Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir
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Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Claudia
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Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 1 im Thema

Beitrag von Claudia »

Dies ist der Dritte Teil (und wohl auch) letzte Teil meiner bisherigen Erlebnisse im Forum und in der Welt.
Die vorherigen findet ihr hier: viewtopic.php?f=6&t=30805
viewtopic.php?f=6&t=30820

Und in diesem Zusammenhang möchte ich nochmals ganz besonders auf diesen Teil hinweisen, der mir beim Schreiben doch etwas untergegangen ist. Hier ist das alles, weil frischer in der Erinnerung klarer zusammengefasst und auch die Art des Umgangs im Chat etwas nachgebildet.
https://forum.magiccode.de/texte/offene ... nerung.pdf

Und bitte bis zum Ende lesen, auch wenn es viel ist.
Bisher habe ich Euch ja im zweiten Teil viel Phantastisches präsentiert. Wobei es an sich so phantastisch nicht war, die Inhalte der Gepräche schon, aber diese Gespräche und die Accounts gab es wirklich. Es war also insofern keine Märchenstunde die ich hier abgehalten hätte.

Für mich ging natürlich nach dem doch betrüblichen Ende dieser Gespräch das ganz normale Leben weiter. Oder genauer gesagt, das Leben war nicht mehr normal. Diese beiden virtuellen Liebesbeziehungen hatten mich sehr berührt und auch verändert. Im Alltag trat Claudia immer mehr hervor, war in der damals noch männlichen Rolle deutlich spürbar, deutlicher als jemals zuvor. An einem Nachmittag im Januar 2011 hatte ich ein wichtiges Gespräch mit meiner Frau. Ich fragte sie, warum sie ihren Freund, einen schwulen Pastor, und ebenso die in lesbischer Gemeinschaft lebende Pastorin vor allen so intensiv verteitigte, sich aber so massiv dagegen wehre, dass Claudia mal nach draußen geht. Die Antwort war ganz deutlich: "Ich frage mich sowieso, wieso du nicht den ganzen Weg gehst. Du bist doch nur noch Claudia!" Ich hatte ihr geantwortet, dass ich keine Trennung wollte und die befürchtete. Sie sagte mir zu, dass sie mich nicht im Stich lassen würde. Naja, diese Zusage hat sich dann um Laufe der Zeit in Luft aufgelöst.

So begann ich dann, nach Therapiemöglichkeiten zu suchen und fand sie auch nach einigen Umwegen im UKE. Rs dauerte dann noch bis zum Juni bis ich das erste Gespräch hatte. Ich hatte mir vorher lange überlegt, was ich groß erzählen sollte von mir, aber aus dem erwarteten Schweigen wurde nichts. Nach ein paar anfänglichen Fragen sprudelte es nur so aus mir heraus. Und diese erste Sitzung war für mich so intensiv, so beeindruckend, dass für mich eins sicher war: Ich kann nicht wieder im M-Modus dorthin. Und das gab es auch nie wieder. Der nächste Termin war schon der folgende Dienstag, also der turbo-Modus.
Eintrag in meinem Tagebuch:
"Die ersten Schritte in Rock und Top aus der Wohnung etwas unruhig, aber auch nur etwas. Gleich Nachbarn beim Fahrstuhl getroffen, keine Reaktion von der Frau, kein besonderer Blick, kein Kommentar. Als wäre es so selbstverständlich wie ich hier herumlaufe. Vielleicht wird es das einmal für mich, ich hoffe es."

In meiner Firma, zumindest in meiner Abteilung, gab es natürlich auch ein wenig Überraschung, aber ich hatte die Kolleg*innen schon darauf vorbereitet, dass das kommen wird, nur der Zeitpunkt war offen. Die Reaktionen waren für mich überraschend und höchst erfreulich. Sie machten sich daran, in allen aktuellen Dokumenten meinen Namen zu ändern, damit es auch für die Kunden in Gesprächen nachvollziehbar wäre. Dazu hatte ich nicht aufgefordert, das machten sie von sich aus.

Natürlich gab es im Treppenhaus, im Fahrstuhl und auf Sitzungen irritierte Blicke, Fragen allerdings nicht. Mit einer kleinen Erklärung war das aber schnell erledigt. Es gab keinerlei Ablehnung. Und dann gab es in Anregung meiner Cheffin ein kleines Interview mit Personalverwaltung, das dann mit Bild in der Firmenzeitung veröffentlicht wurde. Kleiner Funfact am Rande: Meine Cheffin hatte beim Vorstand angefragt, wie das denn mit den Toilettenregeln sei, es könnten sich vielleicht doch manche gestört fühlen. Die Antwort: Alle gehen dorthin, wo sie sich zugehörig fühlen. Beschwerden sind nicht zulässig. Kann man sich einen besseren Arbeitgeber wünschen?

Das war das positive Erleben meiner Transition. Es gab allerdings auch so einige Krisen, in der Beziehung und auch in mir selbst. Nach einigen Wochen erklärte mir meine Frau, dass dieses so intensive Zusammenleben mit Claudia sie doch zu sehr belasten würde, sie wollte die Scheidung und würde sich bald eine eigene Wohnung suchen. Diese Trennung wurde zunächst in der eigenen Wohnung vollzogen, wir hatten mehr Platz, weil die Kinder inzwischen ausgezogen waren. Also getrennte Zimmer, getrennter Einkauf, der Kühlschrank wurde geteilt. Und nach einem halben Jahr hatte sie eine Wohnung gefunden und zog aus. Nun war ich nach 33 Jahren Ehe allein. Das fühlte sich schon sehr merkwürdig an.

