Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
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Joo
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Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Hallo Ihr Lieben,
wenn ich meine weibliche Kleidung trage, fühle ich mich ‚zuhause‘. Meine Frau weiß von meinen Gefühlen und akzeptiert mich so wie ich bin. Ich versuche nicht, den Mann, der optisch in mir steckt, mit einer weiblichen Fassade zu maskieren. Ich schminke mich nicht und trage keine Perücken. Trotz meiner Kleidung würde mich jeder, der mich sieht, als Mann identifizieren. Ich bin nicht öffentlich geoutet und nur einige wenige Menschen wissen von meiner femininen Identität.
Wichtig ist mir das Gefühl von Weiblichkeit, das ich habe, wenn ich meine Frauenkleidung trage. Dazu gehört auch meine Sehnsucht nach eigenen Brüsten. Ich hadere nicht mit meinem männlichen Körper, sehne mich aber sehr nach sichtbarer Femininität. Das mag auch daran liegen, dass ich das weibliche Element in mir so lange unter Verschluss gehalten habe. Dennoch finde ich den Spagat zwischen männlichem Kopf und weiblichem Körper für mich nicht problematisch.
Auch als Mann pflege ich einen eigenen (Kleider-) Stil und dieses Stilempfinden manifestiert sich unabhängig von meiner geschlechtlichen Identität. Ich kleide mich eher sachlich, schlicht, leger, locker und ‚unaufgeregt‘. Eine solche Kleidung kommt meiner hybriden Erscheinung entgegen. Sie tendiert eher zu einer geschlechtslosen Neutralität, was aber nicht für meine Unterwäsche gilt. Da bin ich sehr feminin und fraulich aufgestellt.
Am interessantesten finde ich ein hybrid/androgynes Erscheinungsbild. Sozusagen die Vereinigung beider Welten zu einer neuen Ausdrucksform überwundener geschlechtlicher Festlegung. Die Überwindung der Konventionen, die Synthese des Übergeschlechtlichen…, ein Traum – ich weiß! Doch würde in einer solchen Welt viel Druck von den Schultern von Transmenschen genommen, besonders von denen, die ihr höchstes Glück nicht darin sehen, ihr Geschlecht vollkommen zu wechseln.
Ich habe den Eindruck, dass für viele Crossdresser/Transmenschen der komplette Wechsel der geschlechtlichen Identität nicht in Frage kommt, wohl aber das Erreichen größter optischer Nähe zum Wunschgeschlecht angestrebt wird. Bitte versteht mich hier richtig, ich stelle diesen Wechsel nicht in Frage. Nur bin ich mir nicht sicher, ob die Umkehrung einer vielschichtigen Persönlichkeit ins Gegengeschlechtliche dem Identitätsgefühl immer gerecht wird.
Ich selbst nehme die Frau in mir stark wahr und erlebe auch große Erfüllung, wenn ich mich offen zeigen kann. So finde ich eine reale Bestätigung meiner weiblichen Existenz durch die Interaktion z.B. mit meiner Frau. Ich gebe mich nicht der Illusion hin, ganz Frau zu sein, sehe mich eher als ein Wanderer in zwei Welten – als drittes Geschlecht.
Der Nachteil einer hybriden Erscheinung ist, dass man sich nicht mehr verstecken kann – der Vorteil, dass man das zeigt, was wirklich ist. Die Maske fällt, das Wesentliche ist offenbar. Mir ist schon klar, dass das für viele Transgender weder ein gewollter noch ein gangbarer Weg ist, aber eine mögliche Spielart auf dem bunten Regenbogen unserer Existenz ist es allemal.
Funktionieren kann das Modell der „Hybriden Geschlechtlichkeit“ nur in einer offenen, angstfreien, vorurteilslosen und aufgeschlossenen Gesellschaft. Da sind wir aber leider noch lange nicht.
Mich würde interessieren, ob es einigen von Euch vielleicht auch so geht. Ich bin mir nicht sicher, ob ich meine Gedanken und Gefühle klar und für Euch verständlich ausgedrückt habe. Falls Ihr also Fragen dazu habt, immer gerne …
Ich bin, was ich bin und die Gedanken sind frei!
LG Joo
wenn ich meine weibliche Kleidung trage, fühle ich mich ‚zuhause‘. Meine Frau weiß von meinen Gefühlen und akzeptiert mich so wie ich bin. Ich versuche nicht, den Mann, der optisch in mir steckt, mit einer weiblichen Fassade zu maskieren. Ich schminke mich nicht und trage keine Perücken. Trotz meiner Kleidung würde mich jeder, der mich sieht, als Mann identifizieren. Ich bin nicht öffentlich geoutet und nur einige wenige Menschen wissen von meiner femininen Identität.
Wichtig ist mir das Gefühl von Weiblichkeit, das ich habe, wenn ich meine Frauenkleidung trage. Dazu gehört auch meine Sehnsucht nach eigenen Brüsten. Ich hadere nicht mit meinem männlichen Körper, sehne mich aber sehr nach sichtbarer Femininität. Das mag auch daran liegen, dass ich das weibliche Element in mir so lange unter Verschluss gehalten habe. Dennoch finde ich den Spagat zwischen männlichem Kopf und weiblichem Körper für mich nicht problematisch.
Auch als Mann pflege ich einen eigenen (Kleider-) Stil und dieses Stilempfinden manifestiert sich unabhängig von meiner geschlechtlichen Identität. Ich kleide mich eher sachlich, schlicht, leger, locker und ‚unaufgeregt‘. Eine solche Kleidung kommt meiner hybriden Erscheinung entgegen. Sie tendiert eher zu einer geschlechtslosen Neutralität, was aber nicht für meine Unterwäsche gilt. Da bin ich sehr feminin und fraulich aufgestellt.
