Lavendellöwin hat geschrieben: Fr 31. Okt 2025, 12:46
Jaddy hat geschrieben: Do 30. Okt 2025, 17:51
Wer sich als Mehrheitsmensch zu wenig gewertschätzt fühlt, sollte mE mal dringend einen Pivilegiencheck machen und ggf eine Therapie beginnen.
ich denke mal, das du nicht mich damit gemeint hast, weil ich eine der wenigen bin die oft extra betont, das ich mich für privilegiert halte.
Aber eine Differenz in der Art zu pathologisieren ist schon ziemlich grenzwertig.
Nein, dich (u.a.) habe ich mit dem Rest des Beitrags gemeint
Es begegnen mir allerdings häufig "Mehrheitsmenschen" im Sinne von "keiner der häufiger mal thematisierten Minderheiten zugehörig". Weiss, deutsch, nicht behindert, het-bin-endo-cis-mono, keine chonische Krankheit, keine lebensbeeinträchtigenden psychischen Themen - und in der Regel männlich. Menschen mit ausreichendem Einkommen, ordentlicher Wohnung, usw, für die die Welt eigentlich bestens in Ordnung sein sollte, weil sie - nicht so überraschend - genau für sie gemacht wurde. Privilegiert im Sinne von "es gibt kein Thema, um dass ich mir
auch noch Gedanken machen muss", wo ich als Minderheit mit Hürden kollidiere, neben den Dingen, die uns alle belasten (Job, Geld, Familie, Alter, Gesundheit, usw).
Von doch nicht so wenigen dieser Menschen höre ich dann, dass ihnen "diese ganzen Minderheiten" zu laut sind, zu häufig, sich in den Vordergrund drängen. Was umgekehrt bedeutet, die sollen doch bitte wieder leiser und unsichtbarer werden, damit jene Mehrheitsmenschen nicht konfrontiert werden. Ich sage: Damit sie sich nicht mit ihrer Scham und Hilflosigkeit beschäftigen müssen, sich nicht kümmern müssen, kein schlechtes Gewissen bekommen. Beispiel: Menschen, die ihre Reisekosten vor Gericht zurückholen wollen, weil sie im Urlaub mit Behinderten konfrontiert wurden. Menschen, die sich über "zu viele Regenbögen" beschweren. Usw.
Deshalb bin ich der Ansicht, dass sich solche "Mehrheitsmenschen" bewusst machen sollten, womit sie sich
"nicht auch noch" beschäftigen müssen - Privilegiencheck. Falls sie dann noch Schwierigkeiten haben mit Scham, Schuldgefühlen, Hilflosigkeit und Unwissenheit gegenüber weniger privilegierten, sollten sie sich vielleicht professionell helfen lassen, mit sich selbst besser klar zu kommen und mindestens eine wohlwollende, freundliche Gelassenheit und ein hilfsbereites leben und leben lassen zu entwickeln.
Weil, das meine ich in Richtung dieser speziellen "Mehrheitsmenschen": Ob du wegen drei Frauen- und zwei Behindertenparkplätzen 5 Meter weiter laufen musst oder du die Rampen hässlich findest, dich die händchenhaltenden lesbischen Paare an deine eigene verkorkste Sexualität erinnern, ein "hier sind alle willkommen" Schild dein schlechtes Gewissen wegen deiner Vorurteile aktiviert oder was auch immer: Diese Vielfalt nimmt dir nichts. Entspann dich und geniesse dein - im Vergleich - sorgenfreieres Leben.
Lavendellöwin hat geschrieben: Fr 31. Okt 2025, 12:46
Mein Punkt war nicht queere Menschen "unsichtbar" zu machen, sondern Gedenken als Querschnittsaufgabe zu sehen.
Ich finde auch grosse Mausoleen schwierig, weil sich da, keine Ahnung wer, im Gedenken in den Bildpunkt schiebt.
Heisst es sind nicht mehr alle gleichwertig sichtbar. Am Ende sind wir einfach Menschen. Meinetwegen mit einem Kreis auf dem Gedenkstein.
Sollten wir Deiner Ansicht nach auch Gedenkstätten zum Thema Nazi-Gräuel abschaffen? Solche zu Religionskriegen? Zu Sklaverei, Kolonialismus, religösem Wahn wie Hexenverfolgungen? Stolpersteine, KZ-Gedenkstätten, Friedhöfe des ersten Weltkriegs?
In mir erzeugt das ein Gefühl von "Schwamm drüber" und "fine people on both sides", die einerseits Unrecht und die Gefahr der Wiederholung zudeckt und andererseits Leid und Mut derjenigen entwertet, die betroffen waren und sich zum Teil dagegen gestellt haben.
Ich bin der Ansicht, dass wir besondere Menschen, Gruppen und Ereignisse würdigen und ihrer gedenken können als Teil der Menschheit zu der wir auch gehören. Das macht uns nicht kleiner. Selbst wenn wir selbst meinen, nichts dazu beitragen zu können. Wir müssen (dürfen!) die Gleichwertigkeit aller Menschen nicht durch weglassen von Vielfalt erreichen wollen, sondern durch Würdigung.
Ich verstehe die Logik von gekränktem Selbstwertgefühl und sich als "Mensch ohne Besonderheiten" übersehen zu fühlen. Eben das halte ich aber für eine weit verbreitete psychische Beeinträchtigung, die (auch) therapeutisch angegangen werden sollte. (Siehe die Alpha Male Ideologie u.ä. als extreme Ausprägung)