Bitte nicht schon wieder diese Kniesehnenreflexe.
Das Problem heisst Queerfeindlichkeit (und Rassismus und und und) bzw "gruppen- oder merkmalsbezogene Menschenfeindlichkeit" und das dahinterliegende Phänomen ist, dass Menschen ein "Soll-Bild" davon haben, wie andere Menschen sein sollen, wie sie aussehen, sprechen, leben, lieben sollen. Das ist ein Persönlichkeitsmerkmal. Ein Anspruchsdenken gegenüber anderen und ein normatives Weltbild, das andere konformisieren will. Dass dahinter häufig eigene Unsicherheit und Ängste um die eigene Zukunft liegen, geschenkt.
Menschen mit starkem normativem Anspruchsdenken tendieren in der Regel zu "höheren Autoritäten", also eindeutigen Regelsystemen, die nicht hinterfragt oder modifiziert werden, sondern festen (gedanklichen) Halt geben. Am besten auch als Anker für kleinteilige Alltagsdinge. Im Gegensatz zur Selbstbestimmung, Vielfalt, Pluralität von Lebenswelten und Weltanschauungen.
Deshalb sind genau so autoritäre, einfache, klare Regelwerke für sie attraktiv. Religionen lassen sich am einfachsten dafür instrumentalisieren. Eine höchste Autorität gibt alles vor, verspricht das Höchste, verdammt alles andere. Das ist, wohlgemerkt, deren fundamentalistische Interpretation und übersteigerte Immersion in die Ideologie, keine zwingende Folge der Religion an sich.
Das Problem ist also Dogmatismus und Übergriffigkeit aufgrund eines vorhandenen Persönlichkeitsmerkmals, bei der das eigene Bauchgefühl - das "Problem mit dem Stadtbild" - mit Verweis auf irgendeine autoritäre Weltanschauungs-Idee scheinlegitimiert wird. Das ganze lässt sich für jede normative, autoritäre Glaubensideologie durchdeklinieren.
Also: Ja, Religion kann ein Problemverstärker sein, wenn nicht ganz eindeutig klar gemacht wird, dass jeder Glaube sich der freiheitlichen, pluralen Gesellschaft und ihrer - im Idealfall - fairen Aushandlung von Konsensen unterzuordnen hat. Sprich: "Weil (mein) Gott das sagt [es in meinem Buch steht]" ist kein Argument für Ansprüche gegenüber anderen und schon gar keine Legitimation für Gewalt.
Quelle: https://xn--baw-joa.social/system/media ... 4eabf0.jpg