Am interessantesten finde ich ein hybrid/androgynes Erscheinungsbild. Sozusagen die Vereinigung beider Welten zu einer neuen Ausdrucksform überwundener geschlechtlicher Festlegung. Die Überwindung der Konventionen, die Synthese des Übergeschlechtlichen…, ein Traum – ich weiß! Doch würde in einer solchen Welt viel Druck von den Schultern von Transmenschen genommen, besonders von denen, die ihr höchstes Glück nicht darin sehen, ihr Geschlecht vollkommen zu wechseln.
Ich habe den Eindruck, dass für viele Crossdresser/Transmenschen der komplette Wechsel der geschlechtlichen Identität nicht in Frage kommt, wohl aber das Erreichen größter optischer Nähe zum Wunschgeschlecht angestrebt wird. Bitte versteht mich hier richtig, ich stelle diesen Wechsel nicht in Frage. Nur bin ich mir nicht sicher, ob die Umkehrung einer vielschichtigen Persönlichkeit ins Gegengeschlechtliche dem Identitätsgefühl immer gerecht wird.
Ich selbst nehme die Frau in mir stark wahr und erlebe auch große Erfüllung, wenn ich mich offen zeigen kann. So finde ich eine reale Bestätigung meiner weiblichen Existenz durch die Interaktion z.B. mit meiner Frau. Ich gebe mich nicht der Illusion hin, ganz Frau zu sein, sehe mich eher als ein Wanderer in zwei Welten – als drittes Geschlecht.
Der Nachteil einer hybriden Erscheinung ist, dass man sich nicht mehr verstecken kann – der Vorteil, dass man das zeigt, was wirklich ist. Die Maske fällt, das Wesentliche ist offenbar. Mir ist schon klar, dass das für viele Transgender weder ein gewollter noch ein gangbarer Weg ist, aber eine mögliche Spielart auf dem bunten Regenbogen unserer Existenz ist es allemal.
Funktionieren kann das Modell der „Hybriden Geschlechtlichkeit“ nur in einer offenen, angstfreien, vorurteilslosen und aufgeschlossenen Gesellschaft. Da sind wir aber leider noch lange nicht.
Mich würde interessieren, ob es einigen von Euch vielleicht auch so geht. Ich bin mir nicht sicher, ob ich meine Gedanken und Gefühle klar und für Euch verständlich ausgedrückt habe. Falls Ihr also Fragen dazu habt, immer gerne …
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Die Toleranz der Anderen ist meine Freiheit.
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Lana
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Hallo Joo,
Meine Überzeugung ist, dass es Allen besser ginge, wenn die Kategorie "Geschlecht" weniger im Vordergrund stünde. Leider ist das nicht so.
Ich selbst sitze da auch irgendwo zwischen den Stühlen. Zu Beginn habe ich mich wohl ähnlich durch Kleidung ausgedrückt wie du das heute tust, mit dem Unterschied, dass ich es schon früh öffentlich getan habe. Das war mir auf Dauer zu anstrengend, weil in der binär geprägten Mehrheitsgesellschaft Menschen sehr auffallen, die sich nicht klar einem der beiden Pole zuordnen lassen. Du schreibst es ja selbst:
Das hat zwei Gründe:
1. Es ist mir in der Regel zu aufwendig.
2. Es entspricht mir nicht und wäre wieder nur das Nachahmen von gefühlten Rollenerwartungen, nur diesmal umgekehrt:
Früher habe ich (reichlich erfolglos) versucht, männlichen Klischees zu entsprechen, während es heute die weiblichen wären. Beides bin ich nicht, daher mein Verharren zwischen den beiden Polen, aber deutlich näher am weiblichen.
Aber es ist wie es ist:
Im Gesicht, an der Stimme, am Körperbau usw. ist der männliche Typ erkennbar. Mal mehr, mal weniger, aber irgendwie ist er immer da und scheint durch die weibliche Präsentation hindurch. Meine Physiognomie ist einfach so wie sie ist, und es geht mir besser, wenn ich das akzeptieren kann anstatt einem unerreichbaren weiblichen Idealkörper nachzutrauern, den ich nie haben kann (und den auch viele cis Frauen nicht haben).
Für den Moment habe ich meinen Frieden damit gefunden, so wie es ist. Und auch wenn du schreibst, dass wir von
LGL
Dieser Druck lastet nicht nur auf trans Menschen, sondern auch auf vielen cis Menschen, die sich abmühen, irgendwelche Geschlechterklischees nachzuleben, die ihrer Persönlichkeit gar nicht entsprechen. Bei trans Menschen ist diese Diskrepanz nur offensichtlicher.Joo hat geschrieben: So 7. Sep 2025, 11:43 Die Überwindung der Konventionen, die Synthese des Übergeschlechtlichen…, ein Traum – ich weiß! Doch würde in einer solchen Welt viel Druck von den Schultern von Transmenschen genommen, besonders von denen, die ihr höchstes Glück nicht darin sehen, ihr Geschlecht vollkommen zu wechseln.
Meine Überzeugung ist, dass es Allen besser ginge, wenn die Kategorie "Geschlecht" weniger im Vordergrund stünde. Leider ist das nicht so.
Das ist ein wichtiger Aspekt, der häufig unbeachtet bleibt. Im weitesten Sinne meinst Du wohl das, was heute "nicht-binär" genannt wird.Joo hat geschrieben: So 7. Sep 2025, 11:43 Bitte versteht mich hier richtig, ich stelle diesen Wechsel nicht in Frage. Nur bin ich mir nicht sicher, ob die Umkehrung einer vielschichtigen Persönlichkeit ins Gegengeschlechtliche dem Identitätsgefühl immer gerecht wird.