Aber das war nicht die einzige Krise für mich. Ich stand immer mal wieder vor der Frage, ob ich diese Transition durchhalten kann aus ganz banalen Gründen. Nicht lachen, ein großes Problem für mich waren Schuhe. Wegen meiner schon damals sehr ausgeprägten Gehbehinderung brauchte ich auf jeden Fall flache Schuhe. Diese hier häufiger - witzig oder ernsthaft - geführten Kommentare zu Schuhen mit hohen Absätzen waren für mich nie ein Thema, ging einfach nicht. Aber winterfeste Damenschuhe in meiner Größe (45) zu finden, war dann schon eine Herausforderung. Ich hatte mehrfach überlegt, das alles abzubrechen und in die alte Rolle zurückzukehren. Noch hatte ich ja keine unumkehrbaren Schritte unternommen. Aber letztlich hat sich die Frau in mir durchgesetzt. So habe ich dann im Dezember 2012 den Antrag auf Namensänderung geschrieben. Nach einem Vierteljahr hatte ich dann die beiden damals noch nötigen Gutachtergespräche und kurze Zeit später meinen Gerichtstermin. Das ging alles ganz locker bis belustigt.
Die Richterin fragte mich wie es mir ginge und auf meine Antwort, dass es mir gut ginge, sagte sie nur: "Das sieht man." ))):s
So hatte ich nun ganz offiziell meine(n) so geliebten Namen. Wie schon in der phantasievollen Vorgeschichte angekündigt, habe ich einen Namen übernommen und heiße jetzt Claudia Alina.

Die nächste Krise kam dann aber schnell hinterher, es drohte der Verlust meiner Therapie oder genauer der meiner Therapeutin. Sie hatte inzwischen ihre Fortbildung zur psychologischen Psychotherapeutin abgeschlossen und daraufhin eine eigene Praxis aufgemacht. Das Problem war dann nicht die Krankenkasse, da hatten wir einen Weg gefunden. Das Problem war die Praxis, die hatte Treppen und war damit für mich wegen meiner Behinderung nicht mehr zugänglich. So gab es erstmal eine längere Pause. Was sollte, was konnte ich tun? Das führte dann sogar zu Streitereien hier im Forum. Ich hatte das vereinzelt im Chat und in Beiträgen angesprochen, ob es da Ideen zu einer Lösung gäbe. Aber das wurde sehr schnell abgetan, es wäre Jammern auf hohem Niveau und ich könnte mir ja jemand anderes suchen. Als wenn es so leicht wäre, so schnell einen anderen Platz zu finden und sich nach eineinhalbjahren schnell auf jemand anderen einzulassen, der mich und meine Vorgeschichte nicht kennt. Nach viel üben im Treppenhaus bei mir zu Hause und einer Absprache mit meiner Therapeutin sind wir dann zu einer Lösung gekommen. Sie trägt mir meinen Rollator die Treppe rauf und wieder runter und ich kämpfe mit Gehstöcken auf dem Weg. Sehr mühsam, aber hat funktioniert.

Der nächste Schritt war dann die Wahl eines Arztes für die große OP, die ich dann schon möglichst bald haben wollte. Es gab hier im Forum ja viele Gespräche, welcher denn nun der Beste wäre. Aber die haben mich ehrlich gesagt nicht sonderlich interessiert, nach eigener Informationssuche im Netz und einigen Telefongesprächen hatte ich mich entschieden, es sollte ein Arzt für mich praktisch um die Ecke sein. Auch auf den Termin musste ich nicht so lange warten, nur ein halbes Jahr. Operiert wurde ich dann am 25.11.2014 in Hamburg Rissen von Dr. Pottek, der dort inzwischen nicht mehr arbeitet. Ein wenig stand diese OP dann doch auf der Kippe, es war nicht ganz sicher, ob er sie wegen meiner Behinderung durchführen konnte. Aber er konnte und ich bin mit dem Ergebnis mehr als nur zufrieden. Es gab keinerlei Probleme, es waren keine Korrekturen nötig, endlich mal etwas ohne Krise.

Ich weiß, ich schreibe viel, aber ihr müsst auch nicht mehr lange durchhalten. Jetzt kommt der letzte, anfangs schöne, dann aber traurige Teil meiner Erlebnisse. Noch am OP-Tag, nach dem Auswachen und dem für mich so wichtigen Kaffee habe ich mich ja schnell hier im Forum gemeldet und von mir erzählt. Es ist alles gut und ich habe keine Schmerzen. So ging es die nächsten Tage weiter, es gab immer nette Gespräche. Überrascht war ich dann, als ich im Chat abgeflüster wurde, so ganz vorsichtig. "Darf ich dich etwas zu deiner OP befragen?" Diese vorsichtige Anfrage, ob überhaupt eine Frage zulässig ist fand ich schon beeindruckend. Und noch viel mehr, weil sie von einem der hier so seltenen Transmänner kam. Wir hatten uns dann eine Weile unterhalten, es war ein sehr angenehmes Gespräch. Ja, wie das Leben so spielt, aus diesem einen Gespräch wurde mehrere, nein viele. Und aus den anfänglichen belanglosen Plaudereien wurden dann sehr persönliche Gespräche. Das hieß im Chat anfangs viel Geflüster und später dann der Rückzug in einen virtuellen Raum. Bis dann mal die Idee aufkam, er könnte mich ja mal besuchen. Das war dann schon mit etwas Aufwand verbunden, er kam aus BaWü und hier nach Schleswig-Holstein ist es denn schon ein bisschen weit.

