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Zurück auf den Boden der Realität
Verfasst: Mi 15. Aug 2012, 08:12
von Olivia
Hallo in die Runde,
letzten Sonntag war ich mit meiner Lebensgefährtin nachmittags kurz im Biergarten — schöner Tag, Sonne, alles gut. Dann kommt plötzlich ein Mann im Schottenrock vorbei, eindeutig Mann, nur eben im Schottenrock, offensichtlich auf dem Weg zur "Porzellanabteilung". Nach kurzer Zeit kommt er wieder zurück und geht zu seinem Platz. Und nun die Reaktion der Leute in unserer Nähe: Kleine abfällige Bemerkungen, blödes Gekicher und am Nebentisch wurde ausführlich die Frage erörtert, ob denn nun unterm Schottenrock wirklich nichts ist und ob da wohl tatsächlich "die Glocke freihängt". Mir hat zu dem Zeitpunkt nicht nur die Sonne einige Schweißtröpfchen im Gesicht verursacht, da ich darüber nachgedacht habe, wie die Leute denn nun auf eine "echten" Crossdresser reagieren würden"¦ Leider ist auch das Realität.
Nachdenkliche aber liebe Grüße von Olivia
Re: Zurück auf den Boden der Realität
Verfasst: Mi 15. Aug 2012, 08:21
von Anne-Mette
Moin,
"lass die Leute reden!"
Gerade wo so viele Leute zusammensitzen, "die nichts anderes zu tun haben", da wird gern geredet/geschludert: "hast Du die gesehen, hat die dicke ......, muss der im Blaumann rumlaufen am Sonntag? Ist das nun ihr Sohn oder ihr Partner? Von hinten sieht sie/er ja ganz gut aus, aber..."
Da gibt es 1000 Beispiele.
Ich stand mal an einer Kino-Kasse und musste recht lange warten. So konnte ich die Mitwartenden studieren. Vor mir waren ziemlich junge Mädchen, die sich lang und breit und laut über fast jeden unterhalten haben. Mich im Rock haben sie allerdings übersehen
Es ging eher um ihre Altersgenossinnen, die sie teilwiese unmöglich gekleidet fanden. Dabei waren sie selbst etwas "speziell" angezogen...
Ich wiederhole mich:
"lass die Leute reden!"
Gruß
Anne-Mette
Re: Zurück auf den Boden der Realität
Verfasst: Mi 15. Aug 2012, 10:50
von Anne-Mette
Moin,
Bis jetzt war ich auch nur Nachts auf schwach frequentierten Strassen unterwegs.
Gerade das halte ich für gefährlich(er).
Manche ziehen sich dann auch noch im Auto um, was auch die Aufmerksam anderer Leute auf sich ziehen kann.
... und schnell wird dann eine Aktion, die eigentlich ganz normal ist, zu einem übersteigerten (Angst)-Erlebnis.
Gruß
Anne-Mette
Re: Zurück auf den Boden der Realität
Verfasst: Mi 15. Aug 2012, 10:52
von Sandra B.
Hallo zusammen!
das ist auch meine Ansicht: Lasst die Leute reden!
Und: Lasst euch nicht entmutigen.
Da letzteres ziemlich schnell gehen kann und so eine Phase auch mehrere Tage anhalten kann (selbst erfahren), gehe ich gewissen Locations aus dem Weg.
Dazu zählen gastronomische Einrichtungen mit Alkoholausschank sowie Straßen, wo die Dichte solcher Einrichtungen sehr hoch ist.
Auch öffentliche Verkehrsmittel meide ich noch.
Zur Aufmunterung meine positiven Erlebnisse der letzten Tage:
Ein Gang durch beide Passagen des Kölner Hauptbahnhofs - in der Woche und am frühen Abend - verlief absolut problemlos.
Anfangs war ich extrem unentspannt, aber dann ging es ... Ich glaube, je mehr Menschen unterwegs sind, umso leichter ist es.
Diese Erfahrung haben hier schon einige andere geschildert, da ist wirklich was dran.
Der Knaller gestern abend: Zum ersten Mal bin ich bei Tageslicht und im Rock vom Auto zum Haus gelaufen. Im Dorf haben mich einige gesehen, aber nur aus der Entfernung.
Die Überaschung lauerte vor der Haustür: Meine Nachbarin und ihre Tochter waren gerade dabei, die Einkäufe aus dem Auto in den Hausflur zu laden.