Ich selbst sitze da auch irgendwo zwischen den Stühlen. Zu Beginn habe ich mich wohl ähnlich durch Kleidung ausgedrückt wie du das heute tust, mit dem Unterschied, dass ich es schon früh öffentlich getan habe. Das war mir auf Dauer zu anstrengend, weil in der binär geprägten Mehrheitsgesellschaft Menschen sehr auffallen, die sich nicht klar einem der beiden Pole zuordnen lassen. Du schreibst es ja selbst:
Daher geht meine "Außendarstellung" heute immer mehr in Richtung (klischeehafter?) weiblicher Ausdrucksformen, allerdings nach wie vor (meist) ohne das Ziel eines perfekten Passings.Joo hat geschrieben: So 7. Sep 2025, 11:43 Der Nachteil einer hybriden Erscheinung ist, dass man sich nicht mehr verstecken kann – der Vorteil, dass man das zeigt, was wirklich ist. Die Maske fällt, das Wesentliche ist offenbar.
Das hat zwei Gründe:
1. Es ist mir in der Regel zu aufwendig.
2. Es entspricht mir nicht und wäre wieder nur das Nachahmen von gefühlten Rollenerwartungen, nur diesmal umgekehrt:
Früher habe ich (reichlich erfolglos) versucht, männlichen Klischees zu entsprechen, während es heute die weiblichen wären. Beides bin ich nicht, daher mein Verharren zwischen den beiden Polen, aber deutlich näher am weiblichen.
Aber es ist wie es ist:
Im Gesicht, an der Stimme, am Körperbau usw. ist der männliche Typ erkennbar. Mal mehr, mal weniger, aber irgendwie ist er immer da und scheint durch die weibliche Präsentation hindurch. Meine Physiognomie ist einfach so wie sie ist, und es geht mir besser, wenn ich das akzeptieren kann anstatt einem unerreichbaren weiblichen Idealkörper nachzutrauern, den ich nie haben kann (und den auch viele cis Frauen nicht haben).
Für den Moment habe ich meinen Frieden damit gefunden, so wie es ist. Und auch wenn du schreibst, dass wir von
noch weit entfernt seien, mache ich im Alltag viele guten Erfahrungen. Ja, mehr noch, gerade mein manchmal auffälliges Auftreten beschert mir Zufallskontakte und schöne Gespräche mit liebevollen, zugewandten Menschen, die ich als "graue Maus" nie kennengelernt hätte. Ich glaube, viele Menschen sind deutlich offener und toleranter gegenüber trans Menschen, als wir uns das gerne von den Medien einreden lassen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung in der wirklichen Welt da draußen.Joo hat geschrieben: So 7. Sep 2025, 11:43einer offenen, angstfreien, vorurteilslosen und aufgeschlossenen Gesellschaft
LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
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Michi
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Hallo Joo.
Begründung:
In dieser idealen Welt würden sich Betroffene auch nicht mehr über Jahre und Jahrzehnte verstecken und verleugnen müssen, während ihre Körper Entwicklungen durchmachen, die nicht mehr zu ändern sind. Sie können sich früher und selbstbestimmter entfalten, und müssten sich nicht mit der "Krücke" einer androgynen Erscheinung behelfen, weil sie ihren gegengeschlechtlichen Migrationshintergrund sowieso nicht komplett verbergen können.
Ich möchte dir deine Selbstwahrnehmung nicht absprechen. Doch es bestünde genau so gut die Möglichkeit, dass dies nur der Kompromiss ist, der auf deinen konkreten Möglichkeiten basiert. Soweit ich dich bisher hier wahrgenommen habe, hast du dich erst im höheren Alter dazu durchringen können, zu deiner Weiblichkeit zu stehen. Und nachdem nun der innere Druck den äußeren Druck übersteigt, versuchst du dich mit deinen körperlichen Gegebenheiten arrangieren. Das finde ich völlig in Ordnung, wenn du damit leben kannst.
Mein Schlussgedanke, den ich genau so gut hätte voranstellen können:
Ich bin nun schon lange genug dabei, habe im Laufe der Jahre eine fortwährende Entwicklung durchlaufen, und so wie wohl auch du immer wieder versucht, irgendwie meine Nische zu finden. In dieser Zeit konnte ich mich auch mit vielen anderen austauschen, und habe bewusst immer unterschiedliche Menschen gesucht, um meinen Horizont zu erweitern. Und immer wieder habe ich für mich die Bestätigung gefunden, die auch in dieser geflügelten Redewendung steckt: "Komplexe Probleme haben oft eine einfache und verständliche Lösung, die falsch ist."
Beste Grüße
Michi
Es ist für mich völlig in Ordnung, wenn du oder andere darin ihre Erfüllung gefunden haben. Doch die Vorstellung, dass in (d)einer erträumten idealen Welt diese Vorstellung irgendwie die Lösung für alle trans* Menschen sein könnte, finde ich falsch.Joo hat geschrieben: So 7. Sep 2025, 11:43 Am interessantesten finde ich ein hybrid/androgynes Erscheinungsbild. Sozusagen die Vereinigung beider Welten zu einer neuen Ausdrucksform überwundener geschlechtlicher Festlegung. Die Überwindung der Konventionen, die Synthese des Übergeschlechtlichen…, ein Traum – ich weiß! Doch würde in einer solchen Welt viel Druck von den Schultern von Transmenschen genommen, besonders von denen, die ihr höchstes Glück nicht darin sehen, ihr Geschlecht vollkommen zu wechseln.
