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Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 09:55
von Caira
Hallo Mädels,

wie bereits mehrere Male erwähnt neige ich stark zur Transsexualtät, mache gerade eine Psychotherapie dazu. Allerdings zeichnet sich noch kein eindeutiger Weg in dieser Sache für mich ab. Mir wurde oft angeraten nichts zu überstürzen und das nehme ich so natürlich zu Herzen und hatte auch nicht vor voreilig solche extremen Entscheidungen zu treffen. Allerdings werde ich irgendwie das Gefühl nicht los, dass mir die Zeit wegläuft. Das ist sicher alles Quatsch. Irgendwie spuken in meinem Kopf aber die Gedanken, dass man zeitig handeln sollte - je eher man z.B. Hormone bekommen würde, desto "besser" ist es in Hinsicht auf das "Ergebnis". Irgendwie habe ich auch gehört, dass z.B. in solchen Fällen Testosteronblocker verabreicht werden, um der Person "Bedenkzeit" zu geben und den Männlichkeitsprozess zu stoppen. Stimmt das so oder ist das Mitte 30 sowieso egal - Kind in den Brunnen gefallen? Klar ist für mich, dass - WENN DANN - ich nicht warten möchte, bis ich alt und grau bin. Ich weiß nicht, ob das nachvollziehbar ist und hoffe, dass mein Anliegen zum Ausdruck gekommen ist. Ich werde halt leider den Gedanken nicht los, dass plötzlich jedes Jahr wertvoll sein könnte ... möchte was für mich tun. Das muss nicht gleich radikal sein, aber so habe ich irgendwie ein schlechtes Gefühl.

Nun weiß ich auch nicht, ob z.B. Östrogene über die Nahrung (glaube Phytoöstrogene) in irgend einer Weise dazu beitragen könnten, dass man da etwas gegensteuert und den Spiegel etwas positiv beeinflusst. Östrogen wird ja auch vom Körper selbst produziert - habe das sogar auf einer Bodybuildung-Site gelesen - inwiefern man das begünstigen kann steht auch zur Frage.

Ich hoffe, Ihr haltet mich jetzt nicht ganz für bescheuert und überdreht. Ist sicherlich zum Teil eine Kopfsache, aber CD und TS sind, wenn dann, ja auch "nur" Kopfsache. Möchte mich wohl fühlen und halt nicht wie die letzten 20 Jahre alles unterdrücken und als iditotisch abstempeln.

Lieben Gruß
Caira

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 10:31
von exuser-12-02-2013
Hallo Caira
Ich weiss ganz genau, was du meinst. Auch meine Psychologin hat mir gesagt, dass sich unter zeitdruck stellen das schlechteste ist, was man machen kann. Auch wenn ich merke wie mir die zeit davon rennt...
Das mit den Testosteronblocken: Die werden eigentlich nur vor der Pubertät verabreicht um zeit zu gewinnen. Bei uns ist es schon zu spät dafür, Aber Antiandrogene sind meines wissens Teil der Hormonbehandlung. Aber ob man sowas vorher kriegen kann bezweifle ich.
Obwohl ich das richtig gut finden würde. Angeblich haben Antiandrogene eine noch stärkere Wirkung auf die Psyche, wäre eine gute möglichkeit, sich selbst klarer zu werden.
zu den Phytohormonen: ich habe regelmäßig gehört, dass diese fast wirkungslos sind und sogar gefährlich sein können. Ich würde das Zeug wahrscheinlich nicht nehmen.

liebe Grüße
Sophie

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 11:15
von Caira
Hallo Sophie,

mein (weiblicher) Instinkt sagt mir, dass das Thema TS bei Dir auch kein unbeschriebenes Blatt ist, oder?
Aber schön, dass mich da jemand versteht. Das mit den Blockern dachte ich mir schon - also Kind bereits im Brunnen :mrgreen:
Naja, kein Grund den Mut zu verlieren. Es ist schwierig sich da zu bremsen, aber ich merke auch selbst, wie ich die Zeit brauche und nichts überstürzen möchte. So ist es ja nicht. Dieser Drang findet fast schon auf körperlicher Ebene statt - komisch zu erklären. Mir gehts ehrlich gesagt auch weniger um meine Psyche - die ist für meine Begriff feminin genug, wie eh und je, es wäre halt nur schön seinen Körper in gewisser Weise dem anzunähren, was man seelisch ist. Das muss nicht gleich in Busen sein, halt so kleine Dinge, die femininer wirken.