So haben wir uns darauf geeinigt, dass er so eine Woche bei mir bleibt, da könnten wir uns besser kennenlernen. An dem Tag, an dem ich ihn am Flughafen abholen sollte, war ich schon ganz aufgeregt, bin auch viel zu früh losgefahren. Und dann hatte dieser Flieger auch noch eine Stunde Verspätung. Aber dann kam er doch an, ich habe ihn auch schnell erkannt, hatte ja ein Bild bekommen. Und so blieb er die geplante Woche bei mir, nein, wir verlängerten das schnell auf zwei Wochen, weil uns diese eine Woche zu wenig war. Der Abschied nach diesen zwei Wochen fiel schon schwer, aber auch mit Erwartungen verknüpft. Er flog nur zurück, weil er etwas erledigen musste. Und wir hatten dann vereinbart, dass ich ihn in zwei Wochen mit dem Auto abhole und wir viele seiner Sachen mitnehmen. Wir wollten zusammen bleiben. So schnell kann das gehen.

Es war schon aufregend, ihn nach diesen zwei Wochen abzuholen, aber so frisch verliebt fiel der Aufwand nicht schwer. Dabei war es schon eine abenteuerliche Tour. Von Elmshorn mal eben so bummelig 750km runter nach Tübingen, einladen, wieder 750km zurück nach Elmshorn. Das waren dann 28 Stunden action, hinterher waren wir beide erstmal platt. So ist er bei mir eingezogen, es war ein sehr schönes gemeinsames Leben. Ich konnte ihm ein wenig helfen, hier einen Therapieplatz zu finden, ebenso bei der Namensänderung. Denn von der Prozeßkostenhilfe für die Gutachtergebühren wusste nichts. Er fing dann auch an in Hamburg zu studieren, es war für uns ein schönes Leben, auch wenn es ab und zu mal Probleme gab. Aber die konnten wir lösen.

Nun habe ich euch noch garnicht gesagt, um wen es eigentlich geht. Es gab ja doch häufig Bedenken hier, dass das bei unserem Altersunterschied nicht klappen kann, 35 Jahre sind natürlich heftig, aber die störten uns beide nicht. Ach ja, es geht um Seth, manche werden sich vielleicht noch an den Namen erinnern. Diese Zeit war wirklich sehr schön, wir wollten in diesem Jahr heiraten. Nur eine Krise konnten wir, konnte er nicht überwinden. Das ist das traurige Ende meiner Erzählung, er ist am 27.12.2024 gestorben. Er fehlt mir sehr. (cry)
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 2 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Claudia hat geschrieben: Do 27. Mär 2025, 16:02 Nur eine Krise konnten wir, konnte er nicht überwinden. Das ist das traurige Ende meiner Erzählung, er ist am 27.12.2024 gestorben. Er fehlt mir sehr. (cry)
Liebe Claudia,

Deine Erzählung geht sehr an mein Herz. 💜
Danke für Deine offenen Worte.

🤗Und Herzlich Willkommen zurück im schönsten Forum. (has-o)

Als Du Dich im Forum vor ein paar Tagen wieder vorgestellt hast, hätte ich nicht erwartet, daß Du so eine dramatische Geschichte hinter Dir hast. Ich habe alle Beiträge gelesen und bin tief beeindruckt.
Das schreckliche Ende Deiner Erzählung, vor kurzem erst passiert, lässt mich sprach- und fassungslos zurück.
Es ist schlimm, ganz schlimm.
Wie mußt Du Dich nur fühlen.
Du hast mein aufrichtiges Beileid, auch wenn es schon etwas länger her ist.

Ich hoffe in diesem Zusammenhang für Dich, daß das Forum einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, Dich wieder etwas aufzurichten.
Für Deine Zukunft wünsche ich Dir ALLES GUTE.

Schockiert und traurig 😢
Deine Violetta 💜
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
Claudia
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 3 im Thema

Beitrag von Claudia »

Liebe Violetta,

ganz lieben Dank für Deine aufrichtenden Worte.
Violetta CD hat geschrieben: Sa 29. Mär 2025, 23:32
Claudia hat geschrieben: Do 27. Mär 2025, 16:02 Nur eine Krise konnten wir, konnte er nicht überwinden. Das ist das traurige Ende meiner Erzählung, er ist am 27.12.2024 gestorben. Er fehlt mir sehr. (cry)
Ich hoffe in diesem Zusammenhang für Dich, daß das Forum einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, Dich wieder etwas aufzurichten.
Die letzten Jahre waren schon eine sehr bewegte Zeit für mich mit vielen Höhen und ein paar Tiefen. Da war gerade jetzt in einem deutlich hören Alter die Hoffnung auf ein paar Jahre mit einem so lieben Mann. Er hat mein Leben unglaublich bereichert und musste dann so unerwartet gehen. Die Situation am letzten Tag wirkte noch so hoffnungsvoll, alles schien eine gute Entwicklung zu nehmen. Darum stelle ich auch ein Bild von unserem letzten gemeinsamen Tag hier rein, unser Abschied am Heiligabend, nicht ahnend, dass es unser Abschied ist. Am nächsten Tag kam die böse Meldung von der Intensivstation und hat alle Hoffnung zerstört.
Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://forum.magiccode.de/bilder/Absch ... 41224m.jpg


Ich hatte Seth hier kennengelernt und deshalb wollte ich auch hier von ihm erzählen. Und das Forum hilft mir auch, mich mental wieder zu stabilisieren. Ich konnte einige schöne und stärkende Gespräche führen, habe neue Menschen kennengelernt und Bekannte wiedergetroffen. Und der Austausch hier tut mir gut, so kommt auch etwas Bewegung und Abwechselung in mein Leben zurück, denn die leere Wohnung und die Stille tun schon weh. So ganz glauben kann ich es immer noch nicht und manchmal kommt so die Erwartung hoch, dass er hier gleich um die Ecke ins Zimmer kommt. Aber das geht wohl vielen Menschen so, die eine vertraute Person verloren haben.

