taz: Rückschritt in Beige
Verfasst: Fr 2. Mai 2025, 12:02
"Tradwives, Clean Girl, Cottage Core - Wer in Fast-Fashion-Fillialen shoppt, findet Klamotten in gedeckten Tönen. Dahinter steckt ein konservativer Modetrend: das sogenannte „Clean Girl“".
https://taz.de/Tradwives-Clean-Girl-Cot ... /!6082359/Die Modejournalistin Antonia Valentina Herbort sagt, wo die meisten Fast-Fashion-Läden früher ganz viele Pailletten, ausgefallene Neonmuster und Riesenketten verkauften, setzen nun H&M und Co auf minimalistischen Luxus, Zeitlosigkeit oder wie in Bershkas Fall auf verspielte Naivität: „Tradwives, Clean Girl Ästhetik und Cottage Core verbindet eine bestimmte Art und Weise von Weiblichkeit. Sie sagen: Wenn man sich so kleidet und so verhält, dann kann man genauso erfolgreich sein, wie es das Image des Clean Girl vorgibt, und genauso gutmütig, friedliebend wie im Cottage Core und so romantisiert wie Tradwives.“
Der Designer und Trendanalyst Carl Tillessen sagt: „Der Clean-Girl-Trend kommt aus der weißen Oberschicht, ist Personifikation des verberbten Reichtums und somit eine elitäre und konservative Gegenreaktion zur Hip-Hop-Attitüde, die insbesondere People of Color in den letzten zehn Jahren prägten und mit ihm mehr Vielfalt, Freiheit und Sichtbarkeit erkämpften.“ Der Clean-Girl-Trend radiere Vielfalt aus, wie man auch in den sozialen Medien sehen könne.
Eine Sprecherin von H&M hält dagegen: „Wir sind uns bewusst, dass Mode ein Ausdruck von Identität und kulturellen Trends ist und somit auch gesellschaftliche Diskurse widerspiegeln kann. Zugleich möchten wir jedoch betonen, dass unsere Kleidungsstücke in erster Linie als modische Ausdrucksform konzipiert sind und nicht dazu dienen, bestimmte Ideale zu unterstützen und zu fördern.“ Er wünscht sich mehr Bewusstsein für Klamotten und deren nonverbale Kommunikation. Gleichzeitig bittet der Experte um mehr Milde: „Wir folgen Trends, weil wir akzeptiert und geliebt werden wollen. Das ist vollkommen natürlich.“