Das mit den Phytoöstrogenen habe ich gehört. Das trifft aber speziell auf die isolierten zu - also zB Sojapräparate. Sonts noch jemande Ideen? Hopfen soll z.B. auch in gewisser Weise die Östrogen-Produkt ankurbeln - oder Anabolika *hihi* ... Antiandrogene? Muss ich mich mal schlau machen. Ich weiß z.B. das solche Sachen auch schon parallel zur Psychotherapie verabreicht werden, wenn eine entsprechende Indikation/Leidensdruck da ist. Teilweise beginnen die Ärzte auch schon mit der HRT nach den probatischen Sitzungen und wenn eine Diagnose feststeht. Gabs alles schon. Aber sicherlich war da vom TS her ein eindeutiger 100%iger Wunsch vorhanden. Ich glaube das ist die größte Hürde in dem Prozedere und für einen selbst.

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 12:15
von exuser-12-02-2013
Hallo
dein Instinkt liegt richtig :)
Du hast aber wirklich keinen Grund den Mut zu verlieren! Dein Passing ist schon jetzt ganz gut.
caira hat geschrieben:Hopfen soll z.B. auch in gewisser Weise die Östrogen-Produkt ankurbeln -
Also wenn ich jetzt durstig zum Oktoberfest hingehe... war nur spass.
Bei mir das Problem, dass ich ständig zwischen "ganz sicher" und "weiss nicht" schwanke. Ich bin mir einfach nicht sicher genug! Wirklich als Mann habe ich mich allerdings nie gefühlt.

liebe Grüße
Sophie

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 12:30
von Caira
Gebe ich gern zurück - Du schaust auch sehr, sehr feminin aus! 8)

Um ehrlich zu sein hält mich nur meine Umwelt ab. Meine innere Entscheidung ist klar und eindeutig. Die Konsequenzen schrecken mich aber sehr ab: sein Leben leben, vielleicht sogar isoliert als Randerscheinung oder "mitgehangen, mitgefangen" - wobei gefangen hier wörtlich zu nehmen ist. Wären TS vollwertig in der Gesellschaft akzeptiert bestünde für mich gar nicht der Anlaß was zu überdenken. Da würde ich die Ärzte endlos nerven. So ist es immer ein Spiel mit dem Feuer und die Gefahr, dass man alles über Bord wirft, was man sich aufgebaut hat. Eigentlich ganz schön unfair ...

Deshalb versuche ich nach und nach das schleichend zu machen. Mal eine blöde Zwischenfrage lässt sich problemlos erörtern, man hat Zeit zum Nachdenken und das Ausloten seiner Möglichkeiten und natürlich zum Outing vor Freunden und Familie. Das steht auf der Agenda und wenn es etwas gibt, dass ich für meinen Körper tun kann, um weiblicher zu wirken, dann tue ich das. Keine Frage. Bier trinken ist übrigens gar nicht sooo falsch. Aber dürfte nicht der Überbringer sein ... :mrgreen:

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 12:33
von ab08
Liebe Caira, liebe Sophie und alle anderen

Ihr schreibt hier über Phytoöstrogene usw. Entsprechende Sojapräparate und ähnliches gibt es z.B. rezeptfrei in Reformhäusern. Vor langer Einnahme/ Missbrauch möchte ich ausdrücklich warnen. Auch pflanzliche Produkte haben diverse Nebenwirkungen.... Zudem ist die Wirkung bzgl. Busen (Gynäkomastie) sehr zweifelhaft! Es bringt also meist wenig! Wenn auch langjähriger Bierkonsum hier vielleicht Wirkung zeigt :lol: ! - Ähnliches bzw. Schlimmeres gilt für Versuche mit Antibaby-Pillen und ähnlichem. 1. Schädlich und 2. Wirkungslos, weil viel zu niedrig dosiert!

Hormone bitte nur nach ärztlicher Verordnung und mit engmaschiger Kontrolle der Blutwerte durch einen erfahrenen Endokrinologen!