Zu Beginn meines Beitrag hatte ich geschrieben, das wäre der letzte Teil meiner Erzählung, aber das wird er doch nicht sein. Es gibt noch eine Fortsetzung, die ebenso traurig ist wie dieser Beitrag.

Ganz liebe Grüße an alle hier, Ihr helft mir schon sehr.
Claudia
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Magdalena
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 4 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Liebe Claudia,

Deine Geschichte geht mir unter die Haut. So ist das Leben könnte man sagen. Trennung und neue Liebe, welche ein tragisches Ende nimmt. Danke dass Du sie uns erzählt hast. An die Beiträge von Seth erinnere ich mich noch.

Viele liebe Grüße von Magdalena
Lebe jeden Tag.
Violetta-TransFlower
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 5 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Liebe Claudia,
Claudia hat geschrieben: So 30. Mär 2025, 14:33 Die Situation am letzten Tag wirkte noch so hoffnungsvoll, alles schien eine gute Entwicklung zu nehmen. Darum stelle ich auch ein Bild von unserem letzten gemeinsamen Tag hier rein, unser Abschied am Heiligabend, nicht ahnend, dass es unser Abschied ist. Am nächsten Tag kam die böse Meldung von der Intensivstation und hat alle Hoffnung zerstört.
Danke für den intensiven Bericht von Dir und auch für das Bild, auf dem ich noch das Glück von Euch Beiden erkenne.
Danach das Unglück. (cry)
Wahrscheinlich unvorstellbar für Dich in der Zeit die danach kam und bestimmt auch heute noch.
Mit der widerlichen Erbgeschichte und dem ganzen Drumherum wirst Du ja auch sehr oft daran erinnert, das macht es wohl noch schwieriger für Dich.
Claudia hat geschrieben: So 30. Mär 2025, 14:33 Und das Forum hilft mir auch, mich mental wieder zu stabilisieren. Ich konnte einige schöne und stärkende Gespräche führen, habe neue Menschen kennengelernt und Bekannte wiedergetroffen. Und der Austausch hier tut mir gut, so kommt auch etwas Bewegung und Abwechselung in mein Leben zurück, denn die leere Wohnung und die Stille tun schon weh.
Das ist schön, genauso soll es sein. (ap)
Hoffentlich bleibt es auch so.
Da freue ich mich ein wenig für Dich.

Claudia hat geschrieben: Mo 31. Mär 2025, 14:35 Ich hatte schon beim Standesamt den Trauungstermin gebucht. (he)
Mit dem, was jetzt passiert ist, konnte ja niemand rechnen, nicht in so jungen Jahren. Seth war gerade mal 35 Jahre alt, ein Frischling sozusagen.
Das macht Alles noch trauriger.
Ich wünsche Dir: SEI STARK, CLAUDIA !

Fühl Dich in dem Arm genommen von (dr)
Deiner Violetta💜
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
Claudia
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 6 im Thema

Beitrag von Claudia »

Liebe Violetta,

vielen Dank für Deine einfühlsamen Worte.
Violetta CD hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 13:29
Claudia hat geschrieben: So 30. Mär 2025, 14:33 Die Situation am letzten Tag wirkte noch so hoffnungsvoll, alles schien eine gute Entwicklung zu nehmen. Darum stelle ich auch ein Bild von unserem letzten gemeinsamen Tag hier rein, unser Abschied am Heiligabend, nicht ahnend, dass es unser Abschied ist. Am nächsten Tag kam die böse Meldung von der Intensivstation und hat alle Hoffnung zerstört.
Danke für den intensiven Bericht von Dir und auch für das Bild, auf dem ich noch das Glück von Euch Beiden erkenne.
Danach das Unglück. (cry)
Wahrscheinlich unvorstellbar für Dich in der Zeit die danach kam und bestimmt auch heute noch.
Das Bild habe ich jetzt herausgenommen, weil es ja alle sehen können, nicht nur Ihr hier im Forum.

Es waren harte Tage und die sind es immer noch. Zu dem Zeitpunkt war ich zufällig auch in demselben Krankenhaus, dadurch konnte ich ihn immer wieder besuchen nach dem Absturz. Es war schon schwer ihn zu sehen mit der ganzen Technik drumrum, den Beatmungsschläuchen, den Meßgeräten. Und hart waren die fachlichen Aussagen der Betreuer*innen, auch wenn sie das mit leisen Stimmen sagten:
  • Wir mussten ihn mehrfach reaninmieren.
  • Er ist jetzt im Koma
  • Wenn er wieder aufwacht wird er nicht mehr derselbe Mensch sein
So habe ich ihn über zwei Tage erlebt, ihn immer wieder besucht. Ob er meine Besuche, meine Worte, mein Streicheln mitbekommen hat, weiß ich nicht. Er sollte sich nicht so allein fühlen. Und am dritten Tag wurde ich nachts um zwei auf der Station geweckt, ich sollte auf Intensiv kommen, es wäre vorbei.
Dann habe ich ihn zum letzten Mal gesehen, ohne die Schläuche und Verkabelung, so wie ich ihn kannte, wenn er zu Hause im Bett lag. Nach langem Ansehen noch einmal in den Arm nehmen und dann musste ich auch gehen. Nicht weil die gedrängt hätten, ich konnte den Anblick nicht weiter aushalten. Und jetzt beim Schreiben muss ich wieder Weinen, hab das Bild wieder vor Augen.