Begründung:
In dieser idealen Welt würden sich Betroffene auch nicht mehr über Jahre und Jahrzehnte verstecken und verleugnen müssen, während ihre Körper Entwicklungen durchmachen, die nicht mehr zu ändern sind. Sie können sich früher und selbstbestimmter entfalten, und müssten sich nicht mit der "Krücke" einer androgynen Erscheinung behelfen, weil sie ihren gegengeschlechtlichen Migrationshintergrund sowieso nicht komplett verbergen können.
Darin lese ich vor allem deine Selbstwahrnehmung und vielleicht auch Unsicherheit im Außen. Aber das wird den vielfältigen Persönlichkeitsausprägungen nicht mal ansatzweise gerecht. Beispielsweise wäre es in (d)einer idealen Gesellschaft genau so gut möglich, ganz nach Befinden an dem einen Tag in klar männlicher Erscheinung aufzutreten, und am nächsten in eindeutig weiblicher, wenn es eine bestimmte Person als für sich passend empfindet.Joo hat geschrieben: So 7. Sep 2025, 11:43 Ich habe den Eindruck, dass für viele Crossdresser/Transmenschen der komplette Wechsel der geschlechtlichen Identität nicht in Frage kommt, wohl aber das Erreichen größter optischer Nähe zum Wunschgeschlecht angestrebt wird. Bitte versteht mich hier richtig, ich stelle diesen Wechsel nicht in Frage. Nur bin ich mir nicht sicher, ob die Umkehrung einer vielschichtigen Persönlichkeit ins Gegengeschlechtliche dem Identitätsgefühl immer gerecht wird.
Joo hat geschrieben: So 7. Sep 2025, 11:43
Ich selbst nehme die Frau in mir stark wahr und erlebe auch große Erfüllung, wenn ich mich offen zeigen kann. So finde ich eine reale Bestätigung meiner weiblichen Existenz durch die Interaktion z.B. mit meiner Frau. Ich gebe mich nicht der Illusion hin, ganz Frau zu sein, sehe mich eher als ein Wanderer in zwei Welten – als drittes Geschlecht.
Ich möchte dir deine Selbstwahrnehmung nicht absprechen. Doch es bestünde genau so gut die Möglichkeit, dass dies nur der Kompromiss ist, der auf deinen konkreten Möglichkeiten basiert. Soweit ich dich bisher hier wahrgenommen habe, hast du dich erst im höheren Alter dazu durchringen können, zu deiner Weiblichkeit zu stehen. Und nachdem nun der innere Druck den äußeren Druck übersteigt, versuchst du dich mit deinen körperlichen Gegebenheiten arrangieren. Das finde ich völlig in Ordnung, wenn du damit leben kannst.
Natürlich kann man versuchen, den Nachteil zu einem Vorteil umzudeuten. Doch selbst in (d)einer toleranten Gesellschaft möchte ich bezweifeln, dass Betroffene mehrheitlich damit glücklich wären, die ganze Zeit quasi mit einem Schild um dem Hals herumzulaufen, auf dem steht: "Ich bin trans*!" Es mag für einen Teil der aktuell trans* Betroffenen ein gangbarer Weg sein. Doch viel eher sehe ich da einen Weg für .. vor allem männliche .. Menschen, die heute als cis* leben, und deren Leidensdruck nicht mal annähernd dahin geht, dass sie heute von sich aus auf die Idee kämen, in der Öffentlichkeit durch Kleidung irgendwie in Verdacht zu geraten, nicht ganz und gar männlich zu sein.Joo hat geschrieben: So 7. Sep 2025, 11:43 Der Nachteil einer hybriden Erscheinung ist, dass man sich nicht mehr verstecken kann – der Vorteil, dass man das zeigt, was wirklich ist. Die Maske fällt, das Wesentliche ist offenbar. Mir ist schon klar, dass das für viele Transgender weder ein gewollter noch ein gangbarer Weg ist, aber eine mögliche Spielart auf dem bunten Regenbogen unserer Existenz ist es allemal.
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Mein Schlussgedanke, den ich genau so gut hätte voranstellen können:
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Beste Grüße
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Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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girlnamedliz
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Klar ist das ein moeglicher Weg, und schoen, dass dieser fuer Dich funktioniert. Das ist am Ende alles, was zaehlt. Ich habe aehnliches versucht, als ich noch teilzeit und semi-closeted war. Das war vor allem dadurch getrieben, dass viele Dinge einfach zu viel Zeit brauchen, um das jedesmal neu zu machen - z.B. Naegel lackieren. Und so bin ich dann eine Zeit mit einem Mix von Kleidungsstuecken zwischen den Welten, und lackierten Naegeln unterwegs gewesen. Aber gluecklich gemacht hat mich das nicht. Mir war das zu wenig - und der Welt offenbar immernoch zu viel.Joo hat geschrieben: So 7. Sep 2025, 11:43 Der Nachteil einer hybriden Erscheinung ist, dass man sich nicht mehr verstecken kann – der Vorteil, dass man das zeigt, was wirklich ist. Die Maske fällt, das Wesentliche ist offenbar. Mir ist schon klar, dass das für viele Transgender weder ein gewollter noch ein gangbarer Weg ist, aber eine mögliche Spielart auf dem bunten Regenbogen unserer Existenz ist es allemal.
