hpd über Beatrix von Storch: Christlich, fundamentalistisch, rechtsradikal
Verfasst: Mi 12. Nov 2025, 13:07
https://hpd.de/artikel/beatrix-storch-c ... ikal-23551
Kurz und ziemlich drastisch, aber konzentriert auf den Punkt. Im Kern nichts neues, siehe Andreas Kempers Recherchen zu den antidemokratischen, christlich-nationalistischen, interessanterweise internationalen, und zum Teil monarchistischen Netzwerken, in denen Storch & andere verwoben sind.Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD versteht sich nicht nur als Gegnerin des Liberalismus, sondern auch als Missionarin einer "christlich-abendländischen Erneuerung". Wo sie spricht, geht es um Abgrenzung und Moral – genauer: um die Rückeroberung eines "christlichen Deutschlands".
Mit einer Rhetorik, die an die Evangelikalen in den USA erinnert, wettert Beatrix von Storch seit Jahren gegen Abtreibung, Transrechte und die Ehe für alle. Sie warnt vor der "Ent-Christianisierung" Deutschlands und vor einem "zunehmenden Einfluss islamischer Strömungen auf Kultur, Gesellschaft und Politik und die schwindende Rolle christlicher Werte im öffentlichen Diskurs". Im Bundestag kämpft sie nicht für das Grundgesetz, sondern für die "göttliche Ordnung".[...]
Ihr persönlicher Glaube ist dabei weniger spirituelle Überzeugung als politische Inszenierung. Obwohl sie Mitglied der evangelischen Kirche ist, besucht sie lieber den katholischen Gottesdienst, und zwar einen streng konservativen, in dem die alte römische Liturgie gelesen wird. Die moderne, liberale Theologie lehnt sie als "verwässert" ab und bevorzugt es, wenn sich der Priester dem Altar und nicht der Gemeinde zuwendet, während er die Messe auf Latein zelebriert. Sie sehnt sich nach einem Glauben, der Disziplin verlangt und Hierarchien zementiert.[...]
Von Storchs Weltbild ist geschlossen. Die Frau hat der Familie zu dienen, die Familie der Nation, und die Nation einem christlichen Gott. Ihr Glaube ist kein Raum des Zweifels, sondern ein Machtinstrument – autoritär, ausschließend, reaktionär. Dass sie in Kirchenkreisen dennoch geduldet, teilweise sogar hofiert wird, ist ein Skandal. Während die Kirchen öffentlich über Rechtspopulismus klagen und dagegen Stellung beziehen, öffnen manche Bischöfe die Seitentür für jene, die das Evangelium als Kampfparole für die eigene Agenda nutzen. Altar und AfD proben den Schulterschluss.
Beatrix von Storch steht exemplarisch für diese gefährliche Symbiose: Sie verleiht dem Rechtspopulismus den Anschein moralischer Legitimität und der Religion den Glanz politischer Relevanz. In Wahrheit aber arbeitet sie an der Wiederkehr einer alten Ordnung – patriarchal, hierarchisch, autoritär. Das Kreuz, das sie hochhält, ist kein Symbol der Nächstenliebe, sondern ein Banner der Ab- und Ausgrenzung.