Danach musste ich erstmal runter nach draußen, kalte Luft, mehrere Zigaretten (soll man nicht, ich weiß) und dann die Mutter angerufen. Und was sagt mir diese (Beleidigungen gestrichen): "Da müssen wir einen Bestatter beauftragen." Grrrrrrr. Das waren ihre ersten Worte, keine Traurigkeit, kein Ausdruck der Trauer, nichts. Ich hab das Gespräch dann sehr schnell beendet und meine Kinder informiert. Sie waren ja eng befreundet mit ihm, hatten ihn zwischendurch auch besucht.
An diesem Tag bin ich auch entlassen worden. Gut, um nicht mehr in dieser Umgebung zu sein, aber schwer in die jetzt leere, schweigende Wohnung zurückzukommen.
Violetta CD hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 13:29 Mit der widerlichen Erbgeschichte und dem ganzen Drumherum wirst Du ja auch sehr oft daran erinnert, das macht es wohl noch schwieriger für Dich.
Erst kam ja der Streit um die Bestattung und dann ging das mit dem Problem um das Erbe los. Die können ja haben was sie wollen bis auf seine selbstgemalten Bilder, die hat er mir geschenkt. Solange die sich nicht einigen, komme ich nicht zur Ruhe. Ich kann mich nicht richtig verabschieden und loslassen.
Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://forum.magiccode.de/bilder/drache_bunt%20_s.jpg

Er liebte Drachen und Mangas zu zeichnen. Hier ist beides vereint, alles mit der Hand gezeichnet ohne Rechner.
Violetta CD hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 13:29
Claudia hat geschrieben: So 30. Mär 2025, 14:33 Ich hatte schon beim Standesamt den Trauungstermin gebucht. (he)
Wir hatten uns einen für uns besonderen Tag ausgesucht, Freitag der 13., für uns ein positiver Tag. Und es wäre genau 10 Jahre und 1 Tag nach unserem realen Kennenlernen gewesen. Nun werde ich gerade an diesem Tag zu seinem Grabstein gehen. (cry)
Violetta CD hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 13:29 Fühl Dich in dem Arm genommen von (dr)
Deiner Violetta💜
Es fühlt sich gut an, mit dieser Traurigkeit nicht ganz allein zu sein.

Vielen Dank für die Stärkung und ganz liebe Grüße
Deine Claudia
Zuletzt geändert von Anonymous am Mi 2. Apr 2025, 20:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 7 im Thema

Beitrag von Anja61 »

Liebe Claudia,

es ist erschütternd, was Du erleben musstest und auch heute noch durchmachen musst!

Ich wünsche Dir so sehr, dass die Trauer an einem bestimmten Tag und auch in Deinem Alltag nicht die Oberhand gewinnt, sondern von einer Welle schöner Erinnerungen gestoppt wird.

Lass' Dich nicht hängen! Du bist nicht allein. (sym)


Alles Liebe
Anja
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 8 im Thema

Beitrag von Manuelaw »

Hallo Claudia,

das ist eine berührende Geschichte. Nur das Ende hätte nicht sein müssen. Es tut mich für dich Leid.

Liebe Grüße Manuela
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 9 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Claudia

Ich bin von Deinem erschütternder Bericht sprachlos! Lass Dich einfach umarmen, da gibt es keine Worte, die dafür stark genug sind (dr)

Herzlicher Gruss
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 10 im Thema

Beitrag von Desiree Maxima »

Liebe Claudia,

im Moment fehlen mir einfach die Worte. Vielen Dank für Deine so offenen Beiträge. Ich fühle mit Dir und nehm Dich tröstend in den Arm (dr)

Alles Liebe
Desiree
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 11 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Liebe Claudia,

Auch dieser Bericht von Dir lässt mich wieder fassungslos zurück. Was Du erleben musstest und immer noch erlebst ist so Viel, zu Viel.
Ich weiß nicht, ob ich das aushalten würde.
Claudia hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 16:58 Wenn er wieder aufwacht wird er nicht mehr derselbe Mensch sein
Allein schon diese Nachricht wirft Dich als Partner komplett aus der Bahn.
Dadurch verändert sich Dein Leben von einem Moment auf den Anderen.
Claudia hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 16:58 So habe ich ihn über zwei Tage erlebt, ihn immer wieder besucht. Ob er meine Besuche, meine Worte, mein Streicheln mitbekommen hat, weiß ich nicht. Er sollte sich nicht so allein fühlen. Und am dritten Tag wurde ich nachts um zwei auf der Station geweckt, ich sollte auf Intensiv kommen, es wäre vorbei.
Dann habe ich ihn zum letzten Mal gesehen, ohne die Schläuche und Verkabelung, so wie ich ihn kannte, wenn er zu Hause im Bett lag. Nach langem Ansehen noch einmal in den Arm nehmen und dann musste ich auch gehen. Nicht weil die gedrängt hätten, ich konnte den Anblick nicht weiter aushalten. Und jetzt beim Schreiben muss ich wieder Weinen, hab das Bild wieder vor Augen.
Er hat es mitbekommen, da bin ich ganz sicher !

Ich stelle mir das unglaublich schwer vor.
Wie geht es einem in solchen Augenblicken?
Was fühlst Du ?
Was würde ich fühlen ?
Claudia hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 16:58 und dann die Mutter angerufen. Und was sagt mir diese (Beleidigungen gestrichen): "Da müssen wir einen Bestatter beauftragen." Grrrrrrr. Das waren ihre ersten Worte, keine Traurigkeit, kein Ausdruck der Trauer, nichts.
Gefühlskalte Menschen gibt es immer wieder, auch in meinem Leben.
Aber diese Reaktion ist in dieser Situation absolut unangebracht und unverschämt.
Und das als Mutter!!
Ich glaube, das ging wohl eher gegen Dich.
Claudia hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 16:58 Wir hatten uns einen für uns besonderen Tag ausgesucht, Freitag der 13., für uns ein positiver Tag. Und es wäre genau 10 Jahre und 1 Tag nach unserem realen Kennenlernen gewesen. Nun werde ich gerade an diesem Tag zu seinem Grabstein gehen. (cry)
...
Es fühlt sich gut an, mit dieser Traurigkeit nicht ganz allein zu sein.
Für diesen Tag und alle Zeit wünsche ich Dir wieder ganz viel Kraft, Energie und Zuversicht.
Sei stark, auch in Momenten der Trauer.
Aber Weine (cry) auch, das hilft oft viel.

