Jaddy hat geschrieben: Do 23. Apr 2026, 18:13
Gewisse Animositäten ja, aber ein pseudo-rationales Argumentationsgebäude, das bestimmte Merkmalsgruppen für weniger wert, intelligent, fähig, etc. erklärt und pseudo-wissenschaftliches Papierwerk dazu produziert, kam erst im 19ten Jahrhundert auf - und zwar vor allem in England und dann Deutschland. Die Briten (da kann ich das * wohl weglassen...) mussten sich nämlich irgendwie eine gewissensberuhigende Moral basteln, weshalb sie trotz Aufklärung und (damals) moderner Philosophie und Humanismus Menschen anderer Länder und Kontinente unterdrückten und versklavten.
Erm, jein.
Theorien zu "Rassen" gibt es schon ziemlich lang - und defintiv länger als die kolonialen Großmächte. Die Legitimität kam, soweit ich das in Erinnerung habe, eher umgekehrt aus dem "Wissen" heraus, dass die nicht-weißen "Rassen" minderwertig in Kultur und Intelligenz usw. sind. Und dieses "Wissen" ist immer wieder unter verschiedensten Perspektiven aufgekommen.
Unteranderem nach der Reconquista Spaniens, aber auch später in der Beurteilung der indigenen Einwohner der Amerikas. In der Wahrnehmung der Menschen damals waren das alles mehr oder weniger aufrecht gehende Tiere. Nicht viel mehr.
Und dann, und da hast Du nicht ganz unrecht, kamen die aufgeklärten Europäer[1] wie z.B.
Voltaire[2] oder Linné und teilten die Welt in Menschen mit unterschiedlichen, allgemeingültigen und vorallem: wertenden, Eigenschaften. Das war dann Mitte des 18. Jahrhunderts. Schon eine ganze Weile vor Darwin und der (Eu)genetik.
Aber auch das Kastensystem in Indien - uralt - baut auf dem Fundament der Ungleichheit und vorallem Wertlosigkeit bestimmter Menschengruppen auf.
Das Konzept, dass es Menschen gibt, die weniger Wert sind als andere ist wortwörtlich so alt wie die Bibel, eher älter. Man nannte das dann nicht "Rasse", aber das ist am Ende auch nur ein Wort.
--------------
[1]Pseudowissenschaftliche Rassentheorien sind gewissermaßen ein „Abfallprodukt der Aufklärung“,[16] deren scheinbar naturwissenschaftliche Argumentation auch und gerade von großen Aufklärern rezipiert wurde. „Mit ihrem leidenschaftlichen, manchmal an Fanatismus grenzenden Bestreben, die Welt ‚logisch‘ zu ordnen, mit ihrer Manie, alles zu klassifizieren, haben die Philosophen und Gelehrten der Aufklärung dazu beigetragen,
jahrhundertealten rassistischen Vorstellungen eine ideologische Kohärenz zu geben, die sie für jeden anziehend machte, der zu abstraktem Denken neigte.“ Christian J. Jäggi: Rassismus – Ein globales Problem. Orell Füssli, Zürich 1992, ISBN 3-280-02121-9, S. 32. sowie Christian Delacampagne: Die Geschichte des Rassismus. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2005, ISBN 3-538-07206-X, S. 141. aus
https://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus
[2]So schrieb Voltaire 1755: „Die Rasse der Neger ist eine von der unsrigen völlig verschiedene Menschenart, wie die der Spaniels sich von der der Windhunde unterscheidet […] Man kann sagen, dass ihre Intelligenz nicht einfach anders geartet ist als die unsrige, sie ist ihr weit unterlegen.“[18][19] Ursprünglich metaphysisch und religiös begründet, erhielt der Rassismus durch die Aufklärung ein weiteres, ein säkulares Fundament.
https://www.grioo.com/blogs/DJIBRILCHIM ... e-voltaire
(Hervorhebungen von mir)