So brachte ich es mit korrekter auf mich abgestimmter Dosierung und gesundem, perfektem Blutbild auf 85C normal (bzw. 85B dann wirkt es voller... :lol: )

Mit Progynova 21 /2mg habe ich unter dieser obigen Voraussetzung langjährige gute Erfahrungen gemacht! Zunächst in geringer Dosis zum seelischen Ausgleich.
Seit 2008 nehme ich täglich (Progynova 21 und ein anderes Präparat) 6,5 mg natürliche Östrogene pro Tag ein. Zu Beginn nach dem Outing dazu Androcur(!) 10mg niedrigste Dosis(!) ein sehr wirksames Medikament: Innerhalb von 6 Wochen schrumpfte mein Testosteronwert von 341(ng/dl) auf 24(ng/dl)!! Daher hab ich die Dosis schnell auf eine halbe Tablette 5mg täglich reduziert und später immer öfter ganz weggelassen. Seit August 2011 nehme ich, um Androcur überflüssig zu machen, Spironolacton 50mg von Ratiopharm - eine Tablette täglich. Über Spironolacton hatte ich im Netz gehört. Gespräche mit meinem Prof. für Endokrinologie, meiner Hausärztin (innere Medizin) und meinem Apotheker (promoviert) folgten. Alle berichteten mir, dass sie das Präparat über 30 Jahre kannten. Es außer den für mich positiven Nebenwirkungen (Blutdrucksenkung, Gynäkomastie, Haarwuchs, Verweiblichung) gut verträglich sei. Gerade die Nebenwirkung Gynäkomastie ist bei einem Mittel zur Blutdrucksenkung im allgemeinen aber unerwünscht... Inzwischen kann ich die Aussage 'gut verträglich' voll bestätigen. Bei Androcur nehme ich noch 5mg pro Woche - bei den derzeitigen Testowerten (unter weiblichem Norm-Bereich) könnte ich es sicher weglassen...

Einige Werte aus den Bluttests
Testosteron (Normbereich bei Männern 360 - 900)
Bei mir 2008 vorher Testosteron 341 (ng/dl) /angegebener Normbereich bei Frauen 20 - 60
heute Testosteron 19 (ng/dl)
Freies Testo bei mir stets 1pg/ml /angegebener Normbereich bei Frauen 3 - 10

Östradiol (angegebener Normbereich bei Frauen Follikelphase 30 - 150/ Lutealphase 50 - 270 /Menopause 2 - 20)
Bei mir 2008 Östradiol 79 (pg/ml)
derzeit Östradiol 210 (pg/ml)

Auf den Prolaktinwert aufpassen! (angegebener Normbereich bei Frauen 2 - 12 ng/ml) Ab 100 bitte achtsam sein. Bei mir stieg der Wert von 17 (ng/ml) auf 50 (ng/ml) er fiel wieder und liegt jetzt bei 21 (ng/ml) Dass dieser Wert bei TS oft höher als bei Biofrauen ist, ist allerdings normal. Wir denken halt mehr an die Oberweite und das genügt bereits. Bei Frauen mit 'eingebildeter' Schwangerschaft (Scheinschwangerschaft) erreicht der Prolaktinwert ein Vielfaches des Nombereichs...

Zu den angegebenen Daten wurde stets ein gesamtes Blutbild (incl. Schilddrüsenwerte usw.) erstellt. Zunächst häufiger, nun 1x pro Jahr. Die circa hundert anderen Werte Cholesterin etc. lasse ich weg /alles im Normbereich! Ich bespreche meine Werte stets ausführlich mit meinem Professor für Endokrinologie, gebe sie auch meiner Hausärztin (Herzspezialistin) und lese zusätzlich vieles nach. Meine Gesundheit ist mir halt wichtig! Ich möchte auch die 90 erleben, wie die meisten in meiner Verwandschaft...

Liebe Grüße
ab

Bitte, bitte im Interesse Eurer Gesundheit aufpassen und ab zum Endokrinologen - es gibt nämlich auch wirklich gute Ärzte, die haben viel Erfahrung mit Hormonen...

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 12:35
von Anne-Mette
Moin,

zum Herumtüfteln mit Hormonen und Präparaten ohne ärztliche Begleitung fällt mir das ein:

Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
Merkt ich und den Brauch,
Und mit Geistesstärke
Tu ich Wunder auch.

Walle! walle
Manche Strecke,
Dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen,
Nimm die schlechten Lumpenhüllen!
Bist schon lange Knecht gewesen:
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!