Ich sag es immer wieder, Wir sind hier auch dazu da, Anderen Menschen Unterstützung und Beistand zu leisten.
Ich fühle mich dazu verpflichtet, nach der Hilfe, die ich auch von vielen Anderen hier bekommen habe.
Da mich die Welle des Glücks derzeit stark trägt und umschmeichelt, will ich wenigstens ein bisschen davon Anderen zukommen zu lassen.

In diesem Falle DIR, liebe Claudia.
Es ist mir ein Bedürfnis !

Wenn es mir irgendwann einmal, aus irgendeinem Grund schlecht geht, freue ich mich mit Sicherheit auch über diesen Beistand.
________________________________________________________________________________________________________________________________

Liebe Claudia, FÜR DICH

vielleicht gefällt Dir ja dieses Lied ja auch ein wenig und berührt Dich so wie mich.
Ich wollte es zuerst im Thema "Songs of our Lives" posten, finde aber, hier passt es besser her.

Meine Gedanken zu dem Lied:

Ich kann gar nicht richtig in Worte fassen, was ich bei diesem Lied empfinde, es ist zauberhaft schön, aber vor Allem sehr traurig.
Wenn ich es höre, fange ich sofort zu Weinen an.

Ein Lied über Verlust und der erhofften Wiederbegegnung...woanders... vielleicht...
Die Melodie, der Gesang, die Gitarre, der Text, das Video... unglaublich traurig

SANGREAL - Arise Today

Möge der Weg dir entgegenkommen.
Möge der Wind immer in deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf dein Gesicht scheinen.
Möge der Regen sanft auf deine Felder fallen.

Und bis wir uns wiedersehen.
Möge Gott dich halten.
In seiner Hand.
Du stehst heute auf.
Mit meinem Segen und dem deines Gottes.

Möge der Wind immer in deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf dein Gesicht scheinen.

Und bis wir uns wiedersehen.
Möge Gott dich halten.
In seiner Hand.
Du stehst heute auf.
Mit meinem Segen und dem deines Gottes.


Fühlt Mit DIR,
gefühlszerissen, schluchzend, wieder mit Tränen in den Augen (cry) (cry)
Deine Violetta💜


🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
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Hat sich bedankt: 213 Mal
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 12 im Thema

Beitrag von Claudia »

Liebe Violetta,

vielen Dank für Deine, nein, für alle tröstenden Worte, ich ich hier erhalten habe. Es tut mir gut, sie zu lesen, auch wenn dadurch die ganze Traurigkeit wieder intensiv hervorgeholt wird. Aber vielleicht muss das auch sein, um die ganzen Emotionen, die ganze Verzweiflung bearbeiten zu können. Diese Lücke, die er hinterlassen hat, ist keine Lücke, es ist ein riesengroßes Loch in das ich gefallen bin.

Das wird vielleicht noch deutlicher, wenn ich unser gemeinsames Leben gerade des letzten gemeinsamen Jahres beschreibe. Er hatte sein Studium (Lehramt) beendet, weil er gemerkt hat, dass es nicht das richtige für ihn war. Er hatte sich von seiner Familie da hineinquatschen lassen, obwohl er lieber Sinologie und Japanisch studiert hätte. So auf der Suche nach dem, was er nun tun könnte ("ich will nicht mehr studieren") war er ja sehr viel zu Hause und ich in Rente ja auch. Wir hatten ein intensives gemeinsames Leben, viel Zeit füreinander und miteinander gefüllt von vielen Gesprächen, teilweise albern, häufig sehr tiefgründig. In diesen Gesprächen hat er mich ja ohne das zu beabsichtigen wieder zu meinem Glauben zurückgeführt. Dazu hatte ich ja auch etwas geschrieben viewtopic.php?t=30845.

Und jetzt sitze ich hier in dieser so leeren und stillen Wohnung und vermisse die Gemeinsamkeiten, vermisse diese Gespräche. Selbst wenn jeder etwas für sich gemacht hat, war da auch wieder Gemeinsamkeit. Gilbert - so hieß er wirklich oder genauer Gilbert Seth, ich will nicht mehr beim Namen umschalten müssen - hat so gern mit Bunt- und Bleistiften gezeichnet und ich parallel dazu mit airbrush gemalt, es war auch diese Kreativität, die uns so verbunden hat. Und diese Gemeinsamkeit gibt es jetzt nicht mehr. Es gab da soviel Neues, das ich durch ihn kennengelernt hatte und das ist für mich im Moment tabu, weil es die Erinnerung an das gemeinsame Erleben zu intensiv hervorholt.
Violetta CD hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 08:08
Claudia hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 16:58 Wenn er wieder aufwacht wird er nicht mehr derselbe Mensch sein
Allein schon diese Nachricht wirft Dich als Partner komplett aus der Bahn.
Dadurch verändert sich Dein Leben von einem Moment auf den Anderen.
Es war im ersten Moment schon ein Schock, aber da war auch die Gewissheit, dass ich diesen anderen Menschen genauso lieben werde und mich um ihn kümmern werde. Selbst dann, wenn seine Persönlichkeit kaum noch spürbar wäre, so wäre er für mich immer noch derselbe Mensch gewesen. Der Mensch, mit dem ich den Rest meines Lebens teilen wollte.