Interessanterweise habe ich nicht den Eindruck, dass ich heute in Vollzeit und ganz en-femme mehr Aufmerksamkeit errege, als damals. Dabei bin ich weit davon entfernt, als cisgender Frau durchzugehen, habe also jederzeit die Leuchtreklame mit der Aufschrift Trans ueber mir schweben. Aber die Menschen (zumindest in meiner Umgebung) lieben Kategorien. Und es scheint mir, dass eine Erscheinung zwischen den Welten dazu fuehrt, dass die Leute mehr Zeit damit verbringen herausfinden zu wollen, was hier eigentlich Sache ist. In eindeutiger Ausrichtung erscheint mir das schneller abgetan. Ein kurzer Blick, Schublade auf, Mensch reinsortiert, und dann geht es auch schon weiter mit dem eigenen Leben.MichiWell hat geschrieben: Di 9. Sep 2025, 01:32 Schild um dem Hals herumzulaufen, auf dem steht: "Ich bin trans*!"
.
Ja und nein. Ich bin trans, und die Leute sehen das auch. Immer, ohne Illusion. Und waehrend ich gern versuche, so gut auszusehen, wie ich das im Rahmen meiner Moeglichkeiten kann, hat sich die Zielsetzung geaendert. Es geht mir heute im wesentlichen darum, dass *ich* mich wohlfuehle, dass *ich* mit meinem Spiegelbild leben kann, und dass *ich* glaube, meine Erscheinung ausreichend an Situation und Umgebung orientiert zu haben. Gleichzeitig habe ich aufgehoert darauf zu achten, ob sich jemand nach mir umdreht, oder zu versuchen zu erraten, was in deren Koepfen wohl vorgehen mag. Solange sich niemand in meinen Weg stellt und direkt auf Konfrontation geht (oder dringend darauf besteht ein Lob a la "Du siehts ja toll aus... fuer eine Transfrau" abzugeben), prallt das meistens an mir ab.Joo hat geschrieben: So 7. Sep 2025, 11:43 wohl aber das Erreichen größter optischer Nähe zum Wunschgeschlecht angestrebt wird.
Aber natuerlich ist das lediglich mein Weg, und keine Allgemeinloesung. Oder auf Neudeutsch: Your mileage may vary.
LG,Liz
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Joo
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Hallo Ihr Lieben,
vielen Dank für eure ausführlichen Antworten, da habe ich jetzt einiges zum Drübernachdenken. Auch mit meiner Frau rede ich gerade intensiv über diesen oder jenen Aspekt. Es ist immer gut, wenn Denkanstöße von außen kommen und wir beide uns nicht immer nur im gleichen Gedanken- und Gefühlskarussell drehen. Wenn ich mehr Klarheit habe, melde ich mich länger….
Jedenfalls habe ich mich sehr gefreut darüber, dass ihr versucht habt, meine Gefühle zu verstehen und meine Gedanken nachzuvollziehen, war für mich nicht leicht, diese in Worte zu fassen.
LG Joo
vielen Dank für eure ausführlichen Antworten, da habe ich jetzt einiges zum Drübernachdenken. Auch mit meiner Frau rede ich gerade intensiv über diesen oder jenen Aspekt. Es ist immer gut, wenn Denkanstöße von außen kommen und wir beide uns nicht immer nur im gleichen Gedanken- und Gefühlskarussell drehen. Wenn ich mehr Klarheit habe, melde ich mich länger….
Jedenfalls habe ich mich sehr gefreut darüber, dass ihr versucht habt, meine Gefühle zu verstehen und meine Gedanken nachzuvollziehen, war für mich nicht leicht, diese in Worte zu fassen.
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Nur kurz: Das meinte ich auch nicht. Es ging mir nicht um Fälle wie dich, sondern um die beschriebenen mit einer auffällig "hybriden Erscheinung", die deswegen auf gar keinen Fall als das Gegengeschlecht durchgehen werden.girlnamedliz hat geschrieben: Di 9. Sep 2025, 03:59Interessanterweise habe ich nicht den Eindruck, dass ich heute in Vollzeit und ganz en-femme mehr Aufmerksamkeit errege, als damals.MichiWell hat geschrieben: Di 9. Sep 2025, 01:32 Schild um dem Hals herumzulaufen, auf dem steht: "Ich bin trans*!"
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Hallöchen Liz,girlnamedliz hat geschrieben: Di 9. Sep 2025, 03:59 Und es scheint mir, dass eine Erscheinung zwischen den Welten dazu fuehrt, dass die Leute mehr Zeit damit verbringen herausfinden zu wollen, was hier eigentlich Sache ist.
Hast Du solche Situationen erlebt?
Erzähl doch bitte mehr darüber, das interessiert mich sehr.
Neugierig
Deine Violetta
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Liebe Joo
Ich habe erst jetzt Dein Post gelesen. Vielen Dank dafür, das gibt sicher ein guter Gesprächstoff für unser Treffen heute Nachmittag.
Vorab:
Weiteres dann später
Herzlicher Gruss
Daniela
Ich habe erst jetzt Dein Post gelesen. Vielen Dank dafür, das gibt sicher ein guter Gesprächstoff für unser Treffen heute Nachmittag.
Vorab:
Ich habe seit meiner Kindheit eine Art Idealbild einer Frau und wenn ich meine Weiblichkeit auslebe, dann möchte ich nicht Androgyn sein, sondern als Frau wirken. Ich habe dann festgestellt, dass ich so in der Masse weniger auffalle.Joo hat geschrieben: So 7. Sep 2025, 11:43 Am interessantesten finde ich ein hybrid/androgynes Erscheinungsbild. Sozusagen die Vereinigung beider Welten zu einer neuen Ausdrucksform überwundener geschlechtlicher Festlegung.
Weiteres dann später
Herzlicher Gruss
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Hallo Joo,
also ich könnte deinen Post, ganz genauso für mich unterschreiben.
Du hast ziemlich genau das ausgedrückt was ich bisher nicht geschafft habe in Worte zu fassen.
