Spotlights aus Südtirol
Verfasst: Mo 26. Mai 2025, 21:50
Gestern bin ich von einer Radtour durch Südtirol zurückgekommen: an der Etsch entlang, vom Reschenpass bis Verona. Zu zweit mit meiner lieben Frau unterwegs: ich - wie immer seit nun schon bald 5 Jahren - konsequent und eindeutig als Frau gekleidet, aber mit meiner offen zur Schau getragenen Halbglatze und unverstellter Stimme doch auch eindeutig als geborener Mann erkennbar. Rock bzw. (bei wechselhaftem Wetter, wegen Regenhose) geblümte Damenhose, Hüftpolster, Damenbluse mit gut gefülltem BH drunter, Perlenkette, Perlmutt-Ohrhänger. An den Füßen neutrale, flache Halbschuhe, da meine sonst gewohnten Pumps zum Radfahren unpraktisch sind. Insgesamt also "hybrid" - wie immer in meinem Rentnerinnen-Alltag. Quartiere per AirBNB, Wetter durchwachsen (wir ließen's uns dadurch nicht verdrießen), besondere Vorkommnisse fast keine. In Quartieren und Lokalen immer sehr freundlich und zuvorkommend bedient. War schön 
Drei "besondere Vorkommnisse" gab es, und zwar alle drei an zwei aufeinander folgenden Tagen, bei der Rückreise mit der Bahn in Bozen und Meran. Im Bozener Bahnhof stand so ein älterer, weiblicher Zerberus am Eingang zur Damentoilette - und wollte mich da nicht reinlassen. Zum ersten Mal habe ich sowas erlebt; vorher in 5 Jahren nie auch nur ein schräger Blick, egal wo... Zur Ehrenrettung der Frau muss ich zugeben, dass ich aus praktischen Gründen mit meiner Damenhose nicht ganz so demonstrativ weiblich gekleidet war, wie es sonst meine Gewohnheit ist - aber allemal eindeutig genug, um klar zu erkennen, als was ich gelten möchte. Ich habe dann einen Moment überlegt, empfand es als Zumutung, mich in dieser Aufmachung ins (stark frequentierte) Männerklo zu begeben, fummelte meinen Personalausweis aus der Geldbörse und hielt ihn der Dame unter die Nase, mit dem Finger auf die dort eingetragenen, weiblichen Vornamen weisend. Daraufhin ließ sie mich eintreten und half mir sogar noch bereitwillig, als ich ein Problem mit dem Münzautomaten hatte.
Das zweite war wieder beim Gang zur Damentoilette, in einer Gaststätte. Eine Frau, die zufällig direkt hinter mir hineinging, rief mir hinterher, das sei die Frauentoilette. Ihre Stimme klang aber im Verlauf des kurzen Satzes zunehmend schüchterner; offenbar war sie sich bei meinem Anblick von hinten - mit schütterer, gewellter Damenfrisur und knielangem Rock - doch nicht mehr so sicher. Ich konnte dann unbehelligt mein Geschäft verrichten. War wohl nur durch meine hybride Erscheinung etwas irritiert.
