Vesta hat geschrieben: So 16. Mär 2025, 22:09
Jaddy hat geschrieben: Sa 15. Mär 2025, 19:03
Eine wichtige Info unterschlägt sie auch: Die Geschlechterverhältnisse gleichen sich bis zum Alter von 30 wieder aus.
Nein, eigentlich unterschlägt sie das nicht, denn das Geschlechterverhältnis ist nicht der Aufhänger, sondern der starke Zuwachs bei biologischen Mädchen, die ein Junge sein wollen. Noch vor 10, 15 Jahren waren Transmänner wesentlich seltener als Transfrauen. Seitdem hat sich das Gechlechterverhältnis bei Jugendlichen radikal geändert. Mein Psych hat mir erzählt, eine junge Klientin meinte. in ihrer Klasse hätten noch zwei weitere Mädchen so etwas.
Daher ist es sehr wichtig, an dieser Stelle Motivation und Behandlung zu hinterfragen. Da Transsexualität wesentlich präsenter in den Medien ist, mag es sein, dass so einige Mädchen das als Lösung völlig anderer Probleme suchen, während früher nur diejenigen, die unbedingt mussten, diesen Weg genommen haben.
Die ärztliche und psychotherapeutische Behandlung muss sich darauf einstellen.
Also: Das Verhältnis von trans Frauen zu trans Männern ist über alles betrachtet relativ stabil und zwar fast ausgeglichen (und zwar weltweit). Ebenso sind über alles gesehen ca 30% aller sich irgendwie zeigenden non-cis Menschen nichtbinär. Nicht ausgeglichen ist u.a. das durchschnittliche Alter, in dem sich trans Personen professionelle Hilfe suchen und das Verhältnis in dem sie sich HIlfe suchen. Und das führt zu einem sehr heftigen
selection bias, von mir auch Krafft-Ebing-Irrtum genannt: Die Profis selbst sehen nur das Sample, das ihnen selbst begegnet, aber nicht unbedingt das größere Bild.
Mal in Zahlen einer trans-Beratung in Hamburg:
Das innere Coming Out, also eine innere Klarheit über das eigene trans Sein, haben trans Jungen im 15,4. Lebensjahr und trans Mädchen erst mit 18,5 Jahren (Kost, 2024). Dieser Altersunterschied erklärt die großen Unterschiede bei den Behandlungseinrichtungen, in denen in diesem Altersabschnitt vor allem als Mädchen kategorisierte Jugendliche nach Unterstützung fragen.
[...]
In der therapeutischen Beratungsarbeit bleiben Kinder und Jugendliche eine kleine Gruppe. Das liegt an dem nach wie vor großen Abstand zwischen innerem Coming Out und dem Ergreifen von konkreten Schritten zur Transition. Den entscheidenden Impuls für das innere Coming Out geben die körperlichen Veränderungen in der Pubertät. Die unterschiedlichen hormonspezifischen Pubertätsverläufe sind eine mögliche Erklärung für eine frühere Entwicklung bei den trans Jungen.
Konkrete Schritte zur Transition, etwa das Aufsuchen einer Beratungsstelle, werden in der Regel erst im erwachsenen Alter unternommen.
und dann passiert folgendes
Der Altersschnitt war in den letzten Jahren stabil. Er liegt bei den trans Männern bei 24,6 Jahren. Vorher haben sie 3,6 Jahre vergeblich um Hilfe gesucht (21) und sind 3 mal abgewiesen worden. Vergleichbare Zahlen sind der Altersdurchschnitt beim Ausstellen des dgti Ergänzungsausweis mit 24,5 Jahren für das Jahr 2016 (Schaaf, 2019) und in der Studie von Kurt Seikowksi lag er ebenfalls bei 24 Jahren (Seikowski, 2019).
Die trans Frauen unternehmen deutlich später Schritte für eine Transition. Der Altersdurchschnitt für den Kontakt mit der Beratungsstelle liegt bei 30,5 Jahren. Vorher haben sie 3,5 Jahre vergeblich um Hilfe gesucht (27) und sind 2 mal abgewiesen worden. Vergleichbare Zahlen sind auch hier der dgti Ergänzungsausweis für das Jahr 2016 mit 37,9 Jahren (Schaaf, 2019) und bei der Untersuchung von Seikowski lag der Schnitt bei 35,5 Jahren (Seikowski, 2019). Der Abstand zwischen den Geschlechtern liegt bei 6 Jahren und nimmt leicht ab.
[...]
Dabei ist die Verteilung der Geschlechter unter den Menschen, die sich als trans definieren, seit Jahren stabil und liegt bei 1 zu 1,2, Frauen zu Männer.
Zu finden mit Grafiken in
https://www.cornelia-mertens.de/?p=18199 Ähnliche Zahlen von Georg Romer (
pdf, 2023) oder in diesem
Artikel) mit ausführlichen Quellen, usw.
Zur Steigerung allgemein zitiere ich mal aus der S2k Leitlinie (Einleitung):
Steigende Behandlungszahlen sind dabei kein spezielles Phänomen im Jugendalter. Sie sind im Erwachsenenalter in ähnlichen Relationen beobachtbar. So stieg nach einer aktuellen Hochrechnung auf der Basis von anonymisierten Versichertendaten der BARMER zwischen 2014 und 2019 deutschlandweit die Zahl neu begonnener hormoneller Behandlungen von unter 18-jährigen Jugendlichen mit Geschlechtsinkongruenz auf das 3,2-fache an (von ca. 330 auf ca. 1.060) und bei Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren im selben Zeitraum auf das 3,5-fache (von ca. 510 auf ca. 1.800).
