NDR: Wie queere Menschen im Gesundheitssystem durchs Raster fallen
Verfasst: Sa 30. Mai 2026, 14:08
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswi ... r-140.htmlTrans*, intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen geraten im deutschen Gesundheitssystem immer wieder an Hürden. Ein Forschungsteam an der Universität zu Lübeck arbeitet an Lösungsvorschlägen.
In eine Arztpraxis gehen und dort keine Fragen beantwortet zu bekommen, sondern die Antworten selbst mitbringen müssen: So geht es vielen Menschen, die nicht in das binäre Schema von "männlich" und "weiblich" passen. Jonah ist trans* und recherchierte selbst, was er für seine Geschlechtsangleichung für eine Diagnose braucht und welches Testosteronpräparat. "Zum Thema Trans gibt es in der Medizin einfach noch ganz viel Unwissen", so Jonahs Erfahrung. Jonah ist trans* und hat viele Hürden im Gesundheitssystem gesehen. "Ich musste selbst erst mal gefühlt ein halbes Medizinstudium machen", sagt Jonah
Ähnlich ging es auch Anjo. Anjo ist intergeschlechtlich, hat also Merkmale von männlichen und weiblichen Körpern. Das wird Anjo aber lange verheimlicht: "... Vonseiten der Medizin wurde ich nur über meinen Personenstand behandelt, der war seiner Zeit weiblich und wie mein Körper tatsächlich war, war völlig egal." Solche Erfahrungen mit Ärztinnen und Ärzten können für Betroffene psychisch belastend oder sogar traumatisch sein. Dabei handelt es sich nicht um vereinzelte Sonderfälle: Hunderttausende Menschen in Deutschland sind trans*, inter* oder nicht-binär.
"Wir sehen eindeutig, dass das eine Schwierigkeit ist, die auf eine einzelne Person projiziert wird, aber eigentlich ein Effekt eines gesellschaftlichen und strukturellen Problems ist", erzählt Lena:Emil Kramheller. Kramheller ist Teil des interdisziplinären Forschungsteams, das im Sonderforschungsbereich "Sexdiversity" der Universität zu Lübeck untersucht, auf welche Probleme und Hürden trans*, inter* oder nicht-binäre Menschen in unserem Rechts- und Gesundheitssystem immer wieder stoßen. [...]
Sie hoffen, dass das Forschungsprojekt hilft, auf die Probleme aufmerksam zu machen und Wissenslücken zu schließen. Die Forschenden planen nicht nur ihre Ergebnisse in wissenschaftlichen Aufsätzen zu veröffentlichen - sie wollen auch Veränderungen anstoßen, so Professor Rehmann-Sutter: "Wir wollen schon das Rechtssystem und die Medizin auch verändern und im Hinblick auf die bessere Anerkennung der Bedürfnisse von Menschen mit nicht-binärer Geschlechtsidentität verbessern und weiterentwickeln." Ihre Ergebnisse geben sie dafür zum Beispiel auch an das Justizministerium weiter.