Das dritte Vorkommnis hatte - oberflächlich gesehen - nichts mit meinem Geschlechtsstatus zu tun, explizit kam der gar nicht zur Sprache. Dafür war's anderweitig um so ärgerlicher... Ich stand am Meraner Bahnhof mit meinem schwer bepackten E-Bike inmitten von anderen Fahrgästen (meine Frau besorgte derweil die Fahrkarten) vor dem Lift zu der Unterführung, die zu den Bahnsteigen führt. Plötzlich drängte sich eine ältere Dame in dunkelblauem, irgendwie "offiziell" anmutendem Kostüm von hinten vor, baute sich vor mir auf und blaffte mich an, ich dürfe da mit dem Fahrrad nicht hinein. Auf meine Rückfrage, wie ich denn bitteschön sonst mit dem (samt Gepäck) 30-kg-Trumm (und der extra bezahlten Bahnfahrkarte dafür) zum Bahnsteig kommen solle, erklärte sie rotzfrech, das sei mein Problem; ich sei ja wohl wahnsinnig, mich mit dem schweren Fahrrad in den engen Lift zwängen zu wollen. Auf meine weitere Nachfrage, wer sie denn überhaupt sei und ob sie mit der Bahn etwas zu tun habe, dass sie mir hier so absurde Vorschriften zu machen versuchte, erklärte sie, "sehr wohl mit der Bahn zu tun zu haben", konnte (oder wollte) aber keinen Dienstausweis präsentieren, und wollte stattdessen wissen, wer ich sei. Bekam darauf von mir selbstverständlich keine Antwort, drängte sich mit anderen, schwer bepackten Fahrgästen vor mir in den inzwischen heraufgekommenen Lift, fuhr damit hinunter, anschließend allein wieder herauf, sah mich durch die Glastüren immer noch wartend vor dem Lift stehen, drückte noch vor dem Öffnen der Tür sichtlich nervös und hektisch den Knopf wieder nach unten und ward danach nicht mehr gesehen. Der Lift kam schließlich leer wieder hoch, und ich fuhr mit meinem Fahrrad damit nun endlich hinunter - und fluchte dann auf der anderen Seite, weil dort der Lift kaputt war und ich unsere beiden Fahrräder über die Treppe hochwuchten musste und darüber beinahe noch den Zug versäumt hätte. Aber das steht auf einem anderen Blatt...
Ich habe dann den Schaffner im Zug noch gefragt, ob es in dem Lift womöglich wirklich ein Fahrrad-Verbot gäbe: "Nö, selbstverständlich nicht, gerade für sowas ist er doch da." Und wortreiche Entschuldigung für den kaputten, zweiten Lift.
Aber warum, zum Teufel, veranstaltete diese alte Giftnudel dann so eine hässliche, amtsanmaßende Szene? Sich bloß vordrängen wollte sie offenbar nicht, anscheinend wollte sie ja gar nicht selber nach unten und hat sich nur am Ende so aus der Affäre gezogen, als sie merkte, dass sie damit nicht durchkam. Die hat sichtlich mit mir persönlich Streit gesucht. Über ihre Motive kann ich nur spekulieren: ob sie einen Rochus auf Crossdresser hatte, sich aber nicht getraut hat, das offen zu sagen, und mir dafür hintenrum irgendwas reinzuwürgen versuchte - oder ob sie bloß aus irgendeinem Grund sauer auf Radfahrer war und sich mir gegenüber aufgrund meiner hybriden Erscheinung stark fühlte, da mal so richtig die Sau raus zu lassen... So oder andersrum spielte Trans-Feindlichkeit eben doch wohl eine gewisse Rolle.
Einzeln für sich gesehen, war wohl jedes dieser drei "Vorkommnisse" bedeutungslos. Was mir zu denken gibt, ist die enge, zeitliche und örtliche Häufung: immerhin lebe ich jetzt schon das fünfte Jahr konsequent 24/7 als "hybride" Frau, ohne in dieser Zeit überhaupt jemals solche Widrigkeiten erlebt zu haben - und jetzt aber gleich dreimal innerhalb zwei Tagen, und zwar ausschließlich im deutschsprachigen Südtirol; im italienischsprachigen Teil der Tour war alles paletti, alle waren lieb und freundlich zu mir, genauso wie zuhause in Oberbayern oder sonstwo in europäischen Ländern, in denen ich seitdem Urlaub gemacht habe. Auch in Südtirol war ich ja seitdem einige Male - und habe auch dort bis zur vorigen Woche nie derartiges erlebt.
Trotzdem mag's immer noch einfach ein blöder Zufall gewesen sein. Falls aber auch Andere hier in Südtirol in letzter Zeit derartiges erlebt haben sollten, müssten wir uns schon mal ernsthaft Gedanken machen, ob dort womöglich generell die Stimmung gegenüber unsereins am Umkippen ist. Politische Hinweise auf einen "Backflash" gibt's ja genug... In meinem heimatlichen Umfeld merke ich dagegen Gottseidank noch (??) NICHTS derartiges. Die AfD versucht zwar aktuell, mit inzwischen doch deutlich transfeindlichen Tönen (wenn ich als ehemaliges AfD-Mitglied das schon mal eingestehen muss...