Walle! walle
Manche Strecke,
Dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder!
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! -
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen!
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach, und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein!

Nein, nicht länger
Kann ichs lassen:
Will ihn fassen!
Das ist Tücke!
Ach, nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!

Willst am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten!

Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Nass und nässer
Wirds im Saal und auf den Stufen:
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister, hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd ich nun nicht los.

In die Ecke,
Besen! Besen!
Seids gewesen!
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.

Johann Wolfgang von Goethe
Entstanden ist die Ballade in der Weimarer Zeit Goethes im Jahre 1797

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 13:08
von Caira
Danke für die Antworten, allerdings gehts uns beide nicht darum mit irgendwas herumzuexperimentieren. Stand ja auch nirgends. Es ging auch nicht um die Dosierung von Hormonpräparaten, denn die bekommen wir ja (noch) nicht. Das wird erst interessant, wenn es tatsächlich soweit kommt - natürlich mit Arzt und Rezepten.

Ich spreche mal für Sophie mit und wir stehen aktuell noch vor der Entscheidung wohin uns die TS führen soll. Dafür benötigen wir Zeit, aber haben im selben Zug Angst eben diese Zeit zu verlieren bzw. zu vergeuden. Eigentlich sollte es ja egal sein, ob ich Hormone jetzt oder erst in einem Jahr nehme - solch extreme Auswirkungen wird es nicht haben. Aber mein Bauch suggeriert mir was anderes und sagt immer "mache was, bevor es zu spät ist ... solange du jung und frisch bist". Es geht um das Gefühl dabei und das man aktuell noch "untätig" rumsitzt bzw. auch nur das kann. Vielleicht tuts auch das Hopfenpräparat, um diesen seelischen Druck zu mindern - unabhängig, ob es nun Wunder wirkt oder halt was anderes, legales, was die Gesundheit NICHT gefährdet, aber mir vermittelt, dass ich was tue. Ich weiß nicht, ob das verständlich rüber kommt ...

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 13:46
von ab08
Kleiner Nachtrag zum obigen Thema und zu meiner Person

Bei Mitteln, die ich meinem geplagten Körper zumute, nutze und nutzte ich stets vor der Einnahme jedwede Informationquelle, die ich irgendwie erreichen konnte. Selbst Aussagen des sehr kompetenten Professors für Endokrinologie, der mich behandelt, nehme ich nicht ohne klare Bestätigung von anderer kompetenter Seite einfach hin! Dies beruht auf Erfahrungen, die ich im Leben mehrfach machte. (Meine Großmutter wurde - sie war weit über 70 - mit Contergan behandelt. Bis zu ihrem Tod, sie wurde 92, lief sie jede Nacht in der Wohnung herum, weil heftige Beinkrämpfe, ihrer Schaf immer öfter unterbrachen... - Weitere Erlebnisse folgten, aber davon zu gegebenem Anlaß)

Mir blieb durch obiges, vielleicht ängstliches, aber sicher umsichtiges Vorgehen auf jeden Fall einiges erspart. So hab ich nie geraucht, war nie betrunken und hatte nie Kontakt mit 'Drogen'.
Ich bin TS. Das reicht völlig, um mein Leben abwechslungsreich & interessant zu gestalten. Mehr Probleme brauch ich eigentlich nicht. Daher bin und war ich immer bemüht, die ganze Sache und die damit verbundenen Schwierigkeiten, so gut wie möglich, zu bewältigen. Über Menschen, die mir Tipps geben, freue ich mich, schaue aber jeder/jedem genau auf die Finger! Vor allem anderen bin ich bestrebt, nicht aus Unachtsamkeit oder Übermut, Fehler zu machen, denn TS ist nicht einfach, das weiß ich. Kleine Anekdote hierzu: Als ich das erste Mal beim Psychiater war, sagte er zu mir. "Sie wissen schon, was Ihnen, wenn sie es tatsächlich ernst meinen, bevorsteht... Auswandern nach Australien wäre einfacher...!" und der Herr hatte Recht.

