Susi T hat geschrieben: Fr 27. Mär 2026, 14:52
conny hat geschrieben: Do 26. Mär 2026, 22:04
Ist jemals geklärt worden, ob Transfrauen ggü. bio-Frauen einen körperlich leistungsfähigeren Vorteil behalten haben?
Ich erinnere mich zumindest an eine Transfrau, die nicht mehr hier ist, die das so gesehen hat.
Auch hier in diesem Bereich:
viewtopic.php?t=32768
Denke der Gesellschaftliche Vorteil, weswegen Jungs/Männer besser gefördert werden wiegt hier mit am stärksten.
Das auch. Rein sportlich betrachtet ist die Frage cis vs trans nicht pauschal zu beantworten. Schon wegen des Designs der Disziplinen, s.u., die fast immer auf spezifische körperliche Features abzielen. Bei einer HET nach der Pubertät gleichen sich die Muskelkraft und -Leistung in der Regel an. Auch der Sauerstoffdurchsatz wegen der Verringerung der roten Blutkörperchen. Die testosteronbedingten Arm- und Beinlängen bleiben aber. Ist das nun ein Vorteil oder nicht, wenn eine testo-pubertierte trans Person nach etlichen Jahren Östrogen-HET zB beim Speerwerfen einen statistisch längeren Armhebel hat, aber nicht proportional dazu passend mehr Muskeln? Wie sind die Proportionen der cis Wettbewerberinnen? Es geht ja um Spitzensport(1), also nicht um statistische, cis-weibliche Mittelwerte.
Eine wirklich objektive Betrachtung müsste sich also jede Sportart einzeln ansehen; welche Faktoren genau hier Vor- und Nachteile bringen. Dazu müssten mindestens größere Studien bzgl der spezifischen Wirkungen von HET mit und ohne vorherige Testo-Pubertät ausgewertet werden. Dazu genetische Varianten einbeziehen, wann welche Faktoren wirken. Was wäre zB mit einer cis Frau, die ähnllch wie Michael Phelps genetisch bevorteilt ist (Laktat, Proportionen)?
Wenn das Thema Ungleichbehandlungen im (Spitzen)sport rein sachlich aufgearbeitet würde, müssten nicht nur die in der Canada-Studie aufgelisteten sozio-ökonomischen Unterschiede betrachtet werden, z.B. in der Früh-Förderung, im Breitensport mit Aufstiegsmöglichkeit, in sportart-spezifischen Spitzen-Trainings usw. An Olympia oder anderen großen Sport-Events teilnehmen zu können bedeutet auch, einen großen organisatorischen Apparat hinter sich zu haben. Zum Beispiel ein NOK oder einen Leichtathletik-Verband, die in den internationalen Gremien teilnehmen, die irgendwie national finanziert werden mit den ganzen Funktionärys, und die zum Beispiel auch entscheiden, für welche Sportarten welche Kader gebildet und trainiert / gefördert werden. Es ist ja nicht so, dass alle Sportarten für alle unterstützt werden. Es sieht aktuell sogar mal wieder ziemlich düster aus;
https://www.br.de/nachrichten/deutschla ... ia,VC3w8bE Ganz zu schweigen von der bröckelnden Unterstützung für den deutschen Behinderten-Sport;
https://www.zdfheute.de/sport/paralympi ... d-100.html
Dann gibt es ganz generell systemische Benachteiligungen durch die Art, wie die Sportarten konstruiert sind. Die Prinzipien sind immer noch in der Denke der echten Antike und Pseudo-Antike des 19ten Jahrhunderts. Die Haupt-Disziplinen zielen auf die Ideal-Parameter mitteleuropäischer Männer. Spezifische Muskel-Dauer- und Schnellkraft, Reaktionsgeschwindigkeit und Kondition in zumeist einzelnen Personen. Die Kriterien bevorzugen bestimmte Körperformen, Muskelgruppen, Proportionen. Deshalb werden etliche Wettbewerbe bspw nie von Menschen aus zB Südostasien gewonnen werden;
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der ... %B6%C3%9Fe
Vieles davon könnte rausgerechnet werden, so wie beim Behindertensport, um
individuelle Leistung in Bezug auf die spezifischen körperlichen Herausforderungen vergleichbar zu machen. Körper-Größen- und Längenmasse, Muskelverhältnisse, Blutsauerstoff-Umsatz-Fähigkeiten, usw. im Verhältnis zum justierten statistischen Mittel der Vergleichgruppe. Es liesse sich eine Gesamt-Liga bauen, die unabhängig von Herkunft, Genetik und Geschlecht (welchem auch immer) vergleichbar wäre und die tatsächliche individuelle Leistung abbildet. Dann gibt eine Testo-Pubertät eben Abzüge in verschiedenen Werten, denn sie ist keine Eigenleistung. Körperlängen ebenso. Genetisch bedingt höherer Sauserstoff-Umsatz durch viele Generationen in großen Höhen?
Nur: Das will keinein sehen. Gefeiert wird nicht, wer
relativ am meisten leistet, sondern wer sichtbar als erstes durchs Ziel geht, am höchsten springt, usw.
Letztlich sollte nämlich nicht vergessen werden, was Spitzen-Sport-Events heute eigentlich sind: Riesige Wirtschafts-Unternehmen, die Profit machen müssen. Ungeheure Materialbewegungen hin und weg, und sehr sehr viele Leute, die bezahlt werden müssen. Der Profit finanziert mindestens(!) die veranstaltenden Verbände zwischen den Events, den ganzen Apparat, s.o., und vielleicht noch ein bisschen Sportförderung. Das Geld kommt von TV-Sendern und - je mehr Leute das sehen wollen - von Werbung. Deshalb wird, wie bei den römischen "Spielen" dazumal, ein Spektakel nach den (mutmasslichen) Wünschen des (TV-)Publikums veranstaltet. Was nicht gesehen werden will, kriegt daher auch weniger Geld.
Und da sind wir an einer wichtigen Stelle im "Frauensport", die in
"Queer gewinnt" von den Athlet*innen aus eigener Erfahrung benannt wurde: Frauen im (Vorzeige)Sport sollen "sexy" sein. Sie werden körperlich objektifiziert und sollen Männern gefallen. Eklatantestes Beispiel die Bekleidungsvorschriften für Beach-Volleyball;
https://www.mdr.de/wissen/olympia-beach ... g-100.html Da passen die herkömmlichen Vorstellungen über trans Frauen natürlich nicht ins Konzept, egal wie die objektiven Leistungen auch sein mögen.
(1) weshalb in de USA so ein Radau wg College Sport gemacht wird: Da ist ebenfalls sehr viel Geld im Spiel. Sowohl für die Unis, als auch für Teilnehmenden, die sich tw damit ihre Karrieren finanzieren.