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ejo-omline: Wie deutsche überregionale Tageszeitungen nicht-binäre Personen darstellen

Verfasst: Mi 12. Nov 2025, 11:39
von Jaddy
Ein -hm- schon inhaltlich interessanter Artikel, wie deutsche überregionale Tageszeitungen nicht-binäre Personen (wie Kim de l’Horizon und Nemo) sprachlich darstellen.
Der Artikel selbst ist die Zusammenfassung einer Bachelorarbeit. Leider ziemlich lang, teilweise redundant und eher kompliziert geschrieben.
Daher hier eine (Gemini-unterstützte) Zusammenfassung der wichtigsten Punkte.

Original-Link: https://de.ejo-online.eu/qualitaet-ethi ... darstellen

ejo-online ist ein Fachmagazin für Journalismus: "Das Europäisches Journalismus-Observatorium (EJO) beobachtet Trends im Journalismus und in der Medienbranche und vergleicht Journalismus-Kulturen in Europa. Es will so einen Beitrag zur Qualitätssicherung im Journalismus leisten. Das EJO arbeitet praxisnah und orientiert sich an den Bedürfnissen von Journalisten, Redaktionsleitern und Medienmanagern. Es will dazu beitragen, die Kluft zwischen der Medien-, Kommunikations- und Journalismusforschung und der Medienpraxis zu verringern."

Hier die Zusammenfassung, tl;dr

Thema und Problemstellung
  • Anlass: Die zunehmende öffentliche Sichtbarkeit nicht-binärer Personen (z. B. durch das Selbstbestimmungsgesetz 2024) stellt Redaktionen vor sprachliche Herausforderungen.
  • Problem: Die deutsche Sprache ist traditionell binär (männlich/weiblich), was zu einer "Bezeichnungslücke" für nicht-binäre Identitäten führt.
  • Konflikt: Redaktionen müssen die Wünsche Betroffener (Vermeidung von Misgendering) gegen Lesbarkeit, Verständlichkeit und teils starre hausinterne Richtlinien abwägen.

Forschungsmethode
  • Methode: Quantitative Inhaltsanalyse einer Bachelorarbeit.
  • Stichprobe: 61 Online-Artikel der Zeitungen taz, Süddeutsche Zeitung (SZ), Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und Bild.
  • Kategorisierung: Die Medien wurden in "progressiv" (taz, SZ) und "konservativ" (FAZ, Bild, Welt) eingeteilt.

Zentrale Ergebnisse der Analyse
  • Misgendering ist weit verbreitet: In über der Hälfte (52 %) aller untersuchten Artikel wurden die dargestellten Personen fälschlicherweise (männlich oder weiblich) bezeichnet.
  • Konservativ vs. Progressiv: Das Misgendern trat in konservativen Medien mit 69,23 % mehr als doppelt so häufig auf wie in progressiven Medien (28,89 %).
  • Bevorzugte Strategien: Die häufigsten Methoden zur Vermeidung von Misgendering waren:
    • Geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen (z. B. "Schreibende" statt "Autor").
    • Der Verzicht auf Pronomen und stattdessen die Wiederholung des Namens.
  • Kaum genutzte Strategien:
    • Sonderzeichen (Genderstern, Doppelpunkt) kamen selten zum Einsatz.
    • Neopronomen (wie "dey") wurden nur ein einziges Mal (bei taz) verwendet und dabei falsch (es war nicht das von Nemo gewünschte Pronomen).
  • Unsicherheit und Inkonsistenz: Obwohl 62 % der Artikel ihre gewählte Sprachform (entweder binär oder neutral) konsequent durchhielten, war ein beachtlicher Teil inkonsistent. Dies deutet auf Unsicherheit in den Redaktionen hin.
  • Mangelnde Repräsentation: Der Text stellt fest, dass offen queere oder transgeschlechtliche Personen in Redaktionen unterrepräsentiert sind, was zu einer "Sicht von außen" führt.
  • Positiver Aspekt: In 80,33 % der Beiträge wurde die nicht-binäre Identität thematisiert, was zur öffentlichen Sichtbarkeit beiträgt.

Fazit

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die untersuchten Medien die Prinzipien geschlechtergerechter Sprache nur unzureichend umsetzen. Trotz der Bemühungen um neutrale Formulierungen ist das Misgendern – ein klarer Verstoß gegen diskriminierungsfreie Sprache – immer noch in über der Hälfte der Beiträge präsent. Die Redaktionen zeigen sich im Umgang mit nicht-binären Personen oft unsicher und greifen auf traditionelle binäre Sprachmuster zurück.

Re: ejo-omline: Wie deutsche überregionale Tageszeitungen nicht-binäre Personen darstellen

Verfasst: Mi 12. Nov 2025, 11:57
von Jade
Jaddy hat geschrieben: Mi 12. Nov 2025, 11:39 Ein -hm- schon inhaltlich interessanter Artikel, wie deutsche überregionale Tageszeitungen nicht-binäre Personen (wie Kim de l’Horizon und Nemo) sprachlich darstellen.
Der Artikel selbst ist die Zusammenfassung einer Bachelorarbeit. Leider ziemlich lang, teilweise redundant und eher kompliziert geschrieben.
Daher hier eine (Gemini-unterstützte) Zusammenfassung der wichtigsten Punkte.