Liebe Grüße,
Jede/jeder möge ihren/seinen Weg gehen...
Wat mut dat mut
aber bitte passt auf Euch auf
ab

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 13:52
von Caira
Daher meine Empfehlung:
Mach jetzt keine überstürzten Schritte, die Dich im Nachhinein vielleicht sogar zurückwerfen. Nimm Dir Zeit und lass Dich ausführlich von Ärzten beraten, die sich mit der Problematik auskennen.
Möchten wir ja nicht und haben das keineswegs vor - darum entsteht das Dilemma ja erst. Die Zeit nehme ich mir ja persönlich, da ich genau weiß, dass ich sie benötige und alles extrem genau überdenken muss. Zum heutigen Zeitpunkt kann ich mir ehrlich gesagt noch nicht vorstellen, dass ich den Mut aufbringe den Schritt zu gehen - aber das ist heute, 4 Wochen nach meiner "Erleuchtung". Wer weiß, was in einem halben Jahr ist - vielleicht ist man da einfach nur noch bereit wirklich alles zu tun. Ich weiß es nicht ...

Die entstehende Bedenkzeit ist aber das Hauptproblem und zumindest für mich der Leidensdruck nichts unternehmen zu können. Und den möchte ich versuche zu mindern. Ist es denn wirklich egal, wann die HRT beginnt? Kann mir nicht vorstellen, dass 1-2 Jahre da große Unterschiede machen - wenn das so ist, würde mich das ruhiger schlafen lassen und man hat nichts das Gefühl ständig was zu verpassen.

Also noch mal: Es geht mir (uns) nicht darum möglichst schnell und unüberlegt Hormone einzuwerfen, sondern die Bedenken aus dem Weg zu räumen, dass wir mit einer schnellen Entscheidung hinsichtlich der körperlicher Ergebnisse mehr erreichen können. Ist es allerdings erwiesen, dass quasi jedes Jahr zählt, sollte man sich damit nicht zu viel Zeit lassen. Man wird ja halt auch nicht jünger und ich möchte als Frau schon ein wenig an Attraktivität mitnehmen.

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 14:12
von ab08
Jeanette hat geschrieben:Hallo Caira,
Ich kann es sehr gut nachempfinden, dass Du Deinen Körper möglichst schnell Deiner seelischen Verfassung anpassen möchtest. Allerdings muss ich sagen, dass ich Dich auf Deinen Bildern definitiv als Frau erkenne und Du schon jetzt sehr viel Weiblichkeit ausstrahlst.
Liebe Caira,

genauso wie Jeanette es so schön ausdrückt, geht es mir auch. Auf Deinen Bildern sehe ich ein junge, sehr hübsche Frau, deren Augen aber meist noch nicht das Glück ausstrahlen, das ich Dir, von ganzem Herzen wünsche.
Auch Dein "Bauchgefühl" kenne aus eigener Erfahrung nur zu gut... (zum Glück hatte ich da das Erlebnis mit meiner Großmutter und fand rasch verständnisvolle Mediziner...)

Alles Gute, viel Erfolg
ab

P.S. Um ein bißchen politisch zu werden:
Unter verständnisvolle Mediziner verstehe ich, dass eine Hormonbehandlung vorher oder spätestens mit der Diagnose TS erfolgen sollte, *) also nahezu gleichzeitig mit der Erstellung von Gutachten etc. Durch männliche Hormone, männlich aussehende Menschen durch einen sog. 'Alltagstest' zu jagen, widerspricht meiner Ansicht nach elementaren Menschenrechten und erfüllt in meinen Augen den Tatbestand der 'Folter'. Leider können dies Cis-Menschen häufig nicht nachvollziehen... Gefühle von T-Menschen sind eben anders. Glaub mir, ich versteh Dich und Deine derzeitigen Bedürfnisse sehr gut. *) ich hatte dieses Glück, wie es Du oben erkennst

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Do 30. Aug 2012, 10:07
von ab08
Claudia hat geschrieben:Moin!
ab08 hat geschrieben:Durch männliche Hormone, männlich aussehende Menschen durch einen sog. 'Alltagstest' zu jagen, widerspricht meiner Ansicht nach elementaren Menschenrechten und erfüllt in meinen Augen den Tatbestand der 'Folter'.
Verstehst Du da den Alltagstest nicht völlig falsch? Es geht doch nicht darum, daß jemand durch andere getestet wird, es geht darum sich selbst zu testen. Solange es immer mal wieder Zweifel am weiteren Weg gibt, sollte man die Finger von den Hormonen lassen, weil man damit schon eine Einbahnstraße betritt. So gibt es immer noch die Möglichkeit, diesen Weg zu verlassen und einen Schlußstrich zu ziehen, wenn man merkt es ist der falsch Weg oder sich überfordert fühlt. So ist dieser Test der Selbstest, der er sein soll.
Liebe Claudia,

