Das folgende habe ich eben aus dem Werbe-Banner des Forums kopiert:
Abendkleider ab Gr. 40 Abendkleider in großen Größen bei .....
Sowas regt mich auf und ich wollte eigentlich fragen: Lernen die es nie? Grosse Größen....ab Gr. 40! Die "kranke-Magermodels"-Diskussion ist ja noch nicht soooo lange her. Und das Menschen sich Schaden zufügen, um irgendwelchen Norm-Ansprüchen gerecht zu werden, ist auch kein Geheimnis.
Aber richtiger wäre wohl die Frage: Wer stützt diesen Unfug? Und wie? Das habe ich mich gestern schon im zusammenhang mit einem Artikel aus der TAZ gefragt.
https://www.taz.de/!97571/
Dort schreibt die Journalistin Stokowski über ähnliche und schlimmere Ausfälle in sogen. Frauenmagazinen. Im Prinzip hat sie Recht, auch wenn der Begriff "Faschismus" für das Thema vielleicht eine Nummer zu groß ist. Aber arrogant, teilweise autoritär und asozial* finde ich das allemal.
Ist es vielleicht zu hoch gegriffen, wenn man den Kleider-Dealern oder den Frauenmagazinen einen gesellschaftsformenden Anspruch unterstellt? Die machen doch vermutlich nur das, was die Kundschaft am ehesten kauft. Schlichte Betriebswirte bestimmen das Handeln. Dann wäre die Zielgruppe selbst das Problem. Wer das Zeug trotz solchen Unsinns kauft, befördert den Unsinn. Schlimm genug.
Oder ist es gar noch schlimmer? Ahnen oder wissen die Betriebswirte, dass die Zielgruppe sich unbewusst lenken lassen könnte? Immerhin ist es aus betriebswirtschaftlicher Sicht äusserst wünschenswert, wenn sich die Kundschaft selbst auf die Kleidergrössen 36 und 38 beschränkt. Das verbilligt die Produktion und die Lagerhaltung ungemein. Aber auch dann ist wieder die Zielgruppe das Problem. Sie lässt es einfach mit sich machen und sorgt auch noch für Umsatz.
Weshalb der ganze Text? Ist doch egal, wer wem welche Diät empfiehlt? Egal, wer wen wie anziehen will?
Meine Meinung: NEIN! Es geht dabei nicht nur um den Umsatz; Es geht auch um Konformismus, Normenbildung und -erfüllung; Die Leser/innen der einschlägigen Magazine bilden eine Gruppe. Sie suchen und bilden eine Gruppennorm. Oder sie bekommen "eine Gruppe gebildet" und lassen es geschehen. Einerlei: Nur wer sich an diese Norm hält, gehört zu ihnen. Die Anderen sind out. Und diese Anderen, das sind auch WIR!
Solcherlei Normenbildung halte ich für ziemlich gefährlich. Das tut Frau Stokowski wahrscheinlich auch; Deswegen kam sie wohl auch zum Begriff "Faschismus" Immerhin schreibt sie ja für die TAZ
Ich in weit davon entfernt, alles in schwarz malen zu wollen. Heute müssen wir aber gelegentlich bedauern, dass die Transe von nebenan nach ihrem Outing ihren Job einbüsst. Wir bedauern das in der Annahme, dass dies irgendwann nicht mehr so sein wird. Von allein wird das aber nicht so werden.
Ich stelle deswegen die ursprüngliche Frage mal anders: Lernen wir es noch? Sollten wir nicht aktiver sein? Sollten wir nicht mehr versuchen die Normenbildung im Sinne einer offenen, toleranten Gesellschaft zu beeinflussen? Wie wäre es zum Beispiel mit einer Mail-Aktion an diesen "Übergrössen"-Versand? Sagt bitte mal eure Meinung dazu.
Gruss an alle die anders sind
Marielle
*) asozial ist hier im Wortsinn gemeint; "ungut für die Gesellschaft", "gegen gesellschaftliches Zusammenleben";