Dieses "teilen" ist mit ein Grund, warum ich wiedergekommen bin. Als unsere Liebe hier im Forum langsam anfing, haben sich viele lustig gemacht und auch bezweifelt, dass es bei dem Altersunterschied (35 Jahre) lange halten würde. Wir waren uns sicher, dass es lange halten würde. Und es hat gehalten und hätte noch viel länger gehalten. Das wollte ich denen, die aus der Zeit vor 2015 noch hier sind und zweifelten, einfach so weitergeben.
Violetta CD hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 08:08
Claudia hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 16:58 So habe ich ihn über zwei Tage erlebt, ihn immer wieder besucht. Ob er meine Besuche, meine Worte, mein Streicheln mitbekommen hat, weiß ich nicht. Er sollte sich nicht so allein fühlen.
Er hat es mitbekommen, da bin ich ganz sicher !
Das hoffe ich sehr. Er sollte sich nicht allein fühlen. Er sollte nicht das Gefühl haben, ich würde ihn im Stich lassen. In den Momenten hatte ich mir gewünscht, wir könnten die Positionen wechseln. Er hatte noch soviel von seinem Leben vor sich und ich schon soviel gelebt und erlebt. Denn in diesen fast 10 Jahren hatte er mir unglaublich viel neues Leben geschenkt, 10 Jahre des Glücks.
Violetta CD hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 08:08
Claudia hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 16:58 und dann die Mutter angerufen. Und was sagt mir diese (Beleidigungen gestrichen): "Da müssen wir einen Bestatter beauftragen." Grrrrrrr. Das waren ihre ersten Worte, keine Traurigkeit, kein Ausdruck der Trauer, nichts.
Gefühlskalte Menschen gibt es immer wieder, auch in meinem Leben.
Aber diese Reaktion ist in dieser Situation absolut unangebracht und unverschämt.
Und das als Mutter!!
Ich glaube, das ging wohl eher gegen Dich.
Wie meinst Du das? Was für einen Grund sollte es dafür geben? Was sollte die Mutter - mal rational betrachtet - gegen mich haben? Das mag jetzt komisch klingen, aber ich hatte mich in diesen 10 Jahren um ihren Sohn gekümmert, ihn versorgt, mehr als es die Familie vorher während des Studiums getan hat. Gilbert hatte es mal so formuliert: "In dieser Familie stehe ich ganz am Ende der Nahrungskette."
Violetta CD hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 08:08
Claudia hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 16:58 Wir hatten uns einen für uns besonderen Tag ausgesucht, Freitag der 13., für uns ein positiver Tag. Und es wäre genau 10 Jahre und 1 Tag nach unserem realen Kennenlernen gewesen. Nun werde ich gerade an diesem Tag zu seinem Grabstein gehen. (cry)
...
Es fühlt sich gut an, mit dieser Traurigkeit nicht ganz allein zu sein.
Für diesen Tag und alle Zeit wünsche ich Dir wieder ganz viel Kraft, Energie und Zuversicht.
Sei stark, auch in Momenten der Trauer.
Aber Weine (cry) auch, das hilft oft viel.
Ich weine sehr viel so wie auch jetzt beim schreiben und wundere mich immer wieder, dass da noch Tränen sind. Häufig ist in meinem Kopf nur noch Leere. Dann wende ich den Kopf zu Gilberts Bild und alle Erinnerungen sind wieder da, die Erinnerungen an all das Schöne und Gute, das wir gemeinsam erlebt haben. Und gleichzeitig ist da wieder diese unendliche Traurigkeit verbunden mit einer ebenso unendlichen Wut auf die Familie, die nicht einmal seinen letzten Wunsch erfüllen wollte.

Liebe Violetta,
Du hast es sicher sehr gut gemeint mit diesem Lied. Der Text ist sehr einfühlsam und passt zu dem das ich denke. Nur bin ich im Moment nicht in der Lage mir ein solches Lied anzuhören gerade wegen Deiner Beschreibung. Es würde mich noch tiefer in die Traurigkeit reißen, vielleicht kann ich es mir in ein paar Wochen anhören, es wäre jetzt viel zu nah.

Von einem bin ich aber fest überzeugt:
Gilbert und ich werden uns wiedersehen.
Bis dahin wird Gott ihn halten und schützen.
Wenn es soweit ist, wird er uns wieder zusammenführen.


LG Claudia
Zuletzt geändert von Anonymous am Do 17. Apr 2025, 19:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 13 im Thema

Beitrag von Olivia »

Liebe Claudia,
Deine Worte rühren mich an und ich bin in Gedanken bei Dir - ich weiß, dass der Schmerz unüberwindlich erscheint und dennoch hoffe ich, Dir mit meinen Gedanken an Dich Trost und Zuversicht geben zu können. Deine Stärke wird Dir helfen!
Fühle Dich umarmt - liebe Grüße
Olivia
Violetta-TransFlower
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 14 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Liebe Claudia,
Claudia hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 16:10 Liebe Violetta,

vielen Dank für Deine, nein, für alle tröstenden Worte, ich ich hier erhalten habe.
Es ist mir ein Bedürfnis, Dir Unterstützung und Beistand, soweit dies mit Worten möglich ist, zu geben. (dr)
Claudia hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 16:10 Dieses "teilen" ist mit ein Grund, warum ich wiedergekommen bin. Als unsere Liebe hier im Forum langsam anfing, haben sich viele lustig gemacht und auch bezweifelt, dass es bei dem Altersunterschied (35 Jahre) lange halten würde. Wir waren uns sicher, dass es lange halten würde. Und es hat gehalten und hätte noch viel länger gehalten. Das wollte ich denen, die aus der Zeit vor 2015 noch hier sind und zweifelten, einfach so weitergeben.
Das sind Dinge, die wollen einfach nicht in meinen Kopf.
Da sind 2 Menschen, die haben sich gefunden (auch noch hier im Forum, was ich doppelt schön finde), sind glücklich miteinander und Andere zerreißen sich das Maul über den Altersunterschied oder Ähnlich unwichtige Dinge in diesem Zusammenhang. (arg)
Da steckt eine ganz ganz große Oberflächlichkeit dahinter. Vielleicht auch Neid und Mißgunst, ich weiß es nicht.
:((a
Ich werde solche Menschen niemals verstehen.