Ein Zurück gab es für mich natürlich nicht mehr, also locker "Hallo" gesagt und weiter ... Nein, nicht ganz. Ich vernahm ein "Schick!", ausgesprochen von der Nachbarin.
Das klang nicht ansatzweise ironisch, also habe ich mich nochmal umgedreht und es mir bestätigen lassen. Es hat ihr gefallen.
Das ging runter wie Öl ...
Also: Weitermachen!!
Je öfter man en femme oder crossgedresst rausgeht, umso sicherer wird man. Auch wenn es zwischenzeitig immer wieder Rückschläge geben wird, die Erfolgskurve zeigt
insgesamt nach oben ....
Grüßle,
S.
Re: Zurück auf den Boden der Realität
Verfasst: Mi 15. Aug 2012, 12:09
von Skirty
Hallo Leute,
nur mal so zur Klarstellung! Ein Mann im Kilt ist ganz bestimmt KEIN Cross Dresser!!
Weil der Kilt ist ein Männerkleidungsstück!!
Ich bin selber ein Mann der in Röcken, Kleidern Fsh. und Pums draussen rumläuft und das seit fast 20 Jahren!
Ich bin dabei nie geschminkt oder trage eine Perrücke(wär mir auch viel zu Warm auf dem Kopf), also als Mann erkenbar!
Ich habe in der ganzen Zeit kaum Proibleme deswegen gehabt. Ok, getuschelt wird schon mal, mal kommt ein dummer Spruch, den man auch meist sehr leicht Kontern kann!
Ich war vor ein paar Wochen zu einer Hochzeit eingeladen und trug dort nen dunkelroten Crashrock paasende Schuhe und eine schwarze Longtunika. Bis auf das Brautpaar kannte ich niemanden dort! Wärend des Abends lernte ich viele neue Leute dort kennen. Viele der Frauen fragten mich warum ich so gekleidet wäre? Ich antwortete das ich es bequemer, besser aussehend und einfach schöner finde das zu tragen! Fast alle Frauen fanden das mutig aber auch gerechtfertigt, weil sie ja auch in Hosen da wären, also gleiches Recht für alle!! Was sie besonders gut fanden, war, das ich eben als Mann erkennbar war! Sie meinten das die "auf Weibchen getrimmten Männer für sie eher befremdlich erscheinen würden"!! Ich fragte warum? Sie meinten , die wollen ja einen auf Frau machen und das sind wir schon, brauchen keine Doobles!! Ausserdem meinten sie das die meisten es dann mit der Maskerade übertreiben würden!
Ich fand den Abend sehr Interessant , weil viele auch mal offen das sagten was sie warscheinlich sonst nur hinter vorgehaltener Hand sagen würden.
Sorry wenn der Bericht ein wenig lang war, aber ich muste das auch mal loswerden.
GlG.
Skirty
Re: Zurück auf den Boden der Realität
Verfasst: Mi 15. Aug 2012, 13:55
von Sandra B.
@ Anja:
Aus der Damenabteilung waren nur der Rock und die Strumpfhose, der Rest waren Männerklamotten, dementsprechend war ich auch eindeutig als "ich" erkennbar ....
Grüße,
S.
Re: Zurück auf den Boden der Realität
Verfasst: Mi 15. Aug 2012, 14:36
von Nora_7
Naja, also was ich eigentlich sagen wollte, das ein Mann im Rock doch mehr auffällt als ein Mann en femme, wenn das Passing halbwegs stimmt. So wird man automatisch als Frau eingeordnet (zumindest auf den ersten Blick). Bei genauerem Hinsehen werd ich natürlich auch als Mann erkannt, aber wie du vielleicht schon meinen Beiträgen entnommen hast, genieße ich das inzwischen sogar schon, denn die Reaktionen sind immer positiv (bisher) gewesen.
Also, ich habe vor meinem Crossdressing auch Röcke getragen, vor allem Kilts (Kilt hat wirklich nichts mit CD zu tun!!!). Allerdings ist Kilt = Schotten
rock). Damit fällt "Mann" hier klar als Außenseiter auf und es wird getuschelt - leider. Da gleiche gilt für Röcke, auch A-Form - sehen sehr gut aus, fallen aber auf: weil es ungewöhnlich und somit exotisch ist -> Außenseiter. Ein gutes Passing als Frau dagegen fällt nur den Allerwenigsten auf - man/Frau geht im allgemeinen Erwartungsbild unter. Und wenn erkannt, dann ist "Frau" eh gleich vorbei.
