Seite 1 von 1

YT: I Thought I Needed Surgery to Be a “Real” Trans

Verfasst: Fr 20. Feb 2026, 12:53
von Shoshana
Aus ihrer Erfahrung berichtet Ivee Lionne wie es dazu kam, dass sie dachte eine GaOP zu brauchen. Ein Plädoyer für's Innehalten, Nachdenken und den eigenen Weg finden.

Re: YT: I Thought I Needed Surgery to Be a “Real” Trans

Verfasst: Fr 20. Feb 2026, 17:27
von girlnamedliz
Ich glaube es ist sehr schwer, interne und externe Faktoren voneinander zu trennen. Menschen sind soziale Wesen, und es ist ein menschliches Beduerfnis, sich in die Gesellschaft, oder wenigstens eine kleine Nische davon, einzufuegen.

Ich habe mein ganzes Leben lang Sport und Schwimmen gehasst. Und dank einiger wunderbarer Events, insbesondere Trans/ Enby Schwimm Events, ist mir klargeworden, dass diese Abneigung ganz wesentlich an den Umkleidekabinen und Duschen lag. Schon in der Schule habe ich es gehasst, wenn andere mit ihrer Behaarung oder Ausstattung geprahlt haben. Und irgendwie war mir schon immer klar, dass ich dort nicht hineinpasse. Gleichzeitig habe ich mich spaeter in Damenumkleiden ebenso unwohl gefuehlt. Wie ein Stoerfaktor, und zwar selbst dann, wenn niemend mich angesprochen oder auch nur angesehen hat, ja sogar, wenn ich dort ganz allein war. Aber diese Blockaden waren nicht nur unbekleidet vorhanden, sondern auch dann, wenn ich z.B. enge Kleidung getragen habe. Also lieber den Schlabberlook, dann gibt es da wenigstens keine Fragen. Bloss niemals eine Beule zeigen.

Klar kann man sagen, dass dies alles oberflaechliche, externe Faktoren sind. Und ich bin auch nicht sicher, dass ich mein maennliches Geraet wirklich gehasst habe. Aber es hat mich eingeschraenkt, es mir die Freiheit genommen dahin zu gehen oder die Kleidung zu tragen, die ich wollte. Und genau deshalb habe ich mich zur GaOP entschlossen.

Die OP ist jetzt nur sechs Wochen her, aber sie hat mich grundlegend veraendert. Ich sehe mich selbst komplett anders. Ploetzlich stimmt das Bild im Spiegel, ploetzlich erkenne ich mich selbst wieder. Und dieses Gefuehl bleibt auch dann, wenn ich bekleidet bin. Nuechtern betrachtet (ich bin Ingenieur), ist das natuerlich alles irrational. Aber die gefuehlte Wirklichkeit ist eben doch sehr subjektiv. Und wenn die eigene Gedankenwelt darum kreist, wie andere mich warnehmen, dann ist das vielleicht eben doch kein externer Faktor, sondern kommt tief aus meiner eigenen, kaputten Welt.

Insofern macht mich der Beitrag nicht so richtig froh. Ja, Ivee sagt gleich am Anfang, dass dies nicht fuer alle Menschen gleichermassen gilt. Und trotzdem werden hier Zweifel gesaeht - und davon habe ich selbst ohnehin schon genug. Selbstverstaendlich habe ich mir bis fuenf Minuten vor der OP die Frage gestellt, ob das alles so richtig ist. Ob ich vielleicht einen riesengrossen Fehler mache. Aber manchmal ist es vielleicht einfach gut, seinem eigenen Bauchgefuehl zu folgen, denn dies ist alles andere als irrelevant.

Liebe Gruesse, Liz

Re: YT: I Thought I Needed Surgery to Be a “Real” Trans

Verfasst: Sa 21. Feb 2026, 19:22
von Michi
Mein ganz kurz gefasster erster Gedanke zu den 2 Extrem-Positonen (Pro/Contra GAOP), die man augenscheinlich in der selben Weise verargumentieren kann: "Sie wollen dich kontrollieren!"