Das ganze Kapitel zur Epidemiologie aka Häufigkeitszahlen der S2k-Leitlinie ist zu lang, um es hier zu zitieren. Darin steht aber insgesamt dasselbe: Die Geschlechtsverhältnisse sind im Alter von ca 30 wieder ausgeglichen.
Bemerkenswert auch dieser Abschnitt:
Eine viel diskutierte Beobachtung für das Jugendalter ist die in den vergangenen zehn Jahren zunehmende Veränderung der berichteten relativen Häufigkeitsverteilung zwischen den Geschlechtern (Sex-Ratio). Diese fällt bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten (z.B. Anmeldezahlen von Spezialkliniken) zugunsten des Anteils an geburtsgeschlechtlich weiblichen Jugendlichen aus. Hier wird in mehreren Studien übereinstimmend eine Sex-Ratio in der
Größenordnung von 80:20 angegeben ([viele Quellen]). Eine solche ungleiche Sex-Ratio findet sich in bevölkerungsbasierten Befragungen von Jugendlichen zu selbst empfundener nonkonformer Geschlechtsidentität nicht (siehe vorangegangenen Abschnitt 2.2), was dafürspricht, dass es keinen geschlechtsspezifischen „Trans-Hype“ insbesondere bei geburtsgeschlechtlichen Mädchen gibt. Die Diskrepanz bei den Sex Ratios zwischen repräsentativ erhobenen Selbstauskünften gender-nonkonformer Jugendlicher und selektiven Inanspruchnahmezahlen von Gesundheitsdiensten deutet vielmehr auf geschlechtsbezogene Unterschiede in der Schwelle zur Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen bei gender-nonkonformen Personen.
Wenn also wegen der Profession - Kinder- und Jugendpsychologie/Psychiatrie - nur Klientel bis 21 kommt, ist die eigene Statistik notwendigerweise verzerrt. Aber, Merksatz: Es gibt letztlich ziemlich genau so viele trans Männer wie trans Frauen.
Schlussfolgerung: Es ist gefährlicher Unfug trans Jungs wegen ihres früheren (pubertätsbedingten) Leidensdrucks und Hilfeersuchens zu unterstellen, sie seien gar nicht trans, nur weil sich in dem Alter (noch) nicht genausoviele trans Mädchen vorstellen.
Was ich allerdings infam finde:
"Die ärztliche und psychotherapeutische Behandlung muss sich darauf einstellen". Ja hallo? Die Therapeutys und Medizinys
sind darauf eingestellt! Vielleicht mal die ganze PK lesen/anhören und die Leitlinie lesen. Die ganze Leitlinie und die sieben Jahre Arbeit, sie zu erstellen, drehen sich genau darum, dieses Dilemma bestmöglich zu lösen, dass rund um die Pubertät einiges in Aufruhr ist. Gerade Pubertätsblocker sind doch der Weg, der betroffenen Person Zeit zu geben und in Ruhe zu reflektieren, wenn angesichts beginnender körperlicher Veränderung die helle Panik ausbricht.
Die anti-Propaganda stellt es so dar, als würden Blocker und später Hormone einfach so gegeben. Das ist nicht wahr.
Sie behaupten auch, Pubertätsverzögerung sei unerforscht und experimentell. Das ist auch nicht wahr.
Einige behaupten auch irgendwas von Operationen bei Minderjährigen: Reine Erfindungen - und zwar u.a.
weil, wenn es gut läuft, körperliche Entwicklung in die falsche Richtung verhindert wird und erst nach einer stabilen Entscheidungsfindung die richtige Pubertät stattfinden kann.
Natürlich findet vor irgendwelchen medizinischen Massnahmen ausführliche Psychotherapie statt und Blocker werden auch nicht vor Tanner 2 gegeben und erst nach allen notwendigen medizinischen Untersuchungen und mit entsprechender Begleitung gemäss der Erfahrungen mit GnRH Analoga seit über 40 Jahren. Sie werden maximal 1-2 Jahre gegeben, weil die geistige Reife und weitere Therapie dann die Entscheidung geklärt und gefestigt haben. Und zwar ohne dass sich Kids umbringen oder verstümmeln, weil dieser Körper für sie schrecklich wird.
Das System funktioniert erstaunlich gut. Viel besser als manch andere Versorgung und das angesichts äusserst knapper Plätze. Das zeigt sich an den bekannt niedrigen Detransitionsquoten von 1% und weniger, wenn später eine Transition eingeleitet wird.
Was allerdings immer noch vollkommen daneben ist, ist diese völlig oskure, frei erfundene Vorstellung von Psychoanalytiker*innen wie Fahrenkrug, jeder Mensch müsse eine binäre Geschlechtsidentität entwickeln; aka nichtbinäre Menschen seien quasi unfertig und deshalb therapiebedürftig. Um's mal ganz deutlich zu sagen: Die Denkmodelle von Freud, was gut, gesund und richtig ist oder wie Menschen ticken bzw sich entwickeln, waren und sind genau so ein Unfug wie Steiner'sche "Schauungen", Hahnemanns "Prinzipien", Schüsslers Mineralien Phantasien und Bachs Blüten-Mystizismus. Die jetzt genauso evidenzfrei fortzuschreiben in einem völlig aus der Luft gegriffenen geschlechtlichen Seelenmodell, ist im 21sten Jahrhundert wirklich nur als Scharlatanerie zu bezeichnen.