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Die taz streitet | zum Thema trans*

Verfasst: Di 21. Jul 2026, 07:56
von Anne-Mette
Es brodelt in der Redaktion. Auslöser ist ein taz Talk vom 10. Juli, organisiert von der Initiative Queer Nations. Deren Mitgründer, der langjährige taz-Redakteur Jan Feddersen, sprach dabei unter anderem mit Inge Bell. Die Menschenrechtsaktivistin ist umstritten, etwa weil sie Geschlechtsangleichungen kritisiert und von trans* Frauen als „biologischen Jungs“ spricht.

https://taz.de/taz--lage/!6197709/

Re: Die taz streitet | zum Thema trans*

Verfasst: Di 21. Jul 2026, 13:04
von Liv
Wenn ich mir deren Texte so durchlese… kann es sein, dass die IQN unter Feddersen und Amelung immer mehr zum queerphoben Thinktank verkommt? Können die dann bitte mal ihren Namen ändern? Sonst wirkt das ja eher wie eine False-flag-Operation. Wie kann man nur so besessen sein, sich von den bunten Vögeln abgrenzen zu müssen? Früher war es die Federboa, heute scheint es der Nagellack zu sein, der ein bestimmtes schwules (bzw. transmännliches) Klientel auf die Palme bringt. Igitt wie weibisch! Vielleicht kann auch der liebe Till dem lieben Jan das nochmal mit den "biologischen Männern" erklären.

Zum Glück gibt es wenigstens in der taz Gegenwind.

Re: Die taz streitet | zum Thema trans*

Verfasst: Di 21. Jul 2026, 23:45
von Michi
Liv hat geschrieben: Di 21. Jul 2026, 13:04 Nagellack
Schreibt der Feddersen ernsthaft, dass trans, inter u.a. etwas ist, was man sich aussucht .. im Gegensatz zu schwul und lesbisch?! Und das Schwule und Lesben enttront-"enthistorisiert" würden?!

Der hat doch Lack gesoffen! (ko)

Re: Die taz streitet | zum Thema trans*

Verfasst: Mi 22. Jul 2026, 05:34
von Violetta-TransFlower
Michi hat geschrieben: Di 21. Jul 2026, 23:45 Der hat doch Lack gesoffen! (ko)
Vielleicht sogar Nagellack 💅.
„Queer“ hingegen ist kein Fortschritt, auch wenn dies ein Zeit-Autor glauben machen will. Manche in den Aktivista-Szenen propagieren gar, um nur ein herausstechend kurioses Beispiel zu nennen, geschichtsklitternd, es habe unter dem NS-Regime queere Verfolgung gegeben, also auch gegen trans- und lesbische Menschen gegeben. Unfug. Wer „queer“ sagt, will sein eigenes Schwulsein nicht so deutlich aussprechen, darin den Zugeknöpften und Spießern der sechziger Jahre nicht unähnlich. Wer sich die Nägel lackiert als biologischer Mann – der macht nichts anderes als: sich die Nägel lackieren. Hierfür würden sich Nailstudios – in jeder Metropole sehr häufig und mit günstigen Preisen vorhanden – empfehlen: Daraus Politisches zu backen – kommt einer Albernheit gleich.

Jan Feddersen ist Gründungsvorstand der Initiative Queer Nations und Redakteur für besondere Aufgaben bei der taz.

Da hat er ja die "besonderen Aufgaben " erledigt.
Auweia, sage ich da nur.

wieder einmal angewidert
Eure Violetta 💜 🌺

Re: Die taz streitet | zum Thema trans*

Verfasst: Mi 22. Jul 2026, 10:09
von Susi T
"zugunsten fadenscheiniger Identitätskonzepte, etwa Inter,"

Inter hat NullKommaNull mit Identität zu tun, sondern bezeichnet körperlich-geschlechtliche Abweichungen von der Norm.

Wer einen Artikel schreibt und noch nicht mal die grundlegenden Dinge auf die Reihe bekommt, sollte sowas gar nicht erst probieren.

Das der Rest genauso daneben ist, macht's dann ja nicht besser.

Edit: von Inter* kommt man dann nämlich zu Nonbinär.
Ursprünglich ging es nämlich darum das Menschen die Geschlechtlich nicht eindeutig in die Gruppen Mann oder Frau eingeordnet werden können, dieses auch nicht müssen, sondern frei leben können. Das Recht auf frei lassen des Geschlechtseintrags und Divers wurde damit erkämpft. Alles Dinge die so eindeutig klar und zu verstehen sind, da muss man sich noch nichtmal mit trans auseinander setzen.
Natürlich sucht sich niemand aus wie gefühlt wird. Egal ob Sexualität oder Identität, oder andere Dinge wie Größe, Rasse oder was auch immer, womit damit dann der Bogen gespannt wäre, so einfach, aber doch so schwer für Menschen die sich für besser oder wichtiger halten, oder sonst wie gerne diskriminieren.