) bei stockkonservativen Holzköpfen zusätzlich Boden gut zu machen; aber das verfängt bei den Leuten nicht mehr, so tümlich ist das Volk nicht. Die politischen Erfolge der AfD haben ganz andere Ursachen, und sie werden sich auch ganz anders auswirken, "trans" ist und bleibt da ein Nebenthema. Relevant für mich ist, was meine unmittelbaren Nachbarn im Dorf über mich denken und wie sie mit mir umgehen - nicht, was irgendwelche Parteibonzen erzählen. Den Backflash - wenn er denn kommt - haben wir uns selber eingebrockt, mit immer maßloseren Forderungen und hemmungslosem Überstrapazieren der Toleranz braver "Normalos", die sich überhaupt nicht vorstellen können, was es mit uns auf sich hat. Die AfD ist da jetzt bloß Trittbrettfahrer.
Aber möglicherweise müssen wir doch auf der Hut sein - und vor allem die uns momentan entgegengebrachte Toleranz auch nutzen, um uns offen zu zeigen und selbstbewusst unseren festen Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Unser Problem ist primär ein gesellschaftliches, kein politisches. Sich zu verstecken und den bösen, politischen Feind zu verfluchen ist da eher kontraproduktiv.
Drei "besondere Vorkommnisse" gab es, und zwar alle drei an zwei aufeinander folgenden Tagen, bei der Rückreise mit der Bahn in Bozen und Meran. Im Bozener Bahnhof stand so ein älterer, weiblicher Zerberus am Eingang zur Damentoilette - und wollte mich da nicht reinlassen. Zum ersten Mal habe ich sowas erlebt; vorher in 5 Jahren nie auch nur ein schräger Blick, egal wo... Zur Ehrenrettung der Frau muss ich zugeben, dass ich aus praktischen Gründen mit meiner Damenhose nicht ganz so demonstrativ weiblich gekleidet war, wie es sonst meine Gewohnheit ist - aber allemal eindeutig genug, um klar zu erkennen, als was ich gelten möchte. Ich habe dann einen Moment überlegt, empfand es als Zumutung, mich in dieser Aufmachung ins (stark frequentierte) Männerklo zu begeben, fummelte meinen Personalausweis aus der Geldbörse und hielt ihn der Dame unter die Nase, mit dem Finger auf die dort eingetragenen, weiblichen Vornamen weisend. Daraufhin ließ sie mich eintreten und half mir sogar noch bereitwillig, als ich ein Problem mit dem Münzautomaten hatte.
Das zweite war wieder beim Gang zur Damentoilette, in einer Gaststätte. Eine Frau, die zufällig direkt hinter mir hineinging, rief mir hinterher, das sei die Frauentoilette. Ihre Stimme klang aber im Verlauf des kurzen Satzes zunehmend schüchterner; offenbar war sie sich bei meinem Anblick von hinten - mit schütterer, gewellter Damenfrisur und knielangem Rock - doch nicht mehr so sicher. Ich konnte dann unbehelligt mein Geschäft verrichten. War wohl nur durch meine hybride Erscheinung etwas irritiert.
Das dritte Vorkommnis hatte - oberflächlich gesehen - nichts mit meinem Geschlechtsstatus zu tun, explizit kam der gar nicht zur Sprache. Dafür war's anderweitig um so ärgerlicher... Ich stand am Meraner Bahnhof mit meinem schwer bepackten E-Bike inmitten von anderen Fahrgästen (meine Frau besorgte derweil die Fahrkarten) vor dem Lift zu der Unterführung, die zu den Bahnsteigen führt. Plötzlich drängte sich eine ältere Dame in dunkelblauem, irgendwie "offiziell" anmutendem Kostüm von hinten vor, baute sich vor mir auf und blaffte mich an, ich dürfe da mit dem Fahrrad nicht hinein. Auf meine Rückfrage, wie ich denn bitteschön sonst mit dem (samt Gepäck) 30-kg-Trumm (und der extra bezahlten Bahnfahrkarte dafür) zum Bahnsteig kommen solle, erklärte sie rotzfrech, das sei mein Problem; ich sei ja wohl wahnsinnig, mich mit dem schweren Fahrrad in den engen Lift zwängen zu wollen. Auf meine weitere Nachfrage, wer sie denn überhaupt sei und ob sie mit der Bahn etwas zu tun habe, dass sie mir hier so absurde Vorschriften zu machen versuchte, erklärte sie, "sehr wohl mit der Bahn zu tun zu haben", konnte (oder wollte) aber keinen Dienstausweis präsentieren, und wollte stattdessen wissen, wer ich sei. Bekam darauf von mir selbstverständlich keine Antwort, drängte sich mit anderen, schwer bepackten Fahrgästen vor mir in den inzwischen heraufgekommenen Lift, fuhr damit hinunter, anschließend allein wieder herauf, sah mich durch die Glastüren immer noch wartend vor dem Lift stehen, drückte noch vor dem Öffnen der Tür sichtlich nervös und hektisch den Knopf wieder nach unten und ward danach nicht mehr gesehen. Der Lift kam schließlich leer wieder hoch, und ich fuhr mit meinem Fahrrad damit nun endlich hinunter - und fluchte dann auf der anderen Seite, weil dort der Lift kaputt war und ich unsere beiden Fahrräder über die Treppe hochwuchten musste und darüber beinahe noch den Zug versäumt hätte. Aber das steht auf einem anderen Blatt...