das ist die offizielle Version des Gesetzgebers. In der Theorie ja schön und gut. Bei Dir klappte das ja so auch offenbar, wozu ich Dir herzlich gratuliere. Ich stimme Dir zu, dass sich jede von uns vorher klar machern sollte, was Öffentlichkeit bedeutet. Aber da es sich um denkende, meist recht selbstständige Menschen handelt, gehe ich sowieso davon aus.

Für andere ist der Vorgang ein Spießrutenlaufen, das von unserer lieben Umwelt durchaus dazu benutzt werden kann(!), uns erhebliche Schwierigkeiten zu machen.

Mir hat und hätte es auch früher nie etwas ausgemacht, ja im Gegenteil, es wäre für mich natürlich eine große Erleichterung gewesen, korrekt als Frau gekleidet, was ich ja seit Geburt war, in die Öffentlichkeit zu gehen. Das Perfide an der Sache ist, dass ich beim ersten Versuch bereits den Job riskiert hätte. Es hätte die Möglichkeit bestanden, mich durch die Aussage "nicht angemessen bekleidet" / "Störung des Betriebsfriedens" in den Ruhestand zu versetzen. Was nach dem Outing ja auch sofort versucht wurde. Nachdem ich den Dienstherrn informierte, war ich endlich frei, wenige Stunden später hatte ich sämtliche männliche Kleidung 'via Kleiderspende' entsorgt und trug seitdem nie mehr männliche Kleidung. (Bei mir fanden vorherige 'Tests' besser 'Freigänge für meine geplagte Seele' deshalb stets fern der Heimat statt. - Zum Glück war&ist die juristische Begleitung, die ich danach hatte&habe ausgezeichnet, sonst wäre es noch schwieriger gewesen.)

Der Alltagstest mag dem Gesetzgeber vielleicht den letzten Nachweis liefern. Er kann durchaus dazu führen, arbeitslos zu werden. Wer behauptet, das brauche die betroffene Person ja, unterstellt hier im Grunde Unmündigkeit. Ich glaube kaum, dass TS genau diesen Test, besonders im 'vorgeschriebenen' Umfang(!), für sich brauchen. *) Andersrum wird ein Schuh draus: Als freier, erwachsener Mensch, sollte jede/jeder selber entscheiden (dürfen), was sie/er braucht! Dazu ist keine Vorschrift nötig!

Es gibt ja auch Länder (z.B Argentinien), die kommen ohne die Vorschrift aus! Hier sehe ich in erster Linie eine Möglichkeit, uns Schwierigkeiten zu machen. Viele Betroffene verlieren in der Zeit ihren Job! (Ich schreibe bewußt nicht, wegen des Tests, um mich nicht angreifbar zu machen...) Die Zeit bis zur NÄ/PÄ sollte gerade bei abhängig Beschäftigten im Hintergund gut vorbereitet werden. Gewerkschaftliche & juristische Absicherung ist hier zu empfehlen.

Arbeitslosigkeit bei TS ist hoch. Statistiken liegen mir momentan leider nicht vor, aber ich kenne viele Einzelschicksale.
Als aktive Berufvertreterin halte ich hier Vorschriften wie 'Alltagstest' für nicht ganz unschuldig!

Liebe Grüße,
als Kämpferin für die Emanzipation auch von T-Frauen, verstehe ich den eigentlichen Zweck des Alltagstests leider recht genau... **)
Nichts für ungut
ab

*) Es gibt ja auch Crossdresser, das sind Männer. Daher hab ich mich hier angemeldet, weil ich zuvor nicht verstanden habe, wie ein Mann sich das antun kann. Für mich als Frau, war und ist, es natürlich, mich so zu zeigen. Übrigens danke, hier erfuhr ich, was es neben TS noch gibt und verstehe vieles besser. DANKE, DANKE!!
**) Wenn ich nicht Psychiatern, Richtern usw. begegnet wäre, die diese Zusammenhänge auch erkannt hätten, wäre ich trotz aller anderweitigen Unterstützung chancenlos gewesen. Denn leider funktioniert das System 'Ausgrenzung', zumindest in manchem beruflichen Umfeld sehr gut. (vgl. Frauenquote)

An alle Leserinnen und Leser: Ich bitte die Abweichung vom angegebenen Thema herzlich zu entschuldigen. DANKE für das Verständnis!