Ich versuche so oft wie möglich, und dann so gut wie möglich, ein feminines Erscheinungsbild zu erreichen. Einfach weil ich mich dann wohl fühle. Das männliche wird mit dem kommenden Alter leider immer mehr durchscheinen.....
Ich bin aber auch ganz gerne in der männlichen Rolle unterwegs.
würde ich eine dauerhafte feminisierung vornehmen, (aktuell mal wieder ein sehr reizvoller Gedanke:-) )dann worde ich aber vermutlich crossdressing in die andere Richtung betreiben.
beide Seiten haben einfach ihren Reiz.
wenn das möglich wäre, wäre ich am liebsten so eine Art "Wechselbalg" der seine Form je nach Lust und Laune ändern kann.
Grüßle Micha
also ich könnte deinen Post, ganz genauso für mich unterschreiben.
Du hast ziemlich genau das ausgedrückt was ich bisher nicht geschafft habe in Worte zu fassen.
Ich versuche so oft wie möglich, und dann so gut wie möglich, ein feminines Erscheinungsbild zu erreichen. Einfach weil ich mich dann wohl fühle. Das männliche wird mit dem kommenden Alter leider immer mehr durchscheinen.....
Ich bin aber auch ganz gerne in der männlichen Rolle unterwegs.
würde ich eine dauerhafte feminisierung vornehmen, (aktuell mal wieder ein sehr reizvoller Gedanke:-) )dann worde ich aber vermutlich crossdressing in die andere Richtung betreiben.
beide Seiten haben einfach ihren Reiz.
wenn das möglich wäre, wäre ich am liebsten so eine Art "Wechselbalg" der seine Form je nach Lust und Laune ändern kann.
Grüßle Micha
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Das ist unaufregend, aber irgendwie doch auffaellig. Wenn ich im Boymode mit lackierten Fingernaegeln unterwegs war, dann hat mich andauernd jemand angesprochen. Fing immer ganz neutral an a la "oh, dass sind ja schoene Naegel." Und wenn ich dann darauf einging, dann wurden schnell die verschiedenen Schubladen abgecheckt. "Hmm, hat das eine Bedeutung?" "Ich bin ja sehr tolerant - aber bist Du schwul?" "Achso, Du bist verheiratet? Mit einer Frau?"Violetta CD hat geschrieben: Mi 10. Sep 2025, 06:44Hast Du solche Situationen erlebt?girlnamedliz hat geschrieben: Di 9. Sep 2025, 03:59 Und es scheint mir, dass eine Erscheinung zwischen den Welten dazu fuehrt, dass die Leute mehr Zeit damit verbringen herausfinden zu wollen, was hier eigentlich Sache ist.
Erzähl doch bitte mehr darüber, das interessiert mich sehr.
Oder einkaufen. Mir faellt da gerade ein Erlebnis in einem Dessousgeschaeft ein, in dem ich einen BH gekauft habe. Und die Verkaeuferin fragte dann so schoen "soll ich den als Geschenk einpacken?" Sie war dann mit meiner Antwort "brauchen Sie nicht, der ist fuer mich" sichhtbar ueberfordert und rief dann ihre Kollegin "uebernimmst Du bitte mal?"
Und auch wenn die Leute nichts sagen, dann scheinen sie sich ihren Teil zu denken. Einem Geschaeftspartner von mir sind in einem Videocall die Naegel aufgefallen. Der hat dann erstmal im Internet recherchiert, was es denn mit lackierten Fingernaegeln auf sich hat. Ich hab keine Ahnung, wo es ihn dabei hinverschlagen hat, aber er kam offenbar zu dem Schluss, dass das jetzt voll im Trend liegt (er hielt sich selbst aber nicht fuer modisch genug). Und als ich ihm dann Monate spaeter gesagt habe, dass ich trans bin, da hat er dann diese Geschichte ausgegraben.
Es ist meistens nichts feindseliges in diesen Interaktionen - aber mir waren die doch eigentlich unangenehm. Ich hab es eigentlich mein Leben lang bevorzugt, dass die Leute _mit_mir_ und nicht _ueber_mich_ reden. Geruechte und Gerede hinter meinem Ruecken haben mir noch nie gutgetan. Seit ich Vollzeit bin erlebe ich das einfacher. Ein Blick, und es ist alles klar. Die Leute positionieren sich dann ganz eindeutig, es gibt viele, denen das voellig egal ist, es gibt diejenigen, die eine Kraftakt fuer eine freundliche Geste unternehmen, es gibt Leute, die sich wegdrehen, und einige die offen feindselig und unfreundlich sind. Damit kann ich leben.
Dies alles beschreibt Situation allein. Wenn meine Frau (seit 26 Jahren, sie hat einen Orden verdient) und ich als Paar auftreten, dann ist die Dynamik anders. Fingernaegel hin oder her, in ueblichen Situationen war ich im Boymode immernoch ganz klar der Ansprechpartner. Heute ist das anders. Einige Leute sind unsicher, und versuchen mehr oder minder dezent herauszufinden, wie bei uns Entscheidungen gefaellt werden. Andere gehen direkt auf meine Frau zu, und lassen mich links liegen. Ja, in der sozialen Hierarchie rangiert trans ziemlich klar unter weiblich. Aber auch damit kann ich leben.
LG, Liz
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Jutta-Kristina
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Von dem Beitrag fühle ich mich sehr angesprochen! Frau sein (wollen) ist für mich seit über sechs Jahrzehnten Thema und es nicht dann sein zu können, wenn ich es will, auch. Sich in Frauenkleidern "zu Hause" zu fühlen ist genau das Empfinden, dass ich auch habe und es ist schön beschrieben. Bei mir habe ich es immer als Mischung aus Wohlfühlen und Stark-fühlen empfunden. Ich will es nicht mit dem starken Begriff "glücklich sein" beschreiben. Das ist es nicht, es geht nur in diese Richtung.