Daher bin ich kaum noch als Mann im Kilt/Rock sondern dann fast nur noch als Frau unterwegs. Mir macht das Tragegefühl schöner Kleider, Röcke, Tops, Schmuck etc. inzwischen sehr viel mehr Spass.
Solange "Männerröcke" nicht von mehreren breit bekannten VIPs propagiert werden, wird sich kaum eine Mainstreambewegung daraus entwickeln können - leider.
LG Nora_7
Re: Zurück auf den Boden der Realität
Verfasst: Do 16. Aug 2012, 09:07
von Vincent
Nora_7 hat geschrieben:
Also, ich habe vor meinem Crossdressing auch Röcke getragen, vor allem Kilts (Kilt hat wirklich nichts mit CD zu tun!!!). Allerdings ist Kilt = Schottenrock). Damit fällt "Mann" hier klar als Außenseiter auf und es wird getuschelt - leider. Da gleiche gilt für Röcke, auch A-Form - sehen sehr gut aus, fallen aber auf: weil es ungewöhnlich und somit exotisch ist -> Außenseiter. Ein gutes Passing als Frau dagegen fällt nur den Allerwenigsten auf - man/Frau geht im allgemeinen Erwartungsbild unter. Und wenn erkannt, dann ist "Frau" eh gleich vorbei.
Ich gehöre auch zu den Leuten, die gelegentlich als offensichtlicher Mann, Röcke, Kleider Leggings oder was auch immer tragen. Vermutlich fällt man wirklich mehr auf, als wäre man einigermaßen passabel als Frau zurecht gemacht.
Und ja, die Leute reden.
Aber die Leute reden auch, wenn man in Jeans und T-Shirt unterwegs ist, und sei es nur "sowas Langweiliges".
Das einzige was mich daran gelegentlich stört, ist die Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, im übrigen ist es eigentlich völlig egal was irgendwelche mir nicht bekannten Menschen auf der Straße denken.
Was auffällt ist, dass ich in ungewöhnlicherer Kleidung öfters mal von Frauen nett und positiv angesprochen werde - das passiert mir sonst nie.
Re: Zurück auf den Boden der Realität
Verfasst: Fr 17. Aug 2012, 11:31
von Olivia
Hallo in die Runde,
vielen Dank an alle, die mich mit ihren Beiträgen wieder aufgemuntert haben. Es ist schön euch zu haben!!!
Liebe Grüße von Olivia
Re: Zurück auf den Boden der Realität
Verfasst: Sa 18. Aug 2012, 15:10
von Andrea_CH
Ich bewege mich sehr oft, so 2 mal pro Woche, in der Öffentlichkeit. Dumme Sprüche sind sehr selten, Getuschel gibt es immer wieder mal, aber da ich für Toleranz in der Öffentlichkeit werben möchte, soll es mir ja recht sein, wenn die Leute reden. So nebenbei gesagt, es gelingt mir nicht immer cool zu bleiben - manchmal nervt es mich auch.
Ich war, nicht zum ersten Mal, an der Streetparade - DER Veranstaltung der Toleranz. Ich hab in den ganzen knapp 3 Jahren in denen ich en femme rumlaufe nicht so viele wirklich dummen Sprüche gehört, wie an diesem einen Tag. Und zwar wirklich erst dieses Jahr - was sind das für Tendenzen?
Re: Zurück auf den Boden der Realität
Verfasst: Sa 18. Aug 2012, 15:47
von Sabrina Verena
Ich kenn das aus eigener Erfahrung! Als Kind musste ich das wegen meiner Pikmentstörungen erleben. Was mich durchaus geprägt hat. Aber auch heute erlebe ich dass. Ich gehe zwar nicht als CD raus, aber ich habe lange blondierte Haare. Das reicht um zu merken wie die Leute auf ein reagieren. Junge Frauen wirken dabei noch am tolerantesten, während junge "Männer" verklemmt wirken, aber in der Gruppe sind beide stark tuscheln und kiechern. Ältere schauen ein nur an . Wobei Frauen ein eher auch grüßen. Der Männertyp, den Gunter Gabriel verköpert wirkt am unsimpathischten. Von solchen "Biertrinkern" hört man freilich abfällige Kommentare, die allerdingst auch Rückschlüße auf ein ausfüllendes Vakuum zu lassen.
So dass ich heute nicht mehr darunter leide.
Liebe Grüße
Verena