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Re: Jean: Wie ein exotisches Tier...
Verfasst: Di 21. Aug 2012, 16:26
von Anne-Mette
Moin,
und danke für den Link
Das stimmt mich sehr nachdenklich - und ich denke, dass viel transidente Menschen ähnliche Erfahrungen gemacht habe und 1000-fach noch machen werden:
Sie sei einfach ihr Image als transsexuelle Frau nicht losgeworden, sagt Jean Lessenich. "Unsere größte Sehnsucht ist es, im neuen Land der Frauen anzukommen und eine der ihren zu werden. Ich aber blieb immer die Transe. Unbekannten ist es meist gesteckt worden, bevor sie mich kennenlernten: Die Frau, die wir heute besuchen, war mal ein Mann. Es ist so wie bei allen Immigranten: einmal Ausländer immer Ausländer."
"Ich kann unsereins riechen. Es ist die Mischung aus Östrogen, Parfüm und Angst, die wir ausdünsten, wenn wir uns in die Öffentlichkeit wagen. Es ist die Angst, dass jemand lachen könnte — wobei lachen ja noch das Harmloseste wäre."
Da höre ich eine große Sehnsucht heraus, die Sehnsucht, zugehörig zu sein.
Gleichzeitig ist mir ein Trost, dass ich immerhin hier dazu gehöre
Gruß
Anne-Mette
Re: Jean: Wie ein exotisches Tier...
Verfasst: Di 21. Aug 2012, 17:19
von ab08
Kleine Anmerkung einer Betroffenen:
Mit diesem 'nicht dazu gehören' wurde ich aber bereits geboren.
Ich war nie eine Junge, sondern spielte die Rolle eines Jungen.
Später versuchte ich, einen Mann zu mimen, was auch nur teilweise gelang.
Die Hoffnung, irgendwo ins klassische binäre Schema Mann/Frau zu passen, gab ich schon lange auf.
Glücklicherweise bin ich Naturwissenschaftlerin, weiß dass das Schema falsch ist und traf in den Jahren viele andere Betroffene.
Viele Regeln haben Ausnahmen, so auch das binäre Schema.
Heute fühle ich mich solidarisch mit anderen Betroffenen/ Ausnahmen und unter dem Oberbegriff "Intersexualität" recht wohl.
Durch meine Existenz zeige ich nämlich, dass das binäre Schema falsch ist. Ganz nebenbei macht es einer Mathematikerin sehr viel Spaß,
quasi als mathematisches Gegenbeispiel einen Irrglauben ( bzw. falschen Lehrsatz) zu Fall zu bringen. - Fachleute nennen dies einen Existenzbeweis.
Natürlich wäre ich gern als normales Mädchen geboren worden... ich würde auch gern zum Mars fliegen, aber das geht halt nicht!
"Man muss das Läben äben nähmen, wie das Läben äben ist!"
Und außerdem, die ganze Sache macht alles viel interessanter...
LG
ab
P.S. Natürlich ist es für viele sehr schwer, aber ich hab zum Glück bereits als Kind gelernt, dass man sich mit Dingen, die man nicht ändern kann, abfinden und das Beste daraus machen sollte!
Re: Jean: Wie ein exotisches Tier...
Verfasst: Do 23. Aug 2012, 11:38
von Inga
Hallo, miteinander,
Es ist einige Jahre her dass ich mich nicht ganz als typisches Exemplar der Sorte Mann fühlte und mehr Weiblichkeit in mir verspürte und zum Ausdruck bringen wollte. Bis heute habe ich nicht geklärt, wo und wie ich bei wem ankommen will.
Durch Bücher und Berichte anderer begriff ich, dass es nicht mein Weg ist, durch medizinische OP an meinen Geschlechtsteilen meinen Körper dem gewünschten Geschlecht anzupassen.
Ich begriff auch, dass von langjährigen Frauenbewegten, die um Gleichberechtigung der Frau in der Männerwelt kämpfen, nicht unbedingt Verständnis und Unterstützung für unser Anliegen vom Leben des irgendwo dazwischen und dem Verwischen der klaren Geschlechtertrennung zu erwarten ist. Ja, dass viele Frauenbewegte durch Transgender und Intersexuelle leider um die errungenen Erfolge fürchten.
Liebe Grüße
Inga
Re: Jean: Wie ein exotisches Tier...
Verfasst: Fr 24. Aug 2012, 16:58
von Anne-Mette
Moin,
ich habe mir das Buch "Die transzendierte Frau" beim Psychozial Verlag bestellt, kostet knapp 20 Euro, war innerhalb von 2 Tagen da.
Gruß
CPG
Re: Jean: Wie ein exotisches Tier...
Verfasst: Fr 24. Aug 2012, 17:41
von Inga
cpg hat geschrieben:Moin,
ich habe mir das Buch "Die transzendierte Frau" beim Psychozial Verlag bestellt, kostet knapp 20 Euro, war innerhalb von 2 Tagen da.
Gruß
CPG
und wie ist es? Kann man es weiter empfehlen?
liebe Grüße
Inga
Re: Jean: Wie ein exotisches Tier...
Verfasst: Fr 24. Aug 2012, 18:05
von Anne-Mette
Moin,
und wie ist es? Kann man es weiter empfehlen?
Ich habe es heute erst bekommen und kam noch nicht richtig zum Lesen. Meine ersten Eindrücke kann ich Anfang der nächsten Woche schildern
... außerdem habe ich ja eigentlich auch noch "Die Geschlechterlüge" in Arbeit (
http://www.perlentaucher.de/buch/cordel ... luege.html) - und einen Roman in dänischer Sprache...
Gruß
Anne-Mette
Re: Jean: Wie ein exotisches Tier...
Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 15:08
von Anne-Mette
So, nun ist es so weit; ich bin fertig mit dem Buch. Es las sich so weit ganz flott
Das lag sicherlich daran, dass es kein trockener Stoff ist, sondern sicherlich eher ein "Lebensroman".
Jean Lessenich, geb. 1942 beschreibt in ihrem Buch ihre Lebensgeschichte, die auch ohne Transsexualität ein Abenteuer-Roman geworden wäre.
Die MzF GAOP hat sie damals in Casablanca vornehmen lassen - ganz auf eigene Kosten und eigenes Risiko - und ohne "amtlichen Segen".
Zu der Zeit gab es noch fast keine Möglichkeiten, sich zu informieren, auch war noch nicht an das "Transsexuellengesetz" zu denken.
Das Buch ist meiner Meinung nach eher kein Handbuch, aber das soll es sicherlich auch nicht sein. Als Ratgeber für heutige transidentische Menschen ist es nicht zu gebrauchen, aber es schildert die Wanderung eines transidentischen Menschen durch ein Zeiten- Gefühls- und Ereigniskaleidoskop.
die-transzendierte-frau.jpg
Re: Jean: Wie ein exotisches Tier...
Verfasst: Mo 22. Sep 2014, 12:31
von MarieB
Hallo,
ich habe das Buch gerade am Start und muss sagen, dass es mich schon stark beeindruckt. Klar es ist eine Autobiografie und somit kein Handbuch oder Ratgeber. Aber ich denke schon, dass sich einige Gedanken und Fragestellungen an sich selbst ergeben. Für mich ein sehr gutes und empfehlenswertes Buch.
LG
Marie