Ich habe mich sehr mit der Frage "was will ich?" beschäftigt. Heute weiß ich, dass es stark von dem Gefühl, das ich für mich habe abhängt, was ich anziehe. Jetzt, am Sonntag Nachmittag, reichen mir ein weiter Rock und Pullover, Strumpfhose und Sneaker zum Wohlfühlen. Ich bin auch aufgrund meines Alters lange von dem Trip runter, mit Bio-Frauen in Konkurrenz treten zu wollen und auch nicht mit denjenigen von uns, die 40 Jahre jünger sind. Aber wenn mir nach Abendkleid, Make-up und Perücke zumute ist und die Situation passt, dann treibe ich auch ein bisschen Aufwand.
Die Feministin in mir weiß, dass es nicht die Bestimmung der Frauen ist, sich herauszuputzen und zur Schau zu stellen. Sondern sie sollen ein Leben führen können, wie Sie es sich wünschen, mit allen Chancen und Rechten.
Ich habe Bio-Frauen immer darum beneidet, dass ihnen zwischen Latzhose und Hochzeitskleid alle Möglichkeiten gegeben sind, ihre Kleidungswünsche zu erfüllen. Genau das möchte ich als Crossdresser auch. Da genieße ich die Spannung sehr, wenn sich ein ursprünglich männlicher Körper äußerlich in einen weiblichen verwandelt. Wenn das von den Menschen, die mir vertraut sind, akzeptiert wird, habe ich alles richtig gemacht. Wie ich dann aussehe, ist fast schon egal, obwohl wir alle bestimmte Vorstellungen oder sogar Ideale haben, wie wir gerne aussehen möchten. Wichtig ist doch nur, dass es sich richtig anfühlt.
Aber natürlich kann auch niemand etwas dagegen machen, wenn es gerade der falsche Zeitpunkt ist, die eigene Weiblichkeit zu genießen. You can't always get what you want! So schade das auch ist.
Ich habe mich sehr mit der Frage "was will ich?" beschäftigt. Heute weiß ich, dass es stark von dem Gefühl, das ich für mich habe abhängt, was ich anziehe. Jetzt, am Sonntag Nachmittag, reichen mir ein weiter Rock und Pullover, Strumpfhose und Sneaker zum Wohlfühlen. Ich bin auch aufgrund meines Alters lange von dem Trip runter, mit Bio-Frauen in Konkurrenz treten zu wollen und auch nicht mit denjenigen von uns, die 40 Jahre jünger sind. Aber wenn mir nach Abendkleid, Make-up und Perücke zumute ist und die Situation passt, dann treibe ich auch ein bisschen Aufwand.
Die Feministin in mir weiß, dass es nicht die Bestimmung der Frauen ist, sich herauszuputzen und zur Schau zu stellen. Sondern sie sollen ein Leben führen können, wie Sie es sich wünschen, mit allen Chancen und Rechten.
Ich habe Bio-Frauen immer darum beneidet, dass ihnen zwischen Latzhose und Hochzeitskleid alle Möglichkeiten gegeben sind, ihre Kleidungswünsche zu erfüllen. Genau das möchte ich als Crossdresser auch. Da genieße ich die Spannung sehr, wenn sich ein ursprünglich männlicher Körper äußerlich in einen weiblichen verwandelt. Wenn das von den Menschen, die mir vertraut sind, akzeptiert wird, habe ich alles richtig gemacht. Wie ich dann aussehe, ist fast schon egal, obwohl wir alle bestimmte Vorstellungen oder sogar Ideale haben, wie wir gerne aussehen möchten. Wichtig ist doch nur, dass es sich richtig anfühlt.
Aber natürlich kann auch niemand etwas dagegen machen, wenn es gerade der falsche Zeitpunkt ist, die eigene Weiblichkeit zu genießen. You can't always get what you want! So schade das auch ist.
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Franzi42
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Hallo Liz,girlnamedliz hat geschrieben: Di 9. Sep 2025, 03:59 Es geht mir heute im wesentlichen darum, dass *ich* mich wohlfuehle, dass *ich* mit meinem Spiegelbild leben kann, und dass *ich* glaube, meine Erscheinung ausreichend an Situation und Umgebung orientiert zu haben. Gleichzeitig habe ich aufgehoert darauf zu achten, ob sich jemand nach mir umdreht, oder zu versuchen zu erraten, was in deren Koepfen wohl vorgehen mag.
danke für deinen Beitrag. Das ist ein Wunsch von mir. Selbstvertrauen, Selbstakzeptanz, Wertschätzung. Etwas weniger Abhängigkeit vom vermeintlichen Urteil anderer.
Hallo Joo,Joo hat geschrieben: So 7. Sep 2025, 11:43 wenn ich meine weibliche Kleidung trage, fühle ich mich ‚zuhause‘. Meine Frau weiß von meinen Gefühlen und akzeptiert mich so wie ich bin. Ich versuche nicht, den Mann, der optisch in mir steckt, mit einer weiblichen Fassade zu maskieren. Ich schminke mich nicht und trage keine Perücken. Trotz meiner Kleidung würde mich jeder, der mich sieht, als Mann identifizieren.
so ähnlich sieht es bei mir auch aus. Allerdings mag ich auch Schmuck und dezente Schminke.
Deine weiteren Ausführungen klingen bei mir an als Erklärungs- und Rechtfertigungsversuche für dein Sein im gesellschaftlichen Umfeld. Damit wird es dann sofort schwierig.
