anziehen.
Die nackte Pronographie, die uns das Internet so verschwenderisch zu Verfügung stellt, lässt mich kalt. Lieber schau ich mir Bilder aus Modekatalogen an. (ich bin halt pervers...)
Ja, machmal - oder öfter - wünsch ich mir den Körper einer Frau, weil mir die Sachen dann besser stehen würden. Aber ich hatte und habe nicht das Bedürfnis oder den Eindruck eine Frau zu sein.
Sabrina Verena hat geschrieben:Kleidung ist in der Tat nicht nur Fellersatz. Ein Sprichwort lautet bekanntlich "Kleider machen Leute".
Über Jahhunderte war Kleidung auch "Ausweis des Standes" einer Person. Es ging nicht darum, ob ein Bauer es sich leisten könnte in Samt und Seide rumzulaufen, es war ihm verboten, mit Strafandrohung!
Das drückt auch die ursprüngliche Bedeutung des Fasching/Karneval aus. Leute konnten für kurze Zeit aus ihren Rollen flüchten. Daher auch das Mistrauen, mit dem die Obrigkeit das betrachtete: Eine Aufhebung der "natürlichen gottgegebenen" Ordnung.
Also, Kleidung ist das äußere Merkmal, das mich in meiner Klasse, meinen Stand zuordnet. Und in diesem sinne war "Frau" war eben auch eine bestimmte gesellschaftliche Klasse.
Nun sind wir in der "klassenlosen" Gesellschaft angekommen. Es gibt keine gesetzlichen Einteilungen mehr, nur noch finanzielle.
Lisa* hat geschrieben: Ich denke also, dass das Kleiden der Frauen als Ausdruck der Stimmung, oder Spaß zu haben, wie Du es schreibst eine starke Überbewertung von Euch Männern ist! [...]
Wenn ich mich mal richtig schön mache, dann nur zu einem kleinen Teil, weil ich etwas ausdrücken möchte und es mir gefällt, und zu einem viel größeren Teil, weil es die Gesellschaft (Männer UND Frauen) verlangt, dass eine Frau schön zu sein hat! [...]
Hinzu kommt auch noch, dass Männer untereinander eher weniger auf das Aussehen der anderen Männer achten, als Frauen das tun. Da wird schnell mal getuschelt oder verächtlich geschaut! Frauen müssen sich ständig Gedanken über ihr Äußeres machen [...]
Von daher kann eine Frau also in ihrer Kleiderwahl auch nicht frei sein [...] und ist vielen "no-gos" unterworfen!
Danke Lisa, dass du dich zu diesem Thema zu Wort gemeldet hast. Unsere Hälfte der Erfahrung lässt uns doch immer den anderen Teil vergessen, falls wir ihn denn überhaupt schon kannten.
Also unsere Gesellschaft ist zwar "gesetzlich klassenlos" aber es gibt eine Menge "ungeschriebener Gesetze" die genauso binden.
Lisa* hat geschrieben:Ihr Männer könnt Euren Stil doch genauso mit Kleidung wiedergeben! Da gibt es zum Beispiel den "Holzfällertypen", den "Businessmann", den "Goldkettchenträger", den "Sportlichen" usw.. Die Frauentypen sind da ähnlich angelegt: die "Elegante", die "Jugendliche", die "Sportliche", die "Bussinessfrau"...
Der einzige Pluspunkt der Frauenkleidung besteht darin, dass sie vielfältiger ist. Da gibt es zum Einen Hosen UND Röcke und zum anderen halt eine größere Auswahl an Schuharten, Unterwäsche, Applikationen, Farben...Hervorhebung von Flodur
Ja, die letzte Zeile, das ist eben wo sich die Geister scheiden, unser ungeschriebenes Gesetz, das die Gesellschaft noch nicht aufgehoben hat. Genau der Punkt worunter wir Crossdresser leiden.