Ich habe dann den Schaffner im Zug noch gefragt, ob es in dem Lift womöglich wirklich ein Fahrrad-Verbot gäbe: "Nö, selbstverständlich nicht, gerade für sowas ist er doch da." Und wortreiche Entschuldigung für den kaputten, zweiten Lift.
Aber warum, zum Teufel, veranstaltete diese alte Giftnudel dann so eine hässliche, amtsanmaßende Szene? Sich bloß vordrängen wollte sie offenbar nicht, anscheinend wollte sie ja gar nicht selber nach unten und hat sich nur am Ende so aus der Affäre gezogen, als sie merkte, dass sie damit nicht durchkam. Die hat sichtlich mit mir persönlich Streit gesucht. Über ihre Motive kann ich nur spekulieren: ob sie einen Rochus auf Crossdresser hatte, sich aber nicht getraut hat, das offen zu sagen, und mir dafür hintenrum irgendwas reinzuwürgen versuchte - oder ob sie bloß aus irgendeinem Grund sauer auf Radfahrer war und sich mir gegenüber aufgrund meiner hybriden Erscheinung stark fühlte, da mal so richtig die Sau raus zu lassen... So oder andersrum spielte Trans-Feindlichkeit eben doch wohl eine gewisse Rolle.
Einzeln für sich gesehen, war wohl jedes dieser drei "Vorkommnisse" bedeutungslos. Was mir zu denken gibt, ist die enge, zeitliche und örtliche Häufung: immerhin lebe ich jetzt schon das fünfte Jahr konsequent 24/7 als "hybride" Frau, ohne in dieser Zeit überhaupt jemals solche Widrigkeiten erlebt zu haben - und jetzt aber gleich dreimal innerhalb zwei Tagen, und zwar ausschließlich im deutschsprachigen Südtirol; im italienischsprachigen Teil der Tour war alles paletti, alle waren lieb und freundlich zu mir, genauso wie zuhause in Oberbayern oder sonstwo in europäischen Ländern, in denen ich seitdem Urlaub gemacht habe. Auch in Südtirol war ich ja seitdem einige Male - und habe auch dort bis zur vorigen Woche nie derartiges erlebt.
Trotzdem mag's immer noch einfach ein blöder Zufall gewesen sein. Falls aber auch Andere hier in Südtirol in letzter Zeit derartiges erlebt haben sollten, müssten wir uns schon mal ernsthaft Gedanken machen, ob dort womöglich generell die Stimmung gegenüber unsereins am Umkippen ist. Politische Hinweise auf einen "Backflash" gibt's ja genug... In meinem heimatlichen Umfeld merke ich dagegen Gottseidank noch (??) NICHTS derartiges. Die AfD versucht zwar aktuell, mit inzwischen doch deutlich transfeindlichen Tönen (wenn ich als ehemaliges AfD-Mitglied das schon mal eingestehen muss...
Aber möglicherweise müssen wir doch auf der Hut sein - und vor allem die uns momentan entgegengebrachte Toleranz auch nutzen, um uns offen zu zeigen und selbstbewusst unseren festen Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Unser Problem ist primär ein gesellschaftliches, kein politisches. Sich zu verstecken und den bösen, politischen Feind zu verfluchen ist da eher kontraproduktiv.