Die Aussage 'Hormone sind eine Einbahnstraße' ist medizinisch nicht richtig. Abhängig von der Dosis ist vieles reversibel. Eine geringe Östrogendosis z.B. 2mg pro Woche /über Jahre/ beeinträchtigt z.B. die Zeugungsfähigkeit männlicher Genitalien nicht!! Also Vorsicht meine Herren! - ich kenne da Beispiele...
Es kommt halt immer auf den Informationsstand an, der leider bei Tabuthemen wie TS bisweilen zu wünschen übrig läßt...

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Do 30. Aug 2012, 10:41
von ab08
Liebe Claudia,

obigen Beitrag konnte ich leider nicht mehr ergänzen, daher hier der Rest:

Natürlich muss sich jede von uns mit ihren speziellen Möglichkeiten und natürlich den gesetzlichen Vorgaben, so gut es geht, enragieren und manches ist dann sicher auch im Einzelfall hilfreich...Das verstehe ich gut.
Allerdings, da ich über Jahrzehnte mit den Themen auch aus wissenschaftlicher/gesellschaftspolitischer Sicht auseinandersetzte und politische Abläufe ein wenig kenne, kommen bei mir grundsätzliche Überlegungen zum Tragen. Daher trete für Menschenenrechte auch in unserem Bereich ein und bin bei ATME http://atme-ev.de/ ...

Liebe Grüße
ab

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Do 30. Aug 2012, 10:44
von Anne-Mette
Moin,
Es gibt ja auch Crossdresser, das sind Männer. Daher hab ich mich hier angemeldet, weil ich zuvor nicht verstanden habe, wie ein Mann sich das antun kann.
Oftmals kommt so eine Äußerung etwas negativ rüber, wie man es umgangssprachlich so schön ausdrückt. Dabei ist die Bedeutung des CROSSDRESSINGS nicht zu unterschätzen!
... und zwar für viele Gruppen und Einzelpersonen, auch für transidentische und intersexuelle Menschen. Für viele ist CROSSDRESSING der erste Schritt, um mehr über sich zu erfahren und zu erfragen.
Ach ja, mit Hormonen hat das natürlich auch nichts zu tun, aber ich wollte nicht ein Extrathema deswegen aufmachen.

Gruß
Anne-Mette

Re: Diverse Fragen zu Hormonen

Verfasst: Do 30. Aug 2012, 10:59
von Caira
Kein Problem, das Thema ist ja auch da, um den gesamten Prozess zu beleuchten.

Der Alltagstest macht mir prinzipiell etwas Angst, aber ich sage mir auch - man muss sich ja schleichend rantasten und wenn man nicht bereit ist als Frau leben zu können, macht der ganze Rest auch wenig Sinn. Solche Entscheidungen kann man aber meines Erachtens nur dann fällen, wenn der innere Druck entsprechend hoch ist und man solche Opfer zu bringen bereit ist. (siehe Auswanderung). Noch bin ich da nicht angelangt und da ich nicht in die Glaskugel schauen kann, weiß ich auch nicht, wie es sich entwickelt.

Aber mal zurück zu den freien Mittelchen am Markt:
Es gibt ja auch Hormone als Globuli-Version. Wer es nicht kennt: das sind so homöopathische Kügelchen mit der verdünnten Ursprungssubstanz. Da gibts wirklich auch Östrogen, allerdings stark verdünnt. Habe da z.B. eine Version als D4 gefunden, was einem Verdünnungsverhältnis von 1:10.000 entspricht. Alle höheren Potenzen sind ja fast schon unsinnig und nicht mehr nachweisbar. Gibts auch als Creme. Da es eine extrem vorsichtige Dosierung ist, überlege ich, ob man es mal probiert. Vielleicht macht das einen auch schon im Kopf etas ruhiger. Eine Brust wird mir nicht gleich wachsen ... eigentlich gehts mir auch gar nicht so um die Brust - vielleicht später, ich hätte viel lieber die Fettverteilung und weiblicheren Muskeln ...