Re: Die taz streitet | zum Thema trans*

Verfasst: Mi 22. Jul 2026, 11:02
von Jaddy
Susi T hat geschrieben: Mi 22. Jul 2026, 10:09 "zugunsten fadenscheiniger Identitätskonzepte, etwa Inter,"
Inter hat NullKommaNull mit Identität zu tun, sondern bezeichnet körperlich/geschlechtliche Abweichungen von der Norm.
Daran sieht man wie gebildet der Mensch ist.
Wer einen Artikel schreibt und noch nicht mal die grundlegenden Dinge auf die Reihe bekommt, sollte sowas gar nicht erst probieren.
Es könnte auch sein, dass die Dimension seiner Ablehnung sehr viel größer ist; er also durchaus die Hintergründe kennt. Ich verstehe den Artikel so, dass er vor allem die Selbsteinordnung in - aus seiner Sicht - immer feinere Verästelungen von Labels nicht will. Er geht auf die Identität los, nicht auf die Tatsachen. Sprich: Ja, du bist schwul, lesbisch, trans (wenn's denn unbedingt sein muss und durch peinliche Gutachten bestätigt wird) oder auch körperlich anormal (also inter; ich nehme hier seine Perspektive ein), aber das ist kein Grund, deshalb einen eigenen Verein aufzumachen, eine Subkultur zu bilden, safer spaces, eigene Feste und spezielle "for <insert Gruppe>" Dinge zu veranstalten - oder sich mit ihren Spezialbedürfnissen überall einzumischen.

Er möchte - meine Lesart -, dass Menschen ausserhalb von cis-binär-hetero sich möglichst unauffällig in genau jene Norm einfügen und ihre "Abweichungen" nicht dauernd thematisieren. Ganz speziell sollen die trans Leute nicht immer so viel Unordnung in die Sprache, die Bezeichnungen und die Systeme bringen. "Queer" ist für ihn die politisierte, selbst-überhöhende, störende Heraushebung udn andauernde Thematisierung des Andersseins. Verkürzt: Seid nicht so laut und stört nicht so, dann ist alles gut.

Der Zaunfink hat bereits 2017 einen sehr ausfürhlichen Artikel dazu geschrieben, der mMn Feddersens perfekt beschreibt und auch warum das einerseits nützlich war, aber inzwischen ins Gegenteil umschlägt: „Es gibt keine Emanzipation in Schlumpfhausen" beschreibt, was heute wieder Konjunktur hat: den Drang, alles Andersartige kleinzureden. In Schlumpfhausen sehen alle gleich aus, denken alle gleich, tanzt niemand aus der Reihe (obwohl alle irgendeine Besonderheit haben).

Zaunfink bestreitet ausdrücklich nicht die Erfolge dieser Strategie. Die "Wir sind doch auch Menschen wie ihr" zielte auf die rechtliche Gleichstellung, also das Mitmachen- und Dabeisein-Dürfen. Und das hat geliefert: hunderte angeglichene Gesetze, messbar weniger offene Ablehnung, mehr Sicherheit im Alltag. Ohne die beruhigenden Bilder unaufgeregter, ganz normal wirkender Paare hätte das kaum funktioniert.

Der Preis: Wer Akzeptanz damit erkauft, gar nicht anders zu sein (bzw das zu beteuern), muss ständig beweisen, dass er dazugehört. Nach dem Anschlag auf einen queeren Club in Orlando hieß es vielerorts, es seien „einfach Menschen" angegriffen worden, das Motiv also bitte nicht erwähnen. In der Debatte ums Blutspendeverbot betonten Schwule ihre Monogamie und werteten damit alle ab, die anders leben. Auf jedem CSD dieselbe Forderung, die zu Schrillen mögen sich zurückhalten. Nicht zu viel trans, nicht zu viel nichtbinär, keinen Kink, usw. Wir hatten das Thema hier ja auch schon.

Sprich: Die Apologet*innen und Selbstgleichmacher*innen sehen eigene Bars, Gruppen oder Sportveranstaltungen als „Selbstghettoisierung", während bei anderen Identitäten völlig selbstverständlich von stolzer Selbstbehauptung die Rede ist. Ich möchte mal die Reaktion von feministischer Seite sehen, wenn man ihnen nahelegte, nicht dauernd ihr Frausein zu thematisieren. Zaunfink bringt das Beispiel auch.

Dabei verlangt das Grundgesetz gar keinen Normalitätsbeweis. Artikel 3 sagt schlicht, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Gleiche Rechte stehen Menschen also gerade als Verschiedenen zu.

Das Verschweigen und Selbst-Verzwergen bzw -Verschlumpfen löst kein einziges Problem. Wer die tatsächlich erhöhten Raten an Depressionen, Angststörungen und Suizidalität ignoriert, die durch dauerhafte Diskriminierung entstehen, verhindert, dass daran gearbeitet wird. Und das Angebot, über Unterschiede nicht mehr zu reden, nehmen andere gern an: „Für mich ist das kein Thema" heißt oft genug, lass mich damit in Ruhe.

Genau hier liegt das Problem an Texten, die „schwul" gegen „queer" ausspielen und die Identitäten von trans, inter und nichtbinären Menschen als modische Behauptung abtun. Sie berufen sich auf die Emanzipationsgeschichte und wiederholen dabei deren älteste Fehlerquelle: Sie ziehen die Grenze der Anerkennung neu, nur diesmal etwas weiter innen. Sprich: Diejenigen, die sich an die Mehrheitsgesellschaft recht bequem anpassen können, fühlen sich gestört von jenen, die das nicht können - und werfen sie lieber unter den Bus, als sich zu solidarisieren. Spahn ist da auch so ein Beispiel.

Echte Akzeptanz entsteht nicht dort, wo Vielfalt geleugnet wird, sondern dort, wo sie gefeiert wird und selbstverständlich in ihrer Art existieren kann.