Seite 1 von 1

Organisatoren des Bremer Christopher Street Day schließen FDP aus | butenundbinnen

Verfasst: Mi 6. Aug 2025, 08:37
von Anne-Mette
Das Orga-Team des Bremer Christopher Street Days (CSD) begründet den Ausschluss mit einem Antrag der Bürgerschaftsfraktion. Darin wird ein Verbot von Gender-Sprache gefordert.

https://www.butenunbinnen.de/nachrichte ... r-100.html

Re: Organisatoren des Bremer Christopher Street Day schließen FDP aus | butenundbinnen

Verfasst: Mi 6. Aug 2025, 14:19
von Michi
Den Antrag hatte die Bürgerschaftsfraktion im vergangenen Jahr eingebracht. Darin fordert die FDP ein Verbot von Gender-Sprache in Schulen und Behörden. FDP-Fraktionschef Thore Schäck kritisiert die Entscheidung des Vereins gegenüber buten un binnen als "heuchlerisch". Es sei sonderbar, dass ausgerechnet die Organisatoren des CSD keine Toleranz für andere Meinungen hätten, sagte Schäck.
Die Forderung, queere Menschen über Sprache unsichtbar zu machen, aber dann am CSD teilnehmen wollen, ist also nicht heuchlerisch?!

Ist wohl für Herrn Schäck schwer zu begreifen, warum er keine Toleranz für seine Intoleranz bekommt.

Re: Organisatoren des Bremer Christopher Street Day schließen FDP aus | butenundbinnen

Verfasst: Mi 6. Aug 2025, 15:29
von conny
Wo werden beim Gendern, also z.B. bei LehrerInnen, Fahrer*innen, oder Sportler_innen, oder noch dazu Ärzt:innen queere Menschen angesprochen?
Gendern entspricht nicht den offiziellen deutschen Sprachregeln, deshalb hat das gerade an Schulen nichts zu suchen.

Re: Organisatoren des Bremer Christopher Street Day schließen FDP aus | butenundbinnen

Verfasst: Mi 6. Aug 2025, 18:07
von Jaddy
conny hat geschrieben: Mi 6. Aug 2025, 15:29 Wo werden beim Gendern, also z.B. bei LehrerInnen, Fahrer*innen, oder Sportler_innen, oder noch dazu Ärzt:innen queere Menschen angesprochen?
Gendern entspricht nicht den offiziellen deutschen Sprachregeln, deshalb hat das gerade an Schulen nichts zu suchen.
Ach conny...

Erstens: trans, inter, nichtbinäre und agender Menschen sind Teil von Queer. Also ich zum Beispiel (t, n und a). Ich werde bei "Bürgerinnen und Bürger" nicht angesprochen, sondern sogar ausdrücklich nicht genannt (und die maskuline Form ist keineswegs generisch, weshalb sie weder im Duden, noch beim Rechtschreibrat auftaucht. Sie ist eine reine Fiktion). Das verletzt tatsächlich mein Grundrecht, denn es ist eine explizite Diskriminierung aufgrund meines Geschlechts (Artikel 3 Absatz 3 GG) (bzw dessen Abwesenheit).

Zweitens: Solidarität unter allen queeren Menschen ist unerlässlich, sonst werden wir einzeln nach und nach wieder ausgeschlossen. "Erst kamen sie für die trans Menschen... dann kamen sie für die Ehe für (fast) alle..." usw. Dass eine politische Veranstaltung, die sich explizit für die Rechte aller queeren Menschen einsetzt - wozu auch sprachliche Sichtbarkeit, Teilhabe, Repräsentation gehört -, eine Gruppe ausschliesst, die genau das regelhaft verhindern will, ist ziemlich folgerichtig.