Was ich bisher hier gelernt habe, dass ich die Bestätigung nicht von außen bekomme, sondern sie mir nur selbst geben kann.
Aber vielleicht habe ich auch nur mein Thema in deinen Beitrag reininterpretiert
Vielen Dank für deinen Denkanstoß!
Liebe Grüße
Franzi
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girlnamedliz
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Naja, ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich nicht allein da hingekommen bin. Die Anerkennung meiner Frau hat dafuer gesorgt, dass ich das Gefuehl von Scham und Schuld abschuetteln konnte. Unternehmungen mit der lokalen Trans Community haben mir ein Gefuehl von Normalitaet gegeben. Und mein Therapeut hat mir geholfen, die typischen transphoben Vorurteile (sowohl die von aussen, als auch die mir verinnerlichten) sachlich zu sezieren und damit zu entkraeften.Franzi42 hat geschrieben: Mo 22. Sep 2025, 12:59 Das ist ein Wunsch von mir. Selbstvertrauen, Selbstakzeptanz, Wertschätzung. Etwas weniger Abhängigkeit vom vermeintlichen Urteil anderer.
Viel Glueck auf Deiner Reise,
LG
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
Hallo Lana,
hier endlich meine Gedanken zu deiner Antwort auf meinen Post, mit denen ich mir, sorry, reichlich Zeit gelassen habe.
LG Joo
hier endlich meine Gedanken zu deiner Antwort auf meinen Post, mit denen ich mir, sorry, reichlich Zeit gelassen habe.
Da stimme ich dir vollkommen zu. Nur fällt es einer non-binäre Person sicherlich leichter, diese Meinung zu vertreten, als binären Menschen.Lana hat geschrieben: Mo 8. Sep 2025, 23:27 Meine Überzeugung ist, dass es Allen besser ginge, wenn die Kategorie "Geschlecht" weniger im Vordergrund stünde. Leider ist das nicht so.
Das perfekte Passing bietet natürlich auch Schutz vor der Offenbarung unserer wahren Natur. Vor dieser Wahrheit habe ich mich viele Jahrzehnte gefürchtet und versteckt. Gerade bin ich dabei, intellektuell die Angst zuzulassen und zu überwinden. Was das Passing angeht versuche ich mich mit meinen Möglichkeiten zu arrangieren. Zum Beispiel - schminken mit Brille geht nicht - ohne aber auch nicht. Das macht mir aber nichts, da ich nicht das Gefühl habe, dass das Schminken zu meiner Identität gehört.Lana hat geschrieben: Mo 8. Sep 2025, 23:27 Daher geht meine "Außendarstellung" heute immer mehr in Richtung (klischeehafter?) weiblicher Ausdrucksformen, allerdings nach wie vor (meist) ohne das Ziel eines perfekten Passings.
Auch hier kann ich dir nur zustimmen. Ich denke, ich habe in der Art meiner momentanen Präsentation auch den temporären Ausdruck meiner Identifikation gefunden. Meine Gefühlslage visualisiert sich im Hybriden. Das ist sicherlich bei jedem Menschen unterschiedlich und das ist gut so, denn die Vielfalt der Farben entsteht durch die Breite des Spektrums.Lana hat geschrieben: Mo 8. Sep 2025, 23:27 Das hat zwei Gründe:
1. Es ist mir in der Regel zu aufwendig.
2. Es entspricht mir nicht und wäre wieder nur das Nachahmen von gefühlten Rollenerwartungen, nur diesmal umgekehrt:
Früher habe ich (reichlich erfolglos) versucht, männlichen Klischees zu entsprechen, während es heute die weiblichen wären. Beides bin ich nicht, daher mein Verharren zwischen den beiden Polen, aber deutlich näher am weiblichen.
Was du am Schluss schreibst, gefällt mir sehr gut und gibt meiner Unsicherheit Zuversicht. Ich weiß allerdings heute noch nicht, ob ich jemals die Kraft finden werde, vorbehaltlos offen als Transgender zu leben, aber schon der Traum ist schön.Lana hat geschrieben: Mo 8. Sep 2025, 23:27 Ja, mehr noch, gerade mein manchmal auffälliges Auftreten beschert mir Zufallskontakte und schöne Gespräche mit liebevollen, zugewandten Menschen, die ich als "graue Maus" nie kennengelernt hätte. Ich glaube, viele Menschen sind deutlich offener und toleranter gegenüber trans Menschen, als wir uns das gerne von den Medien einreden lassen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung in der wirklichen Welt da draußen.
LG Joo
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Die Toleranz der Anderen ist meine Freiheit.
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Re: Gemischtes Doppel – meine hybride Welt
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Herzlicher Gruss
Daniela
Ich erlebe eine grosse Intimität bei all den Gesprächen, die ich in Rahmen all der Treffen führen konnte, die weit tiefer gehen, als die beim Treffen von Bekannten. Ich habe mittlerweile viel mehr echte Freundinnen (cis und CD/Trans) als ich je gehabt hatte.Joo hat geschrieben: Do 13. Nov 2025, 17:25Was du am Schluss schreibst, gefällt mir sehr gut und gibt meiner Unsicherheit Zuversicht.Lana hat geschrieben: Mo 8. Sep 2025, 23:27
Ja, mehr noch, gerade mein manchmal auffälliges Auftreten beschert mir Zufallskontakte und schöne Gespräche mit liebevollen, zugewandten Menschen, die ich als "graue Maus" nie kennengelernt hätte. Ich glaube, viele Menschen sind deutlich offener und toleranter gegenüber trans Menschen, als wir uns das gerne von den Medien einreden lassen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung in der wirklichen Welt da draußen.
Herzlicher Gruss
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.