Wenn sie Zweifel hat, die GAOP machen zu lassen .. kein Problem. Wenn sie noch rechtzeitig gemerkt hat, dass sie sich zu wenig Gedanken darüber gemacht hat .. alles fein .. viellicht noch: Glück gehabt. Aber die Verantwortung liegt immer bei uns selbst, und die Schuld bei anderen zu verorten, die uns trans* Menschen angeblich überreden wollen .. näää .. geht gar nicht!

Das Problem ist nämlich: Sie reproduziert .. ob gewollt oder nicht .. die ganzen transfeindlichen Bullshit-"Argumente", dass wir alle angeblich dazu überredet werden sollen, uns möglichst schnell operieren zu lassen.

Gegenthese: Könnten ihre starken Zweifel und ihre jetztige 180-Grad-Wende nicht auch durch jene verursacht worden sein, die unentwegt die Ansicht verbreiten, dass "links-grün-versiffte Feministinnen unsere Kinder schwul und trans* machen wollen"?


Es ist zwar vollkommen richtig, dass man nicht durch die GAOP zur Frau wird. Und ich bin auch gerade erst hart dazwischen gegrätscht, als Freitag vor einer Woche in Leipzig einer Person empfohlen wurde, einfach mal weibliche Hormone zu nehmen und auszuprobieren, ob es sich richtig anfühlt. Diese Person hatte sich vor ein paar Monaten eher aus einer Laune heraus .. mutmaßlich unter Alkoholeinwirkung .. spontan als trans* "geoutet", ohne sich vorher jemals ausführliche Gedanken darüber gemacht zu haben. Und seit dem Outing hatte sie erhebliche Zweifel bis jetzt, irgendwie trans* zu sein.


Wie es mir selbst aussieht:
Ich war in meinem Leben 1 Mal am FKK, weil mich eine Freundin dazu genötigt hatte. Es war mir so extrem unangenehm, dass dieses Gefühl immer wieder hochkommt, wenn irgendwie/irgendwo nur das Thema aufkommt. Es war mir, so lange ich zurück denken kann, äußerst unangenehm, unten herum nackt zu sein, und die Unterwäsche musste auch von je her immer eng anliegend sein, damit da ja nichts herum baumelt und mich so ständig daran erinnert, was ich "da unten" für eine Ausstattung habe. Es hat allerdings eine Weile gedauert, dass daraus eine Erkenntnis wurde und diese so konkret in Worte zu fassen.

Re: YT: I Thought I Needed Surgery to Be a “Real” Trans

Verfasst: Sa 21. Feb 2026, 20:46
von Knäckebrötchen
@Michi: in gewisser Weise ähnlich ging es mir, beim schauen des Videos.

Ich finde ihre relativ kompromisslosen Statements in dieser Absolutheit unangenehm.

Mir kam im ersten Moment die Frage auf: wer hat denn versucht, sie zu "kontrollieren" oder sie in diese Richtung zu drängen? Der Twist, das es die trans*phoben sind, die sie quasi dazu zwingen wollen, eine GaOP durch zu führen, damit sie dem binär weiblichen Körper entspricht, kam etwas unerwartet.

Denn am Ende unterstellt sie das halt nur. Historisch ist das sicherlich anders, unter dem alten TSG war da ja durchaus dieser Zwang gegeben. Ist aber ja schon seit einer Weile nicht mehr gültig.

Ich dachte nämlich, sie meint den Druck, der durch Affirmation und im Prinzip gut gemeinte Bestärkung entstehen kann und dann unter Umständen Menschen zu Schritten bewegt, die für sie eigentlich gar nicht richtig/nötig sind.

Re: YT: I Thought I Needed Surgery to Be a “Real” Trans

Verfasst: So 22. Feb 2026, 20:17
von Michi
Hallo Knäckebrötchen,

wie mir rückblickend aufgefallen ist, habe ich in meinen vorherigen Beitrag ein paar Schnitzer "eingabaut". Da war ich beim Schreiben sichtbar nicht mehr so fit. Hast mich aber trotzdem verstanden. Schön.

Liebe Grüße (has-o)
Michi