Original-Link: https://de.ejo-online.eu/qualitaet-ethi ... darstellen
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Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die untersuchten Medien die Prinzipien geschlechtergerechter Sprache nur unzureichend umsetzen. Trotz der Bemühungen um neutrale Formulierungen ist das Misgendern – ein klarer Verstoß gegen diskriminierungsfreie Sprache – immer noch in über der Hälfte der Beiträge präsent. Die Redaktionen zeigen sich im Umgang mit nicht-binären Personen oft unsicher und greifen auf traditionelle binäre Sprachmuster zurück.
Danke jaddy für den Artikel.
Die Zusammenfassung war sehr interessant, der Original Artikel will noch gelesen werden. Durch meine Arbeit in einem öffentlichen Raum, in dem durchgehend gegendert wird, sehe und höre ich oft, auf wieviel Widerstand dieses in der breiten Menge trifft. Da sind Pronomen wie "dey" noch garnicht dabei.
Ich bin sehr gespannt in welche Richtung sich unsere Sprache in dieser Beziehung in den nächsten Jahren entwickeln/ verändern wird.

LG
Jade

Re: ejo-omline: Wie deutsche überregionale Tageszeitungen nicht-binäre Personen darstellen

Verfasst: Mi 12. Nov 2025, 15:51
von Susi T
So gut wie der Artikel sein mag, er wirft Geschlecht und Gender beliebig Durcheinander und drückt Intergeschlechtliche Wirklichkeit damit völlig ins Abseits.
Finde ich enttäuschend und findet sich leider noch viel schlimmer in manch anderen Artikeln.
Seid 2018(nicht erst seid 2024 wie es im Artikel steht) hab ich das Recht trotz nicht eindeutig binärem körperlichem Geschlecht mein gelebtes Geschlecht frei zu wählen und zwar so wie ich es für mich gesund und richtig empfinde, ohne das jemand anderes das Recht hat mir das abzustreiten. (Die gelebte Wirklichkeit, vor allem im Medizinbereich ist leider noch nicht immer so weit)

Geschlecht kann nunmal auch nicht binär sein, da kann es körperliche Abweichungen geben und es braucht dafür Worte. Es wäre schön wenn da zwischen Bewusstsein/Gender und körperlich differenziert wird und nicht immer alles genau erklärt werden muss.
Aber so langsam geb ich's auf.

Gruß Susi, Frau (mit (körperlichen)Varianzen)

Re: ejo-omline: Wie deutsche überregionale Tageszeitungen nicht-binäre Personen darstellen

Verfasst: Mi 12. Nov 2025, 16:56
von Lavendellöwin
Susi T hat geschrieben: Mi 12. Nov 2025, 15:51 (mit (körperlichen)Varianzen)
Hey..

aber genau das ist es doch. Das hat doch nichts mit non-binären Gender zu tun..
aus meiner Sicht wirfst du das jetzt eher in den falschen Topf. Oder magst du nochmal
genau erklären warm du dich negativ angesprochen fühlst?

Marie (flow)

Re: ejo-omline: Wie deutsche überregionale Tageszeitungen nicht-binäre Personen darstellen

Verfasst: Mi 12. Nov 2025, 19:06
von Susi T
Sorry ich geb's auf. 2 mal hat's mir den Text zerissen, sogar mit Sicherung. Soll wohl nicht sein.
Aber eigentlich gibt's du selber die Antwort Marie, du schreibst ja absichtlich Gender und ich frage mich warum das im Text nicht funktioniert hat und man ständig vom Geschlecht redet.
Inter* ist nicht = non-binär, aber so schafft man Zusammenhänge wo keine sind.
Geschlecht wird von vielen als körperliche Ausprägung verstanden und bei geschlechtlicher Varianz ist eigendlich eine abweichende (körperliche) geschlechtliche Ausprägung gemeint.
Nur weil ich Intergeschlechtlich bin heißt das nicht das ich mich nicht einem Geschlecht zugehörig fühle. Bei manchen ist das so bei anderen nicht.
Meine freie Wahl hat mir nicht das Selbstbestimmungsgesetz gegeben, sondern das ist ein höchst richterliches Urteil was 2018 in ein Gesetz umgesetzt wurde. Solche Verdrehungen von Fakten sind keine Kleinigkeiten, auch wenn es ständig so geschrieben wird.
Mir ist bewusst das vielen die kleinen Unterschiede kaum auffallen, mir aber schon und sie reichen bis weit in mein Leben.
Liebe Grüße, Susi

Re: ejo-omline: Wie deutsche überregionale Tageszeitungen nicht-binäre Personen darstellen

Verfasst: Mi 12. Nov 2025, 23:22
von Nico
Im englischen gibt es sprachlich eine saubere Trennung zwischen „sex“ und „gender“. Im deutschen haben wir erstmal nur den Begriff „Geschlecht“, der für alles benutzt werden kann. Wenn es notwendig ist sprachlich zu differenzieren kann man von Gender, Geschlechtsidentität, körperlichen Geschlecht, zugewiesenen Geschlecht und, und, und sprechen.

Meiner Meinung nach ist es daher nicht falsch mal von Gender und mal von Geschlecht zu sprechen. Finde es persönlich sogar ganz gut, da im Alltag meine Geschlechtsidentität mein Geschlecht bestimmt. Im medizinischen Bereich muss man natürlich mehr differenzieren, aber darum geht es hier ja nicht.

Ich hoffe, dass ich den Kritikpunkt nicht falsch verstanden habe. Bin natürlich offen einen neuen Blickwinkel auf die Thematik zu bekommen.