conny hat geschrieben: Mi 6. Aug 2025, 15:29
Wo werden beim Gendern, also z.B. bei LehrerInnen, Fahrer*innen, oder Sportler_innen, oder noch dazu Ärzt:innen queere Menschen angesprochen?
Gendern entspricht nicht den offiziellen deutschen Sprachregeln, deshalb hat das gerade an Schulen nichts zu suchen.
Ach conny...
Erstens: trans, inter, nichtbinäre und agender Menschen sind Teil von Queer. Also ich zum Beispiel (t, n und a). Ich werde bei "Bürgerinnen und Bürger" nicht angesprochen, sondern sogar ausdrücklich nicht genannt (und die maskuline Form ist keineswegs generisch, weshalb sie weder im Duden, noch beim Rechtschreibrat auftaucht. Sie ist eine reine Fiktion). Das verletzt tatsächlich mein Grundrecht, denn es ist eine explizite Diskriminierung aufgrund meines Geschlechts (Artikel 3 Absatz 3 GG) (bzw dessen Abwesenheit).
Zweitens: Solidarität unter allen queeren Menschen ist unerlässlich, sonst werden wir einzeln nach und nach wieder ausgeschlossen. "Erst kamen sie für die trans Menschen... dann kamen sie für die Ehe für (fast) alle..." usw. Dass eine politische Veranstaltung, die sich explizit für die Rechte aller queeren Menschen einsetzt - wozu auch sprachliche Sichtbarkeit, Teilhabe, Repräsentation gehört -, eine Gruppe ausschliesst, die genau das regelhaft verhindern will, ist ziemlich folgerichtig.
Drittens: Der
Antrag der FDP bezieht sich bei Weitem nicht nur auf Schulen, sondern die gesamte Bremische Verwaltung. Die "Begründungen" sind die üblichen, und sie sind wie immer Unfug. Sogar wissenschaftlich und juristisch widerlegter Unfug. Ich habe wegen der aktuellen, reaktionären Aktivitäten der BuReg gestern einen Vorgang hier in einer Nachbargemeinde
geblogged. Da findest du die ausführlichen Begründungen mit reichlich Referenzen.
Viertens: Gerade an Schulen ist Aufklärung über Vielfalt jeglicher Art wichtig, weil es in Familien und sozialem Umfeld mglw nicht so präsent ist. Dazu gehört auch geschlechtergerechte bzw -sensible Sprache. Darüber hinaus begegnen KuJ natürlich im normalen Leben auch Schreibweisen mit Binnen-I, Trema, Asterisk, Unterstrich, usw. Also sollten sie
auch schon mal lernen, was das soll und wie es funktioniert. Es gab und gibt übrigens nach wie vor keinen "Genderzwang" in Schulen, sondern nur diesbezüglcihe Verbote. Ebenso verhält es sich mit Punktabzügen, Noten und dergleichen.
Fünftens: Die Bremische Verwaltung hat seit Jahren eine ganz wunderbare
Handreichung für ihre Beschäftigten. Deren Inhalt lautet, nach der Erklärung, warum geschlechtergerechte Sprache menschlich und rechtlich geboten ist, zusammengefasst so: "Verwenden Sie neutrale Begriffe. Formulieren Sie so, dass Sie keine Vergeschlechtlichungen aufzählen müssen. Falls es aber gar nicht anders geht, verwenden Sie den Asterisk (*)".
Da ist kein "Genderzwang", nur die Möglichkeit, wenn sich wer anders nicht zu helfen weiss, aber der staatlichen Pflicht zu geschlechterinklusiver Sprache bzw Schrift nachkommen muss.