Drittens: Der Antrag der FDP bezieht sich bei Weitem nicht nur auf Schulen, sondern die gesamte Bremische Verwaltung. Die "Begründungen" sind die üblichen, und sie sind wie immer Unfug. Sogar wissenschaftlich und juristisch widerlegter Unfug. Ich habe wegen der aktuellen, reaktionären Aktivitäten der BuReg gestern einen Vorgang hier in einer Nachbargemeinde geblogged. Da findest du die ausführlichen Begründungen mit reichlich Referenzen.

Viertens: Gerade an Schulen ist Aufklärung über Vielfalt jeglicher Art wichtig, weil es in Familien und sozialem Umfeld mglw nicht so präsent ist. Dazu gehört auch geschlechtergerechte bzw -sensible Sprache. Darüber hinaus begegnen KuJ natürlich im normalen Leben auch Schreibweisen mit Binnen-I, Trema, Asterisk, Unterstrich, usw. Also sollten sie auch schon mal lernen, was das soll und wie es funktioniert. Es gab und gibt übrigens nach wie vor keinen "Genderzwang" in Schulen, sondern nur diesbezüglcihe Verbote. Ebenso verhält es sich mit Punktabzügen, Noten und dergleichen.

Fünftens: Die Bremische Verwaltung hat seit Jahren eine ganz wunderbare Handreichung für ihre Beschäftigten. Deren Inhalt lautet, nach der Erklärung, warum geschlechtergerechte Sprache menschlich und rechtlich geboten ist, zusammengefasst so: "Verwenden Sie neutrale Begriffe. Formulieren Sie so, dass Sie keine Vergeschlechtlichungen aufzählen müssen. Falls es aber gar nicht anders geht, verwenden Sie den Asterisk (*)".

Da ist kein "Genderzwang", nur die Möglichkeit, wenn sich wer anders nicht zu helfen weiss, aber der staatlichen Pflicht zu geschlechterinklusiver Sprache bzw Schrift nachkommen muss.

Re: Organisatoren des Bremer Christopher Street Day schließen FDP aus | butenundbinnen

Verfasst: Mi 6. Aug 2025, 18:25
von conny
Jaddy hat geschrieben: Mi 6. Aug 2025, 18:07 Schreibweisen mit Binnen-I, Trema, Asterisk, Unterstrich, usw.
Bei welchen dieser Schreibweisen fühlst du Dich als queere Person denn angesprochen?

Re: Organisatoren des Bremer Christopher Street Day schließen FDP aus | butenundbinnen

Verfasst: Mi 6. Aug 2025, 18:44
von Michi
Jaddy hat geschrieben: Mi 6. Aug 2025, 18:07 "Verwenden Sie neutrale Begriffe. Formulieren Sie so, dass Sie keine Vergeschlechtlichungen aufzählen müssen. Falls es aber gar nicht anders geht, verwenden Sie den Asterisk (*)".
Sehr schön formuliert .. kurz und in leicht verständlicher Sprache. Wenn man das nicht versteht, dann will man es nicht verstehen.

Re: Organisatoren des Bremer Christopher Street Day schließen FDP aus | butenundbinnen

Verfasst: Mi 6. Aug 2025, 20:20
von Jaddy
conny hat geschrieben: Mi 6. Aug 2025, 18:25
Jaddy hat geschrieben: Mi 6. Aug 2025, 18:07 Schreibweisen mit Binnen-I, Trema, Asterisk, Unterstrich, usw.
Bei welchen dieser Schreibweisen fühlst du Dich als queere Person denn angesprochen?
In absteigender Reihenfolge: Asterisk, Unterstrich, Trema. Ich nehme auch Apostroph und entgendern nach Phettberg/Kronschläger (-y) oder Hornscheidt (-x).
All dies inkludiert meine geschlechtliche Identität (nämlich "keine"), als auch meine Identität als queere Person.

Bei den Christopher Street Demos geht es um die Rechte von Menschen, die aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität und_oder ihrer sexueller Orientierung diskriminiert oder gar attackiert werden. Egal ob sie sich als queer bezeichnen oder nicht. Queer ist hier nur der vereinfachte Sammelbegriff.