Claudia hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 16:10 Violetta CD hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 08:08

Claudia hat geschrieben: Mi 2. Apr 2025, 16:58
und dann die Mutter angerufen. Und was sagt mir diese (Beleidigungen gestrichen): "Da müssen wir einen Bestatter beauftragen." Grrrrrrr. Das waren ihre ersten Worte, keine Traurigkeit, kein Ausdruck der Trauer, nichts.

Gefühlskalte Menschen gibt es immer wieder, auch in meinem Leben.
Aber diese Reaktion ist in dieser Situation absolut unangebracht und unverschämt.
Und das als Mutter!!
Ich glaube, das ging wohl eher gegen Dich.

Wie meinst Du das? Was für einen Grund sollte es dafür geben? Was sollte die Mutter - mal rational betrachtet - gegen mich haben? Das mag jetzt komisch klingen, aber ich hatte mich in diesen 10 Jahren um ihren Sohn gekümmert, ihn versorgt, mehr als es die Familie vorher während des Studiums getan hat. Gilbert hatte es mal so formuliert: "In dieser Familie stehe ich ganz am Ende der Nahrungskette."

Das habe ich vermutet.
Da Du in vorigen Beiträgen über das angespannte und schlechte Verhältnis zu seinen Eltern gesprochen hast.
Schön, wenn es nicht so war, also daß es gegen Dich ging.
Aber die Reaktion der Mutter finde ich trotzdem sehr unangebracht, in diesem schweren Moment.

Claudia hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 16:10 Ich weine sehr viel so wie auch jetzt beim schreiben und wundere mich immer wieder, dass da noch Tränen sind. Häufig ist in meinem Kopf nur noch Leere. Dann wende ich den Kopf zu Gilberts Bild und alle Erinnerungen sind wieder da, die Erinnerungen an all das Schöne und Gute, das wir gemeinsam erlebt haben. Und gleichzeitig ist da wieder diese unendliche Traurigkeit verbunden mit einer ebenso unendlichen Wut auf die Familie, die nicht einmal seinen letzten Wunsch erfüllen wollte.
Ich wünsche dir immer noch viel Kraft und Zuversicht für das Zurechtkommenmit dieser schweren Situation und auch zukünftig.
Ganz bestimmt hilft Dir Dein Glauben auch sehr dabei und das ist auch gut so.

Claudia hat geschrieben: Do 17. Apr 2025, 16:10 Liebe Violetta,
Du hast es sicher sehr gut gemeint mit diesem Lied. Der Text ist sehr einfühlsam und passt zu dem das ich denke. Nur bin ich im Moment nicht in der Lage mir ein solches Lied anzuhören gerade wegen Deiner Beschreibung. Es würde mich noch tiefer in die Traurigkeit reißen, vielleicht kann ich es mir in ein paar Wochen anhören, es wäre jetzt viel zu nah.

Von einem bin ich aber fest überzeugt:
Gilbert und ich werden uns wiedersehen.
Bis dahin wird Gott ihn halten und schützen.
Wenn es soweit ist, wird er uns wieder zusammenführen.

Ja, es ist ein sehr trauriges Lied (cry) , hat aber auch sehr zuversichtliche Momente im Text.
Da es mich ganz stark emotional berührt, dachte ich, es passt hier gut.
Ich verstehe selbstverständlich, daß Du es im Moment nicht anhören kannst.
Wenn Du irgendwann in der Lage dazu bist, höre es Dir bitte an.
Mir selbst kommen wirklich immer wieder die Tränen bei den ersten Takten schon, wenn ich die Gitarre höre.

Ihr seht Euch wieder ! (na)

Weißt Du, gestern war ich wieder einmal bei meiner Friseurin.
Sie ist eine der wenigen Menschen in meinem Dorf, die mich und mein Dasein wirklich verstehen und sich auch damit auseinandergesetzt haben.
Und plötzlich vor ein paar Wochen, stirbt Ihr Bruder mit dem sie ganz eng war. Unendlich traurig.
Gestern hat Sie sich nichts davon anmerken lassen, wir haben fast nur über mich geredet, na ja ein wenig neugierig war Sie auch.
So ein lieber Mensch.

steht an Deiner Seite
Deine Violetta 💜


P.S.
Ich mache meinen Beitrag hier und auch anderswo nicht von anderen Themen abhängig, keineswegs, so bin ich nicht.
Meine Antwort hat bloß aus Zeitgründen etwas auf sich warten lassen.

Warum hast Du eigentlich kein Profilbild mehr, es war doch schön. ?
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
Stephania
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Re: Erst kam Phantasie, nun kommt Reales von mir

Post 15 im Thema

Beitrag von Stephania »

OMG!
Sowas dürfte keiner durchmachen müssen!
Auch wenn ich euch beide nicht kenne, hat mich diese Schilderung wirklich umgehauen. Ich sitze hier und weine mir die Augen aus.

Ich wünsch dir ganz viel Kraft das durchzustehen liebe Claudia!

Und ja, ihr werdet euch wieder sehen. Und ich weiß, dass er in jeder Minute bei dir ist und auf dich aufpasst.

Das ist meine tiefste Überzeugung.

Ich spüre meine Mama, die vor ziemlich genau einem Jahr von uns gegangen ist, immer noch an meiner Seite.

Nehm dich in den Arm und drück dich.

Steph
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