Seite 1 von 1

fowid: Elf Fragen zu „Staat-Gesellschaft-Weltanschauung“ 2025

Verfasst: Do 6. Nov 2025, 20:41
von Jaddy
"Eine im Auftrag von fowid (Forschungsgruppe Weltanschuungen in Deutschland) durchgeführte repräsentative Umfrage zeigt, wie weit der Säkularisierungstrend vorangeschritten ist. So meinen 84 Prozent der Deutschen, Politikerinnen und Politiker sollten weltanschaulich neutral entscheiden. 76 Prozent stimmen der Auffassung zu, dass sich ethisch-moralische Entscheidungen auf Vernunft und Mitgefühl stützen sollten – nicht auf göttliche Gebote."

In der ersten Oktoberhälfte 2025 wurden einer repräsentativen Bevölkerungsauswahl (1000 Personen) 11 Fragen vorgelegt, jeweils mit den mit vier Optionen „Stimme voll und ganz zu / Stimme eher zu /Stimme eher nicht zu /Stimme überhaupt nicht zu“ und „Keine Antwort/ Weiß ich nicht“.

Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://fowid.de/sites/default/files/ed ... nfolge.png

Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://fowid.de/sites/default/files/ed ... eijk-1.png


Hier die ganze Auswertung mit Detail-Einsichten: https://fowid.de/meldung/elf-fragen-sta ... auung-2025
und hier ein Artikel bei hpd dazu: https://hpd.de/artikel/mehrheit-deutsch ... ioes-23538

Dem Titel bei hpd, "Die Mehrheit der Deutschen ist nicht mehr religiös", stimme ich eher nicht zu. Aus den 64% Zustimmung zu "Ich meine, dass die Welt nach naturwissenschaftlichen Gesetzen funktioniert. Übernatürliche Kräfte wie etwa Götter oder Teufel haben auf unsere Welt keinen Einfluss" lässt sich mE nicht schliessen, dass die alle nicht religiös sind. Menschen sind unglaublich flexibel im Zwiedenken und können große kognitive Dissonanzen einfach ausblenden. Ein Ex-Kollege hatte keine Probleme, seinen Job als Ingenieur mit seinem Leben als "bibeltreuer Christ" zu vereinbaren. Auch von vielen Wissenschaftlys sind ihre religiösen Überzeugungen überliefert.

Schön finde ich die große Zustimmung zu "Wertvorstellungen und Moral sollten sich auf Vernunft und Mitgefühl stützen, nicht auf göttliche Gebote". Insbesondere wenn es um den Umgang mit anderen Menschen geht. Auch die 84% bzw 82% Zustimmung zur Neutralität von Politiker*innen ("nicht auf ihre persönlichen religiösen Überzeugungen stützen, sondern die Interessen aller Menschen berücksichtigen") und staatlichen Einrichtungen ("sollten sollten weltanschaulich neutral entscheiden") auf der einen Seite und der Ablehnung von religiöser Einflussnahme auf Rundfunkräte und medizinische Notfälle bei Schwangerschaftsabbrüchen. Bei letzterem ist die verkürzte Darstellung in den Grafiken missdeutend. Die Frage lautete nämlich "Katholische Krankenhäuser sollten ihren Ärzten auch dann Schwangerschaftsabbrüchen verbieten dürfen, wenn die Gesundheit der Frau gefährdet ist."

Insgesamt sieht mir das nach einer recht liberalen und toleranten Mehrheit aus, die Religion als Privatsache akzeptiert, aber nicht als massgeblich oder verbindlich im öffentlichen Bereich.